
Mit Daniel Stelter und Ulf Poschardt
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Ulf Poschardt
Guten Morgen, guten Abend, gute Nacht. Hier ist der Podcast, über den niemand mehr lacht. Wir haben gelernt, dass wir mit unserer schlechten Laune ansteckend sind. Und wir werden heute im Podcast besprechen, warum wir auch die Unionsfraktion unter Umständen angesteckt haben mit unserer gut gelaunten schlechten Laune, warum wir unter Umständen sogar weite Teile der Bevölkerung angesteckt haben mit unserem ökonomischen Sachverstand. Also ehrlich gesagt, davon kann man bei mir nicht reden. Das ist ja Daniels ökonomischer Sachverstand. Aber meine ernsten Nachfragen dazu. Wir werden darüber sprechen, nämlich dass immer weniger Bundesbürger glauben, dass diese Regierung in der Lage ist, die notwendigen Wirtschaftsreformen so zu treffen, dass es wirtschaftlich besser geht. Wir werden dann aber über eine Entscheidung der vergangenen Woche sprechen wollen, wo die Koalition entschieden hat, das Bürgergeld de facto abzuschaffen. Ist das so oder ist es nicht? Und wie kann man das noch radikaler denken? Da gucken wir vielleicht auf Griechenland. Und dann habe ich mir ja angewöhnt, wenn Daniel mit so viel Sachverstand ums Eck kommt, komme ich mit Pointen ums Eck, weil ich als Philosoph immer sehr beeindruckt bin, wenn ich entweder gestandene Mittelständler wie den Andreas Herb, der ein Influencer ist, treffe und dann auch hatten wir Studenten der Zeppelin Universität, angehende Manager und Startuper. Und ich kann mal so ein bisschen berichten, wie unsere vermeintlich schlechte Laune eigentlich sehr gut harmoniert mit dem, wie viel Sorgen sich die Menschen in der Wirtschaft und angehende Professionals in der Wirtschaft machen und um positiv in diesen Podcasts zu starten, wie sie weiterhin absolut unermüdlich sind.
Podcast Announcer
Alle wissen, dass es Veränderungen braucht und diese nötig ist.
Ulf Poschardt
Deutschland muss wettbewerbsfähig sein. Mit 4 Tage Woche und Work Life Balance werden wir den Wohlstand unseres Landes nicht erhalten können.
Podcast Announcer
Make Economy Great again. Wie Deutschlands Wirtschaft wieder boomt. Der Podcast mit Ökonom Daniel Stelter und Weltherausgeber Ulf Poschardt.
Ulf Poschardt
Realistisch und vielleicht auch sehr skeptisch auf die Lage des Landes und des Kontinents zu blicken, heißt nicht, dass man aufsteckt. Das wäre wirklich furchtbar. Und mit diesen pathetischen, fast schon Frank Walter Steinmeier artigen Worten begrüße ich den großartigen Daniel Stelter. Hallo Daniel.
Daniel Stelter
Hallo Ulf. Schön, dich zu sehen und zu hören. Ganz kurz auch von meiner Seite zur Ich bin auch gegen das Aufstecken. Ich meine, wir machen diesen Podcast hier, wir sind beide noch in Deutschland, zahlen brav unsere Steuern hier, wir lieben dieses Land, wir haben nicht aufgesteckt, wir kämpfen ja noch. Wobei ich dazu sagen muss, dieser Kampf kommt manchmal schon so ein bisschen dem Kampf gegen Windmühlen gleich. Insofern aber nicht aufstecken, nicht aufgeben, Darum gibt es ja noch große Potenziale in dem Land. Also insofern, du siehst mich ja long time horizon, very optimistic für die Welt eigentlich auch Deutschland, kurzfristig haben wir Hausaufgaben zu machen. Ich würde mir halt wünschen, die würden gemacht werden. Ich glaube, wir reden eigentlich über Hausaufgaben. Wir reden über Room for Improvement, wie es so schön heißt. Wir reden, dass man besser machen kann. Es gibt noch gute Sachen in Deutschland, gar keine Frage.
Ulf Poschardt
Was ich ja gelernt habe im Umgang, als ich vor 20 Jahren anfing, immer mehr den Wirtschaftsteil und nicht mehr so viel das Feuilleton zu lesen, dass wenn man mit Managern und Unternehmern sprach, dass die nie gesagt haben, wir haben ein Problem, sondern wir haben eine Herausforderung. Also man hat eigentlich nur Herausforderungen, sind dornige Chancen, Blablabla, der ganze LinkedIn Schmodder, aber du hast die Spur gelegt, Aufstecken ist keine Option. Ich stelle mir Don Quichotte und den Sancho Panzer eigentlich als irre gut gelaunte Vögel vor. Und von Camus kommt ja dieser wunderbare Satz, man muss sich Sisyphus als einen glücklichen Menschen vorstellen. Und ich möchte mit niemand anders als mit dem super coolen Daniel stelt, der jeden Podcast diesen Stein den Hügel raufrollen und wir gucken dann oben oben runter, wenn er wieder runterrollt und dann hopsen wir, Also ich hopse und Daniel elegant läuft runter in das Tal und dann rollen wir beim nächsten Mal wieder hoch. Wir starten mit einer überraschenden Berichterstattung, die ich natürlich bei Welt DE gelesen habe, wo es vor den Koalitionsgipfel noch mal um ein Stück Stimmungsbild aus der Unionsfraktion ging. Und da hatte ich so ein bisschen das Gefühl, und ich weiß es ja auch von dem einen oder anderen MdB, der mir schreibt oder die mir schreibt, dass sie den Podcast wirklich gerne hören. Ich weiß gar nicht, ob man es mittlerweile heimlich hören muss in der Unionsfraktion. Und da wurde anscheinend oder scheinbar sehr klartextig gesprochen, hängen geblieben sind wir die beeindruckend unmissverständlichen Formulierungen von Gitta Conem, die auch Mit Chefin ist, also die Mittelständler in der Union vertritt und einmal mehr Johannes Winkel, der Chef der Jungen Union, jetzt ein junger MdB, der auch noch mal deutlich gemacht hat, dass es bei der Rentenkonzeption so nicht weiterging. Und deutlich geworden ist natürlich auch, dass angesichts der wirklich bescheidenen Umfrageergebnisse für die Union, es gab jetzt die Woche von einem kleinen Institut auch das erste mal eine 23 bei der Union, also 23 Prozent. Wir erinnern, das all time low war mit Laschet mal 19 Prozent, aber da ist Merz als Hoffnungsträger der klassischen Unionswähler gar nicht mehr so weit entfernt. Das ist eher katastrophal. Und es gibt in der Stimmung in der Bevölkerung 71 Prozent unzufrieden mit der schwarz-roten Regierung und die Kanzlerzustimmung ist jetzt bei ein bisschen mehr als einem Viertel der Bevölkerung ist man damit zufrieden und da freuen wir uns auch, stand auch in der Welt, was heißt wir freuen uns. Aber ich glaube, das ist ein gesellschaftlicher Realismus, der eigentlich für die dornigen Chancen gut ist. Die Wirtschaft ist Problem Nummer eins. Ich glaube, es hat damit zu tun, dass es immer mehr Menschen spüren und ich glaube, das hat auch den Koalitionsgipfel geprägt. Daniel, wie blickst du auf die Union? Wie blickst du auf diese Unruhe in der Union? Und wir wollen ja keine Politikberatung machen, aber siehst du da einen Weg, wie die Union aus dieser Selbstmelancholisierung ausbrechen könnte?
Daniel Stelter
Also Zum einen die 23 Prozent. Ulf In der Umfrage für die Union, da denke ich ja immer, man dürfte nicht vergessen, dass die Union ja nicht einheitlich die Union ist, sondern die Union ist ja CSU und CDU. Ich würde mir wünschen, wenn jedes Mal ausgewiesen wäre, wie denn der Anzahl der CSU dabei ist. Ich würde sagen, die CSU ist natürlich weit stärker im Schnitt, als die Union sonst ist. Das heißt, was wir hier erleben, ist wahrscheinlich nochmal außerhalb von Bayern noch einen viel stärkeren Einbruch. Da sagt es natürlich naja, wir machen sich lustig über die SPD, aber wir betrauern die SPD im Niedergang. Aber dann ist die Union ohne CSU auch nicht mehr so wahnsinnig weit von diesen Werten entfernt. Ich habe die ersten persönlichen Kontakte mit Unternehmern, aber auch mit Ökonomen, wo dann gesagt wird nach dem naja, Der März ist eh in einem Jahr ausgetauscht, nach dem Wir glauben nicht, dass die Union am März festhalten wird. Dann kommt natürlich meine Wer kommt dann? Und dann wissen wir beide, wenn es dann wüst wird, dann ist es, glaube ich nicht das Signal, was die Wirtschaft sich erhofft oder was sich viele Wähler erhoffen. Also es wird dann sehr spannend werden. Auf jeden Fall. Ich finde es erstaunlich. Die Regierung ist 150 Tage im Amt und im Herz ist es jetzt, glaube ich, unbeliebter, als es Herr Scholz war. Und es gibt die erste Diskussion über wer folgt ihm nach? Also insofern ganz klar keine angenehme Situation. Nur woher kommt das? Und da sind wir wieder bei dem Thema, was wir immer wieder hatten. Du hast die Umfrage angefangen, du hast zwei verschiedene Dinge angesprochen. Die Umfrage ist schon erstaunlich. Die Frage Wie schätzen Sie die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands in den nächsten 12 Monaten ein? 45 Prozent sagen wird sich verschlechtern.
Ulf Poschardt
32 Prozent 900 Milliarden. Also wenn ich an der Stelle Daniel ganz kurz noch mal einschieben darf, für diejenigen, die jetzt nicht jeden unserer Podcast gehört haben, die Idee von Friedrich Merz bei Amtsantritt oder schon nach dem vermeintlichen Pippi Wahlsieg. Wir wollen bis zum Sommer einen Stimmungsumschwung haben mit Entscheidungen, die dazu führen, dass Zuversicht ins Land zurückkehrt. Punkt. Also das macht deutlich, wie weit davon entfernt die Union gelandet ist.
Daniel Stelter
Ja, und er hat gleich mit dem Brechen des Wahlversprechens Schuldenbremse. Wir haben darüber auch diskutiert. Ich bin ja überhaupt nicht gegen Schulden, aber ja, können wir aber vertiefen. Aber der Punkt ist halt, ich bin für die Verwendung der Schulden verwendet werden. Ich bin auf die Art und Weise, wie es gemacht wird. Nur wir haben den Verschiebebahnhof jetzt. Aber im Prinzip ist es so, er hat eigentlich der SPD was ganz Tolles gegeben. Er hat nämlich ihr gegeben. Wir haben ja finanziellen Spielraum für viele Dinge und die Gegenleistung bleibt aus. Ich meine, Frau Bas ist dabei, ein Gesetz nach dem anderen einzubringen, was im Prinzip bei der Ampel nicht mehr abgewickelt wurde. Also eigentlich Ampelgesetze. Wir haben letzte Woche auch das Tariftreuegesetz im Bundestag gehabt, wo die Frage aufwerfen sag mal, haben wir nicht andere Probleme? Wir wollen reden von Bürokratieabbau, ein weiteres Bürokratiethema. Und da wird gesagt, Ja, wir müssen die schützen. Ganz ehrlich, mit Blick auf die demografische Entwicklung, auf den Fachkräftemangel, auf den Mitarbeitermangel generell werden Löhne sowieso steigen. Da musst du gar keine Instrumente, die sie implementieren. Also das völlig falsches Signal. Wir reden immer von Bürokratieabbau, verabschieden sowas. Und da hätte ich mir halt erhofft, dass eben die Union als Gegenleistung für das viele Geld, was sie mobilisiert hat, zugestimmt hat, eben etwas bekommt. Das bekommt sie eben nicht. Und das zeigt sich eben an der Umfrage. Wenn wir zurückkommen auf die Umfrage, 45 Prozent sagen, wird sich verschlechtern und 32 Prozent sagen in etwa gleich. 32 Prozent sagen etwa gleich, jetzt ist es ja im Ist ist es nicht gut. Wir haben ja tagtäglich die Nachrichten von irgendwelchen Arbeitsplatzverlusten. Wir diskutieren, wie Stellen verloren gehen. Wir diskutieren Existenzkrise, heißt es jetzt bei der Automobilindustrie. Wir reden über die Existenzkrise in der Stahlindustrie. Wenn du sagst, es bleibt so, ist es auch keine gute Nachricht. Und nur 14 Prozent sagen, es wird sich verbessern. Jetzt kann man Na gut, wir sind damit noch besser als Frankreich, wo nur sechs Prozent glauben, es wird sich verbessern Und Großbritannien ist eh nicht schlechte Stimmung, nur es nützt uns ja nichts. Ich meine, es nützt uns ja nichts, uns mit Schlechteren zu vergleichen. Ich sage immer, man soll sich mit Besseren vergleichen und da gibt es welche, die besser sind. Sogar Spanien ist besser, Klammer auf, nicht, dass das spanische Modell jetzt nachhaltig ist, glaube ich nicht, dass der wirtschaftliche Aufschwung jetzt nachhaltig so sein wird, weil stärkste getrieben ist von Tourismus und anderen Sonderfaktoren. Aber man muss einfach konsidieren, man kann es besser machen. Und Ich finde mit 900 Milliarden, wie du schon sagst, eigentlich stimmt es gar nicht. Es sind eigentlich viel mehr. Es sind eigentlich die 500 Milliarden und dann die Verteidigung ist ja plus X. Das kann viel mehr werden, sollte man eigentlich in der Lage sein, mehr zu erwirtschaften. Und das scheint nicht zu gelingen. Also vor dem Stimmungsumschwung hätte man machen können, aber nicht, indem man immer von Reform Herbst und Frühling und ähnlichem spricht. Man muss auch echte Reformen machen. Und wir haben letzte Woche auch da gesehen, Stichwort neue Grundsicherung statt Bürgergeld, dass dann eher mit Etiketten gearbeitet wird. Als mit echten Reformen.
Ulf Poschardt
Ja, Daniel, ich finde deine Analyse stimmt. Mein Verdacht ist aber, das ist wahrscheinlich wieder getrieben von meiner Fixierung auf kulturell sprachliche Verfasstheit unserer Wirklichkeit, dass Menschen das Politikvertrauen verlieren in zwei Schritten. Nämlich wenn ein sogenannter Hoffnungsträger, und ich kann ja nicht anders sagen als Friedrich Merz, war auch für mich ein Hoffnungsträger, ein Mann aus der Wirtschaft, ein Mann, der konservativ war, ein Mann, der auch in der Lage war, siehe Abstimmung damals auch mit Stimmen der AfD, also ein Mann, der sich traut auszuscheren aus dem rot rot grün kulturell medial verfestigten Trampelpfad, links ist vorbei. Bei einer seiner Sachen hat man gedacht, ui, endlich, die haben die Wirtschaft gegen die Wand gefahren und wir machen einen Herbst der Reformen. Und ich glaube, dieser Zweischritt aus Enttäuschung, die erste Enttäuschung praktisch bevor er anfing mit der Regierung, hat die Schuldenbremse gekillt. Nochmal Props an Christian Lindner und seine FDP. Und dann aber, glaube ich, sind die Menschen nicht dumm und sie haben ein gutes Erinnerungsvermögen. Dieser Herbst der Reformen, das wurde nicht nur einmal, zweimal, dreimal gesagt. Und dieser Satz, wir wollen noch in den ersten 100 Tagen, wir wollen noch bis zur Sommerpause hin so viel entscheiden, dass wir einen Stimmungsumschwung hinbekommen. Und wenn die Menschen dann merken, das ist eigentlich ein sehr, sehr nachvollziehbarer Common Sense Approach. Du, das hat er mir erzählt, ich habe ihm vertraut, ich habe ihm geglaubt, ich habe denen vertraut, ich habe denen geglaubt und jetzt nichts davon wollen die mich verarschen. Also so sagen wir in Franken, ich bin mir sicher, in den bürgerlichen Vierteln redet man ganz anders, das hätte ich mir anders gewünscht vielleicht. Aber ich glaube, da entsteht eine Stimmung, die deshalb toxisch ist, weil sie nicht nur Enttäuschung über die Union und Herrn Merz ist, sondern ans Vertrauen in das politische System selbst rührt. All die Sätze, all die gebrochenen Versprechen, all die Sonntagsreden, all die Ruckreden, Frau Merkel, es wird alles super, wir schaffen das. Olaf Scholz, wir werden ein Wirtschaftswachstum, so und so grüne Plakate, erleben Sie das grüne Wirtschaftswunder. Die Menschen sind nicht dumm. Und jedes Mal, wo man die Liebe zur Parteiendemokratie und dem, was da als Utopie und Versprechen auftaucht, enttäuscht, stirbt ein Stück Vertrauen in die Handlungsfähigkeit dieser Politik. Bevor wir über vielleicht das Bürgergeld als eine Option sprechen, wie es vielleicht anders gehen könnte, noch ein letzter Punkt in diesen Umfragen. Also wir haben gemerkt, in der Union gibt es Rebellion, kann man nur sagen, mehr davon schärfen. Hört mal auf, die Dinge schönzureden. Ich frage mich, wenn ich Unionsabgeordneter oder Kommunalpolitiker, kriege ja viele Einladungen, kommen sie doch mal vorbei, blablabla. Und wenn die uns mich einladen, dann weiß ich ja, sie wissen auch, wie wir das sehen. Wie geht es dem beim Kontakt mit der Basis? Weil ich mir bei Unionswählern eigentlich gar nicht anders vorstellen kann, als Sie Sag mal, seid ihr verrückt geworden? Im Landkreis nebenan passiert das bei mir in der Nachbarschaft passiert das und so weiter. Kurzum, ich hoffe, dass die Unruhe in der Union zunimmt. Und gleichzeitig muss man die Union im Augenblick ja weiterhin mit dem Alleinvertretungsanspruch für wirtschaftliche Ökonomie, für wirtschaftliche Politik und ökonomischen Sachverstand in der Bundespolitik, nachdem die FDP ja tot ist, leider. Wenn das Hauptproblem in den Umfragen für die Bürger ist, Wirtschaft ist Problem Nummer eins, dann mandatiert das eigentlich eine Partei, die als Partei von Ludwig Erhard in der Lage sein müsste, das für sich zu nutzen, weil Die Kompetenz hat zum Beispiel die AfD ja überhaupt nicht. Und insofern sehe ich da wirklich eine dornige Chance. Aber das kann nur dann eine Chance sein, wenn die Union mit einer ganz anderen Klarheit und Schärfe und einem ganz anderen Risiko jene wirtschaftlichen Punkte anspricht, die wir in dem Podcast, ich würde fast sagen, manchmal bis zum Erbrechen runterbeten.
Daniel Stelter
Aber weißt du, Ulf, es gibt vielleicht einen Grund dafür, warum die Politik vielleicht doch einige glauben, sie kommen damit durch. Weil diese Umfrage, die du angesprochen hast, da gab es noch einen weiteren interessanten Aspekt. Die Frage, welche zwei Herausforderungen, welche zwei Probleme sind derzeit die wichtigsten Herausforderungen? Kunst ist es, zwei nennen und auf platz eins landet die wirtschaft. 37 prozent der befragten nennen wirtschaft auf platz zwei nennen migration, 30 prozent auf platz drei schere zwischen arm und Reich, haben wir auch schon oft diskutiert. 18 Prozent Infrastruktur, 16 Prozent, dann geht es so weiter runter und mit 4 Prozent taucht auf Arbeitslosigkeit. Da siehst du schon mal den ersten Schlüssel weil der Niedergang der Wirtschaft sich anders als vor 20 Jahren nicht in Arbeitslosigkeit zahlt, in dem Maße sie steigt zwar langsam an, aber nicht in dem Maß niederschlägt, ist das nicht so pressing, weil Leute gehen halt früher in Rente oder irgendwie werden da versorgt. Das heißt, wir verlieren zwar ganz wertvolle Arbeitsplätze, hochbezahlte, gut bezahlte Arbeitsplätze in der Industrie, also im Prinzip die Säule des deutschen Wohlstands verlieren wir, aber weil die Aussicht nicht so ansteigt, hast du nicht den politischen Druck. Das andere, wenn ich anmerken darf, was mich in der Umfrage gefreut hat, ist, dass Umwelt und Klima mit 11 Prozent sozusagen nicht mehr so hoch in der Liste ist. Nicht missverstehen, das sind beide wichtige Themen, aber es ist gut, wenn man sie in der richtigen Reihenfolge bearbeitet, weil nur eine starke Wirtschaft kann auch Umwelt und Klimaschutz betreiben. Es hat keinen Sinn, Klimaschutz zu betreiben und selbst zu deindustrialisieren. Auch das haben wir diskutiert. Was ich dann noch interessant finde, ist, dass energieversorgung nur von 7 Prozent genannt wird. Und ich finde halt, du weißt das ja, Energieversorgung und Wirtschaft, das hängt eng zusammen. Das kann man sagen, ist oben mit abgefackelt, aber das sind so Themen, wo ich sagen würde, das müsste noch mehr ins Bewusstsein kommen, dass das im Prinzip eigentlich der große Schlüssel ist, um eben auch wirtschaftlichen Themen zu klären. Und darüber hinaus muss ich sagen, Bildung, auch das kommt sehr weit unten in der Liste, nur 7 Prozent. Ihr wisst, unser Bildungssystem hat massive Probleme. Stichwort jeder vierte Viertklässler kann nicht lesen, rechnen oder schreiben, Stichwort PISA Absturz etc. Also für mich ist eigentlich die Liste ist gut, nur ich würde einfach sagen, die Hütte brennt viel mehr als das, was sozusagen diese Umfrage zeigt. Und ich würde wahrscheinlich bei vielen Themen einfach sagen, die müssen gesamthaft angegangen werden, hängen einfach zusammen. Und insofern ist, glaube ich, der Druck noch nicht groß genug. Die Leute haben immer noch nicht, wahrscheinlich wegen der Thematik Arbeitslosigkeit, die es selber noch nicht betrifft, dann haben wir noch nicht so einen richtig starken Druck da. Umgekehrt glaube ich, wenn ich das sagen darf, glaube ich fest, dass die Bereitschaft der Bevölkerung für Reformen wahrscheinlich sogar weitergeht, als die Politik denkt. Weil ganz ehrlich, wenn auf der Straße jemand fragst, Rente, alle wissen, dass es nicht geht, Ich meine, wie war es das Volkshochschule Sauerland lang doch schon oder wie hat es doch der Müntefering damals gesagt? Das gilt auch heute noch. Vor dem Hintergrund glaube ich oder wäre meine Vermutung, dass eine Bevölkerung die Einsicht in die Notwendigkeit von Reformen deutlich größer ist, aber angesichts dieses Theaters, was aufgeführt wird in der Politik, dadurch die Bereitschaft mitzugehen sehr gering ist. Und das können wir zum Bürgergeld gerne kommen. Ich kann ganz ehrlich sagen, dass die ersten Nachrichten, die ich zu den Beschlüssen gehört habe, waren die Meldungen, dass Frau Hasselmann irgendwie gemeint hat, die Union, die SPD wären Partei der sozialen Kälte und sie wird jetzt ganz furchtbar. Und dabei dachte ich mir, wenn das der erste Punkt ist, wenn man zu einem Sanktionsregime zurückkehrt, was es früher schon mal gab, wo also wirklich nicht soziale Kälte die erste Reaktion ist, dann sehen wir einfach politisches Theater. Es fällt dieselbe Kategorie. Wenn Gastkräfte von Herrn Habeck kommen, sind sie gut, wenn sie von Frau Reiche kommen, sind sie schlecht. Und das schadet meines Erachtens der politischen Diskussion und dem Klima und auch der Lösungsfähigkeit für die Probleme in diesem Land.
Ulf Poschardt
Bevor ich dann auch was zum Bürgergeld sage und in der Tat vielleicht auch eine grüne Brücke in die Diskussion baue, deine Wahrnehmung dessen, wie die breite Bevölkerung, die ja, und das ist einer der ekelhaftesten Charakterzüge des Shitbürgertums, die ja ständig paternalisiert werden, also dieser belehrende von oben herabton ist ja nicht nur da, wenn es um Handlungsanweisungen geht, wie man zu denken, zu sprechen und so weiter hat und welche Medien man konsumieren darf und welche eher nicht und welche Medien man Gewalt androhen kann und welchen nicht und welchen Publizisten und Intellektuellen man insinuieren kann, wenn er erschossen wird, dann ist er eben so, wie Dunja Hayali das gesagt hat, alles Mögliche, was dann auch nicht stimmt. Das ist ein paternalistischer Gestus. Wirklich interessanter ist eigentlich dieses, naja, wir lassen sie mal alle vier Jahre Abstimmung, aber eigentlich muss die Demokratie von Eliten so gegängelt werden, dass nach demokratischen Abstimmungen, wo die Leute einen Politikwechsel wählen, dieser mit irgendwelchen Rabulismen verhindert werden. Und meine Wahrnehmung ist auch, dass in der Bevölkerung mehr ökonomischer Sachverstand ist als in jeder Talkshow, dass die meisten Talkshows weiterhin geprägt sind von antifaschistischen Kampf, als wären wir, ich weiß nicht, 1932 oder vielleicht schon 34, I don't know, von sinnlosen Kulturkämpfen von off topic linken Radikalen, die dort sich austoben dürfen und die Bevölkerung eigentlich ganz klar sortiert ist, weil sie merken, abseits der staatsalimentierten, subventionierten Zwangsgebühren, finanzierten Publizistik von den NGO Kostgängern, das geht so nicht weiter. Ich finde ja auch bemerkenswert ein bisschen off topic, aber ich muss es einfach loswerden. Vergangene Woche gab es ja auch von Trump einen großen Triumph, erste Schritte in Frieden. Die Geiseln kommen möglicherweise frei, die israelischen und der gesamte Fanblock der Hamas. Und als anderen kann man nicht Der weite Teil deutscher Intellektueller, des Kulturbetriebs und der Medien ist eigentlich härter drauf als die Hamas. Die Leute in Gaza jubeln und die Kritik auch deutscher Spitzenmedien an Trump hält unvermindert an. Da sind vermeintliche Nahost Experten, die wirklich ekelhaftes Zeug in den Talkshow Ich meine, die Hamas sagt, wir freuen uns darüber und dieses Milieu, was uns auch wirtschaftspolitisch voll gegen die Schrankwand gefahren hat, sind selbst da anti westlicher, antidemokratischer und eigentlich kaputter als die Hamas. Das muss sie sich mal reinziehen. Und da freue ich mich halt immer zu sehen, dass es im Fußballstadion nach einem antisemitischen Anschlag mehr Anstand gibt der Fußballfans und mehr Solidarität mit Israel und der jüdischen Bevölkerung, in dem Fall Manchester United, als bei den Intellektuellen. Und jetzt auch wieder. Und meine Lieblingsszene ist E. Und dann kommen wir zu den Grünen. Wie die nordirischen Fans in Köln einfach so eine Palästinenser Demo einfach höhnisch begleiten und man sieht die Palästinenser, die hier jeden angehen, merken, oh, mit britischen Fußballfans, in dem Fall nordirischen, legen wir uns nicht an, weil die haben Cojones, die haben sozusagen eine Wehrhaftigkeit, die die auch ausstrahlen. Und dann spuren die anti westlichen Vögel, die dort demonstrieren. So die Grünen haben das Bürgergeld als soziale Kälte. Frau Hasselmann hat sich wirklich übertroffen im Schmerz darüber, dass es zu einer klitzekleinen Selbstverständlichkeit kommt, nämlich dass Leute wie wir Faulenzern, totalverweigerern tu nicht gut ihr Leben bezahlen müssen und dass sie es nicht schaffen, bei drei Terminen irgendwo aufzuschlagen. Es macht deutlich, die Grünen sind keine Partei der Mitte, die Grünen sind eine linke Partei. Und um nochmal das Wirtschaftsthema aufzunehmen, besonders amüsiert hat mich in der vergangenen Woche, wie Winfried Kretschmann, der sein Bundesland komplett an die Wand gefahren hat, wirtschaftspolitisch, verkehrspolitisch, bildungspolitisch, dann sagt, wir müssen Offenheit zeigen beim Verbrenner aus. Also das ist so, genauso wie bei der Energiewende. Also wir fordern das, wir verursachen diesen totalen Verkehrsunfall, diese Geisterfahrt und dann, wenn es praktisch alles zerschellt, oh oh nein, wir müssen flexibel, also dass der Typ sich nicht schämt und noch schlimmer, dass er in vielen Medien, bei vielen Intellektuellen, ja, es ist ein Konservativer, Winfried Kaczmann, das ist vielleicht eine tiefere Wahrheit, das ist ein Konservativer, wie die Linke sich gebastelt hat, so ein Konservativer, der zurück will in die er Jahre, als er noch linksradikal war und dann zumindest offen antikapitalistisch war, dann hat er seinen ganzen Schmonz gemacht und jetzt steht er da und steht vor den Trümmern dessen, was er angerichtet hat. Cem Özdemir, der dann auch so sagt, wir brauchen mehr Flexibilität, der macht dann so im Deutschlandfunktion die Rede, ja, ob wir jetzt ein Jahr früher oder später wahrscheinlich meint er, oder später Verbrenner aushaben, so dieses sich aus dem Wind drehen, keine Selbstkritik, keine Verantwortung für die Fehler zu machen, das ist einfach beispiellos. Bürgergeld ist, glaube ich, mehr oder weniger abgeschafft. Ich halte es nur für einen klitzekleinen Anfang. Ich glaube, symbolisch ist es hoch wichtig. Da hat ja Daniel Stelter in seinem Super Podcast, ich kann ihn immer und immer wieder nur empfehlen, darauf hingewiesen, dass es ökonomisch gar nicht so viel bringt. Aber es ist symbolisch ein Zeichen ist, dass auch diese Mehr vom Sozialstaat, dass es immer mehr, mehr, mehr sein muss, sich eben nicht fortsetzt. Ich glaube, das ist der eigentliche politische Erfolg. Es müsste noch viel, viel mehr kommen. Und die ganzen Leute, die da demonstrieren jetzt dagegen, sozialen Medien sind voll davon, das sind alles Loser, das sind looser, die Texte rich haben, weil sie selber nicht rich sind, die betteln müssen, wenn ihr Laptop kaputt ist, GoFundMe machen, wer spendiert mir einen Laptop, damit ich so meine Shit Moral weiter über alle hart arbeitenden Bürgerinnen und Bürger kippen kann. So, und dieses Milieu hat lange genug das Sagen gehabt und die müssen jetzt einfach ein bisschen mehr die Klappe halten und die Union muss sich mehr an den Leuten orientieren, die all diese Halb und Totalversager alimentieren, die Nettosteuerzahler, die klassischen Familien und so weiter. Die Union muss Wir sind für euch da und wir sind für den Mittelständler da und wir sind für die Leute da, die mit großem Ehrgeiz in diesem Land durchstarten wollen.
Daniel Stelter
Ich habe vorhin schon gesagt, es ist vor allem Namensänderung. Es heißt mehr Bürgergeld, weil es war ja so eine Art Bürgergeld war ja schon auf dem Weg zu einer Art bedingungslosen Grundeinkommen. Das war ja so das, was ja eigentlich die Vorstellung der Linken war. Darum war es mit Bürgergeld einen anderen Namen. Jetzt heißt es eben neue Grundsicherung oder Grundsicherung. Diese Namensänderung ist wahrscheinlich der größte Teil der Reform. Ich glaube, er hat eher einen psychologischen Aspekt, weil die wenigsten in der breiten Bevölkerung hören uns auf Podcast oder beschäftigen sich intensiv damit. Die Ah, Bürgergeld gibt sich mir. Es ist super. Die CDU hat was durchgesetzt. Also es ist der Versuch, durch Umetikettierung zu zeigen, man hätte was getan. Wir werden sehen, ob es funktioniert. Ich wollte was zu dem Thema Sanktionen sagen. Und zwar gab es im Jahr 2022 das war so vor der Einführung Bürgergeld, eine Umfrage des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Klammer auf, Herr Fratzscher, also nicht als neoliberales Kampfinstitut bekannt, Klammer zu, zusammen mit der Ruhr Universität Bochum. Und die haben 65 Langzeitarbeitslose in acht Jobcentern befragt, was sie denn für richtig und für gerecht halten. Damals haben die gesagt, mehr Geld zu bekommen, also höhere Hartz IV Sätze. Damals waren fanden sie gut, fanden sie alle gut. Das wundert mich auch nicht. Wenn du mich jetzt fragst, Hätte sie gerne 100 mehr, hätte ich auch gerne 100 mehr, nicht mehr jeden zumutbaren Job anzunehmen müssen. Fanden die auch alle ganz gut. Also quasi waren dahingehend in Favor für Bürgergeldreform. Jetzt wird es aber interessant. 41 Prozent haben gesagt, sie stimmen voll und ganz zu bei der these, dass es viele Hartz IV Empfänger gibt, die das System ausnutzen also 41 Prozent der Betroffenen, nicht jetzt die Poshards und Stelters dieser Welt, sondern die wirklich dorthin gehen. Weitere 24 Prozent stimmten eher zu. Addieren wir es 65 Prozent der Befragten langzeitarbeitslos waren also der Auffassung, dass das System eher oder sogar voll und ganz von Hartz IV Empfängern ausgenutzt wird. Und zwei Drittel, genau nur 10 Prozent, sagten das stimmten nicht zu. Also die anderen waren unentschieden. Also die wissen selber, was ist das ergeben, ganz offen, es wird ausgenutzt. Und zwei Drittel der Befragten Langzeitarbeitslosen antworteten mit Ja auf die Frage, ob viele Hartz IV Empfänger das System ausnutzten. Das muss man einfach wissen und das muss man einfach, das ist die Front sozusagen. Das sind wirklich die Betroffenen. Und dann war die Frage mit den Sanktionen und du weißt, die Sanktionen sind drastisch eingebrochen. Also es gab ja noch vor Corona weit über Sanktionen, unter anderem wegen Versäumnisse bei der Melde nicht zum Termin oder nicht die Arbeit angetreten und nicht die Maßnahme gemacht. Und da war damals die Wie ist eigentlich mit Sanktionen? Und das war interessant. Damals war ungefähr die Hälfte dafür der Betroffenen, dass das Jobcenter Strafen abschafft, wenn jemand nicht zur Fortbildung zum Job anscheinend okay, aber die Hälfte, ein Viertel war dagegen. Aber im Prinzip, die haben gesagt, okay, wir wollen es gerne abschaffen. Aber selbst die Abschaffung der Sanktionen bei den Betroffenen so gesehen nicht populär und zwar nicht so populär, wie man denken könnte. Und da siehst du mal, die Leute sehen ja, wer da zum Amt geht, die sehen die und dann sagen die, das wird ausgenutzt System, man sollte was machen. Und darum finde ich es so komisch, wir kehren zurück zu einem System von Sanktionen, weil die letzten paar Jahre waren die Sanktionen, um einzuordnen, nicht mehr bei, sondern bei. Und Vollsanktionen, die damals Herr Heil ja angekündigt hat, gab es faktisch, glaube ich, keine. Das heißt, da ein bisschen Druck zu erhöhen, ist sicherlich nicht falsch. Wir beide haben diskutiert. Es ist natürlich nicht das Richtige. Also das ist jetzt emotional ganz gut und symbolisch. Das Problem, was ich halt sehe, ist, dass die Union jetzt darauf ihr politisches Kapital verwendet und sich erstmal auf der einen Seite feiern lässt, auf der anderen Seite die ganze Kritik auf sich zieht von Grünen, Linken, Teilen, der SPD und so weiter. Wo aber mal sehen. Die Frage ist doch, haben wir mehr Anreize geschaffen zum Arbeiten? Und ich glaube eben, du kannst mehr Druck ausüben, solltest du tun, aber du brauchst doch mehr Anreize schaffen. Und dann sind wir bei dem Thema Abgabenbelastung. Es ist immer noch so, dass der Übergang von Bürgergeld in Erwerbstätigkeit sich nicht lohnt. Ich habe ja in diesem Podcast, wo ich mal ohne dich unterwegs war, ja vorgerechnet, dass im Prinzip der Stundenlohn fürs Arbeiten auch nach der Rechnung von der Böckler Stiftung bei 2 bis 4 Euro ungefähr liegt, die du bekommst, lohnt sich ja nicht zu machen. Deshalb ist für mich die Frage eher müssen dahingehend Änderungen herbeiführen. Du musst bei Migrationshintergrund Bürgergeldempfänger meines Erachtens zwei Dinge machen. Du musst, ich knüpfe das Höhe der Zahlung an Spracherwerbung, das ist ein wichtiges Thema nach dem Du musst einen Sprachtest erreichen, weil es kann ja nicht sein, du hast letztes Mal oder vorletztes Jahr mal ein Beispiel gebracht von dem Deutsch Türken, der in Berlin aufgewachsen war und bei Gericht einen Dolmetscher brauchte. Ich meine, das ist natürlich, wie kann das sein? Also ich muss einfach sagen, ich würde einfach die Transfers ganz klar knüpfen an Spracherwerb und da muss eben auch eine gemeinnützige Arbeit aufgenommen werden, einfach wenn es nur ein paar Stunden sind, um im Prinzip anzufangen zu werden, in den Arbeitsmarkt integriert zu werden. Das ist ganz wichtig. Und das andere ist, die Regierung hat ja auch noch beschlossen, die Aktivrente. Weißt du, es ist eigentlich total unfair. Schau mal, wir zwei, also ich bin selbstständig, du bist ja angestellt, für dich geht es ja noch.
Ulf Poschardt
Du bist angestellt, aber auch ein Verlag, Daniel, ich bin jetzt auch selbstständig, Ulf.
Daniel Stelter
Posch, ein Bestsellerverlag, das weiß ich. Du hast nur Bestseller. Das ist ein ganz großer Vorteil. Wenig Sortiment, aber nur Bestseller. Das ist natürlich sehr gut. Aber der Punkt ist ganz einfach, Weißt du, der Obsthändler um die Ecke, der Selbstständige, der kriegt die nicht steuerfrei, Wenn er über 65 arbeitet, die Buchhändlerin, nicht der Arzt. Stell dir doch mal vor, wir haben Ärztemangel. Du würdest sagen, der Hausarzt, der hört nicht bis 65, 66 der macht bis 70 weiter, warum kriegt der nicht die? Du siehst es total. Und dann gehen wir zum Bürgergeldempfänger zurück und wir wollen das Thema arbeiten. Ja, da muss einfach der Übergang so sein, dass immer sich lohnt. Du musst von jedem Euro, ich glaube, jeder Mensch in Deutschland sollte von jedem Euro, den er zusätzlich verdient, egal ob er bei null anfängt oder ganz weit oben ist, immer mehr als die Hälfte behalten können. Und das System ist halt nicht so. Und das musst du halt ändern. Und diese Reform anzugehen wäre lohnenswert. Jetzt verkämpft man sich da und man hat Sanktionen und man stellt sich dahin und es wird wieder aufgeweicht werden und da gibt es wieder Stimmung und man liefert eine Kampagne. Nach dem ist alles unsozial, völlig am Thema vorbei. Es geht um die Wirtschaft, kümmert euch um die Wirtschaft und dann müsst ihr grundlegende Dinge machen. Und das ist eben nicht der Herbst der Reformen, der angekündigt wurde. Wenn das jetzt der Herbst der Reformen ist, da kann ich eigentlich eins sagen, gehöre ich zu dem Camp, der sagt, dann wird Herr Merz den nächsten Herbst der Reform nicht mehr als Regierungschef erleben.
Ulf Poschardt
Gut, da haben wir hier eine Wette, das haben wir gehört.
Daniel Stelter
Wettest du dagegen? Das ist interessant.
Ulf Poschardt
Weißt du, warum ich dagegen wette? Weil der Langmut der Deutschen, und zwar des Shitbürgertums wie des Big Bürgertums, ist einfach unendlich. Und ich glaube, uns geht es noch nicht schlecht genug. Das ist auch so die Erfahrung, die ich mache, weil ich bei vielen Leuten, da komme ich gleich zu meinem Begegnung mit diesen beeindruckenden Studenten einer Privatuni, deren totale Relaxtheit und deren Wahlergebnisse, wenn die Bundestagswahl machen, also die wählen weiterhin die FDP zu 18 Prozent, die gibt es ja nicht mehr, 25 Prozent wählen die Grünen. Und ich glaube einfach aus so einem konservativen, lebensweltlichen Gefühl, uns geht es so gut, wir wollen Bio Essen für unsere Kinder künftig in der Kita haben. Ich glaube, die Kritik an dieser wichtigen Bürgergeldreform zeigt einmal mehr, dass die Linke sozialpopulistisch ist. Wir reden immer über den schlimmen, schlimmen Rechtspopulismus. Ich glaube, schlimmer noch oder mindestens gleich populistisch und unaufklärerisch ist der Sozialpopulismus und die Emotionalisierung rationaler Entscheidungen. Also die Art und Weise, wie sich die Grünen und die Linkspartei ja sowieso da jetzt in so Charles Dickens Kette, Kollwitz mäßige Armen Klischees reinheulen und dann gleichzeitig, ich glaube, es war sogar hier der Juso Chef, der sich dann vor Axel Springer stellt und noch mal unseren CEO angeht, also die da oben und die Armen dort unten, die überhaupt nicht kapieren, dass so ein Juso Heini Chef gar nicht kapiert, dass es hoffentlich in Deutschland wir brauchen 500 Ilo Mast und wir brauchen 3000 Matthias Döpfner. Das sage ich jetzt als glücklicher Axel Springer Heini. Warum? Weil wir Unternehmertum brauchen, weil wir Topmanagement brauchen mit so einer Vision. Und diese Verkennung dieser sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen ein ums andere Mal führt, glaube ich, auch zu Verbitterung in der Bevölkerung, weil die SPD sicherlich nur deshalb auch bei 13 Prozent steht, weil der hart arbeitende Facharbeiter, der Straßenkehrer, die berühmte Aldi Verkäuferin, die Sprichwörtliche und die Krankenschwester sagt, das haut so nicht mehr hin. Und ich glaube, da kommt ein großes, großes Problem auf uns zu, wenn die Brandmauer bleibt, die Leute einen Politikwechsel wollen und wir uns im nächsten Jahr in noch aussichtslosere Konstellationen verstricken, wenn es dabei bleibt. Das wird sicherlich ein Thema sein. Jetzt komme ich aber als letztes Thema, ich habe ja angedeutet, ich bin so ein Freund lebensweltlicher Pointen, weil am Ende ist die Begegnung mit Unternehmern eigentlich immer super interessant. Und ich komme zu einem alten Bekannten, dieses Podcast, das ist Andreas Herb, da habe ich immer gesagt, dem folge ich jetzt weder trinke ich Energy Drinks, sorry Andreas, noch trinke ich Wodka, neunmal, sorry, noch trinke icht Xavi und Re. So, aber ich bin beeindruckt, dass es ein Mittelständler aus Paderborn geschafft hat, zu einem wirklichen, extrem prominenten und wie ein Popstar verehrten Influencer zu werden, weil er zeigt, wie das Leben eines Unternehmers aussieht. Und das hat zwar seine luxuriösen Seiten, aber es sagt vor allem drei Dinge. A es ist ein Leben voller Fleiß und Hingabe. Also wann immer ich so eine Woche von Andreas Herbst sehe, Das sind eher 100 Stunden Wochen und zwar nicht mal, sondern eher als die Regel. Und wir waren zusammen essen und ich danke nochmal, Er hat das sehr rührend auf seiner Insta Story gepostet und auf dem Weg zurück habe Ich sag mal, wie machst du das? Wie hältst das alles aus? Du bist ständig exponiert, die Leute feiern dich, aber du bist Tag und Nacht für deine Sachen unterwegs. Jede Tankstelle geht dahin. Wo sind seine Produkte? Jeder Rewe Markt, jeder Edeka. Das ist der Unternehmer, der es sicherlich nicht selber machen müsste, aber er ist der oberste Vertriebler. Er stellt die Dosen nach vorne, er guckt, wo sind seine Flaschen? Und wenn sie nach unten geräumt sind, fragt er dort so diese totale Hingabe. Jedes Produkt macht die Geschmack, wirklich so ein tausends Assassin's Creed. Und dann sagt Ey Ulf, mein Begriff ist Work Life Blending. War ich jetzt mit dir Mittagessen? War das jetzt Arbeit oder war es einfach nur ein totales Vergnügen? Über alles geredet. Also 1 Fleiß Hingabe, totale existenzielle Begeisterung. 2 Zuversicht. Ich glaube, ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass Andreas Herb ganz nahe ist bei unseren Einschätzungen, was die Lage des Landes betrifft. Und trotzdem strahlt er einen solchen Optimismus aus. Warum? Weil er ein erfolgreicher Unternehmer ist und weil er sieht, dass mit Eigenverantwortung, tolles Team. Der war mit zwei jungen Leuten aus seinem Team da, der eine, der Social Media macht und dann eine Kollegin, die ihn schon ganz lange auf dem Weg begleitet und so wie er mit denen umgeht. So was für ein Typ, was für eine Nummer. Ich habe das zusammen mit Moritz Seifert, dem Chefredakteur von Business Insider gemacht und wir haben vorher gewettet, ist der so, wie man ihn sich vorstellt oder hat er irgendwelche Abgründe? Und der Punkt ist, er ist genauso, wie man sich bestenfalls vorstellt. Anpacken machen, Zuversicht. Wie siehst du das? Was glaubt ihr? Was passiert da? Wir machen das, das, das, das, das, das, das, das, das, das. So und der dritte Punkt und da sind wir bei der Überleitung zu dem, was du gesagt hast, das Realismuskonzept des Unternehmers, keine Illusionen, keine Naivität, die ist tödlich. Und dann hat mich extrem beeindruckt. Andreas hat sich von Böhmermann, der ihn jetzt auch gut findet, nachdem Böhmermann ihn hundertmal durch den Kakao gezogen hat oder so, hat ihm die Ausstellung gezeigt und da war Andreas am Reichstag und er als Spitzensteuersatzzahler seit 40 Jahren hat ich kann es nicht glauben, wie das aussieht. Ich kann nicht glauben, dass der Ort des deutschen Parlamentarismus, das Zentrum der Berliner Republik, der Reichstag, die Biese. Was für ein Zustand, diese Absperrgitter, was für ein Zustand, diese Container in jedem anderen Land undenkbar. Was ist eigentlich los bei uns? Und ich glaube, das war für ihn noch mal so eine Enttäuschung über sein Land, dass es sich so gehen lässt, dass er, wenn man sieht, bei ihm ist liebevoll bis zum letzten Quadratzentimeter seines Schreibtischs, auch sein Maybach stand dann mit Xabi und Rey Lackierung hier vor. Axel Springer, diese Paderborn tolle Provinz, hat auch ganz viele von den anderen Unternehmern aus der Region erzählt, was für beeindruckende Leute. Und der steht hier im Zentrum der Berliner Republik in der Bannmeile vor dem deutschen Parlament. Und ich verstehe es nicht mehr. Wie können wir zulassen, das so ein Ort zu Ort, Was ist denn hier eigentlich los? Und da ist mir wieder so klar geworden, dass man selbst als Berliner Blasenhein blind geworden ist und jemand, der Tag und Nacht alle Regionen des Landes bereist und auch in Dubai und sonst wo, Ibiza, Mallorca, der Hä Was ist denn hier los? Also Zuversicht, Slice und Realismus. Ein wunderbarer Vertreter des deutschen Mittelstands. Aber wenn man mit ihm spricht, was er sich wünscht und erhofft, Bürokratie, hat er ja auch mal so ein Video dazu gemacht. Wie soll man sagen, er hatte mit allem Recht. Und diese Jungs und Mädels halten das Land am Leben, aber die kommen auch, egal wie gut gelaunt sie sind, aus dem Schütteln gerade nicht raus. Daniel der Reichstag, ist das vielleicht auch etwas, wo die Leute sagen, wenn sie sehen, was ist denn bei uns im Land los? Was ist denn das?
Daniel Stelter
Ja gut, ich meine, ich habe schon vor Jahren mal, war ich in Athen, habe ich glaube ich hier auch schon mal erzählt, habe ich Athen verglichen mit Berlin. Und wenn du Fotos posten würdest und würdest, welches Land ist pleite, dann hättest du auf Berlin getippt und nicht auf Griechenland. Das ist einfach schade. Und ich glaube, ich würde einen Punkt von den ganzen eigentlich, ich habe gerade dazugehört, dachte mir, einen Aspekt will ich noch ergänzen, den er bestimmt auch hat, und zwar Selbstliebe und Selbstachtung. Und ich glaube, wenn du Selbstliebe, Selbstachtung hast, nicht nur für dich selbst, sondern auch für dein Land, dann stellst du es nicht so da, dann lässt du es nicht so vergammeln, Muss man ganz klar sagen. Ich hatte ja auch berichtet von den baltischen meiner Reise in die baltischen Länder, ob du in Paris bist, ob du in Rom bist, ob du in London bist, die Grünflächen anschaust. Ich habe mit meinen Münchner Freundinnen mal diskutiert, weil ich meinte, München wird auch alles schlechter. Da haben die sofort protestiert und ich muss gestehen, es gibt auch hier München Teile, die jetzt, die auch sehr gepflegt sind. So ist es nicht. Aber klar, Berlin ist ein Extremfall. Aber trotzdem generell sagen wir lassen unser Land schon irgendwie nicht in so schönem ordentlichen Eindruck erscheinen, wie es eigentlich ginge. Ich glaube, es gehört mit dazu. Weißt du, wenn du viel zu tun hast, du hast ein schwieriges Projekt, Die erste Maßnahme ist ein Schreibtisch aufräumen, weil das hilft einfach so. Und ich meine, der Giuliani, der ehemalige New Yorker Bürgermeister, hat da gesagt im Du musst einfach gegen alles vorgehen. Du musst die Graffiti wegmachen, du musst schwarz weil kämpfen, wenn du die Kriminalität runter bekommst. Du musst im Prinzip das ganze, das Umfeld sauber gestalten, klar gestalten. Das hilft doch schon gegen Kriminalität. Ich würde sagen, es ist nicht nur Kriminalität, sondern es hilft doch einfach auch stimmungsmäßig in einem Land, welches sich selbst achtet und wo Ordnung und sowas herrscht. Da hast du auch mehr Lust an so Parcours Beitrag zu leisten. Insofern, wenn wir schon jetzt bei diesen kosmetischen Dingen kosmetisch über Kosmetik hinaus, aber wenn wir schon quasi statt Bürgergeld die Grundsicherung jetzt haben als Namen. Ich glaube, wir sollten so ein Konzept haben im Lasst uns unser Land doch wieder so darstellen, wie es eigentlich sich gehört. Also aufgeräumt, nicht wie bei Hempels oder Sofa.
Podcast Announcer
Ist das mega oder kann das weg?
Ulf Poschardt
Wir haben einen interessanten Befund schon vor Wochen in den Medien gesehen, nämlich eine Studie und da sprechen wir über eine Art und muss man immer ganz, ganz vorsichtig einpacken. Darwin Award. Es gibt einen signifikanten Unterschied bei der Fortpflanzungsneigung zwischen den politischen Grundierungen und da gibt es einen Trend, dass sich die Linken weniger fortpflanzen wollen, Warum auch immer. Ist das mega oder kann dieser Trend weg?
Daniel Stelter
Lieber Daniel Na, es ist sogar besser noch. Nicht nur wollen sie es nicht, sondern sie tun es auch nicht. Also die Studie vergleicht die Geburtenzahlen von eher progressiven Menschen und die Geburtenzahlen von eher konservativen Menschen. Kommt zum Schluss, dass die konservativen Geburtsraten, die etwas gesunken sind, aber nicht so viel. Hingegen bei den sogenannten progressiven, die Geburtsraten ganz stark zurückgegangen sind. Witzigerweise, die Kommentatoren, die diese Studie gemacht haben, haben gesagt, das könnte dazu führen, dass es in Zukunft wieder konservativere Gesellschaften gibt. Jetzt würde ich Wenn man die jetzt immer zuhört mit Schit und Bückbürgertum, dann kann man eigentlich fast zum Schluss zu kommen, dass es eigentlich vielleicht so eine positive Entwicklung ist. Dauert allerdings ein paar Jahrzehnte. Ich muss generell einen Schritt zurückgehen, muss sagen, also erstens, wer glaubt, aus Klima und ähnlichen Gründen keine Kinder kriegen zu können, macht einen großen Fehler, weil das ist einfach ein großer Fehler. Man rettet das Weltklima so nicht, sondern über andere DIN und die Bevölkerung der Welt stabilisiert sich sowieso aufgrund der Tatsache, dass die Geburtenraten weltweit zurückgehen. Aber zurückgehen heißt ja nicht keine Kinder bekommen, sondern eben auf den Faktor 2 zurückgehen. Also zwei Kinder pro Frau, nicht mehr sechs oder acht, wie in einigen Regionen immer noch der Fall. Also insofern ist es Quatsch zu glauben, durch das, dass wir weniger bekommen hier in Industrieländern, dass es Klimaeffekt hätte. Und wenn es den gäbe, dann sollte man dem anders begegnen als über einen Geburtenrückgang. Wir brauchen ja Bevölkerung. Auch für Thema Rente und so weiter haben wir das diskutiert. Das heißt, für mich ist ich finde eigentlich, es kann weg, weil ich sagen würde, jeder Grund, beide Gruppen sollten alle sollten wieder mehr Kinder bekommen. Und dann ist die Frage warum ist dieser Unterschied da? Und dann sehen wir eigentlich, was wieder zurückkommen sollte. Also nicht im Sinne von kann das weg? Ich glaube, wir brauchen wieder eine Rückbesinnung, eine Aufwertung der Familie. Das klingt natürlich super konservativ, ist es auch so. Ich glaube aber auch, dass eine Aufwertung der Familie dazu beiträgt, dass Menschen wieder glücklicher sind. Es gibt ja Studien, die zeigen, dass junge Männer wie auch junge Frauen eigentlich so unglücklich sind wie noch nie. Also über Langzeitstudien, gerade in den USA, also früher, wo es weniger Freiheiten gab für die Frauen, waren die glücklicher als heute. Und da muss man sich die Frage Sind die Freiheiten wirklich Freiheiten oder sind manchmal auch die vorgesandten Freiheiten auch einfach Definition, dass bestimmte Lebensformen nicht mehr so geschätzt wurden, wie zum Beispiel die Familie. Und vor dem Hintergrund würde ich sagen, es ist eine Aufnahme, ein Symbol für das, was in der Vergangenheit jetzt passiert ist, in den letzten 20 30 Jahren. Und meine persönliche Vermutung wäre, dass sich das umdreht im Zuge einer allgemeinen Verschiebung wieder zu anderen Wertvorstellungen in der Gesellschaft. Also insofern mega oder weg. Ich würde sagen, das Problem löst sich von alleine so oder so, weil wenn ich mich irre, dann sterben sie aus. Also so oder so löst sich das Problem.
Ulf Poschardt
Gut, ist das jetzt mega oder weg? Sag nicht so salomonisch werden.
Daniel Stelter
Also ich finde es mega, weil dann löst es sich so oder so.
Ulf Poschardt
Okay, ich würde sagen, dieser Trend muss weg.
Daniel Stelter
Warum?
Ulf Poschardt
Weil ich bin ein Kind von Progressivem und in der Welt der konservativen Big Bürger treffe ich nur auf bürgerliche konservative Vertreter dieses Milieus, die sich alle in die Hose machen, wenn es um Konflikte geht. Wir Kinder der Progressiven haben mit Ich habe vor dem Che Guevara Plakat Lego gebaut und bin mit meinem Teddybär Willy Brandt und mit dem anderen Teddybär Gustav Heinemann. Ich hab Willy Brandt auf den Schultern meines Vaters gesehen und hab 68 mitdemonstriert.
Daniel Stelter
Immerhin nicht Stalin und Lenin. Das ist ja noch mal ganz gut.
Ulf Poschardt
Ja und also ich sehe das als eine Chance, weil niemand weiß so gut. Und es gibt ja auch Leute wie Jan Fleischhauer und Richard David Precht. Wir kommen alle aus diesen progressiven Familien. Wir sind die heroischen Verräter dieser Prinzipien und man braucht Verräter wie uns. Und mit dieser unglaublich provokanten Formulierung bedanke ich mich für die Aufmerksamkeit. Bis zum nächsten Mal. Alles Gute. Ciao.
Podcast Announcer
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Podcast: Make Economy Great Again
Host: WELT
Guests: Ökonom Daniel Stelter, WELT-Herausgeber Ulf Poschardt
Date: October 14, 2025
Die Episode beschäftigt sich mit der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Lage Deutschlands, insbesondere dem gefühlten und realen Niedergang der Wirtschaft, der Stagnation der Industrie und der bröckelnden Stimmung bei Mittelständlern sowie dem Vertrauensverlust in die Regierung. Im Mittelpunkt stehen die Frage, wie es zu dieser Misere kam – und woran das politische wie gesellschaftliche System krankt. Der Mittelstand und seine Herausforderungen werden als Ankerpunkt für eine mögliche Wende hin zu einem neuen Wirtschaftswunder herausgestellt.
Politikverdrossenheit nimmt zu: Immer weniger Menschen vertrauen darauf, dass die Regierung (aktuell schwarz-rot) nötige Wirtschaftsreformen umsetzen kann. Nur rund ein Viertel ist überhaupt noch mit dem Kanzler zufrieden (04:10).
Wirtschaftliche Sorgen dominieren: Die Mehrheit sieht die Wirtschaft als drängendstes Problem, vor Migration und sozialer Kluft (17:15, 20:55).
"Die Wirtschaft ist Problem Nummer eins. Ich glaube, es hat damit zu tun, dass es immer mehr Menschen spüren..."
— Ulf Poschardt (07:01)
Unruhe in der Union: Die Union verliert an Zustimmung und driftet in eine Krise der Selbstmelancholisierung. Merz’ Position als Hoffnungsträger wackelt, Nachfolgedebatten werden bereits geführt (07:21, 09:31).
Fehlende echte Reformen: Die Politik ergeht sich in Label-Änderungen und Symbolakten ("Reformherbst"), es fehlen grundlegende Veränderungen (12:15).
"Man muss auch echte Reformen machen. Und wir haben letzte Woche auch da gesehen, Stichwort neue Grundsicherung statt Bürgergeld, dass dann eher mit Etiketten gearbeitet wird."
— Daniel Stelter (11:41)
Vertrauensbruch – Ein Kreislauf: Versprechen werden gebrochen, symbolpolitische Kommunikation führt zu Vertrauensverlust, Bürger wenden sich ab.
Talkshow-Debatten & mediale Blasen: Talkshows kreisen um immer dieselben Nebenkriegsschauplätze, während die echten Wirtschaftsprobleme nicht gelöst werden (20:48).
"...in der Bevölkerung mehr ökonomischer Sachverstand ist als in jeder Talkshow..."
— Ulf Poschardt (21:00)
Bürgergeld faktisch abgeschafft: Namensänderung zu „Grundsicherung“ ist vor allem politisches Signal, ökonomisch aber wenig wirksam (28:23).
Sanktionen teils notwendig, aber keine Lösung: Auch viele Langzeitarbeitslose finden, das System wird ausgenutzt; zwei Drittel sehen Missbrauch. Reformen bräuchten aber bessere Anreize zum Arbeiten, z.B. durch eine stärkere Entlastung beim Übergang von Sozialleistungen zu Arbeit (28:23–33:18).
"Das Problem, was ich halt sehe, ist, dass die Union jetzt darauf ihr politisches Kapital verwendet und sich erstmal auf der einen Seite feiern lässt, auf der anderen Seite die ganze Kritik auf sich zieht..."
— Daniel Stelter (32:46)
Vorbild Mittelstand: Am Beispiel von Unternehmer Andreas Herb wird betont, dass echter wirtschaftlicher Erfolg auf Selbstdisziplin, Hartnäckigkeit, Optimismus – und enormem Arbeitsethos beruht (35:40–43:34).
Realismus & Zuversicht: Trotz Kritik an Landeszustand demonstrieren Mittelständler Vorbildcharakter.
"Mein Begriff ist Work Life Blending. War ich jetzt mit dir Mittagessen? War das jetzt Arbeit oder war es einfach nur ein totales Vergnügen? ... Hingabe, totale existenzielle Begeisterung."
— Ulf Poschardt über Andreas Herb (37:10)
Verwahrlosung emblematischer Orte: Der verwahrloste Reichstag dient als Symbol für den allgemeinen Verfall und fehlende Selbstachtung. Ein gepflegtes Umfeld motiviert zur Leistung und trägt zum Allgemeinwohl bei (43:34–45:33).
"Wenn du Selbstliebe, Selbstachtung hast, nicht nur für dich selbst, sondern auch für dein Land, dann stellst du es nicht so da, dann lässt du es nicht so vergammeln..."
— Daniel Stelter (44:00)
Studie zum „Fortpflanzungsverhalten“: Konservative haben höhere Geburtenraten als Progressive, was langfristig wieder konservativere Gesellschaften bedeuten könnte (45:37–49:04).
"...es gibt einen Trend, dass sich die Linken weniger fortpflanzen wollen ... Ist das mega oder kann das weg?"
— Ulf Poschardt (45:37)
Don Quijote und Sisyphos als Sinnbild des Podcasts:
"Ich stelle mir Don Quichotte und den Sancho Panzer eigentlich als irre gut gelaunte Vögel vor. [...] Man muss sich Sisyphus als einen glücklichen Menschen vorstellen."
— Ulf Poschardt (03:37)
Blick auf die wirtschaftliche Stimmung:
"45 Prozent sagen, wird sich verschlechtern und 32 Prozent sagen in etwa gleich. Jetzt ist es ja im Ist ist es nicht gut. Wir haben ja tagtäglich die Nachrichten von irgendwelchen Arbeitsplatzverlusten."
— Daniel Stelter (09:31)
Kritik an Symbolpolitik:
"Vor dem Stimmungsumschwung hätte man machen können, aber nicht, indem man immer von Reform Herbst und Frühling und ähnlichem spricht. Man muss auch echte Reformen machen."
— Daniel Stelter (11:41)
Bedeutung von Mittelstand und Unternehmergeist:
"Diese Jungs und Mädels halten das Land am Leben, aber die kommen auch, egal wie gut gelaunt sie sind, aus dem Schütteln gerade nicht raus."
— Ulf Poschardt (43:15)
Zur Familien- und Geburtenpolitik:
"Ich finde eigentlich, es kann weg, weil ich sagen würde, beide Gruppen sollten alle sollten wieder mehr Kinder bekommen. Und dann ist die Frage warum ist dieser Unterschied da?"
— Daniel Stelter (47:29)
Die Episode balanciert zwischen kulturpessimistischer Diagnose der politischen und wirtschaftlichen Lage sowie einer "arbeitssamen Liebeserklärung" an den deutschen Mittelstand. Während die Politik in Symbolakten verweilt, werden die Chancen eines möglichen neuen Wirtschaftswunders deutlich benannt: Es braucht Mut zur echten Reform, mehr Unternehmergeist und ein neues Selbstbewusstsein für Land und Leistungsgesellschaft. Der Ton bleibt zugespitzt, polemisch, aber stets leidenschaftlich und sachkundig – typisch für das Podcast-Duo Stelter & Poschardt.