Podcast Summary
Podcast: Make Economy Great Again
Episode: Meloni pokert, Merz zahlt, Macron jubelt – Merry Crisis, Europa
Host: WELT (Ulf Poschardt), with Daniel Stelter
Date: 22 December 2025
Überblick: Hauptthema der Episode
In dieser vorweihnachtlichen Folge diskutieren Ulf Poschardt und Daniel Stelter die anhaltende wirtschaftliche und politische Krise Europas. Sie nehmen das Scheitern des Mercosur-Freihandelsabkommens zum Anlass, über den wirtschaftlichen Niedergang Deutschlands und Europas zu sprechen: Warum stagniert die deutsche Wirtschaft, was verhindert echte Reformen, wie lähmt nationale Besitzstandswahrung die dringend nötige Modernisierung, und welche Rolle spielen Moral, Bürokratie und Kulturkampf in dieser Misere? Der Blick reicht von der EU-Agrarpolitik, Bankenunion und Schuldenvergemeinschaftung bis zu Chancen für künftiges Wachstum – etwa durch Defense Tech und Unternehmergeist nach amerikanischem Vorbild.
Wichtige Diskussionspunkte & Einblicke
1. Mercosur und das Problem gescheiterter Freihandelsabkommen
- Scheitern von Mercosur: Poschardt und Stelter sehen im Platzen des Mercosur-Abkommens (Freihandelszone EU–Südamerika) den jüngsten Beleg für die Unfähigkeit der EU, eigene Interessen durchzusetzen und Wachstumschancen zu nutzen.
- Stelter: „Keiner würde so profitieren davon wie Deutschland... und jetzt scheitert das.“ (06:21)
- Treibende Kräfte des Scheiterns: Frankreich (Schutz der Bauernlobby) und Italien mit Meloni als taktische Blockiererin für eigene EU-Verhandlungsmasse.
- Stelter rechnet vor: „Fast 25 % des EU-Haushaltes fließt in die Landwirtschaftshilfe, 7,5 % in Forschung. Und dann lassen wir den größten Freihandelsmarkt der Welt scheitern wegen dieser Partikularinteressen.“ (07:45)
- Notable Quote: „Wir sind eigentlich eine Region, die am Status quo festhalten möchte und die Zukunft komplett aufgibt.“ (08:56)
Timestamps:
- [00:00] – Intro, Aufhänger Mercosur
- [04:06] – Scheitern an Frankreichs Bauernlobby
- [08:56] – Europa als Festhalter am Status Quo
2. Moralismus, Besitzstandswahrung und das deutsche Wohlstands-Paradoxon
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„Erst kommt das Fressen, dann die Moral“: Poschardt bringt das Scheitern von Freihandelsabkommen (DTIB/TTIP, Mercosur) mit europäischer Arroganz und Symboldebatten (z.B. Chlorhühnchen) in Verbindung.
- „Dieses Luxus-Europa hat das Fressen moralisiert.“ (09:28)
- Kritik am deutschen und französischen Selbstbild: Es werde agiert, als wäre Wohlstand selbstverständlich und das Land reich wie zu Ludwig Erhards Zeiten.
- Notable Quote:
„Wir tun immer noch so – das betonst du ja auch immer wieder, Daniel – als wären wir ein reiches Land. Sind wir nicht.“ (12:26)
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Die Bauern vs. Netto-Steuerzahler:
- Bauernlobby als einzig effektiv wehrhafte Gruppe in Europa, sobald es um deren Interessen geht.
- Poschardt: „Ich wünschte mir dieses revolutionäre Selbstbewusstsein mal bei der Netto-Steuerzahlerschicht in Deutschland... Davon ist leider nichts.“ (14:09)
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Meloni als „Dealmakerin“, Macron als Profiteur:
- Meloni blockiert, um für Italien im kommenden EU-Haushalt (2028-34) bessere Deals rauszuschlagen. Macron spielt das System, schützt seine Bauern und bejubelt Schuldentransfers – beides zu Lasten Deutschlands.
Timestamps:
- [09:28] – „Luxus-Europa moralisiert das Fressen“
- [12:26] – Das verfehlte Wohlstands-Selbstbild Deutschlands
- [14:09] – Bauern als revolutionäre Gruppe
3. Die Ukraine, Agrarwirtschaft und die Absurdität der EU-Finanzierung
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Landwirtschaftspolitik als Wachstumsbremse:
- Die Ukraine – traditionell „die Kornkammer Europas“ – wird erst beim Export gefördert (Abschaffung der Zölle als Hilfe nach Kriegsbeginn), aber bald wieder gedeckelt (Quoten, Obergrenzen), um die eigene Agrarlobby zu beruhigen.
- Stelter: „Was passiert, wenn die Ukraine EU-Mitglied wird? Dann wird sie größter Empfänger von Agrarhilfen – und das System ist endgültig absurd.“ (16:46)
- Kritik an kosmetischen Unterstützungsmaßnahmen, die nur Besitzstände sichern, echten Wettbewerb aber verhindern.
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Übertragung nationaler Kosten auf den EU-Haushalt:
- Merz (CDU) und die von der Leyen befürworten die Finanzierung der Ukraine mit gemeinschaftlichen EU-Schulden, die primär von Deutschland getragen würden.
- Zitat: „Der Einstieg in eine Schulden- und Transferunion ohne jegliche vertragliche Grundlage.“ (18:55, Stelter)
- Frankreich jubelt – es blockiert Mercosur, schützt Privilegien und lässt Deutschland für Schulden aufkommen.
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Tiefer liegendes Problem:
- Keine tragfähige Vertragsgrundlage für immer größere gemeinsame Verschuldung. Die fatalen Folgen für Haushaltsdisziplin und den europäischen Kapitalmarkt werden unter den Tisch gekehrt.
- Notable Quote:
„Die EU tut so, als hätte sie keine beschränkten Mittel.“ (26:47, Stelter)
Timestamps:
- [16:46] – Ukraine, Kornkammer, EU-Agrarkonflikte
- [18:55] – Schuldentransfer: Der historische Fehler
- [26:47] – Kritik an der unbegrenzten EU-Haushaltslogik
4. „Merry Crisis, Europa“: Der Fehlschlag der europäischen Reformkraft
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Kulturkampf und Scheitern von Reformen
- Macron als tragisch gescheiterte Figur: Großes Reformversprechen, aber letztlich gebremst von bunkergefestigten Besitzstandsgruppen („Staatsverklärer links und rechts“).
- Poschardt: „Am Ende seiner zweiten Amtszeit steht Macron vor einem kompletten Scherbenhaufen, weil die liberalen und bürgerlichen Kräfte den Kulturkampf verloren haben.“ (28:55)
- Parallele zu Deutschland: Politische Rhetorik suggeriert Größe und Wohlstand, tatsächlich regiert Feigheit und das Festhalten an Status und Umverteilung.
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Der Hoffnungsschimmer?
- Defensive Tech und Unternehmergeist: Poschardt und Stelter suchen nach Lichtblicken im europäischen Innovationsstau und blicken nach Lateinamerika (Argentinien, Chile) als Referenz für marktwirtschaftliche Reformen.
Timestamps:
- [28:55] – Macron und der europäische Kulturkampf
- [32:00] – Hoffnung durch europäischen Unternehmergeist?
5. Zukunftsthema: Defense Tech, Ukraine als „Silicon Valley“ des Militärs
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Investieren statt konsumieren:
- Stelter fordert einen radikalen Kurswechsel in der deutschen Verteidigungs- und Forschungspolitik:
- Geld nicht weiter in US-Rüstungsgüter stecken, sondern Venture Capital für ukrainische Defense Tech Startups bereitstellen.
- „Statt 90 Milliarden zu verteilen, setzt euch hin, macht einen Rüstungs-Venture Fund, investiert massiv in die Verteidigungsindustrie der Ukraine.“ (39:19)
- Argument: Die Ukraine steht an der technologischen Front, produziert innovative Waffensysteme im Rekordtempo. Deutschland sollte Know-how aufkaufen, nicht nur Schulden machen.
- Stelter fordert einen radikalen Kurswechsel in der deutschen Verteidigungs- und Forschungspolitik:
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Vergleich zu Israel:
- Poschardt sieht die militärische Innovationskraft Israels (und jetzt auch der Ukraine) als Modell, warum Rohstoffarmut und Bedrohung Innovation fördern können – im Gegensatz zur saturierten deutschen Industrie.
Timestamps:
- [36:22] – Abhängigkeit von US-Defense Tech
- [39:19] – Rüstungs-Venture-Fonds für Ukraine als Innovationsschub
- [40:49] – Kulturhistorischer Kontext: Krieg als Vater der Innovation
6. Eklatante Moralinszenierung & ihre Folgen
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Moralisierung statt Pragmatismus:
- Poschardt kritisiert, dass deutsche und europäische Außenpolitik zunehmend moralisierend und realitätsfern gestaltet wird:
- „Die Moralisierung der Außenpolitik hat dazu geführt, dass alle Herausforderungen, die wir jetzt erleben, sich selbst nur als moralische Supermacht denkt.“ (43:03)
- Am Ende werde Steuergeld verpulvert, statt Wettbewerb stimuliert und Innovation hergestellt.
- Poschardt kritisiert, dass deutsche und europäische Außenpolitik zunehmend moralisierend und realitätsfern gestaltet wird:
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Zukunftsmut, Größenwahn und Unternehmertum:
- Im abschließenden Hörerbeitrag diskutieren beide, ob eine gewisse Portion Größenwahn notwendig (und vielleicht sogar Mangelware) in Deutschland ist, vor allem für Unternehmer.
- „Größenwahnsinnige Politiker: Nein danke, größenwahnsinnige Unternehmer gerne.“ (47:28, Stelter)
- „In einem Land wie Deutschland, in dem Feigheit, Opportunismus und Angst den Ton angeben, ist eine Prise Größenwahn bei den Ideen hilfreich.“ (48:13, Poschardt)
- Im abschließenden Hörerbeitrag diskutieren beide, ob eine gewisse Portion Größenwahn notwendig (und vielleicht sogar Mangelware) in Deutschland ist, vor allem für Unternehmer.
Timestamps:
- [43:03] – Kritik an der moralisierenden Außenpolitik
- [47:28] + [48:13] – Größenwahn als Nährboden für Unternehmertum
Memorable Quotes (with Speaker & Timestamps)
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Stelter:
- „Wir sind eigentlich eine Region, die am Status quo festhalten möchte und die Zukunft komplett aufgibt.“ (08:56)
- „Es ist naiv zu glauben, es ist einmalig. Und genau jetzt haben wir den Friedrich Merz, der zugestimmt hat einem eigentlich nicht vertraglich möglichen Vorgehen, nämlich Schulden der EU.“ (19:35)
- „Die EU tut so, als hätte sie keine beschränkten Mittel.“ (26:47)
- „Statt 90 Milliarden irgendwie über europäische Fonds zu verteilen ... wir investieren in die Zukunftstechnologie und kaufen uns ganz massiv ein in die Verteidigungsindustrie der Ukraine.“ (39:19)
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Poschardt:
- „Dieses Luxus-Europa hat das Fressen moralisiert.“ (09:28)
- „Wir tun immer noch so [...] als wären wir ein reiches Land. Sind wir nicht.“ (12:26)
- „Am Ende seiner zweiten Amtszeit steht Macron vor einem kompletten Scherbenhaufen, weil die liberalen und bürgerlichen Kräfte den Kulturkampf verloren haben.“ (28:55)
- „In einem Land wie Deutschland, in dem Feigheit, Opportunismus und Angst den Ton angeben, ist eine Prise Größenwahn bei den Ideen hilfreich.“ (48:13)
Fazit:
Die Episode bietet eine scharfe und bitter-sarkastische Analyse des aktuellen Zustands der deutschen und europäischen Wirtschaft: wie Besitzstandswahrung, Moralisierung und Bürokratie Wachstumschancen verhindern – und wie dringend Europa sich auf Reformen, Wettbewerbsfähigkeit und unternehmerische Visionen konzentrieren müsste. Die Hosts liefern zahlreiche Denkanstöße, fordern radikalen Pragmatismus (z.B. Defense Tech) und geißeln politische Feigheit.
Wer wissen will, warum Europa im Jahr 2025 an vielen Hebeln die falschen Entscheidungen trifft – und was es an Alternativen gäbe –, erhält hier Futter für Kopf und Debatte.
Navigation zu (Timestamps für wichtige Abschnitte):
- Mercosur & TTIP-Debatte: [00:00] – [09:00]
- Moral & Wohlstandsillusion: [09:00] – [16:00]
- Ukraine, EU-Schulden, Macron/Frankreich: [16:00] – [33:00]
- Reformen, Kulturkampf, Lateinamerika-Vergleich: [28:00] – [36:00]
- Defense Tech & Venture-Idee: [36:00] – [43:00]
- Moralisierung & Größenwahn: [43:00] – [49:00]
