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Die Bibelstelle Offenbarung 3, 7.10 – ausgelegt von Wolf-Dieter Kretschmer. Wann wurden Ihnen das letzte Mal anerkennende Worte gesagt? Vielleicht ist es schon eine kleine Weile her, aber Sie erinnern sich sicher gerne an diesen Moment. Warum? Weil Anerkennung guttut und motiviert.Im Bibeltext für heute geht es um eine besondere Anerkennung. Sie richtet sich nicht an eine einzelne Person, sondern gilt einer christlichen Gemeinde.Wir schreiben etwa das Jahr 90 nach Christus. In der westtürkischen Stadt Philadelphia erhalten die dort ansässigen Christen eine wichtige Nachricht. Übermittelt wird sie von Johannes, dem altgewordenen Apostel. Ursprünglich ist die Nachricht Teil einer Vision, die Johannes auf der Insel Patmos von Jesus Christus empfangen hat.Die christliche Gemeinde zu Philadelphia ist eine von 7 Gemeinden in Kleinasien, die im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung, angesprochen werden. Jede Gemeinde erhält entweder eine Warnung, eine Zurechtweisung oder Anerkennung. Was Johannes den Christen in Philadelphia überliefert, sind ermutigende Worte. Ich zitiere aus dem 3. Kapitel die Verse 7 und 10 in der Übersetzung Luther 2017:Das sagt der Heilige, der Wahrhaftige: Weil du mein Wort von der Geduld bewahrt hast, will auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung.Der Zusammenhang des Bibelverses macht deutlich, dass Jesus keinen Zweifel daran lässt: Ihm ist die Situation der Christen vor Ort bekannt. Er weiß um die begrenzten Kräfte und die Herausforderungen der Gemeinde. Jesus sind die vielen Glaubensprüfungen nicht entgangen, die die Christen in Philadelphia erduldet haben.Da ist aber noch mehr: Jesus erinnert die Gläubigen daran, dass er der Herr über alles ist, also auch über ihre Lebensumstände. Er hält die Schlüssel in der Hand, mit deren Hilfe er Türen öffnet, die niemand mehr verschließen kann.Als Gemeinde in Philadelphia haben sie an den Verheißungen Jesu festgehalten und seinen Namen nicht verleugnet. Weil sie das geduldig getan haben, sagt Jesus ihnen zu, dass er sie nun vor der großen Prüfung bewahren wird.Genauso wie damals zurzeit der Christen in Philadelphia, sieht Jesus Christus meine Lebensumstände. Er weiß, was mich auszeichnet, worauf ich nicht stolz bin und auch das, was mir zusetzt. Er kennt meine kleine Kraft und den Wunsch, ihm treu zu bleiben. Bibellesen unter bibleserver.comAutor: Wolf-Dieter KretschmerGerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit von ERF Plus mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

Der Bibelstelle Philipper 1,13-14 – ausgelegt von Wolf-Dieter Kretschmer. Manchmal braucht man ein Vorbild. Also jemanden, an dem ich mich orientieren kann, der mir zeigt, wie ich mich verhalten sollte oder was ich besser nicht tue.In der Familie übernehmen ältere Geschwister häufig diese Rolle. Aber es können auch Eltern, Lehrer, Kollegen oder Vorgesetzte in der Firma sein. Bei mir sind es meistens Persönlichkeiten gewesen, die mir aufgefallen sind. Die einen haben mir durch ihr Leben oder ihre Worte imponiert. Die anderen waren abschreckende Beispiele. Von einem guten Beispiel erfahren die Christen in der antiken griechischen Stadt Philippi. Der Apostel Paulus schreibt ihnen einen Brief nach meiner Überzeugung aus dem römischen Gefängnis. Er bedankt sich für ihre finanzielle Unterstützung und lässt die Gemeinde wissen, dass es ihm gut geht. Er wurde nach Rom gebracht, wo er nun auf sein Gerichtsverfahren vor dem Kaiser wartet.Paulus schreibt: Dass ich meine Fesseln für Christus trage, das ist im ganzen Prätorium und bei allen andern offenbar geworden, und die meisten Brüder in dem Herrn haben durch meine Gefangenschaft Zuversicht gewonnen und sind umso kühner geworden, das Wort zu reden ohne Scheu. Philipper 1,Vers 13–14Jedem Soldaten im Prätorium ist also bekannt, warum Paulus einsitzt. Er ist kein gewöhnlicher Verbrecher. Im Gegenteil! Paulus ist wegen seines Glaubens an den auferstandenen Jesus Christus in Gewahrsam, den er seinen Herrn bezeichnet.Manche Zeitgenossen hat das beeindruckt. Aus anderen Quellen ist bekannt, dass das Evangelium auch römische Soldaten bewegt hat. Einige haben sich sogar dem christlichen Glauben zugewandt.Gut gewählte Worte können hilfreich sein, wenn es darum geht, den Glauben zu bezeugen. Aber manchmal sind es die kleinen Gesten, die beobachtet werden und Fragen auslösen. Ich muss beispielsweise an die Gruppe der Fußballer denken, die sich nach dem Sieg des ersten WM-Spiels der deutschen Nationalmannschaft am Mittelkreis zu einem kurzen Gebet versammelt haben. Spieler aus beiden Mannschaften beteten miteinander, als sei das das Normalste der Welt. Dem staunenden Publikum entging nicht, was diese Sportler mit ihrer Geste ausdrückten. – Erinnern Sie sich noch an die aufgeregte Diskussion in den Medien, die dieser kurzen Gebetszeit folgte?Wenn ich meinen Glauben lebe, indem ich das tue, was sich in diesem Moment richtig anfühlt, wird das auffallen. Das war damals im römischen Prätorium so und es ist knapp 2000 Jahre später auf einem Fußballfeld genauso.Mir stellt sich die Frage: Wie kann ich meinen Glauben so leben, dass andere davon Notiz nehmen? Bibellesen unter bibleserver.comAutor: Wolf-Dieter KretschmerGerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit von ERF Plus mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

Die Bibelstelle Epheser 5,19 – ausgelegt von Joachim Seule. „Singt und musiziert dem Herrn aus vollem Herzen!“Dieses Wort trifft genau den Richtigen! Ich singe im Gottesdienst, sonst eher wenig. Oder ich singe zumindest nicht laut. Und musizieren? Das war einmal vor vielen Jahren im Hauskreis. Da habe ich mir das Gitarre-Spielen beigebracht. Na ja, zum gemeinsamen Gesang hat es gereicht. Wenn man keine Noten kann, ist es einfach schwerer. Was soll ich also über dieses Wort sagen?Wahrscheinlich geht es manchen, die zuhören, ähnlich wie mir. Dann gibt es aber auch die, die von Herzen gern singen und / oder musizieren. Freuen Sie sich darüber. Sie können sich selber und anderen eine große Freude machen.„Singt und musiziert dem Herrn aus vollem Herzen“ - das ist das Wort aus den Herrnhuter Losungen für den heutigen Tag. Der ganze Vers, Epheser 5,19 lautet: „Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen.“Mich haben schon sehr viele Sänger und Sängerinnen mit ihren Liedern ermuntert, ermutigt, berührt. Es sind zumeist englischsprachige Künstlerinnen und Künstler. Welch ein reicher Schatz kann da entdeckt werden!Ich möchte dadurch das deutsche Liedgut nicht klein reden. Alte, wie manche neue Lieder gehen mir immer wieder durch den Kopf. Oder sie kommen aus dem Herzen, wenn mir das eine oder andere einfällt.Dann berührt mich das zuweilen wieder neu. Ich bin dankbar, dass ich Text und Melodie vieler Lieder einfach so im Gedächtnis habe. Vor diesem 19. Vers steht noch ein kurzer Satz: „lasst euch vom Geist erfüllen.“ Ja, der Heilige Geist hat hier einen großen Einfluss. Er schenkt die Gabe der Musik. Das kann einmal die Gabe sein, Texte zu schreiben. Oder die Gabe, Noten zu schreiben. Und natürlich auch beides miteinander.Ich danke Gott für die vielen Menschen, die mich mit ihren Liedern erfreut, bereichert und berührt haben. Das sind auch durchaus Lieder, die keinen konkreten christlichen Inhalt haben. Aber eben viel mehr, die von Christen geschrieben worden sind.Well done, Any more, Watch the Lamb, Cry out to Jesus.Gut gemacht, Nicht mehr, Achtet auf das Lamm, Rufe zu Jesus.Das sind nur vier von vielen anderen. Es ist ein Vorteil, manche oder viele Lieder aus dem Gedächtnis abrufen zu können. Es ist ein Geschenk, wenn der Heilige Geist mich an Lieder erinnert. Dann kann ich sie aus vollem Herzen still für mich singen. Was zählt bei Gott? Darf nur singen und musizieren, der es wirklich kann? Nimmt Gott den Menschen, die die Töne nicht richtig treffen, krumm? Das denke ich auf keinen Fall. Beim Lob Gottes, beim Singen kommt es darauf an, ob das Herz dabei ist. Es ist aus meiner Sicht genauso wie z.B. beim Spenden von Geld. Wenn ich es willig und gern mache, ist es vor Gott richtig.Musik hat mein Leben sehr bereichert. Es tut mir gut, allein Musik zu hören. Es tut mir auch gut, im Gottesdienst mit anderen zu singen.„Wer singt, betet doppelt“ so hat jemand einmal gesagt. Gesang kann mich wie auf Flügeln zu Gott hintragen. Also: singen beflügelt! Ja, singen, Musik, kann das Herz frei machen von sorgenvollen oder trüben Gedanken.Singen und musizieren Sie weiter! Zu Ihrer Freude, zur Freude und zum Segen für andere. Und für die, denen das nicht so liegt: hören Sie gute und aufbauende Musik. Das tut Ihrem Herzen gut. Und singen Sie ruhig für sich allein. Auch wenn manche Töne nicht exakt dem Notenblatt entsprechen. Hauptsache Ihr Herz ist dabei! Bibellesen unter bibleserver.comAutor: Joachim SeuleGerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit von ERF Plus mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

Die Bibelstelle Psalm 34,16 – ausgelegt von Joachim Seule. „Die Augen des HERRN merken auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien.“So steht es in Psalm 34 Vers 16 heute in den Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine. Hat Gott Augen und Ohren? Wenn ja, welche Augenfarbe hat Gott? So könnte ein Kind fragen. Mehrfach ist in der Bibel auch vom „Herzen Gottes“ die Rede. Wie sollen sich Menschen Gott vorstellen?Am besten gar nicht. Denn alle Bilder von Gott passen in keinen noch so großen Rahmen. „Gott ist anders, als wir denken, er ist für uns kein frommer Traum“, so heißt es in einem Lied von Kurt Rommel. Und die Sängerin Laura Story singt: indescribable, uncontainable, all powerful, untameable, you are amazing God. Unbeschreiblich, unbezwingbar, allmächtig, unbezähmbar. All das und noch mehr ist Gott. Einfach wunderbar und nicht zu greifen und zu be-greifen.In heutiger Zeit könnte die Frage kommen: welcher Gott denn? Weil Psalm 34 in der Bibel steht, kann mir auch nur die Bibel Auskunft geben. Auskunft darüber, wer Gott ist und wie er ist. Gott ist der lebendige Gott. Im Gegensatz zu allen anderen Göttern anderer Religionen ist er der einzig wahre Gott.Gott weiß, wie es den Gerechten geht. Er kennt die, die auf ihn vertrauen. Das sind die, die „gerecht“ genannt werden. Dass Gott sieht und hört, bezeugt, dass er lebt. Zwar sieht und hört er wohl nicht mit Augen und Ohren. Er kann das auf seine Weise tun, die mir verborgen ist.Wenn er die Not der Gerechten sieht und hört, warum hilft er dann nicht? Warum hilft er nicht dann, wenn die Not am größten ist? So haben es Menschen erlebt, die in vergangenen Zeiten bei Gott ihre Zuflucht gesucht haben.Sind Sie gerade in so einer Situation, in der dringend Hilfe nötig wäre? Sie haben gebetet, gerufen, ja sogar geschrien und nichts ist passiert? „Wo bist du Gott? Hast du mich verlassen?“ „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“Kein Mensch, der auf Gott vertraut, ist wirklich verlassen. Aber der Mensch, der so geschrien hat, war buchstäblich von Gott verlassen. Dieser Mensch ist Jesus von Nazareth. Dieser Mensch ist der versprochene Erlöser Israels. Sogar ein Hauptmann der Römer erkannte: „wahrhaftig, dieser ist Gottes Sohn gewesen.“ Gewesen? Nein, Jesus ist immer noch Gottes Sohn. Er ist wieder lebendig geworden. Gott, sein Vater, hat ihn auferweckt. Er sitzt nun mit seinem Vater auf dessen Thron. Er kann helfen, Situationen und Menschen verändern, dass es schier unglaublich ist. Bei Gott ist gar nichts unmöglich.Ich habe erlebt, wie er mich verändert hat. Er hat mir einen Beruf geschenkt, den ich mir nie ausgesucht hätte. Er hat mir geschenkt, dass ich in der Öffentlichkeit von ihm reden kann. Ich, der so schüchtern war. Und: „in wieviel Not hat nicht der gnädige Gott, über dir Flügel gebreitet.“ Auch das habe ich erfahren. Wenn Jesus Christus auch nicht alle Not weggenommen hat. Aber er hat mich hindurchgeführt.„Die Augen des HERRN merken auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien.“ Ja, das stimmt, das kann ich bezeugen. Bibellesen unter bibleserver.comAutor: Joachim SeuleGerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit von ERF Plus mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

Die Bibelstelle 1. Mose 45,24 – ausgelegt von Rahel Haller. Die Losung der Herrnhuter Brüdergemeine für heute ist überschaubar und doch gehaltvoll. Um sie zu verstehen, betrachte ich den Kontext. Nach vielen Jahren der Trennung trifft Josef wieder auf seine Brüder. Er gibt sich ihnen nach einiger Zeit zu erkennen, denn die Brüder denken, er ist tot. Den Brüdern, die ihn vor einigen Jahren noch töten wollten und ihn dann nach Ägypten verkauft haben. Puh, das wird bei allen Beteiligten viele Emotionen hervorrufen. Freude, dass der verloren geglaubte Bruder vor ihnen steht. Erstaunen, dass Josef ein so mächtiger Mann in Ägypten geworden ist. Erleichterung, dass er nicht tot ist, sondern lebt. Aber auch Scham über die vergangenen Taten und Unbehaglichkeit, den Bruder nun um Hilfe zu bitten. Wahrscheinlich sind es noch viel mehr Gefühle und Gedanken, die Josef und seine Brüder in dem Moment bewegen. Deshalb ist die Ermahnung, „Zankt nicht auf dem Wege“ von Josef durchaus berechtigt. Seine Brüder treten den langen Heimweg an und werden dem Vater Jakob die guten Nachrichten über Josef überbringen und Nahrung mit nach Hause bringen, die der ganzen Familie in der Hungersnot das Leben rettet. Auf einem langen Weg kann man viel nachdenken, viel reden und auch viel streiten. Die Brüder können sich Fragen stellen wie „Wer hatte damals die größte Schuld?“ oder „Warum haben die anderen nicht von der Tat abgehalten?“. Weil Josef das weiß, ermahnt er seine Brüder, vergangene Taten nicht den weiteren Weg bestimmen zu lassen. Er will nicht, dass die Schuld der Brüder, ihr Verrat damals und die neue Erkenntnis, dass Josef doch lebt, Anlass für Streit und Sünde sind. Josef will von der Schuld und der Vergangenheit der Brüder auf die Zukunft lenken und das, was Gott tun will. Durch die ganze Geschichte zeigt sich nämlich, dass Gott es gut mit Josef gemeint hat. Obwohl er weit weg von seinem Zuhause und seiner Familie war. Gott hat Josef gesegnet und ihm durch seine Gunst eine Position gegeben, die es ihm nun ermöglicht, die ganze Familie zu retten. Ist das nicht ironisch? Aus einem Mordversuch schafft Gott Rettung für eine ganze Familie. Das erlebt Josef und möchte nun seine Brüder nicht mit Scham und Streit auf den Weg schicken, sondern mit der Güte Gottes. Und davon können auch Sie und Ich heute etwas aus diesem Vers und der Geschichte mitnehmen. Wir alle sind Menschen, die nicht perfekt sind und oft Dinge tun, die die Bibel Sünde nennt und die Gott nicht gefallen. Vielleicht haben Sie nicht unbedingt ihre Geschwister nach Ägypten geschickt. Aber gerade, wenn ich an Familie denke, gibt es viele Momente, in denen ich ähnliche Gedanken wie Josefs Brüder hatte. Wo ich neidisch war, durch Worte verletzt habe oder meine Familie nicht so behandelt habe, wie es Gott gefällt. Auch hier gilt dasselbe Prinzip: Schuld und Scham der Vergangenheit muss durch das Evangelium und die Vergebung von Jesus Christus nicht die Zukunft bestimmen. Auch für uns gilt: „Zankt nicht auf dem Wege“, wenn unser Herz uns mit Vorwürfen konfrontiert. Oder wenn wir anderen ihre Sünde weiter vorhalten. Wir dürfen loslassen und uns auf Gott verlassen, der aus Wunden Wunder machen kann und unsere Sünde an anderen Menschen immer noch zum Guten wenden kann. Er ist derselbe Gott heute wie damals bei Josef. Und durch Jesus schenkt er uns Vergebung, die wir in Anspruch nehmen dürfen. Sodass wir auf unserem weiteren Weg Vergangenes loslassen und auf Gottes Eingreifen hoffen. Bibellesen unter bibleserver.comAutor: Rahel HallerGerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit von ERF Plus mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

Die Bibelstelle Psalm 68,6–7 – ausgelegt von Rahel Haller. In diesem Losungstext der Herrnhuter Brüdergemeine für heute gibt der Psalmbeter Aufschluss über Gottes Charakter und lässt uns in sein Herz blicken. Während in den Psalmen und Schriften des Alten Testaments oft Gottes Größe und seine Herrlichkeit betont werden, werden hier vier Beispiele für Gottes barmherzigen Umgang mit den Menschen und seinen Charakter genannt.Gott ist ein Vater der Waisen, ein Helfer der Witwen. Er bringt die Einsamen nach Hause und führt die Gefangenen aus dem Gefängnis. Was haben diese Gruppen gemeinsam? Vielleicht sind Sie schon darauf gekommen: Gemeinsam haben alle Gruppen, dass sie sich in einer Art von Not befinden und wahrscheinlich am Rande der Gesellschaft stehen. Damals ist die Familie die Lebensversicherung, sodass man als Waise oder als kinderlose Witwe wirklich nichts hatte. Und auch die Gefangenen und Heimatlosen befinden sich in mehr oder weniger hoffnungslosen Situationen.Ich möchte einen Aspekt hervorheben, den dieser Vers über Gott zeigt. Gott ist ein Gott, der die sieht, die übersehen werden. Alle vier Personengruppen, die angesprochen werden, sind nicht Menschen, denen es an nichts fehlt und die alles haben. Auf die Frage „Wie geht es dir?“ antworten sie wahrscheinlich ehrlich: „Nicht gut, ich bin einsam“, „Ich lebe in dem und dem Bereich nicht in Freiheit“ oder „Ich habe niemand, der mich liebt und sich um mich kümmert“.Leider werden in jeder Gesellschaft, egal ob in Jerusalem zur Zeit des Alten Testaments oder heute in Berlin, New York oder in Ihrer Straße, solche Menschen oft übersehen. Vielen geht es so. Und diese Menschengruppen sind nicht die Ausnahme. Heimatlose, Geflüchtete, Menschen mit zerstrittenen oder gar keinen Familien, in der Gesellschaft Benachteiligte, Kranke, Hilflose, wären heute vielleicht die, an die etliche zuerst denken.Und wenn ich ganz ehrlich zu mir selber bin: Entweder gehören Sie und ich zu einer der vorher genannten Menschengruppen und haben das Gefühl, oft übersehen zu werden oder kein Verständnis in Ihren Nöten zu finden. Oder Sie gehören zu der Gruppe, die andere Menschen in Not – auch unabsichtlich - oft übersehen. Sei es im Bus, auf der Arbeit oder in der Gemeinde. Das ist traurig, aber leider wahr. Ermutigend ist, dass dieser Vers uns zeigt, dass trotz unseres Versagens Gott diese Menschen sieht, sie liebt und ihnen helfen will. Damals und auch heute.Ich denke an Beispiele in der Bibel wie Hagar, die Gottes Hilfe in der Wüste erlebt. Oder die Witwe, die Gott durch den Propheten Elia versorgt. Die Besessenen, die Jesus im neuen Testament befreit. Und auch heute finden einsame Menschen in Gemeinde Familie, werden frei von Gebundenheit und finden ein Zuhause in der Familie Gottes. Und das ist ermutigend, denn auch wenn der Psalmbeter diesen Vers vor vielen Jahren geschrieben hat, ist Gottes Güte und Barmherzigkeit eine Realität, die Sie und ich heute noch genauso erleben können. Unser Wunsch sollte sein, dass wir jedem Menschen, dem wir begegnen, eine Begegnung mit diesem guten Gott wünschen. Denn auch heute, an diesem Tag, in diesem Moment, ist Gott ein Gott, der die sieht, die übersehen werden. Bibellesen unter bibleserver.comAutor: Rahel HallerGerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit von ERF Plus mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

Die Bibelstelle Hiob 9,10 – ausgelegt von Jürgen Werth. Wir wissen viel. Wir wissen jeden Tag mehr. Und es geht immer schneller. Das Weltwissen verdoppelt sich alle zwölf bis 15 Jahre. Im Jahr 1900 hat das noch 100 Jahre gedauert. Rätsel, die noch vor hundert Jahren unlösbar schienen, sind heute weitgehend gelöst. Hat es Gott heute schwerer als früher? Für viele war er ja vor allem ein Lückenbüßer-Gott. Er stand für alles, was Menschen nicht verstehen konnten. Wird seine Lücke nun immer kleiner? Brauchen wir ihn vielleicht eines Tages überhaupt nicht mehr.Vorsicht! Denn alles, was Menschen entdecken und erfinden, können sie nur entdecken und erfinden, weil Gott, der Erfinder des Universums, ihnen dazu die entsprechenden Fähigkeiten gegeben hat. Gott ist und bleibt der Erfinder aller Erfinder. Er lässt sie forschen und – staunen. Denn je mehr wir Menschen entdecken, desto wunderbarer erscheint alles. Die großen und kleinen Zusammenhänge des Lebens lassen sich eben nicht durch zufällige Mutationen erklären. Wenn ich denn bereit bin, mir das einzugestehen.Viele Forscher tun das. Werner Heisenberg, deutscher Nobelpreisträger und Begründer der Quantenmechanik, wird das folgende Zitat oft zugeschrieben:„Der erste Schluck aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch, aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott“.Das wusste schon Hiob. In seiner Antwort auf Bildad sagt er (Hiob 9) „Wie könnte ein Mensch recht behalten gegen Gott. Hat er Lust, mit ihm zu streiten, so kann er ihm auf tausend nicht eines antworten. Gott ist weise und mächtig; wer stellte sich ihm entgegen und blieb unversehrt? Er versetzt Berge, ehe sie es innewerden; er stürzt sie um in seinem Zorn. Er bewegt die Erde von ihrem Ort, dass ihre Pfeiler zittern. Er spricht zur Sonne, so geht sie nicht auf, und versiegelt die Sterne. Er allein breitet den Himmel aus und geht auf den Wogen des Meers. Er macht den Großen Wagen am Himmel und den Orion und das Siebengestirn und die Sterne des Südens. Er tut große Dinge, die nicht zu erforschen, und Wunder, die nicht zu zählen sind. Siehe, er geht an mir vorüber, ohne dass ich’s gewahr werde, und wandelt vorbei, ohne dass ich’s merke. Siehe, wenn er wegrafft, wer will ihm wehren? Wer will zu ihm sagen: Was machst du?“Klar, Hiobs Weltbild ist anders als unseres. Aus heutiger Sicht schlichter, eindimensionaler. Aber wer weiß, was spätere Generationen über unser Weltbild sagen. Und: Die Grundüberzeugungen von Hiob gelten bis heute. Gott ist der Herr über alles. Er lebt und denkt und handelt in Dimensionen, in die wir weder gedanklich noch praktisch vordringen werden. Wir müssen es uns nur eingestehen. Mit offenen Augen forschen und entdecken. Mit Augen, die bereit sind, ein Stück dieser anderen Wirklichkeit wahrzunehmen. Unsere Begrenztheiten anzuerkennen. Gott ist der Erfinder des Lebens. Er ist so wunderbar, dass wir uns ihm nur mit Wundern und Staunen nähern können.Der bekannte Astrophysiker Heino Falcke, der maßgeblich am Event-Horizon-Telescope-Projekt beteiligt war, das das erste Bild eines Schwarzen Lochs aufgenommen hat, ist bekennender Christ. Er sieht zum Beispiel die Naturgesetze als "Worte Gottes" und den Glauben als Akt des Vertrauens und der Demut vor dem Unverfügbaren.Umso wunderbarer ist es, dass Gott sich selbst verfügbar gemacht hat. In Jesus ist er mitten hineingekommen in seine Welt. Er ist der Unbegreifliche, aber hat sich selbst begreiflich gemacht und uns die Tür zu seiner Wirklichkeit weit aufgestoßen. Und damit das Wunder der Schöpfung noch überboten. Der neutestamentliche Lehrtext zur Herrnhuter Losung sagt es so:„Wir wissen, dass er, der Jesus, den Herrn, auferweckt hat, mit Jesus auch uns auferwecken und mit euch vor sich hinstellen wird.“ Bibellesen unter bibleserver.comAutor: Jürgen WerthGerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit von ERF Plus mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

Die Bibelstelle Apostelgeschichte 3,2 – ausgelegt von Jürgen Werth. Da sitzt er nun. Wie jeden Tag. Sie haben ihn gebracht. Klar. Alleine hätte er den Weg nicht geschafft. Er konnte noch nie laufen. Hat noch nie auf eigenen Füßen gestanden. Er ist gelähmt. Zum Familieneinkommen kann er nichts beitragen. Na ja, fast nichts. Er kann betteln. Und er hat einen guten Platz gefunden. Am Schönen Tor des Tempels sitzt er und bittet um Almosen. Da greift mancher, der vorbeigeht in die Manteltasche und lässt ein paar Münzen in das Tuch fallen, das er vor sich ausgebreitet hat. Die Vorübergehenden sind dazu verpflichtet. Almosengeben ist im Judentum eine religiöse Pflicht.Im 5. Buch Mose (15,7-8) steht:«Wenn unter dir ein Dürftiger sein wird, einer deiner Brüder, in einem deiner Tore, in deinem Lande, das der Ewige, dein Gott, dir gibt, so sollst du deinem Bruder, dem Dürftigen, gegenüber dein Herz nicht verhärten und deine Hand nicht verschließen, sondern du sollst ihm deine Hand öffnen, sollst ihm leihen, wie viel er in seinem Mangel bedarf, wie viel ihm fehlt.»Der Talmud betont später sogar, dass es dabei um weit mehr als um freiwillige Mildtätigkeit geht. Almosen ist eine rechtliche Verpflichtung. Es geht um Gerechtigkeit. Um Ausgleich. Wer hat, muss dem helfen, der nicht hat.Der Gelähmte an der Schönen Pforte hat es also gut getroffen. Ja, aber doch nur sehr oberflächlich betrachtet. Denn kein noch so großzügiges Almosen hilft ihm auf die Beine. Er ist gelähmt. Gefangen im eigenen Körper. Vielleicht hat er auch dieses Gebet immer wieder gebetet, das heute die Losung der Herrnhuter Brüdergemeine ist:„Ich liege gefangen und kann nicht heraus, mein Auge vergeht vor Elend. HERR, ich rufe zu dir täglich.“ Psalm 88, 9–10Und Gott hört dieses Gebet. Heute. Jetzt. Endlich.Petrus und Johannes, die beiden vielleicht wichtigsten Jünger des auferstandenen Jesus, sehen ihn und bleiben stehen. Und Petrus sagt die beinahe schon legendären Worte:„Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi von Nazareth steh auf und geh umher!“„Und“, so geht der Bericht in der Apostelgeschichte weiter: „er ergriff ihn bei der rechten Hand und richtete ihn auf. Sogleich wurden seine Füße und Knöchel fest, er sprang auf, konnte stehen und gehen und ging mit ihnen in den Tempel, lief und sprang umher und lobte Gott.“Was für ein wunderbares Wunder! Nein, das passiert nicht alle Tage. Damals nicht. Und heute nicht. Aber wir dürfen Gott immer wieder bitten, dass er das, was uns lähmt, wegnimmt. Oder dass er uns die Kraft gibt, trotz aller Lähmungen innerlich frei zu werden.Wie eine ehemalige Mitarbeiterin, die blind ist. Neulich traf ich ihre Tochter. „Mama gehts gut!“, sagte sie. „Und wir wissen ja, dass wir alle eines Tages wieder sehen und laufen und springen können. Dieses Leben auf dieser Erde ist nicht alles. Auf uns wartet der Himmel. Da sind wir eine ganze Ewigkeit frei von allem, was uns hier noch in den Staub drücken möchte.“Und bis dahin? Helfen die, die haben, denen, die nicht haben. Teilen Geld und Brot und Leben. Wie die Leute von Lifegate, die sich heute in Beit Jala, einen Steinwurf von Jerusalem entfernt, um die kümmern, die behindert werden. Mit Wort und Tat und Liebe. Mit Operationen und Therapien. Und Gefangene werden frei. Herz und Seele. Und manchmal sogar der Körper. Die Leute von Lifegate sind für mich Petrus und Johannes im 21. Jahrhundert.Und wir sind es auch. Bibellesen unter bibleserver.comAutor: Jürgen WerthGerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit von ERF Plus mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

Die Bibelstelle Matthäus 15,31 – ausgelegt von Christof Lenzen. Jesus will seine Ruhe haben. Nicht entdeckt werden. Doch dann kommt sie zu ihm, hat von ihm gehört, lässt sich von niemandem aufhalten. Eine Nicht-Jüdin und verzweifelte Mutter. Und ich erlebe, wie sie Jesus anfleht: Befreie mein Kind! Jesus aber reagiert fast unangenehm abweisend: Ich bin zuerst zu den Kindern Israels gesandt - es ist nicht richtig, einer Heidin etwas von dem abzugeben, was ihr nicht zusteht!Dieser Text verstört mich jedes Mal neu, auch wenn ich Jesus Reaktion mittlerweile nachempfinden kann. Ausgerechnet bei einer Nichtjüdin trifft er einen erstaunlichen Glauben, der ihn letztlich dazu bewegt, ihre Tochter zu befreien. Da ist ein Glaube, der nicht als Reaktion auf die Befreiung der Tochter entsteht, sondern der dieser vorausgeht. Er spürt die Sehnsucht bei den so genannten Heiden – und er spürt die Versuchung in seinem Herzen, dem nachzugeben und seinen Auftrag für das Volk Israel abzuwandeln. Deswegen blockt er ab. Sein Ringen ist spürbar. Doch er befreit das Mädchen und geht zurück nach Galiläa. Immer noch voller Staunen über den Glauben der Nicht-Jüdin.Und prompt strömen sie auch dort zu ihm. Die Angehörigen bringen ihre Kranken, ihre Belasteten. Und Jesus schenkt Heilung und Befreiung. Matthäus 15,31 schildert die Reaktion der Menschen: „Die Menschen staunten, was sie da sahen: Die Stummen redeten, die Verkrüppelten wurden gesund, die Gelähmten konnten gehen und die Blinden sehen. Deshalb lobten sie den Gott Israels.“Was für hoffnungsvolle, fröhliche Zeilen. Und dennoch – in der Kombination mit der vorher stehenden Geschichte um die Nichtjüdin bleibt eine enorme Spannung stehen. Denn anders als dort erfolgt hier das Lob Gottes auf die vollbrachte Heilung oder Befreiung. Jesus handelt – und die Menschen loben Gott. Die Nichtjüdin vertraut Jesus und steigt sogar in eine Diskussion mit ihm ein – als Frau und Nichtjüdin mit einem Rabbi! Und deswegen befreit Jesus. Die Kanaanäerin glaubt vor dem Wunder – die Menge lobt Gott nach den Wundern. Beides ist legitim. Aber nur das Erste ist Glaube im Sinne Jesu: Ein Vertrauen, das nicht auf Beweis besteht.Ich lehne mich zurück und lasse beide Geschichten in ihrer Wucht nebeneinanderstehen. Bedeutet das, dass ich nur genug glauben muss, um ein Wunder zu erleben? Sicher nicht – dann würde ich Gott wieder magisch verstehen. Ich hätte eine Leistung zu erbringen, damit er handelt. Auf der anderen Seite leidet Jesus darunter, dass die Leute erst Glauben entwickeln, wenn sie Wunder sehen. Und auch das kenne ich und erlebe ich: Dass ich mich nach Zeichen und Wundern sehne, um damit den eigenen Glauben – wenn ich ehrlich bin – zu stärken oder manchmal sogar zu beweisen. Auch hier wird Gott verzweckt.Nein, Glaube heißt ja Beziehung. Keine Magie. Wunder sind Zeichen auf dem Weg. Weisen auf das Reich Gottes hin. Sie sind nicht verfügbar. Und sie sind immer neu, immer anders. Gott schreibt auch heute seine Geschichte oft in unscheinbaren Momenten – wie mit unsichtbarer Tinte. Ich entdecke sie nur viel zu selten. Oder erwarte das Spektakuläre. Aber dann ist da doch das Wunder: Der Trost durch einen Anruf. Der liebevolle Gruß per E-Mail oder WhatsApp. Die Schwester, die mir nach dem Gottesdienst Segen zuspricht und für mich betet. Der Vogel, der Gottes Melodie in den Morgenhimmel singt.Manchmal brauche ich nicht um Wunder zu bitten. Ich brauche nur die Augen öffnen und den Blick weiten. Denn meistens baut Gott sein Reich still, sanft, stark, aber ohne Spektakel, Waffen und Macht. Und mittendrin sind sie auch heute: Die Wunder. Bibellesen unter bibleserver.comAutor: Christof LenzenGerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit von ERF Plus mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

Die Bibelstelle Lukas 19,37 – ausgelegt von Christof Lenzen. Wir leben in einer polarisierten Welt. Politikerinnen oder Politiker oder andere Promis werden gehyped, hochgehoben oder gar als Heilsbringer verehrt – und dann wieder fallen gelassen. Manchmal innerhalb von kurzer Zeit. Manchmal sicher auch berechtigt, wenn sie ihr wahres Gesicht gezeigt haben und sich der Heilsbringerstatus relativiert hat. Aber oft wundere ich mich, wie wankelmütig und unstetig des Volkes Urteil sein kann.Ist das neu? Absolut nicht. Jesus kennt das. Ich nehme Sie mit in folgende Szene, die uns im Lukasevangelium, Kapitel 19, 37 beschrieben wird:„So kam Jesus zu der Stelle, wo der Weg vom Ölberg nach Jerusalem hinabführt. Da brach die ganze Schar der Jüngerinnen und Jünger in lauten Jubel aus. Sie lobten Gott für all die Wunder, die sie miterlebt hatten.“Klingt erst einmal gut. Ist aber – ich sage es mal so zugespitzt – ein auf mehrfacher Ebene vergiftetes Lob. Denn ich rede hier von den letzten Tagen von Jesus. Kurze Zeit später werden sie ihn allein lassen oder gar „Kreuzige ihn!“ rufen. Und genau in diesem schmerzhaften Spannungsfeld befinde ich mich mit dem heutigen Bibeltext, der so viel zu sagen hat in unsere Zeit hinein. Denn eine Pointe ist ja: Die Menschen loben die Taten von Jesus – nicht ihn um seiner selbst willen. Das ist der Unterschied zwischen Wunder-Glauben und Beziehungs-Glauben.Die Menge jubelt, weil sie in bestimmten Erwartungsbildern gefangen ist. Sie hoffen auf einen Messias Jesus, der sie befreit und mit Macht und Gewalt politisch für einen Umschwung sorgt in Israel. Für beides ist Jesus nicht zu haben – übrigens bis heute nicht. Dabei wären die Zeichen klar gewesen. Jesus reitet auf einem Eselsfohlen als Zeichen des Friedens und der Machtlosigkeit. Oder aber – wie es im Lukasevangelium heißt – sie jubeln und loben Gott wegen der Taten der Macht, also der Wunder, die sie bei Jesus erlebt haben und die sicher ihre Erwartungen befeuert haben. Nur vier Verse später wird Jesus deswegen über Jerusalem weinen, weil sie den Frieden nicht erkennen, den er bringen will. Und stattdessen nur die Wunder sehen.Beides trifft uns auch heute. Auch heute kann Gott für falsche Zwecke eingespannt werden, ja sogar das Evangelium so verdreht werden, dass einer diese Botschaft der Gnade und Vergebung ins Gegenteil verkehrt. Und statt göttlichem Schalom, Gnade und Vergebung Waffen und Gewalt bringt. Doch egal wie oft in diesem Zusammenhang Gott im Munde geführt wird – dieser Weg ist eine Sackgasse.Und ich persönlich fühle mich beim Jubel über die Wunder angesprochen: Wie sehr vertraue ich Gott und möchte mit ihm „Gemeinschaft haben, damit…“ …es mir besser geht, ich gesund bin, ich Erfolg habe, nicht so allein bin… das ist ein Glauben damit. Gesunder Glaube ist aber ein Vertrauen in die Beziehung zu Gott um seiner selbst willen. Ohne Zweck. Ohne damit.Als Jesus am Kreuz hängt, ist der Jubel verstummt. Glaube zeigt sich nicht im Lob bei Erfolg, sondern im Vertrauen in der Leere. Und vielleicht ist das größte Wunder nicht, dass Jesus Wunder tut – sondern dass er mich will, auch wenn ich bockig bin, in Sackgassen laufe, Wunder sehen will, ihn für meine Zwecke einspanne. Ja, dieser Jesus bleibt dran an mir. Nichts kann mich von ihm trennen. Wenn ich aber einen reifen, tragenden Glauben entwickeln will, dann spricht diese Geschichte heute in mein Herz. Denn Jesus sucht nicht Menschen, die bei Wundern jubeln – sondern Jüngerinnen und Jünger, die ihn lieben, wenn nichts passiert. Das ist der Unterschied zwischen einem Glauben, der funktioniert – und einem, der lebt. Bibellesen unter bibleserver.comAutor: Christof LenzenGerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit von ERF Plus mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden