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Morgenimpuls mit Pfarrer Stefan Wißkirchen Radikal – ein Wort, das heute fast nur noch negativ besetzt ist: Radikalisierung im Internet, emotionale Übertreibung, Verharmlosung, Fake News. Doch das Wort "radikal" kommt vom lateinischen "radix", die Wurzel, und bedeutet ursprünglich: von Grund auf, vollständig, gründlich. Radikal zu sein heißt also eigentlich: an die Wurzel gehen.Der heilige Paulus schreibt: "Wir verkünden Weisheit unter den Vollkommenen, aber nicht Weisheit dieser Welt oder der Machthaber dieser Welt, die einst entmachtet werden." Jesus zeigt, wie Radikalität wirklich aussieht: nicht Regeln blind befolgen wie die Pharisäer, sondern das Gesetz Gottes von Herzen her leben. Radikal zu handeln heißt, nicht nur die Folgen eines Problems zu bekämpfen, sondern seine Wurzel zu erkennen. Es bedeutet, das Richtige zu tun – nicht aus Angst, nicht um Anerkennung zu bekommen, sondern weil es von Herzen kommt.Die Radikalität Jesu ist kein Aufstand gegen Gott oder gegen das Gesetz, sondern ein Aufruf: Lebe die Gebote Gottes von Herzen her. Lebe sie in Freiheit. Lebe sie im Vertrauen auf Gott. Wer nur nach äußerer Vollkommenheit strebt, wer Regeln befolgt, um Sicherheit oder Anerkennung zu bekommen, verliert das Wesentliche. Wer Gott von Herzen folgt, der findet ihn – und mit ihm auch das wahre Leben.Vielleicht hilft ein altes Sprichwort aus dem Talmud, um das einzuordnen:Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte. Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen. Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten. Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter. Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.Radikal zu sein heißt also nicht Härte oder Rücksichtslosigkeit. Radikal zu sein heißt im Sinne des Glaubens: die Wurzel erkennen, den Mut haben, das Richtige zu tun, und so den Weg zu Gott und mit Gott zu gehen. Paulus schreibt: "Wir verkünden Weisheit unter den Vollkommenen, aber nicht Weisheit dieser Welt oder der Machthaber dieser Welt, die einst entmachtet werden."Nehmen wir das von Jesus wirklich an. Nehmen wir an, was er in unseren Herzen wirken will. Leben wir die Gebote von Herzen her – aus der Freiheit und im Vertrauen auf Gott.

Morgenimpuls mit Pfarrer Stefan Wißkirchen Gehen oder bleiben? – Jeder und jede von uns kennt solche Momente: in einem Streit, in einer Beziehung, in einer Lebensphase. Plötzlich steht die Frage im Raum: Gehe ich oder bleibe ich? Für viele junge Menschen, die studieren, ist das keine theoretische Frage: Bleibe ich in dieser Stadt? Ziehe ich mein Studium durch? Halte ich an einer Beziehung fest, an einem Engagement, an der Kirche? Oder ist es Zeit, weiterzugehen und etwas zu verändern?Diese Spannung zwischen gehen und bleiben ist so alt wie der christliche Glaube selbst. Schon Petrus und Paulus haben sie erlebt. Und wir haben sie in dieser Woche – vielleicht etwas versteckt – an ihrem Hochfest gefeiert. Von Petrus erzählt eine alte Legende, dass er Rom verlassen will, um der Verfolgung zu entkommen. Auf der Via Appia begegnet er Christus und fragt: "Domine, quo vadis? Herr, wohin gehst du?" Und Jesus antwortet: "Ich gehe nach Rom, um mich erneut kreuzigen zu lassen." Diese Begegnung bewegt Petrus zur Umkehr. Im Gehen bleibt er. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Liebe zu Christus und zu den Menschen.Paulus lebt in gewisser Weise das Gegenteil – und doch dasselbe. Er bleibt nie lange an einem Ort. Er geht weiter und weiter, immer getragen von seiner Berufung. Sein Bleiben liegt darin, beim Auftrag zu bleiben: hinauszugehen in die ganze Welt und allen Menschen das Evangelium zu verkünden. Am Ende seines Lebens kann er sagen: "Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt." Gehen ist für ihn keine Flucht, sondern Sendung.Unser christlicher Glaube kennt kein einfaches Entweder-oder. Er lebt aus der Spannung: Bleiben bei Christus und gehen in die Welt. Petrus und Paulus stehen für diese beiden Bewegungen. Und beide bleiben am Ende dort, worauf es ankommt. Vielleicht ist das eine Ermutigung für uns: Es gibt kein sinnvolles Gehen ohne Verankerung und kein echtes Bleiben ohne innere Bewegung. Ob wir gehen oder bleiben – wir dürfen fragen wie Petrus: "Herr, wohin gehst du?" Und wir dürfen vertrauen wie Paulus: "Der Herr stand mir zur Seite und gab mir Kraft." Was auch kommt: Wir sind gehalten und bewegt in Christus – ob wir gehen oder bleiben. Wir sind in ihm.

Morgenimpuls mit Schwester Katharina Immer noch passiert es mir, dass mich ein Bibeltext, den ich im Gottesdienst höre, plötzlich völlig verblüfft und mir den Anschein erweckt, als hätte ich ihn noch nie gehört. So ging es mir dieser Tage in der Morgenmesse. Der Abschnitt aus dem Matthäusevangelium erzählt die bekannte Begebenheit, dass zwei Besessene, also von bösen Geistern Beherrschte, die Gegend eines Ortes so unsicher machen, dass es lebensgefährlich wird, ihnen übern Weg zu laufen. Als Jesus in die Gegend kommt, rennen beide auf ihn zu und die bösen Geister erkennen ihn sofort und bitten ihn, wenn er sie schon vertreiben will, sie in die Schweineherde zu schicken. Jesus kommt dem Wunsch nach.Schweine galten im Judentum als unrein und so scheint es logisch, dass die unreinen und bösen Gedanken mit den Schweinen im See untergehen. So weit, so bekannt. Die Schweinehirten rennen in die Stadt und erzählen alles. Aber dann kommt ein Vers, den ich noch nie so registriert habe. Da steht doch tatsächlich: "Und die ganze Stadt zog zu Jesus hinaus; als sie ihn trafen, baten sie ihn, ihr Gebiet zu verlassen." – Ich habe das noch nie bedacht. Für die nichtjüdische Bevölkerung war die Schweinezucht eine der Haupteinnahmequellen. Es ist ihnen ziemlich egal, dass durch die Austreibung der bösen Geister die beiden Männer geheilt und wieder in die Gemeinschaft aufgenommen werden konnten. Verständlich, aber auch eine Priorität, die nachdenklich macht.Und dann die Angst, die sie plötzlich haben, weil diese Macht und Autorität, die Jesus ausstrahlt und der sogar das Böse gehorcht, sie zutiefst verunsichert. Haben die Stadtbewohner Angst, dass dieser Jesus sogar die Macht über das Böse in ihnen haben könnte? Also Sorge vor dem Kontrollverlust über das eigene Leben und TreibenDen weiteren Verlauf des Gottesdienstes habe ich nicht mehr mitbekommen, so hat es mich beschäftigt. Mir scheint also bedenkenswert für heute: Kann ich zulassen, dass der Kontakt und der Glaube an Jesus Christus mein Leben mit der Zeit verändert oder habe ich eher Angst vor Kontrollverlust und materielle Einbußen? Spannende Frage!

Morgenimpuls mit Schwester Katharina Erstmals auf Websites aus Brasilien habe ich Statuen und Gemälde gesehen, die die schwangere Maria zeigen, was hier in Europa sehr selten dargestellt wird und wenn, dann nur auf sehr alten Gemälden aus sehr frühen Kunstepochen. Dabei wird auf ein Geschehen und eine Realität hingewiesen, die das Weltgeschehen und die Sicht auf den Menschen so eindrücklich verändert hat.Ein vierzehnjähriges Mädchen, das in der Glaubensgewissheit erzogen worden ist, dass eine aus ihrem Volk die Mutter des Messias werden wird, hat diese Begegnung mit dem Engel Gabriel, der genau ihr diese unglaubliche Botschaft bringt. Und der Engel gibt ihr – quasi als Ermutigung – Tipp und Trost die Nachricht, dass ihre Verwandte Elisabeth, die ja schon älter und kinderlos ist, jetzt einen Sohn erwartet. Sie sei schon im sechsten Monat, weil bei Gott nichts unmöglich ist.Maria macht sich auf den Weg ins Gebirge, zu ihrer Verwandten. Was will sie dort? Ihre eigenen Eltern ahnen wahrscheinlich noch nichts von dem Unbeschreiblichen, was sich da anbahnt, ihr Verlobter Josef auch nicht. Braucht sie vielleicht doch noch den Beweis, dass sie das alles nicht geträumt hat, dass stimmt, was der Engel gesagt hat. Oder will sie den Abstand von Zuhause, um sich selbst wieder sicher zu werden? Vielleicht braucht sie eine mütterliche Schulter, an der sie sich anlehnen und ausweinen kann wegen all dem Ungeheuerlichen, was ihr da zugetraut wird? Fragen über Fragen, die wir uns stellen, würden.Dann aber, im Augenblick, da sich diese beiden Frauen, die ganz junge und die schon ältere begegnen, geschieht eine Explosion und eine Revolution: eine Explosion in Freude, Glück und Überraschung, die beide Frauen und ihre Ungeborenen erfasst und jubeln lässt. Und eine Revolution. Denn aus Maria, diesem gesegneten jungen Mädchen, bricht ein Gebet hervor, dass bis heute nachhallt. Sie verkündet, dass Gott auf die Niedrigen schaut, die Hochmütigen verjagt, die Mächtigen von ihren Thronen stürzt und kleine Leute erhöht und sich immer seines Volkes erbarmt, weil er es Abraham, Sara und allen ihren Nachkommen verheißen hat. Und sie sagt nicht, dass dieser Gott es in Zukunft tun wird, sondern jetzt, heute, immer. Aus dieser Begegnung von Maria und Elisabeth, an die wir uns heute erinnern, geht eine Kraft und Freude aus, weil es allen klarmacht: Dieser Gott ist mit uns, heute, immer und in alle Ewigkeiten.

Morgenimpuls mit Schwester Katharina Herzlich willkommen zum Gebet am Mittwoch.Ja, selbst nach einer längeren Nacht danach und einem Tag Abstand bin ich immer noch traurig über das frühe Ausscheiden der deutschen Fußballer. Ich hatte ihnen schon echt nicht so viel zugetraut, und mir war klar, dass spätestens im Achtelfinale gegen Frankreich Schluss sein wird.Aber die Art und Weise jetzt hat mich traurig gemacht. Viele gute Fußballer, die irgendwie versucht haben, gut zu spielen, obwohl manche von ihnen auf der falschen Position spielen mussten, manche einfach noch nicht oder nicht mehr fit waren, manche von den vielen widersprüchlichen Signalen des Trainers verwirrt und nicht klug ermutigt worden sind und irgendwie Herz und Leidenschaft vermissen ließen.Und es fehlte etwas oder jemand aus der Mannschaft, der das Spiel in die Hand nimmt, der ordnet, beruhigt, das Tempo bestimmt und Verantwortung übernimmt. Sie wirkten unerwachsen, mit einem Trainer, der ihnen Fesseln angelegt hat, sich mit seinen Aktionen über sie gestellt hat, statt sie befreit aufspielen zu lassen. Aber wie im realen Leben ist gerade auch der Fußball ein Mannschaftssport und kein Ding für Alleinunterhalter und Leute, die scheinbar immer recht haben.In einem Lied, dessen Text aus einem brasilianischen Sprichwort stammt und von Dom Helder Camara in Form gebracht worden ist, heißt es: „Wenn einer alleine träumt, ist es nur ein Traum, wenn viele gemeinsam träumen, dann ist es der Beginn einer neuen Wirklichkeit.“Die schöne Botschaft darin lautet, dass ein Traum allein nur eine persönliche Vorstellung bleibt, während gemeinsames Träumen die Grundlage für reale Veränderungen und neue Wirklichkeiten schafft.Ich finde es gut, wenn wir jetzt nicht in böser Manier Schuldige suchen und alles verteufeln, sondern zusammen mit allen Fußballbegeisterten und Verantwortlichen am Traum eines guten und erfolgreichen Fußballs festhalten und ihn weiterträumen.Und wirkliche Fans, wie ich eine bin, werden weiterhin Spiele dieser WM schauen und jetzt ein bisschen hoffen, dass doch mal ein Underdog, ein kleines Land, das noch nie gewonnen hat, richtig groß rauskommt.

Morgenimpuls mit Schwester Katharina Herzlich willkommen zum Gebet am Dienstag.Am letzten Wochenende ist ganz viel ausgefallen: unser Kommunionkinderfest, die Ministrantenwallfahrt in Münster, Konzerte und Sportveranstaltungen, Kinderschützenfeste und, und, und. Und der Grund? Die Hitzewelle, die unglaublichen Temperaturen über mehrere Tage und täglich neue Rekorde.Dann gibt es die einen, die jetzt sagen: "Ja, früher war es auch heiß, und es ist halt Sommer. Bla, bla, bla. Stellt euch nicht so an." Und es gibt die Fakten. Und die sagen sehr eindeutig, dass die Gesamttemperaturen in den letzten Jahren immer mehr gestiegen sind, die Zahl der Tage über 30 Grad immer stärker steigt. Und dass es immer schneller geht, weil wir Menschen den Klimawandel beschleunigen.Und es gibt die Leugner, und es gibt die, die sagen: "Was kann ich als Einzelne und Einzelner schon tun?" Aber genau das ist, glaube ich, genau der Punkt. Wenn aber viele der 8 Milliarden Menschen sagen: "Was ich tun kann, das will ich auch tun", dann geschieht tatsächlich etwas.Dass wir hier in Europa viel tun können, muss ich nicht mehr erklären. Wir sind seit Jahren dafür sensibilisiert. So ist es ja in vielen Bereichen unseres Lebens: in Gemeinde und Stadt, in Land und Republik, in Organisationen und Vereinen und in der Kirche.Einer unserer Laudes-Mitbeter hat mir erzählt, dass er zu einem 75-jährigen Kirchbaujubiläum ins Nachbarstädtchen fahren wird. Vor Jahren sollte die Kirche geschlossen werden, aber da haben einige Gemeindemitglieder gesagt: „Nein, das ist unsere Kirche, und die wird nicht geschlossen.“ Und sie haben einen Förderverein gegründet und alles in die Hand genommen. Und es hat funktioniert.Es werden weiterhin Gottesdienste gefeiert, und es gibt immer neue Ideen, was man als kleine Gemeinde tun kann und welche Möglichkeiten es gibt, als Christen in der Gesellschaft vor Ort Angebote zu machen. Es gibt genügend Spenden, und die Leute merken, dass sie mit ihrem Engagement etwas bewirken können. Und manchmal ist es auch Widerstand gegen vorgegebene Änderungen, die unsensibel über die Köpfe der Gemeinden hinweg gefasst worden sind.Mut ist gefragt und Gemeinsinn und die Hoffnung auf einen Gott, der unsere Wege mitgeht.

Morgenimpuls mit Schwester Katharina Heute ist das Fest der beiden Apostelfürsten Petrus und Paulus. Ich habe immer noch im Ohr, wie eine aus Schlesien stammende Mitschwester immer sehr energisch gesagt hat: "Petrus und sein Kamerad" und ich das schon echt witzig fand. Wenn man nach der Wortbedeutung "Kamerad" schaut steht da im Duden: "Eine Person, mit der jemand durch gemeinsame Tätigkeiten oder Interessen eng verbunden ist".Das kann man bei Petrus und Paulus ja schon sagen, obwohl es kaum verschiedenere Typen als diese beiden finden kann. Petrus stammte aus Bethsaida am See Genezareth. Ursprünglich hieß er Simon, erhielt aber durch Jesus den Beinamen Petrus (zu Deutsch: der Fels). Petrus war der Bruder des Apostels Andreas. Durch ihn lernte er Jesus kennen. Beide Brüder waren Fischer. Petrus war verheiratet und wohnte mit seiner Familie in Kafarnaum.Aus den Briefen des Paulus kann man weder sein Geburtsjahr noch seine familiäre Herkunft sicher ermitteln. Aber wenn die Apostelgeschichte recht hat, hatte Paulus zumindest eine Schwester, die in Jerusalem lebte. Dort wird auch berichtet, dass Paulus aus der Stadt Tarsus in Kilikien stammte und das römische Bürgerrecht besaß. Paulus war gebildet, war bei Gamaliel in die Schule gegangen und gehörte den Pharisäern an. Beide hatten sehr unterschiedliche Lebens- und Berufungsgeschichten: der eine kommt durch seinen Bruder zu Jesus, der andere muss vom Pferd gestoßen werden und drei Tage richtig blind sein, bis er Jesus erkennt und ihm dann um so eifriger nachfolgt.Wenn so etwas schon zum Anfang der jungen Kirche so war, so ist es ja 2000 Jahre später nicht anders: viele Menschen, die auf den unterschiedlichsten Wegen zum Glauben gekommen sind und auch auf den unterschiedlichsten Wegen ihren Glauben leben und die Kirche mitgestalten: die einen, die quasi von Geburt, Familie, Tradition und Taufe dazu gehören, die anderen, die durch Ereignisse oder Menschen dazu geholt wurden, und die dritten, die von Jesus, vom Geist so quasi vom Pferd geschubst worden sind und deren Blindheit gelöst werden muss. Ein Wort des ehemaligen Papstes Benedikt XVI. gefällt mir da sehr gut und ich halte es für eine entspannte Weise, mit den vielfältigen Wegen in der Kirche umzugehen. In einem Interview wurde er gefragt, wie viele Wege es zu Gott gibt. Und seine wunderbare Antwort darauf war: "So viele, wie es Menschen gibt!" Heute am Fest von Petrus und Paulus können wir die Phantasie Gottes feiern, der die Menschen so vielfältig geschaffen und seine Freude an ihnen hat.

Morgenimpuls mit Vanessa Grbavac Ich bin als Kind im Sommer gerne auf Glühwürmchenjagd gegangen. Die fliegen jetzt wieder – irgendwann zwischen Juni und August. Man braucht Geduld, um sie zu entdecken. Und Geduld ist nicht unbedingt meine größte Stärke. Ich möchte oft schnell helfen. In der Schule, wenn ich die Lösung schon kenne. In der Familie, wenn jemand Unterstützung braucht. Oder in Freundschaften – wenn eine Nachricht kommt, die mich sofort aufspringen lässt. Am liebsten wäre ich manchmal überall gleichzeitig da. Aber so funktioniert das nicht. Glühwürmchen leuchten auch nicht für alle gleichzeitig. Sie blitzen auf – aber nur aus bestimmten Blickwinkeln. Nicht jeder sieht ihr Leuchten zur gleichen Zeit. Und vielleicht ist das bei uns ähnlich. Wir können nicht überall gleichzeitig leuchten. Nicht für alle Menschen zur selben Zeit da sein. Und ja – das tut manchmal weh. Mir fällt es auch nach Jahren noch schwer, Menschen warten zu lassen oder abzusagen. Aber vielleicht heißt das nicht, dass unser Leuchten zu wenig ist. Sondern nur, dass es begrenzt ist. Und dass es genau deshalb kostbar ist. Denn bei Gott ist das anders. Sein Leuchten ist nicht begrenzt. Es kennt keine Wartelisten. Es erreicht jeden – zu jeder Zeit. Und vielleicht ist das tröstlich: Ich muss nicht überall gleichzeitig leuchten. Aber ich bin selbst gehalten von einem Licht, das es kann.

Morgenimpuls mit Vanessa Grbavac Kennst du das Bild, wenn du unter einem Blätterdach liegst und die Sonne durch die Blätter in dein Gesicht fällt? Ich liebe das. Man sieht jede Ader eines Blattes. Das Grün leuchtet plötzlich ganz anders. Fast so, als würde jedes einzelne Blatt von innen heraus strahlen. So liege ich am liebsten in der Hängematte, höre Musik oder lese ein Buch. Und immer wieder geht mein Blick nach oben. Wenn die Sonne meine Haut berührt. Oder einfach, weil ich mich kaum sattsehen kann. Eigentlich verändert sich dieses Bild kaum. Es ist jedes Jahr wieder da. Und doch wird es nie langweilig. Ich glaube, mit Gott ist es vielleicht ähnlich. Er schaut auf uns – nicht flüchtig, nicht gleichgültig, sondern mit Liebe. Nicht so, dass wir nur Teil einer großen Masse wären. Sondern wie jedes einzelne Blatt im Licht. Und manchmal gibt es diese Momente, in denen ich das sogar spüre. Da liege ich unter diesem grünen Leuchten, schaue nach oben und habe das Gefühl: Ich bin gemeint. Ich bin gesehen. Ich bin Gott nah. Und vielleicht freut sich Gott genau daran: wenn wir leuchten. Wenn etwas von seiner Liebe in uns sichtbar wird. Wenn wir aufeinander zugehen. Wenn wir hinschauen. Wenn wir füreinander da sind. Ja, vielleicht bin ich nur ein kleines Blatt am Baum. Aber leuchten kann ich trotzdem.

Morgenimpuls mit Schwester Katharina Es ist Sommer. Es ist richtig heiß. Zu heiß für uns eher kältegewohnte Sauerländerinnen. Schon eine Woche sonnig und Hitze- statt Gewitterwarnung und kein Sturzregen und herrlich warm und laue Abende im Garten. Es gibt so Gewissheiten, die einfach erinnern, dass es wettermäßig im Sommer so sein sollte. Aber, und das ist immer so verwunderlich, im Ablauf des Jahres sind wir schon wieder auf dem absteigenden Ast. Der 21. Juni war die Mitte, der Mittsommer, der längste Tag und die kürzeste Nacht. Im Gotteslob haben wir dazu ein wunderschönes Lied, dessen Melodie sehr eingängig und dessen Text sehr deutlich zeigt, wie der Zeiten- und der Lebenslauf geht. Da heißt es in der ersten Strophe:Das Jahr steht auf der Höhe, die große Waage ruht. Nun schenk uns deine Nähe und mach die Mitte gut. Herr, zwischen Blühn und Reifen und Ende und Beginn.Lass uns dein Wort ergreifen und wachsen auf dich hin. Im normalen Trubel des Alltags und in den großen Städten merkt man oft gar nicht, dass die Blütezeit der Bäume, Früchte und Felder vorüber ist und wir schon ernten können, die Beeren und Früchte und das frühe Gemüse. Aber da genau ist der Punkt in unserem Leben: mittendrin und doch schon auf dem Weg des Reifens zum Ende hin. Lass uns Dein Wort ergreifen und wachsen auf dich hin ist die Ermutigung und auch Ermahnung unseres Lebens: mit seinem Wort auf Gott hin zu leben und zu reifen. Die Erkenntnis der zweiten Strophe macht den Gedanken noch deutlicher:Kaum ist der Tag am längsten, wächst wiederum die Nacht.Begegne unsren Ängsten mit deiner Liebe Macht.Das Dunkle und das Helle, der Schmerz, das Glücklichseinnimmt alles seine Stelle in deiner Führung ein. Das Blühen und Reifen und die langen Sommertage sind die eine Seite des Lebens; und es ist wunderbar sie zu genießen und uns zu erinnern. Die Dunkelheiten und Ängste die andere Seite. Und in diesem Lied gibt es die kraftvolle Zusage, dass all das in der machtvollen Liebe Gottes geborgen ist.