Podcast Summary
Podcast: Make Economy Great Again
Episode: "Warum Veronika Grimm die letzte aufrechte Ökonomin ist"
Date: May 28, 2025
Hosts: Daniel Stelter (Ökonom), Ulf Poschardt (WELT-Herausgeber)
Überblick
In dieser Episode diskutieren Daniel Stelter und Ulf Poschardt den aktuellen Zustand der deutschen Wirtschaft, den Umgang mit Reformvorschlägen, insbesondere den Fall Veronika Grimm, die innenpolitische Diskurskultur, Migration, die deutsche Industrie im Niedergang und mögliche Auswege aus der Krise. Ein zentrales Thema ist die Denunziation wirtschaftsliberaler Stimmen und der Mangel an echten, mutigen Reformen im Wirtschafts- und Migrationsbereich. Abschließend gehen sie auf Hörerpost zum Werkunterricht ein.
Hauptthemen und Diskussionen
1. Faschismusvorwurf gegen Veronika Grimm und die Diskurskultur in Deutschland
[01:35–17:57]
- Ausgangspunkt: Thilo Jung warf Veronika Grimm in der Bundespressekonferenz vor, „dem Faschismus den roten Teppich auszurollen“, da sie als einzige im Sachverständigenrat konsequent marktwirtschaftliche Reformen fordert.
- Grimm’s Minderheitsvoten fordern: Bürokratieabbau, Steuersenkungen, größere Eigenverantwortung von Bürgern und Unternehmen.
- Achim Truger (ebenfalls im Sachverständigenrat, Gewerkschaftsticket) likt und repostet diesen Vorwurf.
- Poschardt über die Methode: Die diskursive Taktik vieler Linker ist es, missliebige Meinungen sofort mit der Nazi-Keule zu erledigen.
- „Thilo Jung gehört wie Achim Truger ja zu dieser halbgebildeten Linken, die keinerlei Faschismustheorie gelesen haben.“ (A, 05:34)
- Stelter analysiert Studien zur „Austerität“:
- Viele Studien behaupten, Kürzung sozialer Ausgaben stärke die Extreme; tatsächlich jedoch sei Wohlstandsverlust durch Deindustrialisierung und Strukturwandel die Ursache für Radikalisierung – nicht Sparpolitik alleine.
- Zitat: „Wer wählt die AfD? (...) Es sind jene, die einen Abstieg fürchten.“ (C, 13:00)
- Diskurskritik:
- Der Umgang mit Veronika Grimm sei sinnbildlich für die verweigerte Reformbereitschaft in Deutschland, wo staatlicher Paternalismus vorherrscht und ordoliberale Ansätze diffamiert werden.
- „Die deutschen Gewerkschaften sind ein Ort der Schande, wenn es darum geht, dem Wirtschaftsstandort irgendeine Zukunft zu verpassen.“ (A, 09:24)
2. Migration: Fehler, Wahrheiten und politische Missverständnisse
[19:14–31:29]
- Historische und aktuelle Fehler:
- Falsche Anreizstrukturen, Pull-Faktoren, fehlende Differenzierung zwischen Asyl, Migration und Integration schaffen Ressentiment und sozialen Unfrieden.
- Poschardt: Migration in den USA war getrieben von Mut und Eigenständigkeit, nicht von Sozialstaatlichkeit.
- „Aber das war eine Migration der Mutigen, der Selbstbewussten, der Freiheitsliebenden (...) So wie sie bei uns leider mehrheitlich funktioniert, macht sie keinen Sinn.“ (A, 21:10)
- Unhaltbare Praxis in Deutschland:
- Hohe Zahl an Migranten, geringstmögliche Hürden für Familiennachzug (~3,5 Mio. Flüchtlinge), geringe Integration in Arbeitsmarkt, hohe Sozialleistungen auch ohne Beschäftigung.
- Stelter plädiert für: sofortige Arbeitsmöglichkeit für alle Bleibeberechtigten, geringere (aber keineswegs inhumane) Sozialleistungen, klare Unterscheidung je nach Integrationswilligkeit.
- Akzeptanz und Frustration bei erfolgreichen Migranten:
- Hochqualifizierte oder integrationsbereite Migranten werden durch pauschale Behandlung diskriminiert, spüren einerseits das rechte Ressentiment, andererseits linke Herablassung und Instrumentalisierung.
- Zitat: „Die sind am zornigsten darüber, dass man sie immer in die gleiche migrantische Schublade stellt mit denjenigen, mit denen sie eigentlich nichts zu tun haben wollen.“ (A, 27:52)
- Fachkräftemangel:
- Geringe Attraktivität für qualifizierte Zuwanderer wegen hoher Steuern, schlechter Schulen und gesellschaftlichem Klima.
3. Industriekrise und Energiewende: Das Beispiel ThyssenKrupp
[33:22–39:19]
- Niedergang bei ThyssenKrupp:
- Fehlentscheidungen im Management (z.B. Brasilien-Projekt), ungünstige Rahmenbedingungen, globaler Konkurrenzdruck und vor allem politisch aufgezwungener grüner Umbau (teure Wasserstoffproduktion).
- Konsequenz: Zerschlagung in Einzelteile, drohender Jobverlust, Deindustrialisierung.
- Übertragung auf Standort Deutschland:
- Viele ähnliche Beispiele (VW, BASF, Chemiebranche), Energiemangel durch verkorkste Energiewende und Abschalten der Kernkraftwerke.
- Stelter: Sozialtransfers retten keinen Standort – nur wirtschaftlicher Erfolg bietet sozialen Frieden.
4. Energiepolitik im Wandel: Hoffnung durch Small Modular Reactors
[39:19–43:16]
- Erste Hoffnungsschimmer:
- Neue Wirtschaftsministerin (Katharina Reiche) zeigt Offenheit für Small Modular Reactors (SMR) und eine Kehrtwende bei der Atomenergie.
- Zitat: „Katharina Reiche hat gesagt, ja, darüber sollten wir nachdenken, an den Lockerungen des deutschen Abhunkt Kurses auf EU Ebene.“ (A, 38:01)
- Neue Wirtschaftsministerin (Katharina Reiche) zeigt Offenheit für Small Modular Reactors (SMR) und eine Kehrtwende bei der Atomenergie.
- Reaktionen:
- SPD-Umweltminister Carsten Schneider reagiert ablehnend, wiederholt Märchen von teurer Atomkraft.
- Stelter sieht mangelnde Offenheit in Ministerien und politische Ideologie als Blockade.
5. Hörerrubrik: Ist Werkunterricht „mega“ oder kann das weg?
[43:59–47:25]
- Werkunterricht als Teil der Bildung:
- Poschardt:Plädiert dafür aus biografischen Gründen – auch negative Erfahrungswerte helfen, Talente zu erkennen.
- Stelter: Zunächst seien Basisfähigkeiten (Lesen, Schreiben, Rechnen) die größere Baustelle, bevor handwerkliche Fächer Priorität bekommen sollten.
- Zitat: „Die erste Priorität ist schreiben, lesen, rechnen. Wir sollten dringend da jetzt dafür sorgen, dass nicht ein Viertel der Viertklässler das nicht mehr kann.“ (C, 46:11)
Merkwürdige und prägnante Zitate
- „Wer für Freiheit ist, ist rechts und wer für Verbote ist, ist progressiv. Und am Ende muss so ein Wahnsinn bei rauskommen.“ – Ulf Poschardt [01:35]
- „Ich finde es gespenstisch, dass so jemand wie Herr Truger in diesem Expertengremium sitzt.“ – Ulf Poschardt [09:25]
- „Frau Grimm, eigentlich sehr, sehr grundlegend Demokratie sichernden, weil freiheitlichen Meinung, ist in dem Sachverständigenrat eine Minderheitsposition.“ – Daniel Stelter [17:57]
- „Migration in den USA war Migration der Mutigen, der Selbstbewussten, der Freiheitsliebenden...So wie sie bei uns leider mehrheitlich funktioniert, macht sie keinen Sinn.“ – Ulf Poschardt [21:10]
- „Wenn Tin Jung Angst hat vor AfD Wählern – wenn ThyssenKrupp wirklich die Stahlproduktion einstellt und dann da zigtausende ihren Job verlieren, dann glaube ich nicht, dass die wählen aufgrund von mangelnden Sozialtransfers.“ – Daniel Stelter [36:21]
- „Frau Reiche, bleiben Sie standhaft und Herr Schneider, wenn Sie noch mal sich damit beschäftigen wollen, da gibt es viele Leute, die ihn bestimmt gerne erklären...“ – Daniel Stelter [42:10]
- „Die erste Priorität ist schreiben, lesen, rechnen.“ – Daniel Stelter [46:11]
Wichtige Timestamps
- [01:35] Einstieg: Faschismusvorwurf gegen Veronika Grimm
- [05:34] Kritik an medialem Framing und Diskursverengung
- [10:33] Stelters Argumentationshilfe gegen „Austeritäts“-Pauschalisierung
- [17:57] Kritik an Sachverständigenrat und parteipolitischer Einflussnahme
- [19:14] Migration: Fehlerhafte Anreize und Integrationspolitik
- [27:52] Hochqualifizierte Migranten und gesellschaftliche Probleme
- [33:22] Niedergang und Zerschlagung von ThyssenKrupp als Standortwarnung
- [39:19] Hoffnung auf Kurswechsel in der Energiepolitik (SMR, Kernkraft)
- [43:59] Hörerrubrik: Werkunterricht in der Schule
Fazit und Ton
Der Podcast ist geprägt von einer Mischung aus analytischer Schärfe, pointierter Polemik und ironischer Zuspitzung, besonders im Umgang mit linken Diskursstrategien und wirtschaftspolitischer Stagnation in Deutschland. Die Hosts kritisieren schroff den Status quo sowie die Etablierung wirtschaftsfeindlicher Rahmenbedingungen – stets mit Rückgriff auf Zahlen, Studien, persönliche Erfahrungen und kulturkritische Einordnung. Auch für Hörer ohne Vorwissen zeichnen sie ein klares Bild, warum mutige Reformen (wie die von Veronika Grimm) unter schwerem politischem und medialem Beschuss stehen und wie dem Wirtschaftsstandort wirklich geholfen werden könnte – mehr Eigenverantwortung, Bürokratieabbau und eine erwachsenere Migrations- wie auch Industriepolitik.
