
Einfach loslaufen und alles hinter sich lassen – genau das hat Philip Mollenkott getan.
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Philipp Mollenkot
Und das ist hochgekocht, stündlich im Prinzip. Also Lastwagen wurden überfallen, Militärstationen angegriffen, Konvois angegriffen. Genau in eine solche Situation bin ich dann reingeraten. Das heißt, direkt nach der Grenzüberquerung bin ich sofort auf eine Militärbasis geführt worden, die ich dann auch nicht mehr verlassen durfte. Und das war wirklich eine harte Erfahrung.
Paul
Wer träumt nicht davon, gerade in diesen Monaten einfach mal weglaufen, alles hinter sich lassen, keine Briefe mehr öffnen, weil die Briefe nicht mehr ankommen können. Und ein sehr enger Freund von mir hat genau das getan vor ein paar Monaten. Er ist aus Berlin losgelaufen mit seinem Hund Woti, den ich auch sehr gut kenne und vermisse, genau wie ihn, und ist Richtung Japan unterwegs. Er ist gelaufen, aber auch getrampt und er hat viele Menschen getroffen und das in Ländern, über die auch wir hier im Podcast immer wieder sprechen, Denn er ist unter anderem durch den Iran gelaufen, gefahren. Und ich möchte heute darüber sprechen mit Philipp Mollenkot, so heißt er, was man so erlebt, wenn man einfach ohne Plan losläuft und auch ohne viel Geld und überhaupt gar nicht weiß, wie und wo man ankommt abends, was das mit dem Leben macht. Und ich freue mich, dass Philipp mir jetzt zugeschaltet ist. Ehrlich gesagt weiß ich gerade gar nicht. Philipp, wo du bist. Erstmal Hallo und alle liebe Grüße nach.
Philipp Mollenkot
Hi Paul, danke für die Einladung. Du sprichst mich im Süden Pakistans in Karachi, wo ich seit zwei Tagen, nein, drei Tagen, ich verliere ein bisschen das Zeitgefühl seit einer Weile, bin zwei oder
Paul
drei Tage Und du kamst ja aus Baludzistan, was an der Grenze ist zwischen dem Iran, vorher warst du im Iran. Genau über die Dinge wollen wir heute im Podcast natürlich auch gleich sprechen. Aber lass uns mal vorne anfangen. Warum läuft man einfach los und ich versuche jetzt Japan zu erreichen.
Philipp Mollenkot
Ja, das ist ein bisschen vielschichtig, Paul. Also ist es so, dass da natürlich eine ganz gehörige Portion Eskapismus im eigentlichen Wortsinn wahrscheinlich dabei ist, dass es das impliziert, dass ich einfach ein Problem habe, so in dieser normalen Gesellschaft wie sie oder normal in Anführungsstrichen zu bestehen, glaube ich. Also ich habe das ein paar Mal probiert, ich habe aber auch nie so richtig Karriere gemacht und war immer viel unterwegs. Ich habe um die 80 Länder bereist in meinem Leben und auch meistens sehr intensiv und mich so ein bisschen gegen eine klassische Karriere entschieden. Und jetzt hatte ich ein Projekt, ich habe das letzte Jahr in Brasilien gewohnt, das habe ich beendet und bin dann so ein bisschen mit leeren Händen wieder nach Deutschland gekommen und hatte da einfach keine Aufgabe. Und ich bin so ein wahnsinnig aktiver Typ und ich bin wie so ein Tiger im Käfig auf und ab und dachte, was mache ich denn jetzt? Und hab mich dann mit meinen Freunden so ein bisschen beraten und bin aber zu dem Schluss gekommen, dass die Sache, in der ich recht gut bin, so ein bisschen ist, dass ich einfach bestehen kann in einer Welt, wo es ums Essentielle geht und mir das auch ziemlich viel Freude bereitet. Und daraufhin habe ich dann relativ schnell entschieden, loszulaufen, meine Sachen zu packen, so ein paar Basics zu organisieren und dann bin ich los.
Paul
Was hast du dabei? Also Voti ist dabei und was hast du noch eingepackt? Man darf wahrscheinlich ja nicht zu viel einpacken, wenn man auch viel laufen will, oder?
Philipp Mollenkot
Ne, auf gar keinen Fall. Also man sagt, ich bin 1,80 recht fit, wiegt 75 Kilo männlich, da sagst du auf Long Distance, also mehr als 16 Kilo ist schon dolle. Ich habe nicht viel dabei. Ich habe das große Glück, dass ich sehr, sehr gutes Equipment bekommen habe und für einen ganz guten Preis und komme mit diesen 16 Kilo klar. Das sind ein Zelt, ein Schlafsack, eine aufblasbare Isomatte, da ist ein kleines Küchenset mit zwei Töpfen drin, da ist ein Messer, da ist ein Löffel, eine Gabel, da ist immer eine Dose Hundefutter und dann ist es Kleidung und das war's. Das ist also absolut minimalistisch, aber das, was man braucht, ist dabei.
Paul
Wie viel Geld braucht man auf so einer Reise? Du sagst Hundefutter? Natürlich. Also wenn wir da mal an den Anfang gehen, ich habe es jetzt auch schon nicht mehr drauf. Wann war das, Philipp? April, Mai. Da bist du dann einfach aus Berlin in Richtung Polen erstmal, oder?
Philipp Mollenkot
Ja, ja, ja. Also ich lebe sehr, sehr, sehr sparsam. Ich ernähre mich von Tütensuppen und Fallobst mehr oder weniger, wenn du so willst, jetzt hier in Pakistan oder auch im Iran, Da gibt es dann Nahrung, die ist, die ist sehr günstig, aber ich vermeide es trotzdem essen zu gehen, denn mein Budget ist wahnsinnig begrenzt. Also ich bin ja in Europa losgelaufen, habe das aber relativ schnell hinter mir gelassen und damit auch gleichzeitig den kostenintensivsten Teil hinter mir gelassen. Erstmal grundsätzlich ist zu sagen, ich vermeide Hotels und Campingplätze weitestgehend. Ich campe wild einfach irgendwo und erlaube mir so einmal die Woche ein günstiges Hotel oder einen Campingplatz, um einfach mal sauber zu bleiben und auch mal ein Waschla zu benutzen und vielleicht ein Shampoo. Das geht jetzt natürlich an so einem Gebirgsbach nicht. Ansonsten ist das Katzenwäsche. Das spart eine ganze Menge Geld. Und ansonsten, es gibt nicht viele Kostenfaktoren. Also in Europa habe ich viel offene Wasserleitungen mit Trinkwasser gefunden und wie gesagt, also wenn man sich von Tütensuppen ernährt, das kostet Stück einen Dollar oder so. Ja, es ist nicht viel. Ich habe dann Europa hinter mir gelassen und dann wurde es auch insgesamt billiger. Dann gab es auch mal wieder frisches Obst und Gemüse und ich komme ganz gut zurecht. Ich würde sagen, 800 Dollar US im Monat reichen dicke aus, wenn man sowas macht, inklusive Hundefutter.
Paul
Aber gut, die musst du ja auch erst mal haben. Du arbeitest jetzt ja nicht unterwegs, oder? Also wie hast du das Ganze dann finanziert bzw. Wie finanzierst du das, dass du dieses da monatlich?
Philipp Mollenkot
Ich hatte wahnsinnig, ich habe, ich habe wahnsinnig und hatte und habe wahnsinnig großes Glück, dass ich ein paar sehr spendable Freunde habe, die mir unter die Arme gegriffen haben. Ich habe aus Versehen einen GoFundMe Link gemacht. Man kann an meiner Reise teilnehmen auf Instagram und ich bin wahnsinnig dankbar, dass es wirklich nicht wenig Leute gibt, die Freude daran haben, das zu verfolgen, die da vielleicht auch so selber mitfiebern und denen es dann wert ist, da auch ein paar Euro mit beIN zu steuern. Das reicht insgesamt wahrscheinlich, so wie es im Moment aussieht, auch nicht ganz bis nach Japan. Und möglicherweise kommen dann noch mal Zeiten, wo ich den Gürtel dann noch mal enger schnallen muss, was aber auch okay ist. Also ich kann ganz gut minimalistisch leben.
Paul
Wir verlinken natürlich auch deine Instagram Page hier. Ich höre das auch von vielen, die dir zuschauen, gerade vor diesem Hintergrund des Eskapismus, weil es glaube ich vielen so geht, die sich genau diese Fragen stellen. Wie wäre es einfach alles hinter sich lassen und einfach weg? Philipp, warum Japan? Also warum hast du gesagt, du willst jetzt Richtung Japan. Du bist ja 2022 schon einmal mit dem Auto kurz nach der Übernahme der Taliban durch Afghanistan und oder bis nach Afghanistan einfach gefahren, auch mit Voti damals. Aber warum jetzt Japan und warum jetzt mehr laufen als fahren?
Philipp Mollenkot
Also die Wahrheit ist, ich habe einfach kein Auto, deshalb laufen. Ich hatte eine Weile an ein Fahrrad gedacht, aber dann aus einer Erfahrung heraus, ich bin etwa um dieselbe Jahreszeit, damals vor vier Jahren mit dem Auto richtig durch Afghanistan gefahren und erinnere noch diese unfassbaren Temperaturen im Iran, in Pakistan, in Kasachstan, die schnell auch über 50 Grad erreichen. Und das mit dem Fahrrad bedeutet, dass du eben nicht mal eben auf dem Auto aufspringen kannst oder auf eine volle Ladefläche von einem LKW mal mitgenommen wirst oder im größten Notfall auch mal einen Zug nehmen kannst. Das bedeutet, ich habe gedacht, ich laufe das Ganze oder lege den Weg zurück ohne Vehikel, ohne eigenes Vehikel. Und ja, das ist ganz gut. Also das funktioniert hervorragend.
Paul
Und warum Japan?
Philipp Mollenkot
Weil es der Ort war, der von Berlin, wo ich losgelaufen bin, am weitesten weg ist und ich die Gegend so ein bisschen kenne. Und das ist ein Faszinosum. Also wenn ich bin jetzt, ich habe mehrere Gebirge durchquert, ich bin so ein Bergfreund und bin jetzt ja auch bald im Himalaya und das wird ein echter Hammer werden. Also da steht man da ganz alleine und die Welt hört für Moment auf sich zu drehen und ich wollte das einfach noch mal erleben.
Paul
Nimm uns mal ein bisschen mit Philipp, du hast gesagt, du hast Europa relativ schnell hinter dir gelassen, hast dann dich, glaube ich, auch mal in den Truck begeben, also bist dann nicht durchgelaufen, was du ja ursprünglich vorhattest, sondern hast gesagt, okay, in den Ländern, wo jetzt nicht so viel passiert, da setze ich mich auch mal in LKW. Wie ging es los? Also nimm uns mal ein bisschen mit auf diese Reise, die dann in Berlin begonnen hat.
Philipp Mollenkot
Ich habe mein Zeug gepackt, aufrichtigerweise das subjektive Gefühl beim Aufbruch, das kennen wahrscheinlich viele vom Urlaub, man realisiert das gar nicht, bis man dann irgendwie unterwegs ist und dann denkt, huch, was mache ich hier eigentlich? Und genauso ging mir das auch. Ich habe mich von einem Freund an die Stadtgrenze von Berlin bringen lassen, kurz vorm Flughafen Schönefeld und bin dann losgelaufen und dann Am Ende des Tages hatte ich irgendwie 20 Kilometer hinter mich gebracht und war kurz hinterm Flughafen Schönefeld. Es war ganz schönes Wetter, allerdings war eine Schlechtwetterfront angekündigt Und an Tag 2 dachte ich, man, was machst du hier eigentlich für einen Quatsch? Also es ist so irre, wenn man mit dem Auto irgendwie in zwei Stunden 200 Kilometer zurücklegt und braucht dafür aber zu Fuß zehn Tage, diese Diskrepanz. Und das ist mir ziemlich schnell aufgefallen und es begann dann zu regnen und ich bin dann, wie du schon gerade sagtest, genau, ich bin aufgesprungen auf Autos, ich habe per Anhalter bin ich ein bisschen gefahren und außerdem wollte ich möglichst schnell irgendwie so ein bisschen exotische Länder beweisen und musste jetzt ehrlich gesagt nicht durch Dresden oder Tschechien laufen.
Paul
Was sind das für Leute, die du unterwegs getroffen hast?
Philipp Mollenkot
Naja, also völlig unterschiedlich. In Europa waren das viele Lastwagenfahrer, womit ich echt überhaupt gar nicht gerechnet hatte. Wenig so Privatautos. Ich bin in meiner Jugend viel per Anhalter gefahren, so mit 16 oder so. Ich komme aus dem Raum Kassel, sehr, sehr ländlich, Da war das Gang und Gä Da haben das viele gemacht und jetzt gute 25, ein bisschen mehr Jahre später, hatte ich den Eindruck, auch insbesondere mit Hund, dass diese ganzen schicken Autos einfach auch einen Hund vielleicht gar nicht mitnehmen wollen. So einen versifften Vagabunden wie mich da einfach auch nicht im Auto haben wollten. Und die Lastwagenfahrer da aber eigentlich immer sehr offen für waren. Die hatten dann auch mal ein Gespräch und ich mein Outfit sagt ja jetzt nun auch so ein bisschen was über meine Reise aus, nämlich dass sie ganz schön weit wird. Und das fanden die spannend. Also das war in Europa.
Paul
Wie war da, Philipp, Weil wir viel über die Stimmung in Europa auch sprechen. Was war so die Stimmung bei den Lastwagenfahrern? Worüber habt ihr geredet?
Philipp Mollenkot
Also die meisten haben an eine deiner ersten Fragen angeknüpft. Sag mal, wie machst du das? Warum musst du nicht arbeiten? Das war allerdings gar nicht mal so missgünstig, sondern eher so ein interessiertes Fragen, weil wie du auch schon irgendwie ganz gut analysiert hast, diese Idee von Eskapismus, die ist glaube ich, ganz vielen inne in so einer sich selber gerade subjektiv für uns alle natürlich total überschlagenen Welt. Alles wird irgendwie zu viel und die Leute wollen raus und das wurde eigentlich so mit Wohlwollen betrachtet und ich habe da auch sehr ehrlich gesagt, dass die Finanzierung quasi nicht aus meinem Mist gewachsen ist, sondern dass andere Leute mir dabei helfen und das fanden die super.
Paul
Dann bist du relativ schnell in der Türkei angekommen, glaube ich. Du bist dann und in der Türkei bist du sehr viel gelaufen. Was waren das für Begegnungen dort?
Philipp Mollenkot
Das war herrlich. Also ich bin genau im Südwesten der Türkei. Ich hatte einen wieder Lastwagenfahrer, der mich spät nachts aufgegabelt hat irgendwo in Bulgarien und meinte, ey, ich fahre in die Türkei, dann komm halt mit. Und am nächsten Morgen war ich dann am Strand und dann hüpften da Delfine. Also das war ganz herrlich. Ich bin dann von dort relativ schnell weiter Richtung Norden in die Berge, denn ich wollte so ein bisschen abkühlen mal und das war fantastisch. Also ich habe da so autark lebende Farmer getroffen, mitten im Nirgendwo. Also das muss man sich vorstellen, da sind Bären und Wölfe unterwegs und die Shotgun hängt in der Scheune und die gehen einmal im Monat einkaufen, kaufen sich fünf Kilo Reis und ein bisschen Zucker und der Tee wächst draußen, die Kühe geben die Milch, die Hühner, die Eier und das Fleisch und der Salat wächst dort auch und das war eigentlich ziemlich beeindruckend und ziemlich schön. Und die türkische Gastfreundschaft, die berühmte türkische Gastfreundschaft habe ich natürlich auch total ausgekostet.
Paul
Jetzt ist es aber für die auch eher ungewöhnlich, wenn dann ein Europäer mit blondierten Haaren, seinem Hund plötzlich da irgendwie in der Vorgärten steht und du sagst es, ja, da ist auch mal eine Shotgun irgendwo in der Scheune.
Philipp Mollenkot
Also ja, nein, nein, aber nein, da habe ich ganz gegenteilige Erfahrungen gemacht. Umso höher. Genau, weil das eben so selten ist dort in diesen abgelegenen Bergregionen war das Interesse umso höher. Und die Türkei ist ja jetzt wenigstens aus der Hinsicht ja jetzt auch nicht unbedingt ein Schoko Staat, was die Bevölkerung betrifft. Nein, da habe ich fantastische Erfahrungen gemacht. Also es gehört zur türkischen Etikette, dich nicht ohne dich vollgestopft mit Essen zu haben, weiterzulassen. Also es war eher andersrum, dass ich mich retten musste vor diesen mich mästenden Türken.
Paul
Und wie war das, du sagtest mir vor deiner Abreise, dass das für Voti gar nicht so ungefährlich ist, weil da irgendwie auch Wildtiere unterwegs sind. Wie war die Erfahrung?
Philipp Mollenkot
Ja, also es sind, ich habe gezeltet und auch in den Bergen gezeltet. Es gibt dann so ein paar einfache Regeln, dass du das Essen, was du am Abend hattest, jetzt nicht vorm Zelt halb aufgegessen liegen lässt, sondern in den Sack 30 Meter weiter in den Baum hängst. Das sind so Sachen, die macht man auf alle Fälle. Aber es gab in der Tat eine andere Gefahr und das sind die Hütehunde der Türkei. Das sind die sogenannten Kangals, die häufig in Rudeln auftreten. Das sind ganz liebe Tiere. Die haben allerdings eine Aufgabe im Leben und das ist die Herde zu bewachen Und es passiert schnell und es ist auch häufig passiert, dass ich dann mal in so ein sich bewegendes Territorium, denn eine Herde bewegt sich eingedrungen bin. Ich hatte immer Glück und es waren dann die menschlichen Hirten auch dabei, die mich dann aus der Situation retten konnten. Es gab eine brenzlige Situation, da wurden wir wirklich umringt von, ich würde sagen, vier bis sechs von diesen riesengroßen Hunden und dann kam ein Auto vorbei, was wahnsinnig selten ist, aber das hat uns dann, also ich würde jetzt mal sagen, wahrscheinlich gerettet. Also der hat mit lautem Hupen und Vorwärts und Rückwärtsgang uns von dieser Herde getrennt. Die Hunde waren sich auch so ein bisschen unsicher, ob sie uns jetz killen sollen oder nicht oder Wotan killen sollen oder nicht. Und ich muss dir sagen, ich wusste auch gar nicht, ob ich jetzt als Verteidiger Wotans jetzt, auch wenn es in deren Ziel geraten wäre. Allerdings war das subjektiv wahnsinnig brenzlig und ich bin sehr froh, dass wir da rausgekommen sind.
Paul
Philipp, diejenigen, die uns bei YouTube zuschauen, also Video Wotan ist doch bestimmt gerade in der Nähe, oder? Kannst du den mal, Kannst du mal Sekunde wieder.
Philipp Mollenkot
Das ist wo Wir waren eben eine Weile draußen.
Paul
Das ist Wotan, Was geht ab? Meine Stimme kennt er ja wohl auch. Paul Ja, das ist Wotan. Philipp, wie, weil du gerade so eine brenzlige Szene angesprochen hast, wie oft hattest du Angst?
Philipp Mollenkot
Naja, es gibt ja jetzt verschiedene Angst. Ich bin tendenziell erst mal kein ängstlicher Mensch. Ich weiß das jetzt küchenpsychologisch würde ich jetzt mal sagen, das äußert sich bei mir eher in Druck. Ich hatte im Iran einen wahnsinnigen Druck, was diese runde Situation betrifft. Das ist so, das sind so kurze Momente, die so ein bisschen dens sind und im Nachgang denkt man sich, huiuiui, das war jetzt aber dolle. Im Iran war das eine andere Geschichte, kommen wir vielleicht gleich noch mal zu. Aber eine echte Angst hatte ich nicht und Angst lähmt auch. Also ich würde eher sagen, gesunden Zugang zum aktuellen Risiko. So würde ich es eher einordnen, kombiniert mit einem ordentlichen Druck.
Paul
Wie ist das mit Einsamkeit? Also klar, du triffst dort Menschen, die dich das erste Mal sehen, die dir vielleicht auch Essen geben, andere, die eher skeptischer sind, aber die meiste Zeit bist du ja einfach mit Woti alleine. Redest du dann mit Woti oder ich
Philipp Mollenkot
rede mit Woti sogar eine ganze Menge hält als Stellvertreter für mich selbst her, weil ansonsten ich ja selbst Gespräche führen würde. Aber nein, ich kann sehr, sehr gut alleine sein. Ich genieße das Alleine Sein sehr gut. Ich habe mir das irgendwann mal beigebracht. Ich bin da irgendwann mal durch so verschiedene Schichten durch und habe dann so in meiner Psyche jetzt und habe dann irgendwann bemerkt, dass ich das Alleine Sein nicht nur sehr gut aushalten kann, sondern auch sehr liebe. Wenn ich dann jemanden treffe, dann glaube ich, quatsche ich wie ein Wasserfall und dann drehen sich die Leute wahrscheinlich auch schreiend weg. Das registriere ich dann aber auch gar nicht so richtig. Nein, ich habe keine Einsamkeit. Ich genieße das total und bin jetzt gerade in der Stadt seit ein paar Tagen, wie erwähnt, und möchte wieder remote, möchte wieder in die Berge, möchte wieder in die Einsamkeit.
Paul
Was macht das mit einem, wenn man dann doch über so lange Zeit einsam ist und in diesen Berggegenden und in keiner Stadt ist? Wie verändert das einen selbst und vielleicht auch den Körper?
Philipp Mollenkot
Also ich glaube, das wirkt bei jedem Menschen so ein bisschen anders. Bei mir fühlt sich das so ein bisschen an wie so ein raues Meer und der Meeresspiegel sinkt irgendwie und dann bleiben dort Riffe und Felsen übrig und die kommen dann so ein bisschen zum Vorschein. Das klingt jetzt grausam esoterisch, aber genauso meine ich dann ist da das, was dann so übrig ist. Dann sind das so ein bisschen die Themen, mit denen man sich befasst. Man wird so ein bisschen in sich ruhiger, hat Also wahnsinnig zentriert fühlt sich das an. Ich bin sehr aware, mein Kopf ist total da, mein Körper auch. Es fühlt sich sehr gesund an für mich.
Paul
Du bist dann aus der Türkei weiter in Richtung Iran. Richtig. Und wie läuft das überhaupt? Du musst ja in vielen Ländern auch immer ein Visum bekommen. Ist das total entspannt für jemanden, der als Tourist unterwegs ist? Für uns Journalisten zum Beispiel, wenn ich jetzt, ich könnte, habe ich ja auch schon im Podcast häufig drüber gesprochen, eben nicht in den Iran, weil ich da auf bestimmten Widerstand stoßen würde, kein Journalistenvisum bekommen würde und so weiter. Aber das soll nicht unser Thema sein. Wie ist das für Touristen?
Philipp Mollenkot
Naja, also erstmal war mein Plan überhaupt gar nicht durch den Iran zu gehen, sondern ich wollte über Aserbaidschan nach Kasachstan. Ich bin von der Türkei erstmal nach Georgien, ein bisschen weiter nördlich und wollte von dort den Zug nehmen nach Baku. Von dort aus fährt eine Fähre, das ist so ein alter Sowjetpott, der fährt über zwei, drei Tage nach Aktau in Kasachstan. Und dort wollte ich dann nach Osten durch die Wüste weiter jetzt haben. Und das wusste ich nicht. Ich hatte nur von dieser Wiederaufnahme dieser Zugverbindung gelesen. Jetzt haben die Aserbaidschaner die Grenzen weiter dicht gehalten für Nicht Aserbaidschaner und Georgier. Das heißt, ich durfte Aserbaidschan nicht betreten. Norden ist Russland. Aus damaliger Erfahrung gibt es für mich als Deutschen nur ein Transitvisum, was ein paar Tage ist. Das heißt, die Nordroute, um dann weiter in die Mongolei zu kommen, war mir auch versperrt. Es blieb nur der Iran. Wie kriegt man ein Visum? Also ich war ehrlich gesagt erstaunt, dass ich eins bekommen hatte. Ich bin in Jerewan, das ist in Armenien, Hauptstadt von Armenien. Dort bin ich an die iranische Botschaft. Ich habe mich da so ein bisschen reingequatscht. Ich habe denen einfach erzählt, ich hätte einen Termin, im Wissen, dass da manchmal vielleicht ein Informationsleck ist und hätte einen Termin mit dem Konsul und es ging um ein Visum. Und ich wurde dann auch durchgewunken und hatte dann eine halbe Stunde später mein Iran Visum in der Hand. Also das ging ruckzuck.
Paul
Der war sehr freundlich, gar nicht gefragt, mitten im Krieg, in dem sie sich ja immer noch befinden, jetzt nicht jeden Tag, aber diese Angriffe der Amerikaner und die Gegenangriffe gibt es ja immer noch haben die nicht gefragt, was wollen sie denn gerade jetzt im Iran?
Philipp Mollenkot
Das war zu Zeiten einer, ich will mal sagen, angespannten Friedenssituation. Das war diese kurzen drei, vier Wochen, in denen wir alle den Wortlaut von Trump wahrscheinlich jetzt noch im Kopf haben und auch den Singsang, seinen ureigenen Sing sagen, they wanna make a deal. Ja, das war zu dieser Zeit. Und dann war das in Ordnung. Und der hat auch nicht besonders viel nachgefragt. Nee, ich hatte dann das Visum in der Hand als DIN A.
Paul
Und hattest du kein mulmiges Gefühl dann über die Grenze in den Iran auch?
Philipp Mollenkot
Nein, nein, ich kenne den Iran. Ich war da ja schon mal und habe es damals, so wie auch dieses Mal von Seiten der Bevölkerung als ein unfassbar freundliches, tolles Land erfahren. Nee, ich hatte keine Angst, aber das
Paul
meine ich jetzt gar nicht. Das ist mir klar, dass es da tolle Menschen gibt. Ich meine eher eben das Regime und diejenigen, die an der Grenze dich kontrollieren, die dich filzen, die vielleicht dich als Spion verdächtigen können.
Philipp Mollenkot
Also in dieser Hinsicht hatte ich Gedanken. Ich habe nun ja auch Kontakt zum Beispiel zu dir und du stehst ja nun nicht als regimetreuer Mensch da. Und davon kenne ich noch so ein paar Leute. Aber die Kontaktschuld hätte ich jetzt bei mir erst mal ausgeschlossen.
Paul
Du bist mir erst mal bei Instagram entfolgt.
Philipp Mollenkot
Ja, das ist korrekt. Und auch noch einigen anderen. Das stimmt. Das war so. Es war dann, als ich die Grenze überquerte, habe ich das dann auch noch mal aus einem anderen Winkel betrachtet. Es war so, dass ich von Armenien reingegangen bin und dann nach der üblichen Grenzkontrolle dann auch so ein Geheimdienstler kam. Also der ganze Prozess hat bestimmt zwei, drei Stunden gedauert. Er hat mich sehr, sehr, sehr in den Mangel genommen, ziemlich fein befragt und ganz zum Schluss dann auch sich mein Handy geschnappt und dann mir so auch entgegengeblökt, ich möge das jetzt mal entsperren und dann ist auch aus diesem Wortlaut zu ernehmen, da gibt es keine Chance, das musst du jetzt machen. Ich habe das gemacht. Ich war ja so halbwegs vorbereitet. Ich war viel in Israel in der Vergangenheit. Ich habe dort auch journalistische Arbeit mal gemacht hinter der Kamera, nicht so wie du. Und ja, dann ist mir eingefallen, dass
Paul
ich entschuldige, was ist dir eingefallen?
Philipp Mollenkot
Dann ist mir eingefallen, dass ich beispielsweise die Raketen Warn App der Israelis noch auf dem Handy habe, die ist knallrot und die war so auf Slide 2 ziemlich klar zu sehen. Und dann ist mir daraufhin eingefallen, während er so in das Handy schaute, dass ich damals auch in einer Journalistengruppe der IDF noch drin war. Und wenn man jetzt bei WhatsApp nicht in die Chats geht, sondern auf den kleinen Reiter Community stand da ganz oben IDF und da ist mir das Herz dann doch so ein bisschen in die Hose gerutscht. Der hat das aber, glaube ich, übersehen.
Paul
Der hat ja, sagtest du vorher dich 3 Stunden lang befragt, bevor er dir das Handy weggenommen hat. Was genau wollte der alles von dir wissen? Und wie ist so ein Geheimdienstmitarbeiter drauf, der in solchen Tagen dann deutsche Touristen kontrolliert?
Philipp Mollenkot
Ja, also es ist, wie man es in jedem Spionagefilm sieht, man lässt, man lässt die Leute schmoren und das hat er mit mir auch gemacht. Also immer mal wieder eine Viertelstunde weg, dann mal wieder sieben Minuten weg, mal 20 Minuten weg und dann kommt er wieder, stellt zwei, drei Fragen, setzt sich an sein Telefon und telefoniert. Konkrete Geschichten waren, ob ich iranische Freunde habe. Dann kamen die Fragen eben, was ich überhaupt hier will, hier sei ja Krieg. Und da sagte ich, ne, hier ist kein Krieg. Und ich habe mir so ein bisschen Honig ums Maul geschmiert oder das versucht, ich weiß gar nicht, ob das geklappt hat oder nicht. Aber von dem schönen Iran, so wie ich ihn ja auch wirklich in der Erinnerung hatte gesprochen und eine genaue Reiseroute musste ich darlegen oder was ich so wenigstens plane. Das fiel mir so ein bisschen schwer und dann war es so ein bisschen Zuckerbrot und Peitsche. Also immer mal wieder war der wahnsinnig nett und dann wieder wirklich garstig zu mir. Also ich denke, das sind so Verhörmethoden einfach. Ich kenne mich da nicht so richtig mit aus, Aber zum Schluss steht man dann da und schluckt. Also der macht einen schon ganz schön mürbe.
Paul
Was heißt garstig? Was sind das für Fragen, die denn ihr stellt?
Philipp Mollenkot
Naja, und es sind so paar Fangfragen dabei. Es ist beispielsweise auch so, du hast doch eben gesagt, du hast Freunde hier. Da sage ich, nein, ich habe hier einen Bekannten, einen Freund von einem Freund von einem Freund, wo ich in Teheran vielleicht unterkommen kann. Das ist kein Freund. Das hast du aber eben anders gesagt. So ungefähr läuft das und dann bleibt man bei seiner Linie und ich hatte ja nichts zu verbergen, sondern nur die Wahrheit erzählt. Und dann geht er freundlich zur nächsten Frage über. Also es ist so ein bisschen ein aus dem Konzept bringen des Befragten, in dem Fall mir, und zu gucken, ob Widersprüchlichkeiten auftauchen. Das war so meine Interpretation dessen.
Paul
Und dann hat er dich wirklich durchgelassen und du durftest in den Iran rein. Was war das für ein Moment und wie hast du das Land erlebt? Du hast es gerade gesagt, das war in der Zeit, als es gerade Waffenruhe gab, aber dann eben plötzlich wieder ein Angriff der Amerikaner. Richtig?
Philipp Mollenkot
Ja. Also ich hatte eben statt Angst von Druck gesprochen. Dieser Druck, der war dann, nachdem ich da mein Handy öffnen musste und diese IDF Gruppe, so eine halboffizielle Nachrichtengruppe der IDF war das, um das noch mal klarzustellen. Und eben auch diese Warn App aus Israel, Das war, das hat mir ganz schön Sorge bereitet. Mir war klar, also wenn was kommt, kommt das bei der Ausreise, denn jetzt bin ich im Land und wenn sie was wollten, hätten sie mich jetzt schon verhaftet. Paul, das war für mich gar nicht so ein Thema, dass das mich betreffen könnte, weil ich hätte das aushalten können, paar Tage, Wochen oder sogar Monate mal weggesperrt zu werden im Iran. Allerdings davon auszugehen, dass man dann in eine Pet friendly Zelle kommt, das war mir klar, würde nicht passieren. Das heißt, wenn ich verhaftet worden wäre, dann wäre es das mit Wotan allerhöchster Wahrscheinlichkeit nach gewesen. Und das hat mir Sorge bereitet, Druck bereitet. Das war in der ersten Nacht ganz besonders so. Ich bin dann weiter ins Landesinnere über Teheran und bin in Teheran zu dem Wochenende angekommen. Das war der 3. Juli, am Tag vor dem amerikanischen Unabhängigkeitstag, als zeitgleich der getötete Ayatollah zu Grabe getragen wurde. Die Bilder kennen wir alle aus Teheran, als er da in diesen Menschenmassen Richtung Irak transportiert wurde. Da bin ich dann angekommen. Das war auch die Route, die ich so angegeben hatte und das wollte ich mir angucken. Also dieses, ich sage jetzt mal in Anführungsstrichen spektakulär, Spektakel, das fand ich wahnsinnig spannend. Überall auf dem Weg dorthin war Infrastruktur für die Bevölkerung gelegt. Das fand ich wahnsinnig spannend. Überall gab es so kleine Oasen spiritueller Natur. Also ganz viele Moscheen hatten ganztägig ihre Prayers vor der Tür und Wasser, kleine Speisen und kostenlose Busverbindungen nach Teheran über eine Woche waren gegeben für die Bevölkerung, um dort anzureisen. Das war ziemlich spannend zu sehen.
Paul
Wurdest du da oder hast du es mitbekommen, dass du irgendwie verfolgt wurdest vom
Philipp Mollenkot
Geheimdienst auf dem Weg nach Teheran? Nicht in Teheran, sehr wohl. Und da muss ich sagen, habe ich fast mit so einem Kichern beobachtet, weil ich dachte, wie plump. Also erstmal sind diese Geheimdienstler, die haben so dieses düster akkurate, was jetzt auch so ein bisschen die Karikatur von so einem Stasi Spitzel betreffen würde. Also so diese perfekten Scheitelhaare, diese ja nicht ganz schicken Lederschuhe mit dieser guten Buntfaltenhose und der Lederjacke drüber. Genau so sehen die im Iran auch aus. Und die haben dann auch recht plump ihr Handy gezückt und Fotos von mir gemacht. Also ja, ich wurde beschattet auf alle Fälle. Ich kann nicht sagen, von wann bis wann genau. Und habe dann auch versucht darüber hinwegzusehen, weil sonst wird man ja irre so ein bisschen. Aber ja, ich bin beschattet worden. Absolut.
Paul
Was für Erfahrungen hast du gemacht mit der Bevölkerung? Wie haben die mit dir geredet? Wie offen waren die? Ich meine, es ist ja eine wahnsinnig aufwühlende und schlimme Zeit für viele Menschen im Iran.
Philipp Mollenkot
Ja, ich hab versucht sensibel in dieser Hinsicht zu sein und auch sensibel, was meine eigene Sicherheit betrifft, Denn jede Frage kann natürlich auch immer eine persönliche Meinung implizieren, oder? Ja, ich habe die Leute reden lassen. Viele haben von sich aus geredet. Die, die geredet haben, waren häufig Verfechter der Linie des getöteten Ayatollah und der aktuellen Politik des Irans. Das sind, wie ich feststellen musste, deutlich mehr Leute, als ich gedacht hätte. Ich würde sagen, jeder vierte bis fünfte, mit dem ich sprach, hat von sich auch sehr, sehr klar angefangen.
Paul
Ist das aber möglicherweise auch dann schwer als repräsentativ zu betrachten, weil diejenigen, die eben das Regime kritisch sehen, ja sehr viel vorsichtiger sein müssen mit ihrer Meinung, oder? Also, und sind ja oft Leute dabei, die das sagen, um sich selbst zu schützen. Also die denken, keine Ahnung, derjenige wird jetzt beschattet und dann erzähle ich ihm mal, wie großartig das Regime ist.
Philipp Mollenkot
Ja, das stimmt. Also jene, die das Regime befürworten, sind natürlich verbal sehr laut. Es gibt allerdings auch andere Kommunikationscodes, Handbewegungen waren ganz viel. Ich habe kein einziges Mal erlebt, dass jemand sich verbal in aller Klarheit gegen die aktuelle Regierung gestellt hat. Mimiken, Gestiken, Geräusche zuhauf. Also ganz, ganz viele Leute sind überhaupt nicht einverstanden mit dem, was da vor sich geht. Das bedeutet aber auch, also so habe ich es erfahren, das bedeutet aber nicht, dass man sich jetzt auf die Linie stellt, so wie wir sie interpretieren würden. Will heißen, es gibt trotzdem auch bei Regimegegnern eine große Wut gegenüber den USA und besonders Israel. Also da musste ich einen großen ja, Antisemitismus reicht nicht. Es war ein großer Judenhass, den ich dort eigentlich von allen Seiten erfahren habe. Also und das geht so weit, dass dann krudeste Verschwörungstheorien, Paul Also das verrückt das Epstein Regime.
Paul
Wir müssen das nur immer mal wieder einordnen, weil es natürlich schwer ist zu sagen, ja, so sind die Leute. Du bist ja in bestimmten. Du warst dann in einer Zeit da, wo da Abschied genommen wurde von Khamenei in Teheran, wo sich da eben auch viele dieser Leute auf der Straße versammelt haben.
Philipp Mollenkot
Ja, also bei der Beisetzung habe ich natürlich mit niemandem gesprochen. Das waren die in Schwarz gehüllten Menschen, die dort ihren Trauertag haben. A habe ich nicht das Recht, diese Leute in ihrer Trauer zu stören als Außenseiter und B ist das auch einfach zu gefährlich gewesen. Also da jetzt Leute anzusprechen und mit denen zu diskutieren, das war nicht mein Anliegen. Ne, ich spreche so insgesamt von der Zeit im Iran, die. Also es war sehr, sehr widersprüchlich. Wie gesagt, der Iran ist ja wahnsinnig heterogen. Du hast ganz, ganz viele verschiedene Meinungen und Ethnien, Bevölkerungsgruppen. Dort, wo sich alle einig waren und auf diesen Punkt wollte ich so ein bisschen raus, ist eben, dass der Feind deines Feindes nicht gleichzeitig dein Freund ist, sondern dass eben USA, Israel, der Westen im Allgemeinen nicht willkommen geheißen wird. Also das habe ich so nicht erlebt, zu keinem Zeitpunkt. Anders bei den Exil Iranern in Deutschland beispielsweise.
Paul
Hast du Menschen erlebt, die ihre Wut auf das Regime mit dir geteilt haben? Oder ist das, würde ich mir so vorstellen, für die Menschen da gar nicht möglich, weil sie ja Sorge haben müssen, dass da eben Geheimdienste sie dann direkt einsperren?
Philipp Mollenkot
Genau, genau. Genauso. Ich habe das Gefühl, dass diese unterdrückte Wut im Moment in Resignation sich äußert und in so einer, naja, vielleicht noch gefährlicheren Komprimierung sich gerade irgendwie befindet. Also die Leute, die sind resigniert, die haben viele Freunde verloren, also insbesondere die Dissidenten. Ich hatte mich Schluss mal mit einem jungen Arzt unterhalten, wahnsinnig kluger Typ, wahnsinnig freundlicher Kerl, mit dem habe ich sehr, sehr klar diskutiert. Und der sagte, dieser Hass, der sich über so viele Dekaden aufgebaut hat von jenen, die eben nicht den Schienen der Idee des Regimes mitfahren wollen, der ist so doll und der kann aber eben nicht ausbrechen, dass der irgendwann explodieren muss. Und er sagte, und das fand ich wirklich dramatisch, dass die einzige Möglichkeit für den Iran, sich da so ein bisschen raus zu emanzipieren wäre. Und ich zitiere ihn, ein Bürgerkrieg. Und das fand ich wirklich dramatisch.
Paul
Philipp, von dort, also aus dem Iran, wie viele Tage warst du dann da und wie bist du dann da rausgekommen? Denn das war bislang, so habe ich es bei Instagram und natürlich schreiben wir beide auch eigentlich als die noch größere Odyssee wahrgenommen, als im Iran irgendwie zu sein, oder? Also erst mal, wie bist du aus dem Iran? Du dachtest, dass du Sorge hattest, dass du dann da besonders befragt würdest und wo bist du dann gelandet?
Philipp Mollenkot
Ja, also genau das war das. Ich hatte eben auf dem Schirm, dass ich bei der Ausreise befragt werden würde. Ich bin ja zu diesem, ja in Anführungszeichen, Strichen Friedenszeiten eingereist, hatte auf meiner Route diesem Geheimdienstler auch eine klare Idee vorgegeben und die haha nach Bandra Abbas. Also da wollte ich vorbei, ich wollte an der Südküste des Landes entlang Und ich bin 50 Kilometer vor Bandra Abbas gewesen und hatte noch überlegt, ob ich heute Nacht noch durchrase und irgendwie dahin irgendwie komme und habe dann gesagt, es ist so spät, ich lege mich jetzt pennen. Und da bin ich wahnsinnig dankbar drum, denn ein ausländischer Tourist, der dann vielleicht doch in der Nähe bei so einem Angriff ist, das war in der Angriffsnacht, Entschuldigung, genau, ein Ausländer, der dann dort auftaucht. Also da, das ist eine Steilvorlage für jeden Geheimdienst, dann da vielleicht doch als Spion wahrgenommen zu werden. Dann über Nacht kam eben der Angriff, ich bin dann sofort umgedreht, Kehrtmarsch nach Norden bzw. Nordosten und hatte dann natürlich auch meine Bedenken, da ich recht sicher bin, dass ich auf die eine oder andere Art auf meiner Route verfolgt worden bin, hatte dann natürlich ein bisschen Bammel bei der Ausreise. Das hat dann auch die Folgesituation, in der ich dann gelandet bin in Pakistan so ein bisschen verändert, denn auch dort herrscht so eine Art Bürgerkrieg, da kommen wir wahrscheinlich dann gleich noch mal drauf. Ich hatte wirklich nur diese Grenzüberquerung auf dem Schirm, hatte dann über Ausweichmöglichkeiten gedacht, von der südiranischen Küste vielleicht irgendwo nach Oman mit dem Schiff zu fahren oder am Kaspischen Meer ganz im Norden vielleicht eine Fähre zu kriegen nach Kasachstan oder in eins der anderen Länder. Das stellte sich dann aber raus, das war nicht möglich. Das heißt, meine einzige Möglichkeit, weiter nach Osten zu kommen und dieses Land möglichst schnell zu verlassen und ich war recht weit im Osten, war nach Pakistan einzureisen. Ich hatte mich schon um den Visa bemüht, wie gesagt, alles Zufriedenszeiten und es hat so ein bisschen gedauert, bis das dann kam und ich war in einer Grenzstadt des Iran, die heißt Sahedan und habe dort dann noch ein paar Tage gewartet und dann die Grenze überquert nach Pakistan. Dieser Übergang, der war so ein bisschen mit weichen Knien und stellte sich dann raus als erstmal ganz leicht. Also ich bin darüber, Das war so 20 30 Minuten. Die Grenzer, das hat man gemerkt, kennen auch das noch so ein bisschen, diese Route war mal unter Rucksacktouristen und so Abenteurern recht bekannt und recht berühmt vom Iran eben in das pakistanische Belutschistan und die haben mich dann relativ zügig da rausgestempelt und auch gar nicht viele Fragen gestellt. Dieses weiße Gesicht mit einem Typen mit einem Rucksack, das weiß für die gar nicht mal so besonders, auch wenn es ein bisschen her ist, also zwei Jahre scheinbar, dass da der letzte so durch ist als Europäer jetzt oder Nordeuropäer. Naja, und dann war ich schon auf der pakistanischen Seite, ich war schon ausgestempelt im Iran, also wohlgemerkt, der Iran steht nicht im Pass, sondern auf dem DIN A ausgedruckten Visum und bin dann eigentlich so zwischen den Staaten gewesen, weil ich in Pakistan noch nicht eingestempelt war und dachte, huch, das war jetzt aber leicht. Und dann kam ein Anruf von bei dem, bei dem ich nehme an, es irgendein Offizier war, bei den Pakistanern und der sagte, huch, also die haben jetzt doch noch ein paar Fragen an dich. Und dann kam ein Geheimdienstler rüber auf die pakistanische Seite und hat mich wieder zurückgeholt. Und dann, Paul, ist mir das Herz schon so ein bisschen kurz in die Hose gerutscht. Und das war abermals so eine Befragung wie bei der Einreise schon im Iran. Also irgendwer hat sich da wahrscheinlich intern nicht richtig abgesprochen und ich wurde dann noch mal so ein Stündchen, anderthalb etwa verhört auf eine nicht unähnliche Art und Weise. Wie gesagt, wie bei der Einreise. Wo warst du? Mit wem hast du dich getroffen? Hast du Fotos? Gib mal dein Handy. Ich hatte mittlerweile diese Apps und WhatsApp Gruppen gelöscht und musste dann aber wirklich recht gläsern werden, was meine Route betrifft und das auch mit Fotos nachweisen. Ich musste Telefonnummern weitergeben mit Leuten, mit denen ich mich umgeben hatte. Das macht man natürlich mit einem sehr schlechten Gefühl im Wissen, dass diese Telefonnummern gespeichert werden. Und ich weiß nicht, ob die dann direkt befragt werden, das glaube ich nicht, aber die gehen in irgendeinen, in irgendeinem Stock geht das dann ein und es wird gesammelt. Ich bin dann, ja, entschuldige, wie war das dann?
Paul
Und dann haben sie dich ausgelassen und dann bist du nach Balutschistan. Von Balutschistan haben wahrscheinlich bislang die wenigsten gehört. Was ist das für eine Region? Also das ist Pakistan, aber es ist speziell.
Philipp Mollenkot
Genau, also Belutschistan erstmal liegt nicht nur in Pakistan Belutschistan, es ist eine ethnische, Die Belutschen ist eine ethnische Gruppe, die insbesondere aber in Pakistan separatistisch, militärisch, terroristisch einwirken auf dem Staat Pakistan mit der Idee, dort ihren eigenen Staat zu gründen. Gründen der Süden Afghanistans und auch der Iran hat eine große lutsische Minderheit im Osten, im Südosten des Iran. Also ich glaube, das sind acht Prozent der Iraner machen Belutschen aus, nur dass die so ein bisschen anders handhaben. Das sind übrigens auch Sunniten, keine Schiiten. In Pakistan allerdings ist es so, dass die mehr denn je Krawall machen. Also vor vier Jahren bin ich ja schon mal durchgefahren mit dem Auto. Dort gab es auch eine Reisewarnung und dort war es auch der Fall, dass Touristen mal was passiert ist, aber das war eigentlich zu vernachlässigen. Also da wäre jetzt nichts passiert. So oder so gab es auch damals schon Militärkonvois, mit denen man sich ausschließlich bewegen durfte. Und damit habe ich auch dieses Mal wieder gerechnet, dass man von Grenzüberquerung bis eine Stadt namens Quetta, das ist ein bisschen die islamistische Hochburg mal gewesen, eskortiert wird, dort dann so einen Schein in die Hand bekommt und sich dann frei nach Osten oder Norden im Land bewegen kann. Damit habe ich auch diesmal wieder gerechnet. Nun ist es so, dass ich die Grenze überquert habe und die Situation von Tag zu Tag hochgekocht ist. Also zwei Tage vor meiner Grenzüberquerung, ich hatte mein Visum ja bereits, ist ein Bus überfallen worden von Reisenden. Wohlgemerkt sind die Reisenden dort jetzt Afghanen, Iraner und Pakistaner. Da kommt eigentlich nicht vor, dass da andere Nationalitäten noch dabei sind und die werden abgeknallt. Also die Idee der belutischen Terroristen ist hier wirklich Angst und Schrecken zu verbreiten. Alles was nicht ist, wird bekämpft und das ist hochgekocht mit stündlich im Prinzip. Also Lastwagen wurden überfallen, Militärstationen angegriffen, Konvois angegriffen. Genau in eine solche Situation bin ich dann reingeraten. Das heißt, direkt auf der Grenzüberquerung bin ich sofort auf eine Militärbasis geführt worden, die ich dann auch nicht mehr verlassen durfte. Und das war wirklich eine harte Erfahrung.
Paul
Was ist da passiert und wie lange musstest du dort ausharren?
Philipp Mollenkot
Das waren fast drei Wochen, in denen ich eigentlich ein Gefangener war. Du musst dir das so vorstellen, dass das jetzt auch nicht, also diese Militärbasis, das war nicht irgendwie ein Ort, wo man so sein Zimmer hat und wo die Köchin irgendwie kommt oder so, sondern das waren zehn Soldaten, die auf so einem Dreikanthof hausen, also mehr hausen als Leben. Es hatte 50 Grad und drüber tagsüber, nachts ist es abgekühlt auf knapp unter 40 Grad. Es gab keine Klimaanlage, keinen Ventilator, es gab kein Zimmer für mich und Woti. Und das Allerschlimmste war, wir konnten diesen Ort halt einfach eben nicht verlassen. Die Soldaten haben mir Essen besorgt, wenn ich das wollte. Die sind dann auf dem benachbarten Markt gefahren und haben mir da irgendwie mein Obst und meine Suppen geholt, aber ich saß da und habe Däumchen gedreht. Das Internet war ganz, ganz schlecht, teilweise überhaupt gar nicht zu haben, sodass auch irgendwie lesen nicht möglich war. Mit meinem abgespeckten Equipment hatte ich jetzt natürlich auch nicht ein Buch dabei und dooferweise versäumt mir so ein E Reader mal zu besorgen. Das heißt man, also das war echt eine harte Nuss. Dann sitzt du da und du weißt nicht, was passiert, du weißt nicht, wie es weitergeht, komme ich hier raus. Also zurück in den Iran war a keine Option, weil da Krieg ist und b aber viel Dollar, weil ich überhaupt kein Visum hatte. Das Iran Visum kriege ich als Deutscher nun wirklich nur auf der Botschaft. Der Weg nach vorne war allerdings auch zugesperrt, weil dort auf dieser einzigen Straße nach Osten Auf den nächsten 400 Kilometern ein hochkochender Konflikt von terroristischen Attacken stattfindet. Also da fragt man sich dann wirklich, was mache ich jetzt hier eigentlich? Also und ich habe dann irgendwann die Deutsche Botschaft konsultiert und den ja mein Leid geklagt, um nicht zu sagen, so ein bisschen rumgeheult,
Paul
Die werden sich ja auch bedanken und wahrscheinlich fragt sich das auch der ein oder andere Hörer hier, warum du das machst und damit ja auch irgendwie die Deutsche Botschaft irgendwie muss dann für dich arbeiten und überhaupt dich in dieses Risiko bringt als deutscher Staatsbürger, weil es jetzt nicht so, dass du da journalistisch unterwegs bist, sondern du machst es am Ende für den eigenen Fun. Also was sagst du zu so einem Vorwurf, dass du dich da selbst eben in ein Risiko bringst und dafür sorgst, dass dann Behörden, Staaten im Zweifel irgendwie für dich einstehen müssen.
Philipp Mollenkot
Ja, also das wirkt nach außen so und den Vorwurf muss ich mir auch häufig anhören und dieser Abend, diese Art Abenteuerurlaub, die ich da mache, ist auch nah an so einem Elends und Kriegstourismus dran. Das ist es aber nicht. Wie gesagt, ich bin zu Friedenszeiten in den Iran und habe vor Einreise nach Belutschistan, bin ich davon ausgegangen, dass es, dass dort die Situation so ist wie vor ein paar Jahren. Die Pakistaner tun alles in ihrer Macht stehende, diesen Konflikt nicht in die Medien zu bringen. Da haben sie überhaupt kein Interesse dran, als schwach vor den Belutschen dazustehen. Das heißt, ich habe es einfach nicht anders wissen können und du hast recht, ich habe da Kräfte gebunden an der Deutschen Botschaft, ich hab die Arbeit gekostet und da schämt man sich auch ein kleines bisschen für, aber letzten Endes ist das nun mal auch einfach eine Kernaufgabe der Deutschen Botschaft.
Paul
Wie bist du dann da rausgekommen an den Ort, wo du jetzt bist, in Karachi. Das ist eine große pakistanische Stadt. Also wie war der Weg raus?
Philipp Mollenkot
Also das ist jetzt, da muss ich aufpassen, dass ich mich nicht um Kopf und Kragen rede. Das war eine Rettungsaktion, wenn du so willst. Es ist so erstmal, dass ich mit möglichst viel Rabatz vor Ort sowohl die Pakistaner unter Druck gesetzt habe, als auch die deutsche Botschaft so ein bisschen einfach um so ein bisschen ins Handeln zu kommen. Also nach zwei Wochen ist man wirklich so ein bisschen dem Wahnsinn dann doch nahe. Die Botschaft hat einen ganz fantastischen Honorarkonsulat. Ein Honorarkonsul ist in der Regel jemand in einem fremden Land, der die entsprechende Staatsangehörigkeit dort hat und den Botschaften und diplomatischen Vertretungen hilft, Dinge zu erledigen, die man nur mit einem Gefühl vor Ort erledigen kann. Und dieser Mann hatte fantastische Kontakte. Und jetzt muss ich aufpassen. Ich erinnere ein einen Morgen, an dem ich da saß und dann so ein bisschen das Gefühl hatte, jetzt geht mir die Puste aus. Hier verändert sich nichts. Du hörst die ganze Zeit morgen, morgen, morgen, inshallah. Und dann also das macht mürbe. Das macht wirklich mürbe. Und an diesem Morgen dachte Scheiße, wo geht denn das hin?
Paul
Wie ging es Voti da? Ich meine bei 50 Grad? Also das fragen sich vielleicht auch viele, wie so ein kleiner Hund das aushält. Das ist ja noch mal krasser.
Philipp Mollenkot
Ja, das stimmt. Also ich hatte es zu meiner Kernaufgabe gemacht, mich um Voti zu kümmern und den immer wieder mit Wasser zu benetzen und auch mit ihm zu spielen, insbesondere dann nachts und in den ganz frühen Morgenstunden körperlich. Und ging es ihm gut, Also trotz der Hitze eben dadurch, dass ich ihn immer wieder nass gemacht habe, also im Viertelstundentakt und im Schatten gewesen bin. Allerdings ist wo die wahnsinnig und jeder, der einen Hund hat, kennt das selber. Hunde sind wahnsinnig fühlen. Der hat den Stress gespürt, der bei mir da war. Also es wäre jetzt gelogen zu sagen, dem Hund ging es gut, dem ging es nicht besonders gut, dem ging es aber auch nicht besonders schlecht. Nun noch mal zurück zu eben. Ich bin dann an diesem Morgen, als ich echt dachte, jetzt geht mir die Puste aus, stand Plötzlich ging die Tür auf und da kam, eskortiert durch zwei schwer bewaffnete Jungs, die aber offensichtlich nicht dem Militär angehörten, sondern die eher so nach Leibgarde aussahen, mit so Maske und verstecktem Gesicht und den guten Sturmgewehren, nicht mit diesen ollen abgegriffenen Kalaschnikows, stand dann so ein Politiker plötzlich im Raum und hi, du bist Philipp oder was? Und ich Ja, das bin ich. Und er Ja, okay, ich wollte mal nach dir schauen. Also mein Rabatz hat da geholfen und der hatte mich dann zum Essen abends eingeladen. Ich kann jetzt natürlich nicht sagen, welche Position der in hatte. Genau, aber der war recht hoch. Und dann hatte der mich am Abend abgeholt und hatte dann auch so ein bisschen geredet und gesagt, dass die pakistanische Presse bereits nach mir gefragt hätte. Sie hätten da irgendwie gehört, da sei so ein Deutscher gestrandet oder ein Europäer gestrandet. Und das ist natürlich genau das, was du erreichen willst in so einer Situation, weil das wollen die Pakistaner eben nicht. Die wollen dann nicht, dass da die Leute mitkriegen, dass da einer nicht rauskommt. Und dann hat der mir auch noch gesteckt, dass die Pakistaner davon ausgehen, dass ich ein Spion bin. Sie wussten allerdings nur nicht, für wen und wo. Also war ich jetzt ein Spion im Iran? Bin ich einer in Pakistan? Möglicherweise beides. Bin ich es für die Deutschen oder bin ich es nicht? Diese Fragen stellten sich aber allen war klar, ich bin Spion. Jetzt hatte ich mich in dieser für mich wahnsinnig unschönen Situation, hatte ich mich trotzdem natürlich durch dieses Krawallmachen manövriert, in was, was von Seiten Pakistan aufzulösen war. Also mich da zu verlieren und möglicherweise irgendwie an ein Attentat zu verlieren, das ist undenkbar. In dem Moment wäre die Weltpresse natürlich aufgestiegen auf das Thema, was ja versucht wird, so ein bisschen unterm Teppich zu kehren. Und andererseits mich in der Region zu lassen, ist auch keine Option, weil die Presse schon nachgefragt hat und die deutsche Botschaft super Arbeit gemacht hatte, auch langsam lauter wurde. Das heißt, ich musste da raus. Jetzt hat in Zusammenarbeit in so einem Joint Venture zwischen deutscher Botschaft, Honorarkonsul, dem örtlichen Politiker und auch der pakistanischen Regierung, bin ich an einen Ort gelangt, den ich jetzt nicht nennen darf aus Sicherheitsgründen in Belutschistan. Das ist ein Ort, der absolut weltfremd mitten in der Wüste an der afghanischen Grenze gelegen war und der über ein Flugfeld verfügte. Und das heißt, wir sind durch dieses Bürgerkriegsgebiet eine kurze Strecke gefahren. Ich bin dort hoch bewaffnet hin eskortiert worden von den Pakistanern und habe dann an diesem Ort eine Nacht verbracht. Und das war so schön, Paul. Da gab es Essen, da gab es ein AC, da gab es Leute, die mal wieder mit mir gesprochen hatten, denn vor Ort, die Soldaten konnten kaum Englisch, natürlich kein Deutsch. Und am nächsten Tag ist mir ein kleiner Flieger geschickt worden, der mich von diesem Flugfeld an der afghanischen Grenze in der Wüste nach Karachi ausgeflogen hat. Wer da genau hinter steckte, wer das bezahlt hat, das wollte man mir nicht sagen, das kann man mir auch nicht sagen. Aber da hatte irgendjemand ein sehr, sehr großes Interesse daran, mir zu helfen, mich aus der Region zu bringen und möglichst schnell diese Situation zu klären.
Paul
Jetzt bist du in Karachi. Philipp. Wie lange dauert es jetzt noch, bis du in Japan ankommst? Wie sind die nächsten, wie ist der die nächsten Tage, Wochen, Monate planst du?
Philipp Mollenkot
Ich hatte bei Aufbruch so ein bisschen darauf gehofft, dass die Grenze zwischen Pakistan und Indien öffnet die Landgrenze. Das ist nicht der Fall, Paul. Ich kann dir das nicht sagen. Ich plane nicht. Ich kann nicht planen. Ich werde jetzt zuallererst mal Richtung pakistanische Berge fahren. Es gibt eine Region rund um Gilgit. Das soll wohl eine der schönsten Bergregionen der Welt sein. Ich bin damals nicht dran vorbeigekommen, werde das aber diesmal erleben, mein Visum noch mal verlängern, denn das ist fast aufgebraucht in meiner Schutzgefangenschaft dort. Wie es dann weitergeht, das kann ich dir noch nicht genau sagen. Da mache ich mir dann Gedanken drum und daher kann ich dir auch keinen Zeitplan nennen. Aber ich glaube, das bleibt spannend.
Paul
Wer das weiter verfolgen will, der sollte dir auf Instagram folgen. Das werden wir natürlich hier verlinken in den Shownotes. Philipp, ich wünsche dir und Woti weiter eine gute, vor allem sichere Reise und etwas mehr Eskapismus vielleicht noch und weniger von den Dingen, die du da in Balutschistan erfahren hast. Also wenig Risiko und mehr Berge und vielleicht auch nicht so eine Hitze, eine spannende Reise, die du da machst. Danke dir sehr, dass du dir die Zeit genommen hast und wir sprechen. Alles Liebe, Philipp.
Philipp Mollenkot
Danke, dass ich hier sein durfte.
Paul
Tschüss Pa, danke, dass ihr wieder zugehört habt. Vielen Dank auch für das viele Feedback auf Ronsheimer TV. Da findet ihr auch alle meine Social Media Accounts, wo ihr mich persönlich kontaktieren könnt. Das glauben manchmal die Leute gar nicht, aber ich schaue mir die Kommentare tatsächlich selbst an. Und ich bitte lasst weiter Likes da bei Spotify, Apple, wo auch immer ihr den podcast hört, bei YouTube natürlich, wo ihr den Podcast auch sehen könnt. Und ich freue mich, wenn ihr uns abonniert und das hilft uns wirklich sehr. Und ich bedanke mich natürlich in erster Linie bei meinem großartigen Team, bei Filip Jatow in der Redaktion, bei Lieven Jenrich in der Produktion und natürlich an meinen Producer Daniel von Moll. Herzlichen Dank und alles Liebe.
Datum: 8. August 2026
In dieser Folge spricht Journalist und Kriegsreporter Paul Ronzheimer mit seinem engen Freund Philipp Mollenkott, der sich zu Fuß und per Anhalter auf eine spektakuläre Reise von Berlin nach Japan begeben hat – begleitet nur von seinem Hund Woti, minimalem Gepäck und viel Abenteuerlust. Was als freigeistige Flucht aus dem Alltag begann, wird zum Survival-Trip durch Grenzgebiete, Konfliktzonen und bürokratische Hürden mit lebensbedrohlichen Erfahrungen, etwa im Iran und im pakistanischen Belutschistan. Mollenkott spricht offen über Eskapismus, die Grenzen individueller Freiheit, Begegnungen mit Einheimischen und seinen fast krimimäßigen Weg aus der Isolation. Die Episode ist ein authentischer Reisebericht zwischen Aussteiger-Romantik und bitterer globaler Realität.
"Ich bin wie ein Tiger im Käfig auf und ab und dachte, was mache ich denn jetzt?" (Philipp, 02:15)
"Das ist absolut minimalistisch, aber das, was man braucht, ist dabei." (Philipp, 03:59)
"Diese Idee von Eskapismus, die ist glaube ich ganz vielen inne, in so einer sich selber gerade total überschlagenen Welt. Alles wird irgendwie zu viel und die Leute wollen raus." (Philipp, 13:38)
"Es gab eine brenzlige Situation, da wurden wir wirklich umringt von vier bis sechs von diesen riesengroßen Hunden ... ein Auto hat uns dann wahrscheinlich gerettet." (Philipp, 17:10-18:56)
"Ich war viel in Israel, ich habe dort auch journalistische Arbeit gemacht ... die Raketen-Warn-App der Israelis hatte ich noch auf dem Handy." (Philipp, 27:53)
"Das Herz ist mir dann doch ein bisschen in die Hose gerutscht." (Philipp, 27:53)
"Ich wurde beschattet auf alle Fälle ... habe es fast mit einem Kichern beobachtet, weil ich dachte, wie plump." (Philipp, 33:35)
"... ein großer Judenhass, den ich dort eigentlich von allen Seiten erfahren habe." (Philipp, 36:12)
“Der Hass ... kann nicht ausbrechen ... die einzige Möglichkeit für den Iran, sich da raus zu emanzipieren, wäre ... ein Bürgerkrieg.” (Philipp, 39:14)
"Ich musste recht gläsern werden, was meine Route betrifft, und das auch mit Fotos nachweisen ... Telefonnummern weitergeben, mit Leuten, mit denen ich mich umgeben hatte. Macht man natürlich mit sehr schlechtem Gefühl." (Philipp, 41:01)
"Ich konnte diesen Ort einfach eben nicht verlassen ... das war wirklich eine harte Nuss." (Philipp, 49:17)
"Da schämt man sich auch ein kleines bisschen für, aber letzten Endes ist das eine Kernaufgabe der Deutschen Botschaft." (Philipp, 52:11)
"Wer da genau hinter steckte, wer das bezahlt hat, das wollte man mir nicht sagen ... da hatte jemand ein sehr, sehr großes Interesse daran, mich aus der Region zu bringen." (Philipp, 55:01)
"Ich genieße das Alleine Sein sehr gut ... Wenn ich dann jemanden treffe, dann glaube ich, quatsche ich wie ein Wasserfall." (Philipp, 20:44)
Diese Episode bietet eine schonungslose, persönliche Reportage über Reise, Risiko und Weltpolitik auf Mikro-Ebene. Philipp Mollenkott erzählt nicht nur von Sehenswürdigkeiten, sondern vor allem von den realen Konsequenzen radikaler Freiheit, den direkten Begegnungen mit Bürokratie, Grenzregimen und politischer Unsicherheit – stets zwischen Abenteuerlust, Philosophie und Selbstzweifel.
Die Folge ist zugleich Reisebericht, Selbstversuch und politischer Krimi – mit vielen Momenten, die nachhallen.
Mehr über Philipp Mollenkotts Reise:
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