Podcast Summary: Make Economy Great Again
Episode: „Diese Sozialstaatskirche muss entweiht werden“
Date: January 28, 2026
Host: WELT (Ulf Poschardt)
Guest: Daniel Stelter (Economist)
Theme: Deutschland im wirtschaftlichen Niedergang – Wege aus der Stagnation
Überblick:
In dieser Episode diskutieren Ulf Poschardt und Daniel Stelter die aktuelle wirtschaftliche Stagnation Deutschlands, den zunehmenden Pessimismus unter Unternehmern, sowie den Reformstau im Sozialstaat. Sie vergleichen Deutschlands Situation mit skandinavischen Ländern, stark beeinflusst vom Auftritt der schwedischen stellvertretenden Premierministerin Ebba Busch beim Weltwirtschaftsgipfel. Im Zentrum steht die Forderung nach einer radikalen Deregulierung und einem Neustart im Sozialstaat.
1. Deutschland in der Wachstumskrise
- Die Hosts nehmen die Stimmung im Land auf: Unternehmen klagen über bürokratische Hürden, hohe Abgaben, steigende Regulatorik und ein innovationsfeindliches Klima.
- Die deutsche Wirtschaft stagniert, Investoren wenden sich ab.
- Quote, Ulf Poschardt (00:32):
„Deutschland muss wettbewerbsfähig sein. Mit 4-Tage-Woche und Work Life Balance werden wir den Wohlstand unseres Landes nicht erhalten können.“ - Daniel Stelter sieht eine Überregulierung und einen Verwaltungsapparat, der kleine Betriebe erdrückt und größere eindeutig bevorzugt.
2. Inspiration aus Skandinavien – Ebba Busch als politisches Gegenbild
- Rückblick auf den Weltwirtschaftsgipfel in Davos: Die beiden Hosts waren beeindruckt vom Auftritt der schwedischen Politikerin Ebba Busch, die mit Klartext und Energie auffiel (02:14).
- Busch fordert konsequentes Handeln, entschlossene Reformen, Tempo und „Klarheit in der Prioritätensetzung“.
- Quote, Daniel Stelter (02:14):
„Klare Gedanken und klar ausgesprochene Gedanken aus dem Munde von Politikern, das hört man ja nicht so oft.“ - Skandinavische Länder hätten zentrale Modernisierungsschritte geschafft und Migration, Energiepolitik und Kapitalkultur erfolgreich umgebaut (05:04).
- Busch stellt fest: „Wir brauchen Tempo, Tempo, Tempo.“ (Zusammenfassung Ulf, 04:40)
- Beispiel Energiepolitik: Schweden setzt auf günstigen Strom und den Ausbau von Atomkraft, um Industriestandort zu bleiben, während Deutschland mit dem Ausstieg international auffällt (07:00).
- Quote, Daniel Stelter (06:24):
„Selbst Robert Habeck könnte die Physik nicht außer Kraft setzen, was wahrscheinlich für Grüne überraschend ist.“
- Quote, Daniel Stelter (06:24):
Segment-Tipps:
- [02:14] Busch: Eindrücke von ihrer Performance und die Relevanz für Deutschland
- [06:24] Kritik an deutscher Energiepolitik
3. Bürokratie und Europäische Regulierung als Wohlstands-Killer
- CEOs in Davos waren sich einig: Ohne eine „disruptive Kehrtwende“ in der europäischen Bürokratie droht Wohlstandsverlust (13:20).
- Hürden im europäischen Binnenmarkt sind laut IWF/ECB oft höher als US-Zölle (14:13).
- Quote, Daniel Stelter (14:13): „Die EU-Kommission kümmert sich um alles Mögliche ... Die sollte sich Binnenmarkt kümmern.“
- Ulf Poschardt fordert: Legitime Kritik und „Delegitimierung der Selbstverständlichkeit einer überbordenden europäischen Idee“ sind notwendig, um dringend nötige Deregulierung einzuleiten (16:17).
- Quote, Ulf Poschardt (16:17): „Wir brauchen mehr Delegitimation der Selbstverständlichkeit einer Idee von Europa … wir brauchen eine Kehrtwende.“
Segment-Tipps:
- [13:20] Stimmen der CEO-Elite zur EU-Bürokratie
- [16:17] EU-Kritik als Hebel für Reform
4. Mittelstand, Selbstständigkeit & das Metzgerei-Sterben
- Fallbeispiel: Die Schließung einer 105-jährigen Metzgerei in Büttelborn symbolisiert den Niedergang kleiner Betriebe durch Bürokratielast, fehlende Nachfolge und verschärfte soziale Absicherungen (20:00).
- Bürokratie trifft Kleine überproportional (22:45); große Handelsketten profitieren, der Mittelstand leidet.
- Ausbildungskrise: 75% Rückgang an Metzger-Auszubildenden seit 2002, Überakademisierung führt zu Nachwuchsmangel im Handwerk (25:55).
- Konsumverhalten: Deutsche konsumieren billig statt qualitätsorientiert, Metzger und Bäcker verschwinden (23:45).
- Quote, Daniel Stelter (22:45): „Die Bürokratie belastet quasi überproportional die Kleinen und drängt die aus dem Markt.“
- Selbstständigkeit ist gesellschaftlich unattraktiv geworden: Heute nur noch 25% der Deutschen können sich vorstellen, ein eigenes Unternehmen zu führen (30:50).
- Quote, Daniel Stelter (30:50): „Nur ungefähr 25 Prozent der deutsche Bevölkerung können sich überhaupt vorstellen, selbstständig zu sein. Vor 25 Jahren waren das noch fast 50 Prozent.“
Segment-Tipps:
- [20:00] Fall Büttelborn – Bürokratie im Alltag
- [25:55] Nachwuchsmangel – Überakademisierung
- [30:50] Der Niedergang der Selbstständigkeit
5. Sozialstaatsreform: Modernisierung ohne echten Neuanfang
- Neueste „Reformen“ im Sozialstaat werden vorgestellt: Automatisierung, Digitalisierung, Zentralisierung, aber keine Einsparungen (31:06).
- Bürokratieabbau gelingt scheinbar nur bei Leistungen für Sozialtransfers, nicht für Unternehmen oder Bürger (31:50).
- Quote, Ulf Poschardt (31:50): „Bürokratieabbau klappt ja, aber er klappt nur dort, wo der Staat das Geld zum Fenster rausschmeißt.“
- Daniel Stelter bezeichnet die Umverteilungsbürokratie als „Frechheit“: Ressourcenbindung, mangelnde Effektivität, ineffiziente Verteilung (33:32).
- Die Reformergebnisse werden als zu langsam, ambitionslos und auf Jahre verschleppt kritisiert.
- Quote, Daniel Stelter (36:50): „Wir bauen jetzt sowas um... Das ist wie der Berliner Flughafen. Das heißt, die Politik möchte jetzt ein Modell vorbereiten, das in acht Jahren dem entspricht, was wir vor zehn Jahren hätten haben sollen.“
Segment-Tipps:
- [31:06] „Digitalisierung“ der Sozialverwaltung
- [33:32] Systemkritik: zu viele Ressourcen gebunden
- [36:50] Zeitverzug und Reformstau
6. Die Sozialstaatskirche – Zeit für einen kulturellen Kulturkampf
- Ulf Poschardt beschreibt die Verklärung des Sozialstaats als Ersatzreligion in der Bundesrepublik:
„Diese Sozialstaatskirche muss entweiht werden.“ (39:47) - Kritik: Der Sozialetat wird tabuisiert, radikale Reformen sind politisch und kulturell unmöglich.
- Die Autoren zeichnen ein Bild gesellschaftlicher Stagnation, ausgelöst durch das politische Mittelmaß und die Verankerung der Sozialstaatsliturgie.
- Quote, Ulf Poschardt (39:47):
„Die deutsche Sozialbürokratie verschanzt sich hinter dem, was in Deutschland gewissermaßen der spirituelle Kerngehalt der Bundesrepublik geworden ist.“ - Reformbedarf: Umdenken, radikales Ausmisten, mutige Deregulierung.
- Abschlusszitat, Daniel Stelter (43:01): „Ganz einfach weg. In der Schweiz ist es auch weg. Sozialer Ausgleich über staatliche Zuschüsse, aber weg.“
Segment-Tipp:
- [39:47] Die Sozialstaatskirche – Symbolik & Kritik
- [43:01] Abschluss: Radikaler Neuanfang gefordert
Notable Zitate und Momente
- Ebba Busch als Vorbild: Energiereiche, entschlossene Politik und Klartext als Inspiration für Reformstau-geplagte Länder.
- Soziale Tabus: Die Hosts positionieren sich als „Reformatoren“ gegen die „Sozialstaatskirche“.
- Vergleich mit Skandinavien: Mut zur Deregulierung, Kapitalmarktkultur, Umgang mit Migration.
Zusammenfassung & Fazit
Das Gespräch streift mit viel Sachverstand, Ironie und Unmut zentrale Themen der deutschen Gegenwart: Wirtschaftliche Stagnation, politische Lähmung, Bürokratiekrise und die Unfähigkeit zum großen Wurf in der Sozial- und Wirtschaftspolitik. Die Hosts werben für mutige, radikale Reformen nach skandinavischem Vorbild und fordern ein Ende der „heiligen“ Sozialstaatsliturgie, die echten Fortschritt und Wettbewerbsfähigkeit verhindert. Brennende Fragen nach Unternehmens- und Gründungsfreundlichkeit verbinden sie mit einem gesellschaftlichen Appell: Deutschland braucht mehr wirtschaftlichen Wagemut, weniger Zentralbürokratie – und einen kulturellen Kulturkampf gegen verkrustete Narrative.
Für Hörer, die die gesamte Sendung nicht hören können, bietet diese Zusammenfassung die wichtigsten Argumentationslinien, Kernkritikpunkte und Anregungen zum Weiterdenken – inklusive passender Zitate und Zeitangaben für einen gezielten Wiedereinstieg in einzelne Themenfelder.
