Podcast Summary: Make Economy Great Again – "Wir haben so viel Potenzial!"
Date: February 18, 2026
Hosts: Daniel Stelter (Ökonom) & Ulf Poschardt (WELT-Herausgeber)
Überblick & Hauptthema
Diese Folge widmet sich der Frage, warum die deutsche Wirtschaft schwächelt, wie gravierend die Probleme tatsächlich sind und wo dennoch Hoffnung und Potenzial für ein neues Wirtschaftswunder liegen. Stelter und Poschardt besprechen die pessimistischen Standortbedingungen, die Trends bei Arbeitsplatzverlusten und Investitionszurückhaltung, aber auch das aufblühende Start-up-Ökosystem und Chancen für eine Trendwende – vorausgesetzt, politisch werden die richtigen Weichen gestellt. Sie analysieren zudem die politische Debatte zu Eurobonds, den Zustand der CDU unter Merz, das Selbstverständnis der Grünen und aktuelle gesellschaftliche Kulturkämpfe.
Hauptpunkte & Insights
1. Analyse der Münchner Sicherheitskonferenz ("MSC") & Wirtschaftsstimmung
[03:35–09:28]
- Ulf schildert beeindruckt die politischen Grundsatzreden (v.a. Rubio) bei der MSC – hervorstechend sei das neue Selbstbewusstsein konservativer und rechtsgerichteter Denker in Europa & USA.
- Die Reden mahnen, dass westliche Werte & Wohlstand ernsthaft verteidigt und durch ökonomische Stärke gestützt werden müssen:
„Der Westen ist die größte zivilisatorische Erfolgsgeschichte – aber nach 1945 kam die Contraction.“ – Ulf, [07:37]
- Daniel hat die MSC v.a. als Ort ökonomischer Ernüchterung erlebt:
- Podium mit BASF/Henkel/ThyssenKrupp: Selbst wenn neue Fabriken gebaut werden, lohnen sie wegen hoher Betriebskosten nicht.
- Die Energiepreise & Regulierungen machen deutsche Produktion unrentabel – Standortalternativen bieten gleichen oder besseren grünen Strom ohne die deutschen Kosten.
- BASF-Chef:
„Selbst wenn du keine Maschine zurückverdienen musst … liegen die Operating Costs oberhalb des Verkaufspreises.“ – Daniel, [10:18]
- Konsumenten kaufen in der Realität eben doch nicht das teurere grüne Produkt.
2. Hoffnung durch das Start-up-Ökosystem
[15:25–16:48]
- Daniel berichtet begeistert vom MSC Start-up Hub und der Innovationskraft in München/TUM.
- Es gibt dort einen jungen, motivierten Unternehmergeist, starke Initiativen & Förderung (z.B. durch Susanne Klatten).
- Trotz Bürokratie & Politikverdrossenheit packen junge Leute an und liefern eine „Aufbruchsstimmung“.
- „Wir haben so viel Potenzial. Dieses Potenzial müssen wir einfach entwickeln.“ – Daniel, [15:55]
3. Eurobonds, Europa & deutsche Interessen
[16:48–33:41]
- Eurobonds/Schuldenunion: Frankreich & Italien wollen Deutschland für ihre Defizite zahlen lassen.
„Die Deutschen sollen unsere radikale Scheiße bezahlen.“ – Ulf, [18:00]
- Daniel rechnet vor, dass Italien eigentlich reicher ist als Deutschland (Privatvermögen), aber Deutschland zur Kasse bitten möchte – rational für Italien, unverständlich für deutsche Linke.
- Eurobonds als Umweg, die Schuldenbremse zu umgehen (vor allem für SPD, Grüne, Linke attraktiv).
- Vorschlag: Verteidigungsbank als Alternative zu Eurobonds – gezielt für Rüstungsausgaben mit Effizienz und Innovationsförderung, statt pauschale Staatsschulden.
- Eurobonds machen Sinn nur, wenn deutsche Interessen kompromisslos durchgesetzt werden (Atomkraft-Zugang, Automotive-Industrie, günstiger Strom).
„In der WG: Meine Kreditkarte ist erschöpft – wollen wir eine gemeinsame holen?“ – Daniel (Stanford-Ökonom zitiert), [32:30]
4. CDU/ Friedrich Merz und die Reform-Blockade
[33:41–40:35]
- Merz’ Strategie: Versucht sich von (US-)Kulturkämpfen à la MAGA zu distanzieren; Kritik: Bestätige den Status quo und biete keine Vision.
- Parteitag: Kontroverse um Richtung – Reformer (Linnemann) vs. Anpasser (Merz, Funktionärsschicht).
-
„Der Opportunismus bei Friedrich Merz, im Zweifel für den Applaus des Milieus, immer falsch abzubiegen…“ – Ulf, [36:38]
- Daniel mahnt: Die Union und auch Merz haben Anteil am derzeitigen Zustand – Awareness für die Realität fehlt.
- Essenz: Deutschland braucht mutige, fundamentale Kurskorrektur und mutige Kommunikation.
5. Berliner Grüne & das "Shitbürgertum"
[40:35–47:22]
- Berliner Grünen-Parteitag: Forderungen wie Stilllegung des Gasnetzes, Neubau von Wohnungen für Geflüchtete, Aufnahme zusätzlich Palästinenser & Klimaflüchtlinge.
- Vorwurf: Moralisierendes, von der Realität entkoppeltes Milieu verlange, dass die produktiven Teile der Gesellschaft das alles finanzieren.
- Özdemir in Baden-Württemberg stehe für einen Pragmatismus, den die Partei bundesweit verweigert.
6. Realitätsverlust & die Politik der „verbrannten Erde“
[47:22–52:10]
- Daniel karikiert deutsche Energiepolitik (Atomausstieg mit Sprengung, Gasnetz stilllegen, keine Alternative da).
„Wir schaffen es, aus einem Wunsch heraus funktionsfähige Infrastruktur kaputt zu machen für ein abstraktes Ziel.“ – Daniel, [47:44]
- Angst, dass Fakten und wirtschaftliche Realität in Politik und Öffentlichkeit konsequent ausgeblendet werden.
7. "Ist das mega oder kann das weg?" – Social Media & Meinungsfreiheit
[52:10–55:43]
- Thema: Debatte um Social Media-Verbot für Jugendliche/adults (angestoßen von FAZ, ZEIT).
- Beide verteidigen die Meinungsfreiheit und lehnen Verbots- und Zensurphantasien entschieden ab.
„Wenn man Social Media verbieten will, will man die Argumente killen, die die eigene naive Welt zerstören könnten.“ – Ulf, [53:07] „Misstraut jeder Form von vorlauter Moral. Am Ende werden euch nur die Starken und Zyniker retten.“ – Ulf, [55:22]
Notable Quotes & Timestamps
- „Selbst wenn du keine Maschine zurückverdienen musst ... liegen die Operating Costs oberhalb des Verkaufspreises.“
– Daniel, [10:18] - „Die Deutschen sollen unsere radikale Scheiße bezahlen.“
– Ulf, [18:00] - „Wir haben so viel Potenzial. Dieses Potenzial müssen wir einfach entwickeln.“
– Daniel, [15:55] - „Der Westen ist die größte zivilisatorische Erfolgsgeschichte – aber nach 1945 kam die Contraction.“
– Ulf, [07:37] - „Wir schaffen es, aus einem Wunsch heraus funktionsfähige Infrastruktur kaputt zu machen für ein abstraktes Ziel.“
– Daniel, [47:44] - „Misstraut jeder Form von vorlauter Moral. Am Ende werden euch nur die Starken und Zyniker retten.“
– Ulf, [55:22]
Wichtige Segmente & Timestamps
| Thema | Zeit | |------------------------------------------|-----------| | Einstieg & Themenüberblick | 00:36–03:30| | Münchner Sicherheitskonferenz – Eindrücke| 03:35–09:28| | Status und Herausforderungen der Industrie| 09:28–16:07| | Start-up-Szene und Hoffnung | 15:25–16:48| | Eurobonds und europäische Finanzunion | 16:48–33:41| | CDU, Merz und Parteitagsdebatte | 33:41–40:35| | Grüne in Berlin & Kulturkampf | 40:35–47:22| | Energiepolitik & gesamtgesellschaftliche Risiken| 47:22–52:10| | Social Media, Meinungsfreiheit – „mega oder weg?“| 52:10–55:43|
Fazit & Tonalität
Die Episode ist kritisch, zugespitzt und pointiert, dabei aber stets faktenorientiert und gespickt mit bissigem Humor und persönlichen Beobachtungen aus der Insiderperspektive. Die Gastgeber teilen eine Mischung aus Sorge um den Wirtschaftsstandort Deutschland sowie Optimismus angesichts des vorhandenen Potenzials. Klare Forderung: Wirtschaft muss ins politische Zentrum rücken, der Pragmatismus junger Unternehmer gestärkt, Schuldenabenteuer und Kulturkämpfe entschlossen benannt werden.
Für alle, die Deutschlands Wirtschaft und Politik verstehen wollen, liefert die Folge pointierte Analysen, griffige Handlungsempfehlungen und originelle Perspektiven auf die drängendsten Themen des Landes – und macht dabei auch Mut, trotz schwieriger Rahmenbedingungen an ein neues Wirtschaftswunder zu glauben.
