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<p>Herzlich Willkommen zu Lebensliturgien, Staffel 8, <strong>Gerechtigkeit ströme wie Wasser</strong>. In dieser Staffel begegnen wir dem Leben und den Worten von Martin Luther King: gewaltloser Widerstandskämpfer, Bürgerrechtler, Friedensnobelpreisträger und Pastor. Martin Luther King hatte ein besonderes Gespür für Gottes gerechtigkeitsliebendes Herz, eine klare Berufung von Gott und: er hatte den Mut, sich mit unermüdlicher Ausdauer für Gerechtigkeit, Gleichheit und Würde aller Menschen einzusetzen – koste es, was es wolle. Möge Gott uns mit seinem guten Geist leiten.</p> <hr /> <p>Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir. </p> <p>Ich sammle meine Gedanken und atme langsam und bewusst. </p> <p>Gewiss: Gott fordert eine ganze Menge, ruft uns ins Tun des Gerechten.<br /> Davor aber beschenkt er uns. Lässt uns ruhen. Und rüstet uns aus mit seinem Geist. In der Stille bete ich: „Komm, Heiliger Geist.“</p> <hr /> <p>Wir hören Worte aus Jesaja 58, Psalm 34 und Lukas 6:</p> <blockquote> <p>Gott spricht: Ein frommes Leben, das mir gefällt, sieht so aus: Löst die Fesseln der Ungerechtigkeit! Knotet alle Jochstricke auf! Schafft jede Art von Unterdrückung ab! Lasst ab vom Bösen und tut Gutes; sucht Frieden und jagt ihm nach! Liebt eure Feinde und tut wohl denen, die euch hassen. Segnet, die euch verfluchen und betet für die, die euch beleidigen.<br /> Wenn Ihr das tut, wird eure Gerechtigkeit vor euch hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird euren Zug beschließen. Dann wird euer Licht wie die Morgenröte aufstrahlen, und eure Wunden werden schnell heilen. Dann werdet Ihr rufen und der HERR wird antworten: ›Siehe, hier bin ich.‹ Dann wird der Herr euch immerdar führen und Ihr werdet sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Quelle, die niemals versiegt.</p> </blockquote> <hr /> <p>An Heiligabend 1967, keine vier Monate vor seiner Ermordung, hielt Martin Luther King in seiner Ebenezer Baptist Church die Weihnachtspredigt. Auf bewegende Weise sprach er dort über seine feste Entschlossenheit, allen Rückschlägen zum Trotz an seinen Traum von der Geschwisterlichkeit aller Menschen festzuhalten. Für mich sind diese Worte eine Art Testament.</p> <blockquote> <p>Im Jahre 1963, an einem schwülen Augustnachmittag, standen wir in Washington D. C. und sprachen zum Volk über mancherlei. Gegen Ende jenes Nachmittags versuchte ich dem Volk von einem Traum zu erzählen, den ich gehabt hatte, und ich muss euch heute gestehen, dass ich, bald nachdem ich von dem Traum gesprochen hatte, zu sehen anfing, wie er sich in einen Albtraum verwandelte.<br /> Ich erinnere mich an das erste Mal, dass ich sah, wie der Traum sich in einen Albtraum verwandelte, nur ein paar Wochen, nachdem ich davon gesprochen hatte. Es war damals, als vier schöne junge, harmlose, unschuldige schwarze Mädchen in einer Kirche in Birmingham (Alabama) ermordet wurden. Ich sah, wie der Traum sich in einen Albtraum verwandelte, als ich durch die Schwarzenviertel unseres Landes ging und meine schwarzen Brüder und Schwestern auf einer einsamen Insel der Armut zugrunde gehen sah. Ich sah, wie der Traum sich in einen Albtraum verwandelte, als meine schwarzen Brüder und Schwestern inmitten von Zorn und verständlicher Aufgebrachtheit sich fehlgeleiteten Krawallen zuwandten. Ich sah, wie der Traum sich in einen Albtraum verwandelte, als ich zuschauen musste, wie der Krieg in Vietnam sich immer mehr ausweitete.<br /> Ja, ich bin selbst Opfer aufgeschobener Träume und zerschlagener Hoffnungen. Aber trotzdem sage ich hier und heute zum Schluss, dass ich noch immer einen Traum habe. Denn, wisst ihr: man kann im Leben nicht aufgeben. Wenn man die Hoffnung verliert, verliert man irgendwie die Vitalität, die das Leben in Bewegung hält. Man verliert den Mut zum Sein: die Eigenschaft, die immer hilft, trotz allem weiterzumachen.<br /> Und so habe ich heute noch immer einen Traum. Ich träume davon, dass eines Tages die Menschen sich erheben und einsehen werden, dass sie geschaffen sind, um als Brüder und Schwestern miteinander zu leben. Ich träume auch heute noch davon, dass eines Tages jeder Schwarze in diesem Lande, jeder Farbige in der Welt aufgrund seines Charakters anstatt seiner Hautfarbe beurteilt werden und dass jeder Mensch die Würde und den Wert der menschlichen Persönlichkeit achten wird. Ich träume auch heute noch davon, dass eines Tages Brüderlichkeit mehr sein wird als ein paar Worte am Ende eines Gebets, nämlich das vordringlichste Anliegen auf der Agenda eines jeden Gesetzgebers. Ich träume auch heute noch davon, dass eines Tages das Recht offenbar werden wird wie Wasser und die Gerechtigkeit fließt wie ein starker Strom. Ich träume auch heute noch davon, dass in all unsere Parlamentsgebäude und Rathäuser Menschen einziehen werden, die Gerechtigkeit und Gnade üben und demütig sind vor ihrem Gott. Ich träume auch heute noch davon, dass eines Tages der Krieg ein Ende nehmen wird: dass die Männer ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen, dass kein Volk wider das andere ein Schwert aufheben und nicht mehr kriegen lernen wird. Ich träume auch heute noch davon, dass eines Tages Lamm und Löwe miteinander lagern und ein jeglicher unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen wird ohne einen Funken Furcht. Ich träume auch heute noch davon, dass eines Tages alle Täler erhöht und alle Berge und Hügel erniedrigt werden und dass die Herrlichkeit des Herrn offenbart werden und alles Fleisch miteinander es sehen wird.<br /> Ich träume noch immer davon, dass es uns mit diesem Glauben gelingen wird, die Versammlungen der Verzweiflung zu unterbrechen und neues Licht in die dunklen Kammern des Pessimismus zu tragen. Mit diesem Glauben wird es uns gelingen, den Tag schneller herbeizuführen, an dem Friede auf Erden und guter Wille unter den Menschen herrschen wird. Es wird ein herrlicher Tag sein, die Morgensterne werden gemeinsam singen, und die Söhne Gottes werden vor Freude jubeln.</p> </blockquote> <hr /> <blockquote> <p>Herr, mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens und deiner Gerechtigkeit,<br /> dass ich liebe, wo man hasst;<br /> dass ich verzeihe, wo man beleidigt;<br /> dass ich verbinde, wo Streit ist;<br /> dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;<br /> dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;<br /> dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;<br /> dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;<br /> dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.<br /> Herr, lass mich trachten,<br /> nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;<br /> nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;<br /> nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.<br /> Denn wer sich hingibt, der empfängt;<br /> wer sich selbst vergisst, der findet;<br /> wer verzeiht, dem wird verziehen;<br /> und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.<br /> Amen.</p> </blockquote> <blockquote> <p><cite>nach Franz von Assisi</p> </blockquote>

<p>Herzlich Willkommen zu Lebensliturgien, Staffel 8, <strong>Gerechtigkeit ströme wie Wasser</strong>. In dieser Staffel begegnen wir dem Leben und den Worten von Martin Luther King: gewaltloser Widerstandskämpfer, Bürgerrechtler, Friedensnobelpreisträger und Pastor. Martin Luther King hatte ein besonderes Gespür für Gottes gerechtigkeitsliebendes Herz, eine klare Berufung von Gott und: er hatte den Mut, sich mit unermüdlicher Ausdauer für Gerechtigkeit, Gleichheit und Würde aller Menschen einzusetzen – koste es, was es wolle. Möge Gott uns mit seinem guten Geist leiten.</p> <hr /> <p>Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir. </p> <p>Ich sammle meine Gedanken und atme langsam und bewusst. </p> <p>Gewiss: Gott fordert eine ganze Menge, ruft uns ins Tun des Gerechten.<br /> Davor aber beschenkt er uns. Lässt uns ruhen. Und rüstet uns aus mit seinem Geist. In der Stille bete ich: „Komm, Heiliger Geist.“</p> <hr /> <p>Wir hören Worte aus Jesaja 58, Psalm 34 und Lukas 6:</p> <blockquote> <p>Gott spricht: Ein frommes Leben, das mir gefällt, sieht so aus: Löst die Fesseln der Ungerechtigkeit! Knotet alle Jochstricke auf! Schafft jede Art von Unterdrückung ab! Lasst ab vom Bösen und tut Gutes; sucht Frieden und jagt ihm nach! Liebt eure Feinde und tut wohl denen, die euch hassen. Segnet, die euch verfluchen und betet für die, die euch beleidigen.<br /> Wenn Ihr das tut, wird eure Gerechtigkeit vor euch hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird euren Zug beschließen. Dann wird euer Licht wie die Morgenröte aufstrahlen, und eure Wunden werden schnell heilen. Dann werdet Ihr rufen und der HERR wird antworten: ›Siehe, hier bin ich.‹ Dann wird der Herr euch immerdar führen und Ihr werdet sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Quelle, die niemals versiegt.</p> </blockquote> <hr /> <p>Am 1. Februar 1968 werden zwei Schwarze Müllarbeiter in Memphis bei einem Arbeitsunfall von einer Müllpresse zerquetscht. Schon lange rumort es – aufgrund schlechter Bezahlung und gefährlichen Arbeitsbedingungen – unter den schwarzen Arbeitern in Memphis, dieser Unfall bringt das Fass zum Überlaufen. Mehr als 1.300 Müllarbeiter treten in den Streik und fordern bessere Arbeitsbedingungen und gleiche Bezahlung. Doch sie stoßen auf taube Ohren - wochenlang.<br /> Am 18. März – nach mehrmaliger dringender Bitte – reist Martin Luther King nach Memphis. Vor mehr als 10.000 Menschen fordert er alle Schwarzen in Memphis auf, ihre Arbeit niederzulegen, bis die Stadt die Forderungen der Müllarbeiter erfüllt. </p> <p>Zehn Tage später führt er einen Protestmarsch in Memphis an, der jedoch in Gewalt ausartet. Der Marsch endet im Chaos. Seinem Freund Stanley Levinson sagt er am nächsten Tag bei einem Telefonat: </p> <blockquote> <p>Seien wir ehrlich: wir haben einen großen Rückschlag erlitten, was mein Image und meine Führungsqualitäten betrifft. Das wird viele Schwarze dazu bringen zu sagen: Martin Luther King ist am Ende seiner Kräfte. Schau in die Zeitungen. Ich schätze, es wird das Negativste sein, was du je über Martin Luther King gesehen haben wirst.</p> </blockquote> <p>Um neues Vertrauen zu gewinnen, will Martin Luther King noch einmal nach Memphis zurückkehren und diesmal wieder einen friedlichen, gewaltfreien Protestmarsch anführen. Am 3. April landet sein Flugzeug in Memphis. Am Abend trifft er sich zuerst mit den Anführern einer der dortigen Schwarzen Jugendbanden und bittet diese beim anstehenden Protestmarsch auf Gewalt zu verzichten. Danach spricht er – trotz innerem Unwohlseins – im Mason Temple vor etwa 11.000 Menschen. Während draußen ein Gewitter tobt, spricht King frei und ohne Manuskript. Er spricht über die Notwendigkeit, für Gerechtigkeit einzustehen, aber auch über seine eigene Sterblichkeit. Er erzählt von diversen Todesdrohungen. Gegen Ende seiner Rede gerät er in eine Art Trance und ruft mit lauter Stimme und Schweißperlen auf der Stirn: </p> <blockquote> <p>Ich weiß nicht, was als Nächstes passieren wird. Wir haben ein paar schwierige Tage vor uns. Aber das ist mir jetzt eigentlich egal, denn ich war bereits ganz oben. Und es macht mir nichts aus. Wie jeder andere möchte ich ein langes Leben führen ... Aber darüber mache ich mir jetzt keine Gedanken. Ich will nur Gottes Willen ausführen. Und er hat mir erlaubt, nach ganz oben auf den Gipfel des Berges zu steigen. Ich habe hinübergeschaut – und das verheißene Land gesehen. Vielleicht gelange ich nicht mit euch dorthin. Aber ich möchte, dass ihr hier heute Abend wisst, dass wir, als ein Volk, in das verheißene Land gelangen werden! Also bin ich heute Abend glücklich! Ich mache mir um nichts Sorgen! Ich fürchte niemanden! Meine Augen haben die Herrlichkeit des Herrn gesehen!</p> </blockquote> <p>Am Ende der Rede erwacht King wie aus einem Traum, wirkt erschöpft, aber auch erlöst. Wie immer findet er aber auch in dieser Nacht erst spät in den Schlaf.</p> <p>Der nächste Tag, der 4. April 1968, vergeht mit Besprechungen und Planungen für den bevorstehenden Protestmarsch. Am Abend sind Ralph Abernathy und Martin Luther King bei einem Pfarrer in Memphis zum Essen eingeladen. Um kurz vor 18 Uhr tritt Martin Luther King frisch rasiert und mit Hemd und Krawatte auf den Balkon. Die Luft ist kühl und frisch. Ein paar seiner Kollegen stehen bereits auf dem Parkplatz. Ein paar Scherze fliegen hin und her, dann wendet sich Martin Luther King an den Saxophonisten und Bandleader für den späteren Abend. „Ich möchte, dass du den Song „Precious Lord, Take My Hand“ spielst!“, ruft er ihm über das Balkongeländer zu. Dann fällt ein einzelner Schuss. Eine Kugel trifft Martin Luther King im Gesicht und durchschlägt sein Genick. Seine Freunde stürmen zu ihm und rufen den Krankenwagen. Eine Stunde später stirbt Martin Luther King im St. Josephs Hospital in Memphis.</p> <p>Noch in der Nacht explodiert in über 100 Städten der USA die Gewalt. Amerika brennt. </p> <p>Am Donnerstag, den 9. April, findet in der Ebenezer Baptist Church in Atlanta die Trauerfeier statt. Sein engster Freund Ralph Abernathy leitet den Gottesdienst. Im Anschluss wird Martin Luther Kings Sarg von zwei Maultieren zum Friedhof gebracht, wo er neben seiner geliebten Großmutter beigesetzt wird. Mahalia Jackson singt dazu „Precious Lord, Take My Hand.“<br /> Geliebter, kostbarer Herr, nimm meine Hand!<br /> Leite mich, hilf mir aushalten und standhalten,<br /> denn müde bin, schwach, erschöpft,<br /> durch all den Sturm und durch die Nacht.<br /> Führe du mich hin zum Licht.</p>

<p>Herzlich Willkommen zu Lebensliturgien, Staffel 8, <strong>Gerechtigkeit ströme wie Wasser</strong>. In dieser Staffel begegnen wir dem Leben und den Worten von Martin Luther King: gewaltloser Widerstandskämpfer, Bürgerrechtler, Friedensnobelpreisträger und Pastor. Martin Luther King hatte ein besonderes Gespür für Gottes gerechtigkeitsliebendes Herz, eine klare Berufung von Gott und: er hatte den Mut, sich mit unermüdlicher Ausdauer für Gerechtigkeit, Gleichheit und Würde aller Menschen einzusetzen – koste es, was es wolle. Möge Gott uns mit seinem guten Geist leiten.</p> <hr /> <p>Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir. </p> <p>Ich sammle meine Gedanken und atme langsam und bewusst. </p> <p>Gewiss: Gott fordert eine ganze Menge, ruft uns ins Tun des Gerechten.<br /> Davor aber beschenkt er uns. Lässt uns ruhen. Und rüstet uns aus mit seinem Geist. In der Stille bete ich: „Komm, Heiliger Geist.“</p> <hr /> <p>Wir hören Worte aus Jesaja 58, Psalm 34 und Lukas 6:</p> <blockquote> <p>Gott spricht: Ein frommes Leben, das mir gefällt, sieht so aus: Löst die Fesseln der Ungerechtigkeit! Knotet alle Jochstricke auf! Schafft jede Art von Unterdrückung ab! Lasst ab vom Bösen und tut Gutes; sucht Frieden und jagt ihm nach! Liebt eure Feinde und tut wohl denen, die euch hassen. Segnet, die euch verfluchen und betet für die, die euch beleidigen.<br /> Wenn Ihr das tut, wird eure Gerechtigkeit vor euch hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird euren Zug beschließen. Dann wird euer Licht wie die Morgenröte aufstrahlen, und eure Wunden werden schnell heilen. Dann werdet Ihr rufen und der HERR wird antworten: ›Siehe, hier bin ich.‹ Dann wird der Herr euch immerdar führen und Ihr werdet sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Quelle, die niemals versiegt.</p> </blockquote> <hr /> <p>Am 4. Dezember 1967, exakt vier Monate vor seinem Tod, gibt Martin Luther King eine Pressekonferenz. Dort erklärt er, im Frühjahr 1968 (also in wenigen Monaten) zusammen mit dem SCLC eine gewaltfreie Armee von Armen nach Washington D.C. führen zu wollen. Eine große Menschenmenge aus Schwarzen, Weißen, Mexikanern, Puertoricanern und Indigenen soll in der Methode gewaltlosen Widerstands ausgebildet werden und dann nach Washington kommen, wo sie in Hütten aus Holz oder Wellblech vor den Türen der Reichen und Mächtigen campieren. </p> <p>Von dort aus sollen sie mit Aktionen zivilen Ungehorsams immer wieder den Betrieb der Stadt und der Regierung stören und Industriebetriebe besetzen – und zwar so lange, bis die Regierung sich wirklich mit den Problemen der Armen und Schwachen Amerikas befasst, bis die Nation einer radikalen Umverteilung des Wohlstands zustimmt. So wie Martin Luther King früher immer wieder Städte in produktive Unruhe versetzt hat, will er nun die ganze Nation in Bewegung bringen.</p> <blockquote> <p>Amerika steht an einem Scheideweg der Geschichte, und es ist für uns als Nation und Gesellschaft von entscheidender Bedeutung, einen neuen Weg einzuschlagen und ihn entschlossen und mutig zu beschreiten. Die Krise, mit der wir in Amerika konfrontiert sind, darf nicht unterschätzt werden. Die Stabilität einer Zivilisation, das Potenzial einer freien Regierung und die schlichte Ehre der Menschen stehen auf dem Spiel. Diejenigen, die sich in der Menschenrechtsbewegung engagieren, einschließlich unserer Southern Christian Leadership Conference, sind sich der zunehmenden Verbitterung, Verzweiflung und Frustration bewusst. In gewisser Weise befinden wir uns im Krieg mit und untereinander. Wohlhabende Amerikaner sind in Vororten eingeschlossen, in denen sie sich zwar körperlich wohlfühlen, psychisch aber von Unsicherheit gequält sind. Arme Amerikaner sind in Ghettos eingeschlossen, in denen sie unter materiellen Entbehrungen und geistiger Entkräftung leiden. Es ist ein sozialer Wahnsinn spürbar, der zum Untergang unserer Nation führen könnte. (…) Dies ist der letzte gewaltfreie Ansatz, um unserer Nation eine Chance zu geben zu reagieren. Gott alleine weiß, was geschehen wird, wenn darauf keine Reaktion erfolgt.</p> </blockquote> <p>King weiß, wie riskant diese Kampagne ist. Etwas vergleichbar Kompliziertes hat die SCLC noch nie organisiert – und sie leidet weiterhin unter Geldmangel, internen Streitigkeiten und dem Verlust ihrer einstigen Strahlkraft. Selbst bei denen, auf deren Unterstützung er sich sonst verlassen kann, stößt Martin Luther King deshalb auf Zweifel und Widerstand. Ihre Argumente sind, dass diese Aktion im Herzen Washingtons allzu leicht eskalieren und in Gewalt umkippen kann. Dazu fehlt vielen ein klarer Plan mit konkreten Forderungen. Die internen Zweifel und Widerstände gegen diese Idee nehmen in den Wochen nach der Pressekonferenz eher noch zu. Am Morgen seines 39. Geburtstages am 15. Januar 1968 sitzt King mit seinem SCLC-Leitungsteam zusammen – und ist schließlich so frustriert über die Negativität und die Desorganisation seines Teams, dass er die Sitzung wütend und mit schweren Kopfschmerzen verlässt.</p> <p>Freunde und Kollegen beschreiben Martin Luther King in diesen letzten Monaten seines Lebens als immer erschöpfter und niedergeschlagener. Eine tiefe Müdigkeit – körperlich wie emotional – hat sich breit gemacht in seinem Inneren. Als Ralph Abernathy seinen Freund Martin Luther King eines Tages morgens um drei Uhr schlaflos auf dem Balkon eines Motels antrifft, beginnt dieser das alte Lied „Rock of Ages“ anzustimmen, das oft an Beerdigungen gesungen wird. Einige Tage später predigt er in seiner Ebenezer Church in Atlanta über die Worte Jesu: „Wer unter Euch groß sein will, muss euer Diener sein.“ Darin kommt er auch auf seine eigene Beerdigung zu sprechen:</p> <blockquote> <p>Hin und wieder denke ich an meinen Tod, und ich denke an meine Beerdigung. Hin und wieder frage ich mich: »Was sollte – wenn es nach mir geht – dann gesagt werden?« Ich will euch heute Morgen darüber Auskunft geben.<br /> Wenn einige von euch dabei sind, wenn mein Tag kommt: Ich möchte keine lange Beerdigung. Und wenn ihr jemanden eine Grabrede halten lasst, sagt, sie sollen nicht zu lange reden. (…) Ich möchte, dass an jenem Tag irgendeiner lediglich sagt: »Martin Luther King Jr. versuchte mit seinem Leben anderen zu dienen. « Ich möchte, dass jemand an jenem Tag sagt: »Martin Luther King versuchte, Liebe zu üben.« (…) Ich möchte, dass ihr sagt, dass ich versuchte, die Menschheit zu lieben und ihr zu dienen. (…) All die anderen unwichtigen Dinge werden keine Rolle spielen. Ich werde kein Geld hinterlassen. Ich werde keine vornehmen und luxuriösen Dinge hinterlassen. Ich möchte einfach ein engagiertes, hingegebenes Leben hinterlassen. Wenn ich meine Pflicht als Christ tun kann, wenn ich Erlösung für eine einst aufgewühlte Welt bringen kann, dann wird mein Leben nicht vergeblich gewesen sein.</p> </blockquote> <p>Was sollte – wenn es nach mir geht – an meiner Beerdigung von mir und meinem Leben gesagt werden? </p> <hr /> <blockquote> <p>Herr, mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens und deiner Gerechtigkeit,<br /> dass ich liebe, wo man hasst;<br /> dass ich verzeihe, wo man beleidigt;<br /> dass ich verbinde, wo Streit ist;<br /> dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;<br /> dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;<br /> dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;<br /> dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;<br /> dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.<br /> Herr, lass mich trachten,<br /> nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;<br /> nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;<br /> nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.<br /> Denn wer sich hingibt, der empfängt;<br /> wer sich selbst vergisst, der findet;<br /> wer verzeiht, dem wird verziehen;<br /> und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.<br /> Amen.</p> </blockquote> <blockquote> <p><cite>nach Franz von Assisi</p> </blockquote>

<p>Herzlich Willkommen zu Lebensliturgien, Staffel 8, <strong>Gerechtigkeit ströme wie Wasser</strong>. In dieser Staffel begegnen wir dem Leben und den Worten von Martin Luther King: gewaltloser Widerstandskämpfer, Bürgerrechtler, Friedensnobelpreisträger und Pastor. Martin Luther King hatte ein besonderes Gespür für Gottes gerechtigkeitsliebendes Herz, eine klare Berufung von Gott und: er hatte den Mut, sich mit unermüdlicher Ausdauer für Gerechtigkeit, Gleichheit und Würde aller Menschen einzusetzen – koste es, was es wolle. Möge Gott uns mit seinem guten Geist leiten.</p> <hr /> <p>Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir. </p> <p>Ich sammle meine Gedanken und atme langsam und bewusst. </p> <p>Gewiss: Gott fordert eine ganze Menge, ruft uns ins Tun des Gerechten.<br /> Davor aber beschenkt er uns. Lässt uns ruhen. Und rüstet uns aus mit seinem Geist. In der Stille bete ich: „Komm, Heiliger Geist.“</p> <hr /> <p>Wir hören Worte aus Jesaja 58, Psalm 34 und Lukas 6:</p> <blockquote> <p>Gott spricht: Ein frommes Leben, das mir gefällt, sieht so aus: Löst die Fesseln der Ungerechtigkeit! Knotet alle Jochstricke auf! Schafft jede Art von Unterdrückung ab! Lasst ab vom Bösen und tut Gutes; sucht Frieden und jagt ihm nach! Liebt eure Feinde und tut wohl denen, die euch hassen. Segnet, die euch verfluchen und betet für die, die euch beleidigen.<br /> Wenn Ihr das tut, wird eure Gerechtigkeit vor euch hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird euren Zug beschließen. Dann wird euer Licht wie die Morgenröte aufstrahlen, und eure Wunden werden schnell heilen. Dann werdet Ihr rufen und der HERR wird antworten: ›Siehe, hier bin ich.‹ Dann wird der Herr euch immerdar führen und Ihr werdet sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Quelle, die niemals versiegt.</p> </blockquote> <hr /> <p>Im Jahr 1964 wurde Martin Luther King in einer Umfrage von seinen Landsleuten auf den vierten Platz der meistbewunderten Männer der Welt gewählt. Im Jahr 1965 rutschte er ganz leicht nach hinten, auf Platz sechs. Nun, in den Jahren 1966 und 1967, ist Martin Luther King auf keiner dieser Listen mehr zu finden. Stattdessen geben mehr als 60 Prozent der Befragten an, dass sie King negativ einschätzen.</p> <p>Am 19. September 1966 scheitert Präsident Johnson mit dem Versuch einer Erweiterung des „Civil Rights Act“ um das sog. „Fair Housing“, das die Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt beenden und eine Durchmischung von weißer und schwarzer Bevölkerung fördern soll. Der Gesetzesentwurf bekommt nicht genügend Stimmen im US-Kongress, zudem nutzen seine Gegner den Filibuster (also die Taktik endloser Reden), um eine Abstimmung zu verhindern. Es wird klar: für das weitere Vorantreiben von Gleichberechtigung und Integration gibt es keine demokratische Mehrheit mehr im Land. </p> <p>Im Anschluss an dieses Scheitern kommen die Berater von Präsident Johnson zu dem Schluss, dass die Zeit vorbei ist für große und kühne Programme zugunsten der Schwarzen Bevölkerung. Auch Präsident Johnson ist frustriert, hinzu kommt sein wachsendes Misstrauen Martin Luther King gegenüber, der immer stärker den Kapitalismus und den Militarismus Amerikas anprangert.</p> <p>Auch in der eigenen Organisation, im SCLC, wächst die Ermüdung. Vielen der Geistlichen fällt es schwer, Kings Haltung gegen den Krieg in Vietnam zu unterstützen und gleichzeitig Trauerfeiern für gefallene Soldaten abzuhalten. Die New York Times druckt auf der Titelseite einen Artikel über die Bürgerrechtsbewegung. Darin analysiert sie, dass die Bürgerrechtsbewegung in Auflösung begriffen ist. Die weißen Liberalen seien zu sehr mit dem Krieg in Vietnam beschäftigt. Die weißen Gemäßigten stünden der Not ihrer Schwarzen Landsleute mittlerweile apathisch oder aufgrund der neuen Black Power Bewegung und der vielen gewaltsamen Aufstände in den Gettos sogar feindselig gegenüber. Und junge, für Veränderung und Rebellion offene Menschen würden sich stärker der Black-Power-Bewegung zuwenden und der Gewalt als einer reinigenden Kraft.</p> <p>Seit Montgomery ist Martin Luther King nicht müde geworden, seinen Landsleuten das Heraufziehen eines neuen, besseren Amerika zu verheißen. Doch mehr und mehr US-Amerikaner zweifeln daran, dass dies jemals Wirklichkeit wird. Gab es vor wenigen Jahren noch eine Aufbruchstimmung im Land mit der Hoffnung auf Fortschritt und Veränderung der Verhältnisse zum Guten, herrscht nun eine lähmende, toxische Atmosphäre von Enttäuschung, Misstrauen und gegenseitiger Geringschätzung.</p> <p>Im Februar 1967 veröffentlicht die New York Times eine weitere Titelgeschichte, in der es heißt, die Bürgerrechtsbewegung sei kollabiert und befinde sich in einem letzten Kampf ums Überleben. Außenbüros seien in den letzten Monaten aufgegeben worden, die Demonstrationen auf den Straßen erloschen und die Spenden für den SCLC im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent zurückgegangen. „Das ist keine einfache Zeit für mich“, sagt King in einer Rede in Chicago.<br /> Was ihm dennoch die Kraft zum Weitermachen gibt? In einer Predigt aus dem Jahr 1967 erklärt er dies so:</p> <blockquote> <p>Ich erinnere mich an ein Erlebnis in Montgomery, Alabama, das ich gerne mit Euch teilen möchte. Als wir uns mitten im Busboykott befanden, hatten wir eine wunderbare alte Dame, die wir liebevoll Schwester Pollard nannten. Sie war eine wunderbare Frau, etwa zweiundsiebzig Jahre alt, und arbeitete in diesem Alter immer noch. Während des Boykotts ging sie jeden Tag zu Fuß zur Arbeit und wieder nach Hause.<br /> Ich erinnere mich in dieser Zeit an eine sehr schwierige Woche, die ich durchgemacht hatte. In der Nacht zuvor waren den ganzen Tag und die ganze Nacht hindurch Drohanrufe eingegangen. Ich begann zu schwanken, innerlich schwach zu werden und meinen Mut zu verlieren. An jenem Montagabend ging ich sehr entmutigt und ein wenig ängstlich zu unserer wöchentlichen Massenversammlung. Ich stand an diesem Abend auf, um meine Rede zu halten, aber die Worte kamen ohne Kraft und ohne Stärke aus mir heraus. Schwester Pollard kam nach der Versammlung auf mich zu und sagte: „Junge, was ist los mit dir?“ Sie sagte: „Du hast heute Abend nicht stark genug gesprochen.“ Und ich sagte: “Es ist alles in Ordnung, Schwester Pollard, mir geht es gut.“ Sie sagte: „Mir kannst du nichts vormachen. Mit dir stimmt etwas nicht.“ Ich sagte: „Alles wird gut, Schwester Pollard.“ Daraufhin sagte sie schließlich: “Lass mich dir noch einmal etwas sagen, ich möchte, dass du es diesmal hörst. Ich habe dir doch gesagt, dass wir bei dir sind. Und selbst wenn wir nicht bei dir sind, so ist doch der Herr bei dir.“ Und sie schloss mit den Worten: „Der Herr wird sich um dich kümmern.“<br /> Seit diesem Tag habe ich viele Dinge gesehen und erlebt: ich war in mehr als achtzehn Gefängniszellen, bin einmal fast erstochen worden, unser Haus wurde dreimal bombardiert und ich bekomme jeden Tag Todesdrohungen. Seitdem habe ich viele frustrierende und verwirrende Nächte erlebt. Aber immer wieder höre ich die Worte von Schwester Pollard: „Gott wird sich um dich kümmern.“ </p> </blockquote> <p>„Gott wird sich um dich kümmern“ – in der Stille lasse ich diese Worte auf mich und mein aktuelles Leben wirken.</p> <hr /> <blockquote> <p>Herr, mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens und deiner Gerechtigkeit,<br /> dass ich liebe, wo man hasst;<br /> dass ich verzeihe, wo man beleidigt;<br /> dass ich verbinde, wo Streit ist;<br /> dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;<br /> dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;<br /> dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;<br /> dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;<br /> dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.<br /> Herr, lass mich trachten,<br /> nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;<br /> nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;<br /> nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.<br /> Denn wer sich hingibt, der empfängt;<br /> wer sich selbst vergisst, der findet;<br /> wer verzeiht, dem wird verziehen;<br /> und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.<br /> Amen.</p> </blockquote> <blockquote> <p><cite>nach Franz von Assisi</p> </blockquote>

<p>Herzlich Willkommen zu Lebensliturgien, Staffel 8, <strong>Gerechtigkeit ströme wie Wasser</strong>. In dieser Staffel begegnen wir dem Leben und den Worten von Martin Luther King: gewaltloser Widerstandskämpfer, Bürgerrechtler, Friedensnobelpreisträger und Pastor. Martin Luther King hatte ein besonderes Gespür für Gottes gerechtigkeitsliebendes Herz, eine klare Berufung von Gott und: er hatte den Mut, sich mit unermüdlicher Ausdauer für Gerechtigkeit, Gleichheit und Würde aller Menschen einzusetzen – koste es, was es wolle. Möge Gott uns mit seinem guten Geist leiten.</p> <hr /> <p>Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir. </p> <p>Ich sammle meine Gedanken und atme langsam und bewusst. </p> <p>Gewiss: Gott fordert eine ganze Menge, ruft uns ins Tun des Gerechten.<br /> Davor aber beschenkt er uns. Lässt uns ruhen. Und rüstet uns aus mit seinem Geist. In der Stille bete ich: „Komm, Heiliger Geist.“</p> <hr /> <p>Wir hören Worte aus Jesaja 58, Psalm 34 und Lukas 6:</p> <blockquote> <p>Gott spricht: Ein frommes Leben, das mir gefällt, sieht so aus: Löst die Fesseln der Ungerechtigkeit! Knotet alle Jochstricke auf! Schafft jede Art von Unterdrückung ab! Lasst ab vom Bösen und tut Gutes; sucht Frieden und jagt ihm nach! Liebt eure Feinde und tut wohl denen, die euch hassen. Segnet, die euch verfluchen und betet für die, die euch beleidigen.<br /> Wenn Ihr das tut, wird eure Gerechtigkeit vor euch hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird euren Zug beschließen. Dann wird euer Licht wie die Morgenröte aufstrahlen, und eure Wunden werden schnell heilen. Dann werdet Ihr rufen und der HERR wird antworten: ›Siehe, hier bin ich.‹ Dann wird der Herr euch immerdar führen und Ihr werdet sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Quelle, die niemals versiegt.</p> </blockquote> <hr /> <p>Die letzten zwei Jahre seines Lebens wird es immer einsamer um Martin Luther King. Immer weniger Menschen verstehen und unterstützen ihn. Schon der neue Schwerpunkt seines Bürgerrechts-Engagements in den schwarzen Getto-Vierteln im Norden des Landes kostet ihn Unterstützer. Als er dann immer mehr den Kapitalismus und die Armut als Thema entdeckt und irgendwann sogar die ungerechten Wirtschaftssysteme mitsamt der von ihnen verursachten Armut in der ganzen Welt anprangert, stößt er erst recht auf Unverständnis. Diese Perspektive ist den Menschen zu weit, zu groß, zu ungreifbar. Sie wollen und können Martin Luther King nicht folgen in seiner völlig unpatriotischen Sehnsucht nach einer weltweiten Werte-Revolution hin zu Gewaltlosigkeit, Liebe. Frieden und Gerechtigkeit. Zumal diese Revolution auch seine klare Absage an Kriege – besonders an den Krieg in Vietnam – beinhaltet. </p> <p>Martin Luther King wird für sehr viele Menschen in Amerika immer mehr zu einem Träumer und einem Verräter, der dem eigenen Land und den eigenen Soldaten in den Rücken fällt. </p> <p>Martin Luther King selbst kann das nicht nachvollziehen. In seiner berühmten „Beyond Vietnam“-Rede in der Riverside Church in New York am 4. April 1967 (genau ein Jahr vor seinem Tod) sagt er:</p> <blockquote> <p>Ich kann nicht vergessen, dass der Friedensnobelpreis auch eine Verpflichtung für mich war, die Verpflichtung, härter als je zuvor für die Brüderlichkeit unter den Menschen zu arbeiten. Das ist eine Berufung, die mich über nationale Treueverpflichtungen hinausführt. Aber selbst wenn es sie nicht gäbe, müsste ich doch mit meiner Hingabe an den Dienst Jesu Christi leben. Für mich ist die Beziehung zwischen diesem Dienst und der Herstellung von Frieden so offensichtlich, dass ich mich manchmal wundere über die, die mich fragen, warum ich meine Stimme gegen den Krieg erhebe. Kann es sein, dass sie nicht wissen, dass die Gute Nachricht allen Menschen gilt - Kommunisten und Kapitalisten, ihren Kindern und unseren Kindern, Schwarzen und Weißen, Revolutionären und Konservativen? Haben sie vergessen, dass mein Dienst im Gehorsam gegen den Einen geschieht, der seine Feinde so sehr liebte, dass er für sie starb? Was soll ich denn dem Vietcong oder Castro oder Mao sagen als ein gläubiger Diener dieses Einen? Kann ich sie mit dem Tod bedrohen, oder muss ich nicht mit ihnen mein Leben teilen? </p> </blockquote> <p>Welche Kraft und Klarheit diese innere Überzeugung in ihm entfaltet, wird spürbar in einer Predigt bei sich zuhause in Atlanta in seiner Ebenezer Church nur weniger Monate später.</p> <blockquote> <p>Ich sage Euch heute Morgen, dass Ihr nicht wirklich lebt, wenn Ihr noch nie etwas so Wertvolles und Kostbares gefunden habt, dass Ihr dafür auch sterben würdet. Ihr mögt achtunddreißig Jahre alt sein, so wie ich es bin, und eines Tages bietet sich Euch eine großartige Gelegenheit, für ein großes Prinzip, für eine große Sache einzutreten. Und Ihr weigert Euch, es zu tun, weil Ihr Angst habt. Ihr weigert Euch, es zu tun, weil Ihr länger leben wollt. Ihr habt Angst, Euren Job zu verlieren oder kritisiert zu werden oder Eure Beliebtheit zu verlieren. Oder Ihr habt Angst, dass jemand Euch erstechen oder auf Euch schießen oder Euer Haus in die Luft jagen könnte. Also weigert Ihr Euch, Stellung zu beziehen.<br /> Nun, Ihr könnt dann weiterleben und neunzig werden, aber mit achtunddreißig seid Ihr bereits genauso tot wie mit neunzig. Das Aufhören der Atmung in Eurem Leben ist dann nur der verspätete körperliche Nachvollzug Eures viel früheren geistigen und geistlichen Todes. Ihr seid bereits gestorben, als Ihr Euch geweigert habt, für das Richtige einzustehen, für die Wahrheit und für die Gerechtigkeit.<br /> Wichtig ist: denkt nie, dass Ihr allein seid! Setzt Euch für das ein, was richtig ist: die Welt mag Euch missverstehen und kritisieren, aber Ihr seid niemals allein. Irgendwo habe ich gelesen, dass man mit Gott immer eine Mehrheit hat. Gott hat die Möglichkeit, eine Minderheit in eine Mehrheit zu verwandeln. Geht heute Morgen gemeinsam mit ihm hier raus, glaubt an ihn und tut, was richtig ist: und er wird bei Euch sein, bis ans Ende der Zeit.<br /> Ja! Ich habe Blitze gesehen und gewaltigen Donner gehört. Ich habe erlebt, wie feindliche Kräfte auf mich zurasten und wie sie versuchen, meine Seele zu erobern. Aber ich habe eben auch die Stimme Jesu gehört, die mir sagte, ich solle weiterkämpfen. Jesus hat mir versprochen, mich nie allein zu lassen, mich nie allein zu lassen. Nein, nie allein. Niemals allein.</p> </blockquote> <p>Habe ich etwas so Kostbares und Wertvolles gefunden, dass ich dafür sterben würde? In der Stille bitte ich Jesus um seinen Beistand, seine spürbare Gegenwart in dieser Sache.</p> <hr /> <blockquote> <p>Herr, mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens und deiner Gerechtigkeit,<br /> dass ich liebe, wo man hasst;<br /> dass ich verzeihe, wo man beleidigt;<br /> dass ich verbinde, wo Streit ist;<br /> dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;<br /> dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;<br /> dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;<br /> dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;<br /> dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.<br /> Herr, lass mich trachten,<br /> nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;<br /> nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;<br /> nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.<br /> Denn wer sich hingibt, der empfängt;<br /> wer sich selbst vergisst, der findet;<br /> wer verzeiht, dem wird verziehen;<br /> und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.<br /> Amen.</p> </blockquote> <blockquote> <p><cite>nach Franz von Assisi</p> </blockquote>

<p>Herzlich Willkommen zu Lebensliturgien, Staffel 8, <strong>Gerechtigkeit ströme wie Wasser</strong>. In dieser Staffel begegnen wir dem Leben und den Worten von Martin Luther King: gewaltloser Widerstandskämpfer, Bürgerrechtler, Friedensnobelpreisträger und Pastor. Martin Luther King hatte ein besonderes Gespür für Gottes gerechtigkeitsliebendes Herz, eine klare Berufung von Gott und: er hatte den Mut, sich mit unermüdlicher Ausdauer für Gerechtigkeit, Gleichheit und Würde aller Menschen einzusetzen – koste es, was es wolle. Möge Gott uns mit seinem guten Geist leiten.</p> <hr /> <p>Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir. </p> <p>Ich sammle meine Gedanken und atme langsam und bewusst. </p> <p>Gewiss: Gott fordert eine ganze Menge, ruft uns ins Tun des Gerechten.<br /> Davor aber beschenkt er uns. Lässt uns ruhen. Und rüstet uns aus mit seinem Geist. In der Stille bete ich: „Komm, Heiliger Geist.“</p> <hr /> <p>Wir hören Worte aus Jesaja 58, Psalm 34 und Lukas 6:</p> <blockquote> <p>Gott spricht: Ein frommes Leben, das mir gefällt, sieht so aus: Löst die Fesseln der Ungerechtigkeit! Knotet alle Jochstricke auf! Schafft jede Art von Unterdrückung ab! Lasst ab vom Bösen und tut Gutes; sucht Frieden und jagt ihm nach! Liebt eure Feinde und tut wohl denen, die euch hassen. Segnet, die euch verfluchen und betet für die, die euch beleidigen.<br /> Wenn Ihr das tut, wird eure Gerechtigkeit vor euch hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird euren Zug beschließen. Dann wird euer Licht wie die Morgenröte aufstrahlen, und eure Wunden werden schnell heilen. Dann werdet Ihr rufen und der HERR wird antworten: ›Siehe, hier bin ich.‹ Dann wird der Herr euch immerdar führen und Ihr werdet sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Quelle, die niemals versiegt.</p> </blockquote> <hr /> <p>Im Sommer 1964 werden die USA offiziell Kriegspartei in Vietnam. Ab 1965 beginnen sie mit der Bombardierung Nordvietnams und nur wenig später mit dem Bodenkrieg, der schnell immer weiter eskaliert. Trotz seiner klaren Ablehnung jeglicher Form von Gewalt hält Martin Luther King sich in den Jahren 1965 und 1966 zurück mit kritischen Äußerungen über den Krieg. Zum einen, weil viele Anhänger und Spender der Bürgerrechtsbewegung für diesen Krieg sind und King sie nicht verprellen will. Außerdem drängen ihn seine engsten Berater wiederholt, die Bürgerrechtsfrage klar vom Vietnamkrieg zu trennen. Zum anderen will Martin Luther King seine guten Beziehungen zu Präsident Johnson nicht aufs Spiel setzen, der den Krieg in Vietnam als oberster Befehlshaber anführt.</p> <p>1967 beendet Martin Luther King seine Zurückhaltung. Im Frühling zieht er sich für gut einen Monat auf Jamaica zurück, um dort – fernab aller Alltagsverpflichtungen – sein Buch „Where do we go from here“ zu schreiben. Am Abflug-Flughafen kauft er sich die Ausgabe eines linken Magazins, das auf dem Titelbild den gekreuzigten Jesus zeigt und neben dem Kreuz schattenhafte Soldaten mit Helmen und Bajonetten. Im Inneren des Heftes wartet ein großer Artikel über die Kinder Vietnams. Der Text ist illustriert mit Fotos von verstümmelten und verbrannten Kindern, getötet von Napalmbomben und amerikanischen Waffen. Im Anschluss an seinen Aufenthalt in Jamaica ruft Martin Luther King Präsident Johnson an, um ihm mitzuteilen, dass er sich von nun an gegen den Krieg in Vietnam stellen wird. Präsident Johnson stellt daraufhin jeglichen Kontakt zu King ein. Aber der Entschluss von Martin Luther King steht – auch nachdem er von beinahe allen Seiten harte Kritik für seine Position gegen den Vietnamkrieg einstecken muss. Er steht nun mit seinen Positionen weitgehend alleine da.</p> <blockquote> <p>Eines Abends (…) nahm ich einen Artikel mit dem Titel „Die Kinder von Vietnam“ zur Hand und las ihn. Nachdem ich den Artikel gelesen hatte, sagte ich mir: „Nie wieder werde ich zu einem Thema schweigen, das die Seele unserer Nation zerstört und Tausende und Abertausende kleiner Kinder in Vietnam vernichtet.“ Ich kam zu dem Schluss, dass es einen existenziellen Moment im Leben gibt, in dem man sich entscheiden muss. (…) So oft hatte ich diejenigen gegeißelt, die durch Schweigen oder Untätigkeit das Übel des Rassenunrechts billigten und dadurch mit ihm kooperierten. (…) Hatte ich mich nicht dem Grundsatz verschrieben, dass das Wegschauen vom Bösen in Wirklichkeit ein Billigen desselben ist? (…) Es war an der Zeit – ja, es war überfällig –, dass ich mich von denen lossagte und distanzierte, die im Namen des Friedens brandschatzen, verstümmeln und töten.</p> </blockquote> <p>Während viele Kritiker keinen Zusammenhang zwischen der bisherigen Arbeit Kings und seinen Äußerungen gegen den Vietnamkrieg erkennen können, hängen für Martin Luther King selbst sein aktueller Einsatz gegen die Armut in den USA und seine Stellung zum Vietnamkrieg unmittelbar zusammen. Er verweist dabei auf das große Sozialprogramm von Präsident Johnson aus dem Jahr 1964 mit dem Namen „War on poverty“ / „Krieg gegen die Armut“. In den Jahren 1964 und 1965 startet die US-Regierung eine Vielzahl von Programmen gegen die Armut: die Einführung einer Gesundheitsversorgung für einkommensschwache Bürger, der Start eines modernen Lebensmittelmarken-Programms zur Bekämpfung von Hunger, Frühförderung für Kinder aus armen Familien und finanzielle Unterstützung für Schulen in einkommensschwachen Gebieten. Und tatsächlich sinkt die Armutsrate deutlich. Als der Krieg in Vietnam 1965 eskaliert, werden jedoch immer weniger Gelder in den Kampf gegen die Armut gesteckt und viele Sozialprogramme eingestellt.</p> <blockquote> <p>Es gibt eine sehr offensichtliche und fast triviale Verbindung zwischen dem Krieg in Vietnam und dem Kampf, den ich und andere in Amerika geführt haben. Vor einigen Jahren gab es einen strahlenden Moment in diesem Kampf. Es schien, als ob es durch das Armutsprogramm ein echtes Versprechen der Hoffnung für die Armen – sowohl Schwarze als auch Weiße – gab. Es gab Experimente, Hoffnungen, neue Anfänge. Dann kam der Ausbau des Kriegs in Vietnam, und ich sah zu, wie dieses Programm zerschlagen und ausgehöhlt wurde, als wäre es ein nutzloses politisches Spielzeug einer Gesellschaft, die verrückt nach Krieg war. Und ich wusste, dass Amerika niemals die notwendigen Mittel oder Energien in die Rehabilitation seiner Armen investieren würde, solange Abenteuer wie Vietnam weiterhin Männer, Fähigkeiten und Geld wie ein dämonischer, zerstörerischer Sog anziehen würden. Daher war ich zunehmend gezwungen, den Krieg als Feind der Armen zu betrachten und ihn als solchen anzugreifen.</p> </blockquote> <p>In der Stille komme ich mit Gott über meine eigene Stellung zum Thema Waffen und Krieg ins Gespräch.</p> <hr /> <blockquote> <p>Herr, mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens und deiner Gerechtigkeit,<br /> dass ich liebe, wo man hasst;<br /> dass ich verzeihe, wo man beleidigt;<br /> dass ich verbinde, wo Streit ist;<br /> dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;<br /> dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;<br /> dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;<br /> dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;<br /> dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.<br /> Herr, lass mich trachten,<br /> nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;<br /> nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;<br /> nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.<br /> Denn wer sich hingibt, der empfängt;<br /> wer sich selbst vergisst, der findet;<br /> wer verzeiht, dem wird verziehen;<br /> und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.<br /> Amen.</p> </blockquote> <blockquote> <p><cite>nach Franz von Assisi</p> </blockquote>

<p>Herzlich Willkommen zu Lebensliturgien, Staffel 8, <strong>Gerechtigkeit ströme wie Wasser</strong>. In dieser Staffel begegnen wir dem Leben und den Worten von Martin Luther King: gewaltloser Widerstandskämpfer, Bürgerrechtler, Friedensnobelpreisträger und Pastor. Martin Luther King hatte ein besonderes Gespür für Gottes gerechtigkeitsliebendes Herz, eine klare Berufung von Gott und: er hatte den Mut, sich mit unermüdlicher Ausdauer für Gerechtigkeit, Gleichheit und Würde aller Menschen einzusetzen – koste es, was es wolle. Möge Gott uns mit seinem guten Geist leiten.</p> <hr /> <p>Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir. </p> <p>Ich sammle meine Gedanken und atme langsam und bewusst. </p> <p>Gewiss: Gott fordert eine ganze Menge, ruft uns ins Tun des Gerechten.<br /> Davor aber beschenkt er uns. Lässt uns ruhen. Und rüstet uns aus mit seinem Geist. In der Stille bete ich: „Komm, Heiliger Geist.“</p> <hr /> <p>Wir hören Worte aus Jesaja 58, Psalm 34 und Lukas 6:</p> <blockquote> <p>Gott spricht: Ein frommes Leben, das mir gefällt, sieht so aus: Löst die Fesseln der Ungerechtigkeit! Knotet alle Jochstricke auf! Schafft jede Art von Unterdrückung ab! Lasst ab vom Bösen und tut Gutes; sucht Frieden und jagt ihm nach! Liebt eure Feinde und tut wohl denen, die euch hassen. Segnet, die euch verfluchen und betet für die, die euch beleidigen.<br /> Wenn Ihr das tut, wird eure Gerechtigkeit vor euch hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird euren Zug beschließen. Dann wird euer Licht wie die Morgenröte aufstrahlen, und eure Wunden werden schnell heilen. Dann werdet Ihr rufen und der HERR wird antworten: ›Siehe, hier bin ich.‹ Dann wird der Herr euch immerdar führen und Ihr werdet sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Quelle, die niemals versiegt.</p> </blockquote> <hr /> <p>Als Folge der Schwarzen Protestaktionen und Demonstrationen kommt es am 17. August 1966 zu einem Treffen mit dem Bürgermeister von Chicago und anderen politisch und wirtschaftlich wichtigen Männern der Stadt. Bürgermeister Daley drängt auf ein Ende der Protestzüge und der damit verbundenen Unruhen. Im Gegenzug erklärt er sich zu Zugeständnissen bereit – ohne sich jedoch auf ein konkretes „Wann“ und „Wie“ festlegen zu wollen. Weil es Kings tiefe Überzeugung ist, dass Menschen und Dinge sich nur dann dauerhaft zum Besseren wenden, wenn man ihnen mit gutem Willen und Wohlwollen begegnet, vertraut er den von Bürgermeister Daley vage in Aussicht gestellten Verbesserungen und Maßnahmen.<br /> In den kommenden Monaten jedoch zeigt sich, dass den Absichtserklärung von Seiten der Stadt keinerlei konkrete Schritte folgen. Als die Menschen in den Gettos von Chicago dies merken, ist ihre Enttäuschung groß. „Martin Looser“ wird King von vielen genannt.</p> <p>Überhaupt ändert sich in den Jahren 1966 und 1967 die Stimmung in vielen Teilen der Gesellschaft – sowohl in der Schwarzen Community wie auch in der weißen Öffentlichkeit. Aus Sicht vieler Weißer haben die Schwarzen nach Unterzeichnung des Bürgerrechtsgesetzes und der Reform des Wahlrechtsgesetzes die von ihnen so lange ersehnte Gleichberechtigung. Warum machen sie mit ihrem Protest immer weiter? Gibt es kein „genug“? Was wollen sie noch? Wieso zieht Martin Luther King auf einmal gegen die Armut und gegen den Krieg in Vietnam zu Felde? Will er nun auch noch den Kapitalismus abschaffen und Partei ergreifen für den Feind in Vietnam?</p> <p>Und viele Schwarze haben endgültig keine Lust mehr auf Kompromisse, Warten und den Verzicht auf Gewalt. Die Weißen verstehen einfach nicht – und wollen nicht verstehen. „Black Power“ wird zur neuen Parole vieler Schwarzer. Gemeint ist ein neues Selbstbewusstsein der Schwarzen Bevölkerung und ein Streben nach mehr politischer, wirtschaftlicher und sozialer Macht für Schwarze Menschen – auch mithilfe von Gewalt. „Black Power“ lehnt die Zusammenarbeit mit Weißen strikt ab. Der ermordete Malcolm X wird genauso zur Ikone der Bewegung wie Muhammad Ali, der als einer der ersten Schwarzen Sportler offen die eigene Überlegenheit und den eigenen Stolz betont. Muhammad Alis „I am the greatest“ inspiriert viele Schwarze in den USA.</p> <p>In der letzten Präsidialansprache seines Lebens, 1967, vor den Delegierten der Bürgerrechtsbewegung SCLC nimmt Martin Luther King zur „Black Power“ Bewegung und deren Anliegen auf seine eigene Art Stellung:</p> <blockquote> <p>Zunächst einmal müssen wir ehrlich erkennen, wo wir aktuell stehen. Unsere Lage sieht aktuell so aus: von den guten Dingen im Leben haben wir Schwarzen nur etwa die Hälfte von dem, was die Weißen haben. Wir verdienen zum Beispiel im Schnitt nur halb so viel. Von den schlechten Dingen des Lebens haben wir dagegen doppelt so viele wie die Weißen. Es gibt bei uns doppelt so viele Arbeitslose, die Säuglingssterblichkeitsrate ist doppelt so hoch und es sterben doppelt so viele Schwarze Soldaten in Vietnam wie Weiße, im Verhältnis zu ihrem Anteil an der Bevölkerung.<br /> Das ist unsere Situation. Wie geht es nun von hier aus weiter?<br /> Zunächst einmal müssen wir unsere Würde und unseren Wert massiv behaupten. Wir müssen ein unerschütterliches und majestätisches Wertebewusstsein entwickeln. Wir dürfen uns nicht länger dafür schämen, schwarz zu sein. Solange der Geist versklavt ist, kann der Körper niemals frei sein. Psychologische Freiheit, ein starkes Selbstwertgefühl, ist die mächtigste Waffe gegen die lange Nacht der körperlichen Sklaverei. Ja, wir müssen aufstehen und sagen: ‚Ich bin schwarz und ich bin schön‘!<br /> Eine weitere grundlegende Herausforderung besteht darin, herauszufinden, wie wir unsere Stärke in Bezug auf wirtschaftliche und politische Macht organisieren können. Niemand kann leugnen, dass wir Schwarzen diese Art legitimer Macht dringend benötigen. In der Tat ist eines der größten Probleme, mit denen wir Schwarze konfrontiert sind, unser Mangel an Macht. Von den alten Plantagen im Süden bis zu den neueren Ghettos im Norden sind wir überwiegend sprach- und machtlos. Nun ist Macht, richtig verstanden, nichts anderes als die Fähigkeit, ein Ziel zu erreichen. Sie ist die erforderliche Stärke, um soziale, politische und wirtschaftliche Veränderungen herbeizuführen.<br /> Wir haben heute eine Aufgabe, nämlich die einer gemeinsamen „heiligen Unzufriedenheit“. Lasst uns so lange unzufrieden sein, bis Slums auf den Schrotthaufen der Geschichte geworfen werden und jede Familie in einem anständigen, sauberen Zuhause lebt. Lasst uns so lange unzufrieden sein, bis die dunklen Tage der Rassentrennung an Schulen in ein helles Morgen der hochwertigen, integrierten Bildung verwandelt werden. Lasst uns so lange unzufrieden sein, bis Männer und Frauen, wie schwarz sie auch sein mögen, nach dem Inhalt ihres Charakters und nicht nach der Farbe ihrer Haut beurteilt werden. Lasst uns so lange unzufrieden sein, bis in jeder Hauptstadt ein Gouverneur regiert, der gerecht handelt, der Barmherzigkeit liebt und der demütig vor seinem Gott wandelt. Lasst uns so lange unzufrieden sein, bis von jedem Rathaus Gerechtigkeit fließt wie Wasser und Recht wie ein mächtiger Strom. Lasst uns so lange unzufrieden sein, bis zu dem Tag, an dem sich Löwe und Lamm zusammen niederlegen und jeder Mensch unter seinem eigenen Weinstock und Feigenbaum sitzt und niemand mehr Angst haben muss. Lasst uns unzufrieden sein bis zu dem Tag, an dem niemand mehr „White Power!“ rufen wird – an dem niemand mehr „Black Power!“ rufen wird – sondern an dem alle nur über Gottes Macht sprechen werden. Mit diesem Glauben werden wir in nicht allzu ferner Zukunft Vergangenheitsform singen können: "We have overcome - wir haben überwunden! Deep in my heart, I did believe: we would overcome!“</p> </blockquote> <p>Manche Konflikte sind so aussichtslos, dass nur der Glaube hier noch zu hoffen vermag: das Vertrauen auf einen Gott, dem nichts unmöglich ist. In der Stille bringe ich solch einen aussichtslosen Konflikt vor Gott und lasse meinen Glauben hoffen.</p> <hr /> <blockquote> <p>Herr, mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens und deiner Gerechtigkeit,<br /> dass ich liebe, wo man hasst;<br /> dass ich verzeihe, wo man beleidigt;<br /> dass ich verbinde, wo Streit ist;<br /> dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;<br /> dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;<br /> dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;<br /> dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;<br /> dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.<br /> Herr, lass mich trachten,<br /> nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;<br /> nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;<br /> nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.<br /> Denn wer sich hingibt, der empfängt;<br /> wer sich selbst vergisst, der findet;<br /> wer verzeiht, dem wird verziehen;<br /> und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.<br /> Amen.</p> </blockquote> <blockquote> <p><cite>nach Franz von Assisi</p> </blockquote>

<p>Herzlich Willkommen zu Lebensliturgien, Staffel 8, <strong>Gerechtigkeit ströme wie Wasser</strong>. In dieser Staffel begegnen wir dem Leben und den Worten von Martin Luther King: gewaltloser Widerstandskämpfer, Bürgerrechtler, Friedensnobelpreisträger und Pastor. Martin Luther King hatte ein besonderes Gespür für Gottes gerechtigkeitsliebendes Herz, eine klare Berufung von Gott und: er hatte den Mut, sich mit unermüdlicher Ausdauer für Gerechtigkeit, Gleichheit und Würde aller Menschen einzusetzen – koste es, was es wolle. Möge Gott uns mit seinem guten Geist leiten.</p> <hr /> <p>Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir. </p> <p>Ich sammle meine Gedanken und atme langsam und bewusst. </p> <p>Gewiss: Gott fordert eine ganze Menge, ruft uns ins Tun des Gerechten.<br /> Davor aber beschenkt er uns. Lässt uns ruhen. Und rüstet uns aus mit seinem Geist. In der Stille bete ich: „Komm, Heiliger Geist.“</p> <hr /> <p>Wir hören Worte aus Jesaja 58, Psalm 34 und Lukas 6:</p> <blockquote> <p>Gott spricht: Ein frommes Leben, das mir gefällt, sieht so aus: Löst die Fesseln der Ungerechtigkeit! Knotet alle Jochstricke auf! Schafft jede Art von Unterdrückung ab! Lasst ab vom Bösen und tut Gutes; sucht Frieden und jagt ihm nach! Liebt eure Feinde und tut wohl denen, die euch hassen. Segnet, die euch verfluchen und betet für die, die euch beleidigen.<br /> Wenn Ihr das tut, wird eure Gerechtigkeit vor euch hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird euren Zug beschließen. Dann wird euer Licht wie die Morgenröte aufstrahlen, und eure Wunden werden schnell heilen. Dann werdet Ihr rufen und der HERR wird antworten: ›Siehe, hier bin ich.‹ Dann wird der Herr euch immerdar führen und Ihr werdet sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Quelle, die niemals versiegt.</p> </blockquote> <hr /> <p>Im Juli und August 1966 führen Martin Luther King und das „Chicago Freedom Movement“ eine Vielzahl von Aktionen durch, um auf das Problem der Slums in Chicago aufmerksam zu machen und zu erreichen, dass Schwarze Zugang auch zu Wohnungen in den weißen Vierteln der Stadt bekommen. Sie picknicken in Parks der weißen Viertel, veranstalten Nachtwachen vor den Büros weißer Immobilienmakler und organisieren Protestzüge durch verschiedene weiße Wohnviertel. </p> <p>Bei vielen dieser eigentlich harmlosen Veranstaltungen stoßen die Schwarzen auf ein solches Ausmaß an Hass und Gewalt, dass selbst Martin Luther King überrascht und schockiert ist. Autos brennen, Fahnen mit Hakenkreuzen werden geschwenkt, Ziegelsteine, Flaschen und Feuerwerkskörper werden auf die Demonstrierenden geschleudert.</p> <blockquote> <p>Ich habe an vielen Demonstrationen im ganzen Süden teilgenommen, aber ich kann sagen, dass ich selbst in Mississippi noch nie einen so feindseligen und hasserfüllten Mob gesehen habe wie in Chicago. </p> </blockquote> <p>Der Gedanke, dass Schwarze in ihre weißen Wohnviertel ziehen könnten, versetzt viele der dortigen Bewohner in Panik. Ihre Angst: auch ihr Viertel würde sich so in ein Slum verwandeln, ihre Wohnungen und Häuser würden an Wert verlieren und verfallen und bei Nacht wären Mord und Vergewaltigung an der Tagesordnung. Es ist die irrationale Angst vor dem Unbekannten, die für Martin Luther King der Nährboden ist für Rassenhass und Gewalt. In einer Predigt aus dieser Zeit setzt er sich intensiv mit diesem Phänomen auseinander.</p> <blockquote> <p>In gewisser Weise ist Angst normal, notwendig und kreativ. Sie gehört zum Leben dazu. Irrationale Ängste jedoch sind psychologisch destruktiv.<br /> Irrationale Angst vergiftet und verzerrt beständig unser Innenleben. Wie kann man die Angst meistern?<br /> Zunächst müssen wir uns unseren Ängsten unerschrocken stellen und uns ehrlich fragen, warum wir Angst haben. Diese Konfrontation wird uns in gewissem Maße Kraft verleihen. Wir werden niemals durch Realitätsflucht oder Verdrängung von der Angst geheilt werden. (…)<br /> Zweitens können wir die Angst durch eine der höchsten Tugenden, die der Mensch kennt, meistern: Mut. (…) Mut ist die Kraft des Geistes, Angst zu überwinden. (…) Mut, die Entschlossenheit, sich von keinem Objekt überwältigen zu lassen, wie furchterregend es auch sein mag, befähigt uns, jeder Angst die Stirn zu bieten. (…) Mut und Feigheit sind Gegensätze. Mut ist der innere Entschluss, trotz Hindernissen und beängstigenden Situationen voranzuschreiten.<br /> Drittens wird Angst durch Liebe überwunden. Das Neue Testament bekräftigt: „Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus.“ Die Art von Liebe, die Christus ans Kreuz führte und Paulus inmitten der wütenden Fluten der Verfolgung nicht verbittern ließ, ist nicht weich, blutleer und sentimental. Eine solche Liebe stellt sich dem Bösen ohne zu zögern. Eine solche Liebe überwindet die Welt sogar von einem grob behauenen Kreuz aus, das sich gegen den Horizont abhebt.<br /> Hass wurzelt in Angst, und das einzige Heilmittel gegen Angst-Hass ist Liebe. Wir sagen, dass Krieg eine Folge von Hass ist, aber bei genauerer Betrachtung ergibt sich diese Reihenfolge: zuerst Angst, dann Hass, dann Krieg und schließlich noch tieferer Hass. In diesen turbulenten, von Panik geprägten Tagen werden wir einmal mehr an die weisen Worte der Vergangenheit erinnert: „Vollkommene Liebe vertreibt die Angst.“ Nicht Waffen, sondern Liebe, Verständnis und organisiertes Wohlwollen können die Angst vertreiben. Nur eine Abrüstung, die auf gutem Glauben beruht, wird gegenseitiges Vertrauen zu einer lebendigen Realität machen. (…)<br /> Und viertens: Angst wird durch Glauben überwunden. Eine häufige Ursache für Angst ist das Bewusstsein, dass man dem Leben mit seinen Zumutungen und Herausforderungen nicht gewachsen ist. (…) Unser Problem ist, dass wir versuchen, der Angst ohne Glauben entgegenzutreten. (…) Irrationale Ängste und Phobien können durch die Psychiatrie geheilt werden; aber die Angst vor dem Tod, dem Nichtsein und dem Nichts, die sich in existenzieller Angst äußert, kann nur durch einen positiven religiösen Glauben geheilt werden.<br /> Nur ein solcher Glaube verleiht uns das innere Gleichgewicht, das wir brauchen, um mit Belastungen, Sorgen und Ängsten fertig zu werden, die unweigerlich auf uns zukommen. Nur ein solcher Glaube schenkt uns die Gewissheit, dass das Universum vertrauenswürdig ist und dass Gott für Licht, Frieden und Führung für meine geplagte Seele sorgt. Die Worte eines Mottos, das vor einer Generation häufig an den Wänden der Häuser frommer Menschen zu finden war, müssen in unsere Herzen eingraviert werden:<br /> Die Angst klopfte an die Tür.<br /> Der Glaube öffnete.<br /> Niemand war da.</p> </blockquote> <p>Wovor habe ich Angst? Ich versuche, meiner Angst durch Glaube zu begegnen und spreche Gott mein Vertrauen aus.</p> <hr /> <blockquote> <p>Herr, mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens und deiner Gerechtigkeit,<br /> dass ich liebe, wo man hasst;<br /> dass ich verzeihe, wo man beleidigt;<br /> dass ich verbinde, wo Streit ist;<br /> dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;<br /> dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;<br /> dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;<br /> dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;<br /> dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.<br /> Herr, lass mich trachten,<br /> nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;<br /> nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;<br /> nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.<br /> Denn wer sich hingibt, der empfängt;<br /> wer sich selbst vergisst, der findet;<br /> wer verzeiht, dem wird verziehen;<br /> und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.<br /> Amen.</p> </blockquote> <blockquote> <p><cite>nach Franz von Assisi</p> </blockquote>

<p>Herzlich Willkommen zu Lebensliturgien, Staffel 8, <strong>Gerechtigkeit ströme wie Wasser</strong>. In dieser Staffel begegnen wir dem Leben und den Worten von Martin Luther King: gewaltloser Widerstandskämpfer, Bürgerrechtler, Friedensnobelpreisträger und Pastor. Martin Luther King hatte ein besonderes Gespür für Gottes gerechtigkeitsliebendes Herz, eine klare Berufung von Gott und: er hatte den Mut, sich mit unermüdlicher Ausdauer für Gerechtigkeit, Gleichheit und Würde aller Menschen einzusetzen – koste es, was es wolle. Möge Gott uns mit seinem guten Geist leiten.</p> <hr /> <p>Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir. </p> <p>Ich sammle meine Gedanken und atme langsam und bewusst. </p> <p>Gewiss: Gott fordert eine ganze Menge, ruft uns ins Tun des Gerechten.<br /> Davor aber beschenkt er uns. Lässt uns ruhen. Und rüstet uns aus mit seinem Geist. In der Stille bete ich: „Komm, Heiliger Geist.“</p> <hr /> <p>Wir hören Worte aus Jesaja 58, Psalm 34 und Lukas 6:</p> <blockquote> <p>Gott spricht: Ein frommes Leben, das mir gefällt, sieht so aus: Löst die Fesseln der Ungerechtigkeit! Knotet alle Jochstricke auf! Schafft jede Art von Unterdrückung ab! Lasst ab vom Bösen und tut Gutes; sucht Frieden und jagt ihm nach! Liebt eure Feinde und tut wohl denen, die euch hassen. Segnet, die euch verfluchen und betet für die, die euch beleidigen.<br /> Wenn Ihr das tut, wird eure Gerechtigkeit vor euch hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird euren Zug beschließen. Dann wird euer Licht wie die Morgenröte aufstrahlen, und eure Wunden werden schnell heilen. Dann werdet Ihr rufen und der HERR wird antworten: ›Siehe, hier bin ich.‹ Dann wird der Herr euch immerdar führen und Ihr werdet sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Quelle, die niemals versiegt.</p> </blockquote> <hr /> <p>Mitten im heißen Juli des Jahres 1966 brechen eines Nachts Aufstände aus in North Lawndale, dem Schwarzen Slumviertel, in dem Martin Luther King in dieser Zeit wohnt. Der Auslöser: Schwarze Jugendliche drehen einen Feuer-Hydranten an der Straße auf, um sich in der heißen Nacht im Wasserstrahl eine Erfrischung zu verschaffen. Als die Polizei eingreift und einige der Jugendlichen verhaftet, explodieren Frust, Wut und Hass in dem Viertel. Die Straßen verwandeln sich in ein Trümmerfeld – und Martin Luther King stürzt sich mitten hinein und versucht, mit den Menschen zu reden und sie von weiteren Zerstörungen und Akten der Gewalt abzuhalten. </p> <p>Es sind vor allem die Jugendbanden, die aggressiv durch die Straßen ziehen. Auch mit ihnen sucht Martin Luther King das Gespräch. Er gewinnt zumindest so viel Vertrauen, dass einige der Bandenchefs von ihnen in einem Lokal mit ihm Hamburger essen und einige Tage später vor seiner Wohnungstür stehen. Coretta macht ihnen Sandwiches und lange sitzen die jugendlichen Anführer mit King zusammen. </p> <p>Einer der Teenager ist so von Martin Luther King beeindruckt, dass er die anderen Anführer auffordert, Martin Luther King zu unterstützen. Der weiht diese daraufhin in seine Pläne ein, in Kürze Protestmärsche mit Freiwilligen in die weißen Stadtviertel zu unternehmen. Die Jugendlichen erklären sich sofort bereit, King dabei zu unterstützen und für seine Sicherheit zu sorgen. Seine Bedingung: sie müssen – ganz gegen ihre sonstige Gewohnheit – auf jede Form von Gewalt verzichten, selbst wenn sie angegriffen werden. </p> <blockquote> <p>Ich denke jetzt an einige Teenager in Chicago. Sie haben Spitznamen wie „Tex“, „Pueblo“, „Goat“ und „Teddy“. Sie stammen aus den schwarzen Slums. Von der Gesellschaft im Stich gelassen, kämpften und lebten sie einst stolz in Straßenbanden wie den Vice Lords, den Roman Saints und den Rangers. Ich lernte diese Jungen kennen und hörte mir ihre Geschichten (…) in der Slumwohnung an, die ich im West Side Ghetto von Chicago gemietet hatte. Ich war schockiert über das Gift, das sie gegen die Welt versprühten. Manchmal teilte ich ihre Verzweiflung und verlor jede Hoffnung, dass diese jungen Amerikaner jemals das Konzept der Gewaltlosigkeit (…) annehmen könnten. Ihr ganzes Leben lang haben Jungen wie diese das Leben als ein Tollhaus voller Gewalt und Erniedrigung erlebt. Einige haben nie ein sinnvolles Familienleben erlebt. Einige haben Vorstrafen. Einige haben die unglaublich schlechten Slumschulen abgebrochen, dann wurde ihnen eine ehrbare Arbeit verweigert, und dann gingen sie auf die Straße.<br /> Aber dieses Jahr haben sie uns allen das Geschenk der Gewaltlosigkeit gemacht, was in der Tat ein Geschenk der Liebe ist. Die Freiheitsbewegung hat versucht, Jungen wie Tex eine Botschaft zu vermitteln. Zum einen haben wir erklärt, dass (…) körperliche Gewalt die zugrunde liegenden sozialen Probleme niemals lösen kann. Zweitens haben wir ihnen versprochen, dass wir durch unser Beispiel beweisen können, dass Gewaltlosigkeit funktioniert. (…) Und sie waren bereit, die Gewaltlosigkeit zu testen. Dann kam der erste Test für viele Jugendliche in Chicago: der Freedom March durch Mississippi. Bandenmitglieder fuhren dort in ganzen Wagenladungen hin. (…) Noch vor Ende des Marsches wurden sie mit Tränengas angegriffen. Ihre Aufgabe war: Frauen und Kinder auf dem Marsch zu schützen, und zwar mit nichts anderem als ihrem eigenen Körper. Für sie war es eine seltsame und möglicherweise unsinnige Art, auf Gewalt zu reagieren. Aber sie haben großartig reagiert! Sie haben in Mississippi gelernt und kehrten nach Chicago zurück, um dort die wunderbare Lektion zu lehren, dass man dem Bösen durch den Verzicht auf Gewalt entgegentreten kann. </p> </blockquote> <p>In der Stille denke ich an eine Person in meinem Umfeld, die unerreichbar wirkt für Glaube und Güte, die innerlich ganz verhärtet ist. Ich hoffe auf eine überraschende Herzensveränderung und bete dafür.</p> <hr /> <blockquote> <p>Herr, mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens und deiner Gerechtigkeit,<br /> dass ich liebe, wo man hasst;<br /> dass ich verzeihe, wo man beleidigt;<br /> dass ich verbinde, wo Streit ist;<br /> dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;<br /> dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;<br /> dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;<br /> dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;<br /> dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.<br /> Herr, lass mich trachten,<br /> nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;<br /> nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;<br /> nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.<br /> Denn wer sich hingibt, der empfängt;<br /> wer sich selbst vergisst, der findet;<br /> wer verzeiht, dem wird verziehen;<br /> und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.<br /> Amen.</p> </blockquote> <blockquote> <p><cite>nach Franz von Assisi</p> </blockquote>

<p>Herzlich Willkommen zu Lebensliturgien, Staffel 8, <strong>Gerechtigkeit ströme wie Wasser</strong>. In dieser Staffel begegnen wir dem Leben und den Worten von Martin Luther King: gewaltloser Widerstandskämpfer, Bürgerrechtler, Friedensnobelpreisträger und Pastor. Martin Luther King hatte ein besonderes Gespür für Gottes gerechtigkeitsliebendes Herz, eine klare Berufung von Gott und: er hatte den Mut, sich mit unermüdlicher Ausdauer für Gerechtigkeit, Gleichheit und Würde aller Menschen einzusetzen – koste es, was es wolle. Möge Gott uns mit seinem guten Geist leiten.</p> <hr /> <p>Zu Beginn meines Betens lege ich zur Seite, was mich beschäftigt und lasse es ruhig werden in mir. </p> <p>Ich sammle meine Gedanken und atme langsam und bewusst. </p> <p>Gewiss: Gott fordert eine ganze Menge, ruft uns ins Tun des Gerechten.<br /> Davor aber beschenkt er uns. Lässt uns ruhen. Und rüstet uns aus mit seinem Geist. In der Stille bete ich: „Komm, Heiliger Geist.“</p> <hr /> <p>Wir hören Worte aus Jesaja 58, Psalm 34 und Lukas 6:</p> <blockquote> <p>Gott spricht: Ein frommes Leben, das mir gefällt, sieht so aus: Löst die Fesseln der Ungerechtigkeit! Knotet alle Jochstricke auf! Schafft jede Art von Unterdrückung ab! Lasst ab vom Bösen und tut Gutes; sucht Frieden und jagt ihm nach! Liebt eure Feinde und tut wohl denen, die euch hassen. Segnet, die euch verfluchen und betet für die, die euch beleidigen.<br /> Wenn Ihr das tut, wird eure Gerechtigkeit vor euch hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird euren Zug beschließen. Dann wird euer Licht wie die Morgenröte aufstrahlen, und eure Wunden werden schnell heilen. Dann werdet Ihr rufen und der HERR wird antworten: ›Siehe, hier bin ich.‹ Dann wird der Herr euch immerdar führen und Ihr werdet sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Quelle, die niemals versiegt.</p> </blockquote> <hr /> <p>Im Januar 1966 mietet sich Martin Luther King in eine Vier-Zimmer-Wohnung in Chicago ein – mitten in North Lawndale, einem heruntergekommenen Schwarzen-Viertel, das von seinen Bewohnern „Slumdale“ genannt wird. Überall ist Schutt und Müll, die Wohnungen haben zerbrochene Fenster, in den Eingangsfluren stinkt es nach Urin und Ratten gibt es hier tausendfach. Martin Luther King spürt: wenn er überhaupt etwas ausrichten will, muss er hier wohnen.</p> <blockquote> <p>Im Jahr 1966 lebte und arbeitete ich in Chicago. Die Bürgerrechtsbewegung war zu oft auf die Mittelschicht ausgerichtet. (…) Daher war ich der Meinung, dass die große Herausforderung für die Bürgerrechtsbewegung darin bestand, (…) eine Identität mit den Bewohnern der Ghettos und den jungen Menschen in den Ghettos zu erlangen. Dies war einer der Gründe, warum ich der Meinung war, dass ich mit meinem Umzug nach Chicago im Herzen des Ghettos leben würde. Ich würde nicht nur die Lebensbedingungen meiner Brüder und Schwestern erleben, sondern auch mit ihnen leben können. (…) Dort waren die Probleme von Armut und Verzweiflung mehr als nur eine theoretische Übung. Täglich klingelte das Telefon und es wurden Geschichten über die drastischsten Formen der Unmenschlichkeit von Menschen gegenüber Menschen erzählt, und ich befand mich in einem täglichen Kampf gegen Depression und Hoffnungslosigkeit.</p> </blockquote> <p>Noch an seinem ersten Abend veranstaltet Martin Luther King ein „open house“. Auch sechs Mitglieder einer lokalen Jugendgang kommen. Lange sitzen sie gemeinsam auf dem Boden. Martin Luther King erzählt von Mahatma Gandhi und seinem gewaltlosen Widerstand. Er argumentiert: auf lange Sicht werden Regierung und Polizei immer das letzte Wort haben, Gewalt von Minderheiten sorgt immer nur kurzfristig für Erleichterung und Siege. Eines der Gangmitglieder an diesem Abend erzählt Jahre später: „Wenn man das hörte, ihn sah, jung war und ein depressives Leben in Amerika führte, dann konnte man gar nicht anders, als sich in Dr. King zu verlieben.“</p> <p>Martin Luther King und seine SCLC wollen in Chicago ein doppeltes Ziel erreichen. Zum einen: die Stadt durch öffentliche Aktionen und Proteste dazu bringen, Wohnraum für Schwarze in der ganzen Stadt zugänglich zu machen. Zum anderen: die Verhältnisse in den Slums, in den Schwarzen Wohnvierteln zu verbessern. Man sammelte hierfür die Mieten ganzer Häuserzüge ein, enthielt sie den Wohnungsbesitzern vor und führte mit diesem Geld stattdessen dringende, längst überfällige Reparaturen durch. Man begann außerdem mit Hausmeisterdiensten, die die Häuser und ihre Wohnungen pflegten. Und: es gab die „Operation Brotkorb“. Mit ihr sollten Firmen und Supermärkte, die in den Schwarzen Vierteln tätig waren, dazu gebracht werden, Schwarzen verantwortungsvollere und bessere Jobs zu geben. Wenn Firmen dies nicht einsahen, wurden Boykotte organisiert und somit wirtschaftlicher Druck auf sie aufgebaut. Durch diese Kampagne erhalten in den kommenden zwei Jahren etwa 800 Schwarze Angestellte bessere oder neue Jobs und Gehaltserhöhungen, die insgesamt etwa sieben Millionen Dollar mehr in die Taschen der Menschen im Viertel bringen.</p> <p>Dennoch sind die Lebensumstände in den Slums in Chicago weiterhin eine Zumutung. Als für eine Weile auch Coretta und seine Kinder zu Martin Luther King in die heruntergekommene Wohnung in Chicago ziehen, erlebt die Familie am eigenen Leib, was dies bedeutet: weil es draußen zu gefährlich und zu dreckig ist, können die Kinder nicht draußen spielen. Die Wohnung aber ist zu schäbig und zu klein, um sich dort wohlzufühlen. Schon nach wenigen Tagen beginnen die Kinder ihr Verhalten zu ändern, werden gereizt, aggressiv und benehmen sich wie Kleinkinder. </p> <blockquote> <p>Im Sommer wurde mir klar, dass die überfüllte Wohnung, in der wir lebten, in meiner eigenen Familie eine emotionale Explosion auslösen würde. Es war einfach zu heiß, zu voll und es fehlte an kreativen Formen der Freizeitgestaltung. In der Nachbarschaft gab es einfach nicht genug Platz, um sich als Kind auszutoben, ohne auf belebte, verkehrsreiche Straßen zu stoßen. Und ich verstand aufs Neue die Bedingungen, die aus dem Ghetto einen emotionalen Dampfkochtopf machen. </p> </blockquote> <p>Welche Menschen oder Menschengruppen kenne ich, die in Verhältnissen leben und mit Lebens-Zumutungen ringen, dass ihre Nerven zum Zerreißen gespannt sind. Ich bete für sie – und bin offen, von Gott etwas gezeigt zu bekommen, was ich für sie tun kann.</p> <hr /> <blockquote> <p>Herr, mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens und deiner Gerechtigkeit,<br /> dass ich liebe, wo man hasst;<br /> dass ich verzeihe, wo man beleidigt;<br /> dass ich verbinde, wo Streit ist;<br /> dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;<br /> dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;<br /> dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;<br /> dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;<br /> dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.<br /> Herr, lass mich trachten,<br /> nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;<br /> nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;<br /> nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.<br /> Denn wer sich hingibt, der empfängt;<br /> wer sich selbst vergisst, der findet;<br /> wer verzeiht, dem wird verziehen;<br /> und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.<br /> Amen.</p> </blockquote> <blockquote> <p><cite>nach Franz von Assisi</p> </blockquote>