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Was ist Scham und wie erleben wir diese? Warum schämen wir uns? Wie ist dieses Gefühl entstanden? Und wie können tiefsitzende Schamgefühle mithilfe von Psychotherapie aufgelöst werden? Kaum ein anderes Gefühl ist für uns so schwer auszuhalten wie das Schamgefühl. Scham kann als isolierend und entfremdend erlebt werden und zu einem Gefühl von Einsamkeit führen. Alle Menschen und Kulturen kennen das Scham-Gefühl. Scham ist die Erfahrung, dass das, was ich bin, nicht annehmbar ist. Scham ist das Gefühl, das mich begleitet, wenn ich meine, nicht OK zu sein, unzulänglich, wenig wertvoll nicht respektiert oder nicht geschätzt.. bei iTunes abbonieren | bei Android abbonieren | bei Spotify abbonieren youtube-Kanal abbonieren | bei amazon hören Scham entwickelt sich ab dem ersten Lebensjahr im zwischenmenschlichen Kontakt. Entscheidend für die Entwicklung von Scham ist „der Blick des anderen“. Der Gesichtsausdruck, den das Kind wahrnimmt, wenn es seine Mutter ansieht, ist bedeutend dafür, ob es sich angenommen und bestätigt oder abgelehnt fühlt. Und dieser Gesichtsausdruck hängt davon ab, wie sie ihr Kind wahrnimmt. Und ob sie die Äußerungen ihres Kindes als zugehörig und als Teil ihrer Selbst begreifen kann. Ist ihr das „So-Sein“ des Kindes fremd, weil sie es für sich selbst aufgrund ihrer kulturellen und biographischen Prägung ablehnt, wird sich dies an ihrem Gesichtsausdruck zeigen. Insofern ist Scham das Gefühl, das wie kein anderes mit unserem kulturellen Erbe zusammenhängt. Die Erfahrung, dass Interesse und Erregung oder Genuss und Freude durch die Reaktion der Bezugsperson gedämpft wird, aber nicht vollständig aufgehoben, führt zu einem Empfinden von Scham. Der Säugling, der sein freudiges, neugierig-interessiertes „auf-die-Welt-zugehen“ als unerwünscht erlebt, zieht sich zurück, wenn er den abweisenden Gesichtsausdruck der Mutter sieht. Auf diese Weise verinnerlicht das Kind die sozialen „Spielregeln“. Scham dient also dazu, dass das Kind lernt, die Grenzen einzuhalten, die ihm durch sein soziales Umfeld auferlegt werden. Sehr viele gefühlsmäßige Probleme sind daher nicht nur die Folge von frustrierten Trieben, wie dies in der klassischen Psychoanalyse angenommen wurde, sondern von frustrierten Anerkennungsbedürfnissen. Viele Probleme, die Menschen zu Psychotherapie führen, sind auf tief sitzende Kränkungs-erfahrungen und Schamgefühle zurückzuführen. Doch wie können diese in der Psychotherapie aufgelöst werden? Da Scham ein Beziehungsgeschehen ist, d.h. Schamgefühle im sozialen Kontakt entstanden sind, kann wird Heilung letztendlich auch erst im sozialen Kontakt möglich. In der Therapiesituation ist der Betroffene einerseits auf sein schamhaftes Erleben aus der Vergangenheit bezogen. Zusammen mit dem Therapeuten oder der Therapeutin versucht er das, was er dabei empfindet, auszudrücken. Andererseits steht er dadurch gleichzeitig im hier-und-heute in Verbindung mit seinem Gegenüber, dem Therapeuten. Dieser hört aufmerksam-interessiert zu und versucht dem Betroffenen in seiner Ganzheit zu sehen. Der Betroffene erlebt, dass auch die von ihm selbst abgelehnten Aspekte, die er selbst aufgrund seiner Scham ausblenden oder verneinen musste, verstanden und angenommen werden. Dies erfährt er als Unterstützung. Diese neue Erfahrung ist gegensätzlich zu der alten, auf die er sich in seiner Erinnerung bezieht. Die neuen heilsamen Eindrücke werden quasi wie ein neues Bild über das alte gelegt. Auf diese Weise kommt es zu einer Veränderung der traumatisch-geprägten Netzwerke im Gehirn. Musik: Jürgen Heieck Ekko San Sprecher: Katrin Haber alias KatHa Thorsten von Daemmergrau STORYoshi Anja Klukas NadineVA Adam bolwini aus der hoer-talk-community sowie Dr. Frank M. Staemmler Literaturhinweise: Baer, Udo, Frick-Baer, Gabriele (2008): Vom Schämen und Beschämtwerden. Marks, Stephan (2007): Scham – die tabuisierte Emotion. Staemmler, Frank-M. (2016): Kränkungen. Thiedeman, Jens (2016): Scham. Wheeler, Gordon (2006): Jenseits des Individualismus Wurmser, Leon (1998): Die Maske der Scham. Abonniere meinen Audio Podcast: Abonniere meinen youtube-Kanal: The post Scham first appeared on Psychologische Onlineberatung | Videosprechstunde.

In der letzten Folge dieses Podcasts habe ich über die heilsame Wirkung von Achtsamkeitsmeditation gesprochen und eine Meditationsanleitung gegeben. Darauf habe ich viele gute Rückmeldungen erhalten und HörerInnen haben den Wunsch geäußert, ich solle noch mehr Mediationen zu unterschiedlichen Themen aufnehmen, z.B. Einschlafmediation. Diese Anregung möchte ich in dieser 9ten Episode gleich aufgreifen und eine klassische Meditationsübung vorstellen, die mir persönlich meist zu einem guten Schlaf verhilft. bei iTunes abbonieren | bei Android abbonieren | bei Spotify abbonieren youtube-Kanal abbonieren | bei amazon hören Bei der Übung handelt es sich um eine Tiefenentspannungsübung, die im Yoga unter dem Namen Shavayatra bekannt ist. Sie ist integraler Bestandteil des Yoga Nidra, des „yogischen Schlafs“. Shavayatra ähnelt sehr dem buddhistischen Bodyscan, wie er z.B. in der MBSR, also der Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion nach Jon Kabat-Zinn geübt wird. „Shavayatra“ bedeutet soviel wie „Reise durch den Körper“ und wird im Liegen, also in „Shavasana“ geübt. Ziel dieser Körpergewahrseinsübung ist es, den Körper in einen sehr entspannten Zustand zu führen, während das Bewusstsein wach bleibt. Während der Reise durch den Körper in einer liegenden Haltung geistig wach und aufmerksam zu bleiben, ist gar nicht so einfach. Und so ist vollkommen okay, wenn Sie einschlafen, während Sie meiner Stimme lauschen. Das kann ein Zeichen sein, dass Sie tatsächlich sehr müde sind und es gut ist, wenn Sie ruhig einschlafen. Beginnen Sie Ihre Meditation dann das nächste mal vielleicht ein wenig früher. Ich habe mich in Nächten, in denen ich aufgewacht bin und nicht mehr einschlafen konnte, manchmal selbst überlistet. Ich habe mir dann fest vorgenommen, diesmal wach und aufmerksam zu bleiben und durch die Übung zu kommen, ohne dabei einzuschlafen. Dreimal können Sie raten, was meist passiert ist … Während der Übung werden wir die Aufmerksamkeit auf 61 Punkte bzw. Regionen des Körpers richten. Musik: Jürgen Heieck Ekko San Literaturhinweise: Ralph Skuban (2017): Pranayama. Die heilsame Kraft des Atems. Grafing: Aquamarin Verlag. Abonniere meinen Audio Podcast: Abonniere meinen youtube-Kanal: The post Shavayatra Bodyscan first appeared on Psychologische Onlineberatung | Videosprechstunde.

In dieser heutigen 8ten Episode möchte ich darüber sprechen, wie Du Deine Fähigkeit, mit Stress zurecht zu kommen. Ich möchte Dir konkrete Hilfestellungen an die Hand geben, um Dich in schwierigen Zeiten wieder mehr ins Lot zu bringen. Du bekommst eine Anleitung zur Achtsamkeitsmeditation. Und es geht um die Fragen: Was kannst Du für Dich tun, um wieder mehr in Deine Mitte zu kommen? Und wie kannst Du Belastungen durch Stress vorbeugen? bei iTunes abbonieren | bei Android abbonieren | bei Spotify abbonieren youtube-Kanal abbonieren | bei amazon hören Gefühlsregulation Unter Emotions- bzw. Gefühlsregulation versteht man alle Prozesse, mit Hilfe derer eine Person die Intensität, Dauer und Qualität ihrer Emotionen beeinflusst. Bei einer gut entwickelte Fähigkeit zur Gefühlsregulation können wir – unsere eigenen Emotionen bewusst wahrnehmen, – diese korrekt benennen – und sie bei Bedarf sozialverträglich verbal und nonverbal ausdrücken. Wir sind in der Lage, die Bedürfnisse zu erkennen, die durch die eigenen Gefühle und die der anderen zum Ausdruck kommen. Wir haben gelernt, die Gefühle anderer zu unterscheiden und zu verstehen, sind also in der Lage, uns quasi in die Perspektive des anderen hinein zu versetzen. Wir haben gelernt, unangenehme Gefühle zu akzeptieren und auszuhalten. Dadurch haben wir den Mut, uns Situationen auszusetzen, die unangenehme Gefühle auslösen, wenn wenn es zum erreichen wichtiger persönlicher Ziele notwendig erscheint. Grundsätzlich gibt es zwei Arten, Gefühle zu regulieren. Die erste Art erfolgt im Austausch mit dem sozialen Umfeld. Co-Regulierung nennt man diesen Prozess. Was es dafür braucht ist ein empathisches Gegenüber – das kann die Mutter oder der Vater, eine verständnisvolle Freundin oder ein Lehrer genauso sein wie ein dafür geschulter Psychologe oder eine Psychotherapeutin. Eine wertschätzende Haltung, die Bereitschaft sich empathisch einzulassen sowie eine gute Fähigkeit, die eigenen Gefühle zu regulieren sind Voraussetzungen beim anderen, dass dies gelingt. Vielleicht hast auch Du schon die Erfahrung gemacht, dass es Dir besser geht und es Dich tröstet, wenn Du merkst, dass Dein Gegenüber zum Ausdruck bringt, dass er Dich versteht und die Bedürfnisse, die hinter Deinen Gefühlen stecken, als grundsätzlich berechtigt anerkennt. Die Fähigkeit zur zweiten Art, Gefühle zu regulieren, ist die innerpsychische Gefühlsregulation. Diese erlernt man im Laufe der emotionalen Entwicklung durch Trost spendende Beziehungen zu wichtigen Bezugspersonen. Hast Du dies gelernt, übernimmst Du praktisch selbst den Part des anderen und begegnest Dir selbst mit Empathie. Achtsamkeit Ein wichtiger Schlüssel dazu ist die viel beschworene Achtsamkeit bzw. Bewusstheit. Sie entsteht durch achtsame, absichtslose Beobachtung der Phänomene. Bewusstheit bedeutet, sich von Sekunde zu Sekunde dessen bewusst machen, was gerade geschieht. Es geht nicht so sehr um eine Fokussierung von Aufmerksamkeit, sondern eher um eine Wahrnehmung der ganzen Person. Wenn wir uns bewusst werden, was gerade geschieht, sind wir präsent in der Gegenwart. Warum nun ist Achtsamkeit zur Gefühlsregulation so wichtig? Nun: Erst wenn ich mir bewusst bin, dass ich angespannt bin, kann ich auch etwas dagegen unternehmen. Erst, wenn ich merke, dass ich ärgerlich bin, kann ich etwas tun, um dies zu ändern, z.B. indem ich meine Perspektive, d.h. die Bewertung der Situation ändere. Bewusstheit ist die Voraussetzung dafür, dass Emotionen überhaupt wahrgenommen werden können. Achtsamkeit alleine ist deshalb schon heilsam, weil sie es uns ermöglicht, eine Beobachterposition zu etablieren. Sind wir in der Rolle eines Beobachters, haben wir inneren Abstand gewonnen zu dem, was vor sich geht. Wir sind nicht mehr so sehr beteiligt und verstrickt in unsere inneren Prozesse und gewinnen dadurch mehr innere Freiheit, weil wir nicht mehr automatisch reagieren oder überwältigt sind von dem, was um uns herum und in uns geschieht. Achtsamkeit hilft uns, etwas Raum zu schaffen zwischen uns und unseren Reaktionen und dadurch unsere konditionierten, d.h. erlernten Reaktionen aufzulösen. Achtsamkeitsmeditation Bei jeder Art von Meditation gibt es ein Meditationsobjekt, auf das man sich konzentriert. Bei der Achtsamkeitsmeditation ist dies der eigene Atem. Dieser ist sozusagen der Anker zum gegenwärtigen Moment. Oft wird fälschlicherweise angenommen, dass es bei Meditation darum geht, zu entspannen. Entspannung kann beim Meditieren eintreten, ist aber nicht das Ziel. Es kann passieren, dass wir uns während der Übung überhaupt erst einmal bewusst werden, wie angespannt wir überhaupt sind, bevor es uns gelingt, diese Anspannung los zu lassen. Paradoxerweise ist es häufig so, dass wir das, was wir durch Meditation anstreben, weniger erreichen, je mehr wir es erreichen wollen. Setze ich mich zur Meditation einfach nur mit dem Ziel, zu meditieren, dann gelingt es mir meist viel schneller, in einen Zustand des inneren Friedens zu kommen, als wenn ich meine, entspannen zu müssen, weil ich mich so unangenehm angespannt fühle. Meditationsübung Wenn Du nun bereit bist für eine Achtsamkeitsmeditations-Übung, dann setze Dich bequem, aber am besten aufrecht hin, ohne Dich anzulehnen. Es gibt verschiedene traditionelle Sitzhaltungen für Meditation, die häufig empfohlen werden. Ich selbst halte es eigentlich nur wichtig, aufrecht zu sitzen ohne sich anzulehnen, denn sonst besteht die Gefahr einzuschlafen, und das wollen wir nicht. Empfehlen möchte ich auch, darauf zu achten, dass der Stuhl oder das Kissen so hoch ist, dass sich die Knie unterhalb der Hüften befinden. Wenn Du auf einem Stuhl sitzt, dann stelle außerdem die Fußsohlen auf den Boden. Lege Deine Handflächen auf den Oberschenkeln ab. Senke Deinen Blick sanft nach unten und lassen Deine Augenlieder auch nach unten fallen. Es ist nicht unbedingt nötig, dass Du die Augen ganz schließt. Nun suche Dir eine Stelle, wo Du Deinen Atem gut spüren kannst. Das kann die sich hebende oder senkende Bauchdecke sein, sich bewegende Brustkorb oder die Stelle an Deiner Nase, an der Du den Luftstrom des ein- und austretenden Atems spüren kannst. Wichtig ist, den Atem nicht nur zu denken, sondern tatsächlich körperlich anhand einer Körperempfindung wahrzunehmen. Beobachte nun einfach Deinen Atem. Nimm wahr, wie er kommt … und geht. Um dies zu unterstützen kannst Du anfangs bei jedem Einatmen zu Dir selbst sagen: „Ein“ und bei jedem Ausatmen „aus“. Oder, wenn Du auf den Bauch oder die Brust fokussierst „heben“ … „senken“. Während Du so dasitzt und Deinen Atem beobachtest, kann es passieren, dass Deine Aufmerksamkeit abdriftet und wo anders hin wandert. Dies lässt sich kaum vermeiden. Besonders dann, wenn Du noch wenig geübt bist, passiert es ständig, dass Deine Aufmerksamkeit abschweift. Doch es geht auch gar nicht darum, nichts zu denken, nichts zu fühlen oder nichts zu empfinden. Ganz im Gegenteil. Wenn Du merkst, dass Deine Aufmerksamkeit abschweift, dann nimm dies einfach zur Kenntnis und kehre zurück zur Beobachtung Deines Atems. Es wird ganz sicher passieren, dass Du anfängst, zu denken … an den vorherigen Moment, den gestrigen Tag oder an Pläne für morgen … Wenn Du dies bemerkst, dann nimm dies einfach zur Kenntnis, indem Du es als „Denken“ benennst, dem Vorgang sozusagen mit einem Ettiket „Denken“ versiehst … und lenke Deine Aufmerksamkeit wieder zum Atemempfindung zurück … Lass die Gedanken einfach vorbeiziehen wie ein Blatt auf einem Fluss, dass Du einen Moment lang beobachtest … und lenke Deine Aufmerksamkeit wieder zum Atemempfindung zurück. Während der Meditation wird es ganz sicher passieren, dass Du durch Körperempfindungen abgelenkt wirst – ein Jucken … ein Ziehen … eine Verspannung … Schmerzen … oder etwas anderes, was Du körperlich spüren kannst … Nimm es einfach wahr … so wie es ist … angenehm, unangenehm oder neutral … nimm es zur Kenntnis … Du kannst es auch benennen, z.B. als „Körperempfindung“ … und lenke dann Deine Aufmerksamkeit wieder zurück zur Atemempfindung. Und es kann vorkommen, dass Du abgelenkt wirst durch Geräusche … nimm sie einfach zur Kenntnis … und nimm auch zur Kenntnis, wie Du womöglich auf sie reagierst … durch bestimmte Gedanken … oder Empfindungen … benenne den Vorgang z.B. als „Hören“, „Denken“, „Fühlen“… und kehre mit Deiner Wahrnehmung zurück zu Deinem Atem. Und während Du Deinen Atem spürst … kann es sein, dass Du bestimmte Emotionen hast … Trauer, Ärger, Angst, Freude … werde Dir bewusst, wie sie sich bemerkbar machen, durch welche Körperempfindungen sie begleitet werden … welche Gedanken sie auslösen ...

Diese siebte Folge beschäftigt sich mit Traumdeutung. Hattest Du schon einmal einen Traum, bei dem Du Dich gefragt hast, was dieser wohl zu bedeuten hat? Träumst Du vielleicht sogar einen bestimmten Traum immer wieder und überlegst: Was bedeuten wiederkehrende Träume? Oder gehörst Du zu den Menschen, die sich nicht oder nur selten an Träume erinnern und sich Fragen: Wie kann ich mich an Träume erinnern? Bist Du eher skeptisch und fragst Dich: Haben Träume eine Bedeutung? Welche Bedeutung haben Träume? Wie kann man Träume deuten? Wie kann man Träume verstehen? Wie arbeitet ein Therapeut bei einer psychologischen Traumdeutung? Wie funktioniert online Traumdeutung? bei iTunes abbonieren | bei Android abbonieren | bei Spotify abbonieren youtube-Kanal abbonieren | bei amazon hören Traumdeutung im Altertum und Mittelalter Das Alte Testament der Bibel enthält rund zwanzig Träume und auch im neuen Testament und im Koran finden sich Träume. In den antiken Hochkulturen war es üblich, Träume zu deuten: bei den Sumerern, im alten Ägypten, bei den Babyloniern, im antiken Griechenland und bei den Römern. Man verstand Träume als Botschaften von Gott bzw. der Götter oder Dämonen und hatten prophetischen Inhalt. Die Menschen glaubten, mittels Traumdeutung Hinweise auf die Zukunft zu bekommen. In schamanischen Kulturen ist der Traum ein Zugang zu einer anderen Wirklichkeit, die als genauso real angesehen wird, wie unsere Alltagswirklichkeit. Ab dem Zeitalter der Aufklärung, das um das Jahr 1700 einsetzte, war der Glaube daran, dass Träume Botschaften einer höheren Macht seien, philosophisch nicht mehr haltbar. Weissagung durch Traumdeutung wurde als Aberglauben abgetan. Traumdeutung nach Sigmund Freud Erst mit dem Erscheinen Sigmund Freuds „Die Traumdeutung“, am 4. November 1899 wurde die Beschäftigung mit Träumen für die Psychotherapie wichtig. Welchen Stellenwert Freud der „Traumdeutung“ für seine Psychoanalyse zuschrieb, zeigt sich daran, dass er das Erscheinungsdatum seines Werkes auf 1900 vordatierte. Für ihn war der Traum die „via regia“, d.h. der Königsweg zu einem von ihm postulierten Unbewussten. Träume verstand er als eine symbolische Wunscherfüllung. Die aus der Kindheit stammenden tabuisierte Sehnsüchte würden sich im Traum auf verschlüsselte Weise zeigen. Freuds Technik der Traumdeutung war die freie Assoziation. Seine Patient*innen sollten auf der Couch liegend ihren Einfällen zu den Trauminhalten freien Lauf lassen. Sie sollten ihrem Psychoanalytiker alles unzensiert erzählen, was ihnen zu einem Traum in den Sinn kam. Freud deutete die Traumsymbolik auf der Grundlage seiner eigenen psychoanalytischen Triebtheorie. Er ging davon aus, dass die Träume in Verbindung zu einer von der Gesellschaft unterdrückten Sexualität stehen. Für ihn repräsentierten die im Traum vorkommenden Personen und Dinge real existierende andere Personen oder Dinge aus der Biographie des Patienten. Freud sah seine Aufgabe als Therapeut darin, durch passende Deutung die Traumsymbole zu übersetzen. Er wollte als Archäologe der Seele eine Verbindung zur biographischen Realität herzustellen und so die unbewussten seelischen Konflikte der Patienten und Patientinnen aufdecken. Traumdeutung in der analytischen Psychologie C.G. Jungs Für Freuds Schüler Carl Gustav Jung war diese Sicht auf Träume zu beschränkt. Zwar betrachtete auch Jung Träume als Ausdruck des Unbewussten. Doch war er nicht wie Freud der Meinung, jeder Traum sei sexueller Natur. Vielmehr verstand er den Traum als einen metaphorischen Ausdruck der inneren Wirklichkeit des Träumers. C.G. Jung führte den Begriff des „kollektiven Unbewussten“ in die Psychotherapie ein. Nach Jungs Vorstellung gibt es einen Bereich der Psyche, die nicht der persönlichen Lebenserfahrung eines Menschen entspringt, sondern dem kulturellen Erbe. Traummotive, die aus dem kollektiven Unbewussten kommen, speisen sich aus Religion, Mythen, Märchen, Sagen und anderen Überlieferungen der Menschheitsgeschichte. Jung war anders als Freud an den direkten Einfällen der Patient*innen zu ihren Träumen interessiert. Im Dialog mit seinen Patient*innen lenkte er die Aufmerksamkeit jedoch auch gezielt auf bestimmte Inhalte des Traumes, in denen er Ähnlichkeiten zu Elementen aus Mythologie und archaischen Symbolen erkannte. Auf diese Weise wollte er Verständnis für Traumerlebnisse schaffen, die sich allein aus dem Zusammenhang der Biographie nicht erklären lassen. Traumdeutung in der Gestalttherapie Eine weitere Herangehensweise zur Traumdeutung praktizierte Fritz Perls, der Begründer der Gestalttherapie. Perls war überzeugt, dass jeder Teil des Traums ein Aspekt der Persönlichkeit des Träumers ist – nicht nur die Person, sondern jede Einzelheit, jede Stimmung, alles, was dem Träumer über den Weg läuft. Perls ließ seine Klient*innen nacheinander alle Traum-Elemente wie in einem Theaterstück spielen. So wollte er erreichen, dass die Klientin sich voll mit allen ihren Persönlichkeitsaspekten identifiziert, besonders mit denen, die ihr fremd und nicht zu ihr gehörig erschienen. Die Klientin sollte also z.B. so tun, als ob sie der Weg wäre, den sie im Traum gesehen hatte, die Mülltonne am Wegesrand, die achtlos weggeworfene Zeitung usw. Den Traumteilen sollte sie dann nacheinander eine Stimme geben, also z.B. „Ich bin der Weg, ich bin schmal und gerade und sorge für die Verbindung von …“ Meinte Perls in diesem Prozess Konflikte oder andere Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Traumaspekten zu erkennen, regte er seine Klientin dazu an, einen Dialog zwischen diesen Teilen zu führen. Das Ziel von Perls Vorgehensweise war die Integration von entfremdeten Persönlichkeitsanteilen. Er wollte seinen Klient*innen zu einer Ganzheit verhelfen, die er mit Heilung gleichsetzte. Was sagt die Neurowissenschaft über Traumdeutung? Im Laufe der Zeit haben Psychotherapeuten viele weitere Methoden und Herangehensweisen zur Traumdeutung entwickelt. Doch was sagt die moderne Neurowissenschaft über Träume? Die Traumforschung steht vor dem grundsätzlichen Problem: Ein Traum kann, anders als z.B. Handlungen, nicht unmittelbar beobachtet werden. Ein Wissenschaftler kann zwar feststellen, dass sein Probant träumt: anhand von Messungen der Hirnströme oder Hautleitfähigkeit und Beobachtung von Herzschlag, Atmung, Augenbewegungen, Körperbewegungen und Muskelzucken. Er kann die verschiedenen Gehirnaktivitäten mittels Tomographie sichtbar machen. Über den Inhalt eines Traumes und das gefühlsmäßige Traumerleben kann der Träumer aber nur hinterher, also nach dem Aufwachen, anhand der Erinnerungen Auskunft geben. Kein Wunder also, dass sich auch Neurowissenschaftler über die Funktion des Träumens nicht einig sind. Ich finde Hypothesen, die besagen, dass Träumen der Gehirnreifung dient … oder zum Verarbeiten und Lösen von Problemen aus dem Tagesbewusstsein … Einige Forscher meinen in den neuronalen Aktivitäten, die sie mittels Tomografie beobachten konnten, Belege für Freuds Strukturmodell der Psyche gefunden zu haben, das der Freud‘schen Traumdeutung zugrunde liegt. Andere sind der Ansicht, dass wir Träumen, um zu vergessen, die Trauminhalte also quasi mentaler Abfall sind, mit dem wir uns nicht weiter beschäftigen sollten. Haben Träume eine Bedeutung?? So komme ich letztendlich zu der Frage: Haben Träume nun eine Bedeutung oder nicht? Und wenn ja, welche Bedeutung haben Träume? Ganz ehrlich: Ich kann diese Frage nicht allgemein beantworten, ich weiß es nicht. Fest steht für mich: In dem Moment, in dem mich ein Traum beschäftigt, hat er eine Bedeutung für mich. Ich messe ihm sozusagen Bedeutung bei. Indem ich über ihn nachdenke, wird er bedeutungsvoll für mich. Wir Menschen sind von Natur aus so angelegt, Ereignissen in unserem Leben einen Sinn zuzuschreiben, Begebenheiten Bedeutungen zu verleihen. Für mich und für viele Menschen scheint es wichtig zu sein, das eigene Leben zu verstehen. Selbst dann, wenn es möglicherweise gar nichts zu verstehen gibt. Das ist vielleicht so, weil wir etwas brauchen, das uns Orientierung gibt. Träume sind so gesehen genau so vielsagend oder bedeutungslos wie alles andere im Leben auch. Nebenbei bemerkt: In dem Moment, in dem wir über einen Traum nachdenken und ihn zu erklären versuchen, befinden wir uns in einem anderen Bewusstseinszustand, als dem, dem der Traum entsprungen ist. Denn ein Traum ist das geistige Produkt des Traumbewusstseins während des Schlafes. Er ist nicht unabhängig von dem Bewusstseinszustand, dem er entsprungen ist. Der Träumer konstruiert beim Erzählen des Traums also genau genommen eine aktuelle Bedeutung. Warum soll man Träume deuten? Was heißt das nun für meine Herangehensweise bei der Traumdeutung? Wie gehe ich damit um, wenn mir ein Klient von seinen Träumen erzählt? Warum sollt...

In dieser sechsten Episode geht es um das autonome Nervensystem. Ich beschäftige mich mit den Fragen: Warum ist es schwierig bis unmöglich, für mich alleine emotionale Probleme zu lösen? Warum reagiere ich trotz guter Vorsätze und Handlungsstrategien in bestimmten Situationen mit Stresssymptomen? Wie kann Traumatherapie helfen, besser mit Stresssituationen zurecht zu kommen? bei iTunes abbonieren | bei Android abbonieren | bei Spotify abbonieren youtube-Kanal abbonieren | bei amazon hören Wie entstehen Gefühle? In Folge 4 hatte ich erklärt, was Gefühle sind, wie sie entstehen und welche Funktion sie in unserem Leben haben. Ich hatte ausgeführt, dass Gefühle aus einem aktiven Denkprozess entstehen, der durch unsere Erfahrungen geprägt ist. Kurz gesagt hatte ich behauptet, dass wir uns so fühlen wie wir uns fühlen, weil wir auf eine bestimmte Weise denken. Ich hatte erläutert, dass eine Wechselwirkung zwischen Körperempfindungen und Gefühlen besteht. Ein Gefühl hat einerseits immer eine Körperempfindung zu Folge. Andererseits können Gefühle auch durch bestimmte Körperempfindungen ausgelöst werden. Lassen sich Gefühle durch Denken verändern? In Folge 5 habe ich eine Methode zur Gefühlsregulation vorgestellt. Mit dem modifizierten ABCZ-Modell der integrativen kognitiven Verhaltenstherapie kann man lernen, sein Gefühlsleben zu verändern, indem man Situationen anders bewertet. Diese Methode ist sehr „kopflastig“. Denn wir nutzen bei dieser Methode unsere Fähigkeit zum analytischen Denken und Reflektieren erlernter Denk- und Verhaltensweisen, um diese dann Schritt für Schritt zu verändern. Und zugegeben: Nicht nur mein Freund Jürgen Heieck, der die wunderbare Musik für diesen Podcast komponiert, fragt sich zweifelnd: Funktioniert das wirklich bei jedem Menschen? Inzwischen kommen auch einige Psychotherapieforscher zu dem Schluss, dass kognitive Verhaltenstherapie bei vielen Menschen zwar zu guten Ergebnissen führt. Gleichzeitig sind sie jedoch der Auffassung, dass deren zentrale Annahme, Gefühle ließen sich alleine mithilfe des kognitiven Denkens verändern, nicht oder nur begrenzt zutrifft. Vielmehr müssten Betroffene erst neue Beziehungserfahrungen machen, die Auswirkungen auf ihre emotionale Befindlichkeit haben. Dies führe dann in der Folge zu Veränderungen des Denkens und Handelns. Wie entstehen Glaubenssätze? Wir Menschen sind von Beginn unseres Lebens auf andere Menschen bezogen. Unsere innere Welt wird im Kontakt zu wichtigen Bezugspersonen geprägt. Es geht nicht nur darum, dass unsere menschlichen Bedürfnisse angemessen befriedigt werden, sondern dass diese auch als berechtigt anerkannt werden. Diese Anerkennung erfolgt in kommunikativen Austausch mit anderen Menschen. Wir sind darauf angewiesen, im Gegenüber eine gefühlsmäßige Resonanz auszulösen, damit wir verstanden werden. Verläuft dieser Abstimmungsprozess größtenteils unbefriedigend, hat dies weitreichende Folgen für unser emotionales Erleben. Dies gilt besonders dann, wenn diese Frustration in den ersten Lebensjahren stattfindet. Denn ein Kind ist in seiner Existenz anhängig vom Wohlwollen der versorgenden Bezugspersonen. Ablehnung ist dann gleichbedeutend mit Vernichtung. Das Kind beginnt, sich selbst aus den Augen der anderen zu sehen. Es lernt, dass bestimmte Aspekte der Selbstäußerung und die damit verbundenen Bedürfnisse unannehmbar sind. So formen sich Glaubenssätzen wie – „Wenn ich zornig bin, werde ich verlassen.“ – „Wenn ich weine, werden andere wütend.“ – „Wenn ich aufgeregt bin, bin ich nicht auszuhalten.“ – „Egal, was ich mache, irgendwie bin ich immer falsch.“ Wie lernt das autonome Nervensystem sich zu regulieren? Auch die Regulationsvorgänge des Autonomen Nervensystems werden vor allem im Säuglings- und Kleinkindalter in sozialen Interaktion mit den primären Bezugspersonen, insbesondere mit der Mutter erlernt. Das Autonome Nervensystem ist für die unbewussten und unwillkürlichen Funktionen unseres Körpers zuständig, es regelt z.B. Herzschlag, Atmung, Körpertemperatur, Muskeltonus, Verdauung, Hormonhaushalt und andere lebenswichtige Vorgänge. Die Regulation des kindlichen Organismus erfolgt in enger Anlehnung an die Mutter. Reagiert die Mutter auf bestimmte Reize der Außenwelt, z.B. laute Geräusche, ruhig und gelassen, so werden diese auch vom Kind als ungefährlich wahrgenommen. Gleiches gilt auch für Reize aus dem Inneren des Kindes: Hat es z.B. Blähungen oder Hunger und die Mutter versteht dies und kann beruhigend auf die Signale des Kindes reagieren, dann lernt auch das autonome Nervensystem des Kindes sich zu beruhigen. Ist die Mutter aufgeregt oder ängstlich, merkt dies das Kind und reagiert darauf unwillkürlich mit einer Veränderung seines autonomen Zustands. Den Prozess durch den Kinder die Fähigkeit entwickeln, belastende Emotionen und Empfindungen von Anfang an durch die Verbindung mit fürsorglichen und zuverlässigen primären Bezugspersonen zu beruhigen und zu bewältigen, nennt man Co-Regulation. Wir Menschen haben während unseres ganzen Lebens den Wunsch nach Co-Regulierung, auch wenn bei Menschen, die eine gesunde frühkindliche Entwicklung gemacht haben und dadurch die notwendigen Fähigkeiten verinnerlicht haben, dieser Wunsch im Laufe des Jugendalters abnimmt. Welchen Einfluss hat das autonome Nervensystem auf unseren Körper? Bei tatsächlicher oder gefühlter Belastung wird die nach außen gerichtete Aktionsfähigkeit erhöht. Denn unsere Muskeln benötigen Energie. Auch wenn ich hier nicht auf die genauen biochemischen Zusammenhänge eingehen möchte, meine ich mit Energie nicht den unklar definierten Begriff, der oftmals in esoterischen Zusammenhängen gebraucht wird. Sondern ich meine ganz konkret den für die menschlichen Zellen wichtigen Energieträger Adenosintriphosphat, kurz ATP. Damit diese Energie im Moment des Verbrauchs bereit gestellt werden kann, muss unser Herz schneller schlagen, wir müssen schneller und tiefer atmen, die Skelettmuskeln werden stärker durchblutet usw. Wenn die tatsächliche oder gefühlte Belastung vorbei ist, muss sich der Organismus regenerieren. Der Blutdruck sinkt; das Herz schlägt wieder ruhiger; die Atmung beruhigt sich; Magen und Darm nehmen ihre Tätigkeit auf, damit die verbrauchte Energie wieder aufgefüllt werden kann. Du darfst Dir dies natürlich nicht so vorstellen, dass es nur zwei Zustände (aktiv oder passiv) gäbe. Es ist vielmehr ein fein abgestimmter Prozess, der sich mal mehr, mal weniger in die eine oder andere Richtung verschiebt. Welchen evolutionären Hintergrund hat die autonome Regulation? Der Regulationsprozess des vegetativen Nervensystems hat einen evolutionären Hintergrund: Überlebt haben die Spezies, die in der Lange waren, einer drohenden Gefahr passend zu reagieren. Kampf oder Flucht (engl. „fight or flight“) war eine Möglichkeit. Dazu musste, wie eben erläutert, Energie mobilisiert werden. Kämpfen war nur dann erfolgreich, wenn man stärker war als ein Angreifer. Ansonsten war Flucht die erfolgreichere Strategie. Eine dritte Überlebensstrategie war und ist das Totstellen, auch „shutdown“ oder „freeze“ genannt. Wenn die Kraft weder zum Kampf oder noch zur Flucht ausreicht, dann erfolgt vom autonomen Nervensystem eine Regualtion in die krass gegenteilige Richtung, in eine Art „Energiesparmodus“. Dieser kann evolutionär vielleicht so erklärt werden, dass ein hungriges Raubtier das Interesse an einem bereits toten Tier verliert oder es erst gar nicht bemerkt. Auch in Zeiten der Dürre wie im Winter oder wenn man in einer Höhle verschüttet war, konnte das Ausharren in einem auf Energiesparen ausgerichteten Zustand ein überlebensichernder Vorteil sein. Nun gibt es neben diesen drei evolutionären Überlebensstrategien Kampf-Flucht und Totstellen noch eine vierte: Kooperation. Wenn ein Individuum nicht stark genug war, um sich alleine gegen Gefahren zu behaupten, sich jedoch mit anderen Individuen auf irgendeine Weise zusammenarbeitete, so konnte es trotzdem das Überleben sichern. Um mit anderen zu kooperieren ist eines notwendig: Kommunikation. Denn das einzelne Individuum muss sein Verhalten mit dem der anderen Abstimmen. Erst durch Kommunikation wird aus dem individuellen Verhalten koordiniertes soziales Handeln. Polyvagaltheorie? Nach Auffassung der Polyvagaltheoie ist für die Kooperations-Strategie ein Regulationszustand unseres autonomen Nervensystems notwendig, der es möglich macht, mit anderen Menschen nicht nur durch Sprache, sondern auch durch Körperhaltung, Mimik und Gestik zu kommunizieren. Es ist eine Art mittlerer Modus zwischen nach außen gerichteter Aktivität des Kampf-oder-Flucht-Modus und passiver innerer Zurückgezogenheit eines „Shutdowns“. Es ist wie ein Möb...

In der letzten Episode meines Podcasts habe ich erklärt, was Gefühle sind, wie sie entstehen und welche Funktion sie in unserem Leben haben. Diese fünfte Folge baut auf den Ausführungen der letzten Episode meines Podcasts auf. Um besser zu verstehen, was ich Dir im Folgenden näherbringen möchte, wäre es also gut, wenn Du Dir diese zuerst anhörst oder noch im Kopf hast: Was sind Gefühle, wie entstehen sie und welche Funktion haben sie für unser Überleben und für unser soziales Miteinander. Wie angekündigt geht es hier nun um das Thema Gefühlsregulation, also um die Frage: Wie kann man sein Gefühlsleben beeinflussen? Und weshalb sollte dies jemand wollen? bei iTunes abbonieren | bei Android abbonieren | bei Spotify abbonieren youtube-Kanal abbonieren | bei amazon hören Wie entstehen Gefühle? „Es sind nicht die Dinge selbst, die uns beunruhigen, sondern die Vorstellungen und Meinungen von den Dingen.“ Dieses Zitat des griechischen Philosophen Epiket, dem Begründer der philosophischen Schule der Stoa, fasst gut zusammen, was ich zur die Entstehung von Gefühlen in Folge 4 ausgeführt habe: Gefühle sind das Produkt aus einem aktiven Denkprozess. Wir interpretieren und bewerten unsere Wahrnehmungen auf Grundlage unserer bisherigen Erfahrungen. Gleichzeitig beeinflussen wir durch unser Verhalten, das aus diesem Denkvorgang resultiert, die gegenwärtige Situation und damit auch die Erfahrungen, die wir machen. Die prägen wiederum unsere Weltsicht. Haben wir erst einmal eine feste Vorstellung und Meinung von den Dingen, kann es dazu kommen, dass diese wie eine selbsterfüllende Prophezeihung unser Bild von der Welt bestätigt. Wir sitzen dann buchstäblich in unser eigenen Filterblase, wie man es vielleicht schon im Zusammenhang mit dem Internet gehört hat: Da schlägt einem Amazon genau die Bücher vor, die wir kaufen wollen, Google zeigt uns die Restaurants an, die wir mögen und youtube schlägt uns Videos vor, die genau die Meinung vertreten, die zu unserer eigenen Ansicht passt. Der Suchalgorythmus dieser Internetseiten liefert uns diese Suchergebnisse aufgrund der Informationen aus unseren vorherigen Suchabfragen. Und ähnlich macht es auch unser Gehirn, wenn es um die Interpretation und Bewertung von Erfahrungen geht, aus denen unsere Gefühle resultieren. Kurz gesagt: Wir fühlen wie wir denken. Zumindest dann, wenn es darum geht, eine Situation schnell einzuschätzen, um Orientierung für unser Handeln zu bekommen, sind Gefühle sehr nützlich. Warum sollte man seine Gefühle verändern wollen? Doch obwohl unsere Intuition uns in vielen Situationen recht nützlich sein kann, kommt es auch immer wieder vor, dass wir uns durch unser Fühlen selbst im Wege steht. Wir erreichen durch unser gefühlsgeleitetes Handeln nicht immer das, was wir für ein zufriedenes Leben benötigen. Viele Menschen holen sich therapeutische Unterstützung, weil sie dauerhaft unter unangenehmen Gefühlen leiden. Sie möchten lernen, ihre Gefühle besser zu regulieren, weil langfristig elementare Bedürfnisse unbefriedigt bleiben, sie Lebensziele nicht erreicht haben und sie deshalb seelisch oder unter körperlichen Beschwerden leiden. Sie erleben in bestimmten Situationen eine Überflutung von Gefühlen, die sie als zu intensiv empfinden. Dann tendieren sie zu einem sozial unangemessenem Verhalten wie z.B. Wutanfällen. Dies führt oft zu sozialer Ablehnung: Ein Teufelskreis bzw. ein sich-selbst-bestätigener Prozess. Oder sie unterdrücken unangenehme Gefühle, ziehen sich zurück, vermeiden bestimmte Situationen und neigen zu Suchtverhalten oder Zwängen. Welche Fähigkeiten sind zur Gefühlsregulation nötig? Für einen zielführenden Umgang mit Gefühlen benötigen wir die Fähigkeit, die Intensität, die Dauer und die Qualität unserer Gefühle zu regulieren. Wir müssen wir in der Lage sein, unsere eigenen Emotionen bewusst wahrzunehmen, zu erkennen, korrekt zu benennen und verbal sowie nonverbal auszudrücken. Wir müssen Gefühle anderer unterscheiden und verstehen können und in der Lage sein, uns in die Perspektive des anderen zu versetzen. Wir müssen die Bedürfnisse, die durch die eigenen Gefühle und die der anderen zum Ausdruck kommen, erkennen. Wenn nötig müssen wir eigene unangenehme Gefühle akzeptieren und aushalten können. Wir brauchen den Mut, uns Situationen auszusetzen, die unangenehme Gefühle auslösen, wenn es zum Erreichen von persönlich wichtiger Ziele notwendig sein sollte. Welche Möglichkeiten zur Veränderung gibt es? Wenn wir uns schlecht fühlen, gibt es mehrere Möglichkeiten zur Veränderung: Wir können versuchen, etwas im Außen zu verändern. Wir können versuchen, die Situation durch aktives Tun zu beeinflussen. Dazu benötigen wir die Fähigkeit, zu erkennen, was zu unserem Unwohlsein beiträgt. Die Schwierigkeit dabei ist, dass wir durch unser Handeln nur indirekt Einfluss auf das Verhalten der anderen nehmen können. Und manchmal ist eine gegenwärtige Situation oft gerade deshalb ein Problem, weil wir durch unsere erlernte innere Haltung immer und immer wieder auf eine ähnliche Weise handeln. Wir versuchen eine Strategie, die vielleicht früher einmal erfolgreich gewesen ist, immer und immer wieder anzuwenden, obwohl diese in der aktuellen Lage nicht mehr passt. Aus diesem Grund ist es bei Problemen oft hilfreich, nach innen zu sehen. Epiket rät deshalb: „Wenn wir also auf Schwierigkeiten stoßen, in Unruhe und Kümmernis geraten, dann wollen wir die Schuld niemals auf einen anderen schieben, sondern nur auf uns selbst, d.h. auf unsere Meinung von den Dingen.“ Was ist das ABCZ-Modell der kognitiven Verhaltenstherapie? Wie lässt sich nun konkret an dem Gefühlserleben arbeiten? Als ein leicht anwendbares Werkzeug ist dafür das modifizierte ABCZ-Modell der integrativen kognitiven Verhaltenstherapie. A steht dabei für „Ausgangssituation“, B für Bewertungssystem, C für Konsequenz und Z für Ziel. Nach diesem Modell lassen sich Situationen nach folgendem Schema analysieren. Am besten machst Du die Übung schriftlich: Suche Dir als erstes eine Ausgangssituation, die Dir Schwierigkeiten bereitet und die Du deshalb genauer untersuchen möchtest. Versuche Dir die Situation genau vorzustellen und zunächst einmal so sachlich wie möglich zu beschreiben, also so, wie sie ein anderer von außen wahrnehmen könnte. Welche Personen sind beteiligt? Wo spielt die Szene? Was geschieht? Wie verhalten sich die beteiligten Personen? Bleibe erst einmal bei dem, was jeder Mensch ohne Vorwissen in dieser Situation wahrnehmen kann. Im nächsten Schritt erforschst Du Dein Bewertungssystem: Du kannst Dich fragen: Was ist Deine persönliche Sichtweise (B1) auf die Situation? Wie siehst Du diese Situation mit Deinem Vorwissen? Wie denkst Du aufgrund Deines Vorwissens über diese Situation? Was hast Du für Vorannahmen? Weiter kannst Du Dich fragen: Welche Schlussfolgerungen (B2) ziehst Du aus Deiner persönlichen Sichtweise? Welche Konsequenzen vermutest Du? Nun geht es um die Bewertung (B3): Werde Dir dann bewusst, wie Du das findest. Ist es für Dich schrecklich? Entsetzlich? Peinlich? Ist es schön, schade, egal oder eine Frechheit? Im dritten Schritt wendest Du Dich den Gefühls- und Verhaltenskonsequenzen (C1 und C2) zu, die aus Deinem Bewertungssystem resultierenden. Mache Dir klar, wie Du emotional auf diese Bewertung reagierst. Welches Gefühl steigt dabei in Dir hoch, wenn Du so denkst? Mit welchen körperlichen Begleiterscheinungen ist es womöglich verbunden? Wie ist Deine Körperhaltung? Wie Deine Atmung? Dein Blick? Kannst Du es Dir zugestehen, dass Du Dich so fühlst? Oder versuchst Du krampfhaft, dieses Gefühl zu vermeiden, es Dir zu verbieten, weil „man“ so nicht fühlen sollte? Geht es deshalb erst womöglich einmal darum, Dich mit diesem Gefühl zu akzeptieren, auch wenn es unangenehm ist? Nun stelle Dir vor und schreibe auf, wie Du Dich in dieser konkreten Situation verhältst. Was tust Du genau? Wenn Du Dir dann noch einmal Deine persönliche Sichtweise und Deine Schlussfolgerungen anschaust, magst Du Dich vielleicht fragen: Wie kommst Du darauf? Weshalb muss das so sein? Ist das zwangsläufig so und nicht anders? Muss das unbedingt so kommen oder was könnte noch geschehen? Im letzten Schritt definierst Du Dein Ziel (Z). Du kannst Dich fragen: Welches Gefühl findest Du in der vorgestellten Ausgangssituation sinnvoll und zielführend? Wie würdest Du Dich künftig gerne verhalten wollen, wenn Du wieder in diese Situation gerätst? Durch welches Verhalten könntest Du Dein Ziel besser erreichen? Wie ließe sich über die Situation denken, damit man sich so fühlen und verhalten könnte? Vielleicht hilft es Dir dabei, Dir zu überlegen: Wie würde ein anderer die gleiche Situation bewerten? Vielleicht Dein Partner oder Deine Partnerin, Dein bester Freund, der Papst, Buddha, der Dalai Lama oder die Bundeskanzlerin? Eine Person, die Du bewunderst oder liebst? Was geschieht, wenn D...

Nachdem ich mich in den ersten Episoden dieses Podcasts der Frage nach der Ganzheitlichkeit gewidmet und Dir außerdem etwas über Hypnose erzählt habe, komme ich heute auf das Thema Gefühle. Vielleicht hast Du Dich schon einmal gefragt, wie Gefühle entstehen oder für was sie gut sind? Vielleicht möchtest Du auch wissen, wie Du mit unangenehmen Gefühlen besser umgehen kannst? Auf diese und andere Fragen möchte ich Dir gerne Antworten geben: Was sind eigentlich Gefühle? bei iTunes abbonieren | bei Android abbonieren | bei Spotify abbonieren youtube-Kanal abbonieren | bei amazon hören Was ist der Unterschied zwischen Emotion, Gefühl und Affekt? Als ich vor einigen Jahren angefangen habe, Psychologische und Psychotherapeutische Literatur lesen, bin ich auf unterschiedliche Begriffe gestoßen: Einmal wird da von Gefühlen gesprochen, dann wieder von Emotionen, manchmal auch von Affekten. Und da habe ich mich natürlich gefragt: Was ist da jetzt der Unterschied. Letztendlich bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass es keine allgemeingültige und exakte Definition für diese Begriffe gibt. Je nach Theorie werden in der Psychologie die Wörter „Emotion“, „Gefühl“ und „Affekt“ unterschieden oder eben synonym gebraucht. Ich selbst verwende sie der Einfachheit halber meist gleichbedeutend. Was ist der Unterschied zwischen Emotion, Gefühl und Affekt? Was ich allerdings von Emotionen bzw. Gefühlen unterscheide – und ich versuche da auch sehr konsequent im alltäglichen Sprachgebrauch zu sein – sind Körperempfindungen und Kognitionen. Wenn Du jetzt verwirrt bist, ist das erst einmal kein Wunder, denn in der Alltagssprache ist das eher unüblich – außer man hat vielleicht lauter Psychotherapeuten im Freundes- und Bekanntenkreis. Eine Emotion, also das, was wir umgangssprachlich als Gefühl bezeichnen, ist durch unterschiedliche Erregungszustände erleb- und erfahrbar. Körperempfindungen sind z.B. Hunger, Durst, Kälte, Wärme, Druck auf der Haut, Müdigkeit, körperlicher Schmerz oder solche Dinge. Auch Zittern, Schwitzen, Anspannung von Muskeln, Herzklopfen sind Körperempfindungen. Es besteht eine Wechselwirkung zwischen Körperempfindungen und Gefühlen. Einerseits hat ein Gefühl immer eine Körperempfindung zu Folge. Wenn man sich z.B. schämt fängt man an zu Schwitzen und bekommt einen roten Kopf. Andersherum können Körperempfindungen auch Gefühle zur Folge haben. Bei Menschen mit Angststörungen ist das z.B. der Fall. Sie interpretieren körperliche Phänomene wie Herzklopfen auf eine Weise, dass sie Angst bekommen. Eine Kognition ist ein Gedanke. Auch zwischen Kognitionen und Emotionen gibt es Zusammenhänge. Angedeutet habe ich das eben schon, als ich sagte, dass Angstpatienten körperliche Phänomene interpretieren. Eine Interpretation IST eine Kognition. Aber darauf komme ich gleich noch genauer zu sprechen. Was sind Grundgefühle bzw. Basisemotionen? Die Fähigkeit, verschiedene Gefühle zu erleben, haben vermutlich schon Neugeborene oder sogar Kinder in einem pränatalen, also vorgeburtlichen Stadium. Was Kinder erst im Verlauf ihrer Entwicklung lernen ist das Benennen dieses emotionalen Erlebens und damit das Differenzieren und Kategorisieren, also das Einordnen in ein Sprachschema. Nun haben sich schlaue Psychologen damit beschäftigt, welche Gefühle für uns Menschen grundlegend sind. Die bekanntesten dieser Psychologen sind Michael Lewis, Silvan Tomkins sowie sein Schüler Paul Eckman, um mal ein paar Namen zu nennen. Welche Gefühle gibt es? Deren Theorien gemeinsam ist, dass es nur wenige grundlegende Emotionen gibt, die allem Menschen angeboren und kulturunabhängig sind. Je nach Theorie sind das zwischen 6 und 9 an der Zahl. Das breite Spektrum unseres Gefühlslebens kommt dann nur durch die Mischung und die Intensität dieser Grundgefühle bzw. Basisemotionen zustande. Nach Paul Ekman sind es sieben Gefühle, die kulturunabhängig anhand des Gesichtsausdrucks erkennbar werden. Diese Gefühle sind Freude, Ärger bzw. Wut, Ekel, Furcht bzw. Angst, Trauer, Überraschung und Verachtung. Was sind Darstellungsregeln? Wie diese Gefühle im sozialen Miteinander gezeigt werden, unterscheidet sich allerdings je nach biographischem und kulturellem Hintergrund. Der Gefühlsausdruck wird laut Eckman durch „Display rules“, also Darstellungsregeln, modifiziert. Je nachdem, in welcher Kultur Du aufgewachsen bist und in welcher Situation Du Dich befindest, wirst Du Dich anders Verhalten, wenn Du Dich z.B. freust, traurig bist oder Dich ärgerst. Das ist leicht nachvollziehbar, wenn Du daran denkst, dass es wohl eher ungewöhnlich wäre, wenn Dir z.B. ein Japaner vor Freude um den Hals fallen würde. Ebenso wirst Du bei einer Feier in einem eher förmlichen Rahmen – z.B. wenn Dich Dein Chef zum Dinner eingeladen hat – bei einem Witz eher verhalten lachen, während Du auf einer lockeren Party unter guten Freunden vielleicht lauthals losprustest. Was besagt das Kognitive Modell der Gefühlsentstehung Eine Emotion wird ausgelöst durch unmittelbare Wahrnehmungen. Oder durch Erinnerungen. Doch wie kommt es dazu, dass Menschen in gleichen Situationen unterschiedliche Gefühle empfinden? Weshalb reagiert z.B. Margit beim Anblick einer Spinne ängstlich, während Heiko vollkommen gelassen bleibt? Warum wird Emma traurig, wenn sie das Lied „Hungry Eyes“ aus dem Film Dirty Dancing hört und Jasmin hingegen fröhlich? Warum erlebt Jana eine eigene Powerpoint-Präsentation vor Publikum als willkommene Herausforderung und Heiko rutscht bei dem Gedanken an diese Aufgabe das Herz in die Hose? Richtig! Emotionen ergeben sich daraus, wie eine Situation kognitiv, d.h. gedanklich bewertet bzw. interpretiert wird. Dem kognitiven Modell zur Emotionsentstehung zufolge ist ein Gefühl das Ergebnis folgenden Prozesses: Erstens: Wir beobachten eine Situation. Also erstmal ganz objektiv, sofern objektiv hier das richtige Wort ist. Denn schon was wir wahrnehmen, also auswählen … und was wir ausblenden … ist abhängig von unserem Vorwissen. Welche Reize aus der Umwelt wir als wichtig und welche als unwichtig betrachten, also unsere Aufmerksamkeit erregen, ist Ergebnis eines Filterprozesses in unserem Gehirn. Aber lassen wir das mal für einen Moment beiseite. Also: Erster Schritt im Gefühlsprozess: beobachten eine Situation … objektiv im Sinne, als dass ein anderer Beobachter diese Situation genauso beschreiben würde, wie wir. Zum Beispiel: Ein Mann, nennen wir ihn Achim, sitzt in einer Bar. Er sieht, wie eine Frau in einem roten Kleid auf ihn zu kommt und lächelt. Diese Beobachtung würde ihm ein – in Anführungszeichen – „neutraler Beobachter“ sicherlich bestätigen. Zweitens: Wir interpretieren diese Beobachtung, geben ihr eine Bedeutung und leiten daraus Konsequenzen für uns ab. Im Beispiel: Während die Frau in dem roten Kleid auf Achim zukommt und ihn anlächelt, denkt er: „Sie nimmt mich nicht ernst, weil sie lächelt. Das rote Kleid ist übertrieben aufreizend, so eine Nutte, sie will bestimmt mit mir spielen, so wie die anderen Frauen, die mich angemacht haben und mich dann sitzen gelassen haben.“ Drittens: Wir bewerten die Interpretation, die wir aus unserer Beobachtung abgeleitet haben, als gut, schlecht, angenehm, unangenehm oder neutral. Wir finden die phantasierte Auswirkung das inspirierend, peinlich, schlimm, toll oder ähnlich. Im Beispiel: Achim denkt: „So eine Unverschämtheit“ Das Ergebnis aus diesem Denkprozess ist dann eine Emotion, die wiederum unser Handeln beeinflusst. Im Beispiel: Achim ärgert sich und macht ein grimmiges Gesicht. Ein anderer Mann, nennen wir ihn Bert, hätte sich vielleicht gefreut und die Frau in dem roten Kleid angelächelt,. Warum? Weil er die Situation anders Interpretiert hätte. Vielleicht hätte er sich gedacht: „Das rote Kleid sieht toll aus. Sie hat es angezogen, weil sie heute Abend einem Mann kennen lernen will. Sie lächelt mich an, wie findet mich bestimmt attraktiv. Ich habe gute Karten bei ihr, denn ich bin ein dufter Typ. Ich werde heute Abend noch ein Rendezvous haben, klasse!“ Aufgrund seiner anderen Vorerfahrungen mit Frauen hat Bert die Situation also ganz anders Bewertet als Achim. Er hat in dieser Situation also auch ein anderes Gefühl und verhält sich anders. Wozu sind Gefühle gut? Doch wozu sind Gefühle gut? Denn wenn gerade wir Menschen mit unseren hochentwickelten Gehirnen im Gegensatz zu anderen Lebewesen ein großes Gefühlsleben besitzen, dann muss das evolutionsbiologisch einen Vorteil haben. Gefühle sind in Situationen gut, in denen wir, um unser Ü...

Was ist Hypnose? Als Hypnose bezeichnet man einerseits Bewusstseinszustände, die vom gewöhnlichen Alltags-Wachbewusstsein abweichen. Andererseits meint man mit Hypnose eine Methode, jemanden in eben so einen abweichenden Bewusstseinszustand zu versetzen. Anders ausgedrückt: Mit Hypnose versetze ich jemanden in Hypnose. Ich unterscheide beides begrifflich, indem ich einerseits von Hypnose spreche – und damit Hypnose als Methode meine – und andererseits von hypnotischer Trance – und damit den veränderten Bewusstseinszustand bezeichne. bei iTunes abbonieren | bei Android abbonieren | bei Spotify abbonieren youtube-Kanal abbonieren | bei amazon hören Was ist eine hypnotische Trance? Was ist ein veränderter Bewusstseinszustand? Das ist nicht so leicht zu beantworten, denn genau genommen bewegen wir uns ständig zwischen unterschiedlichen Bewusstseinszuständen hin … und her. Insofern müsste ich dann auch eher von einem Bewusstseins-Prozess als von einem Bewusstseins-Zustand sprechen, um den Veränderungscharakter des Bewusstseins zu verdeutlichen. Der Einfachheit halber sei gesagt: Eine Trance tritt dann ein, wenn Du Dich intensiv auf eine Sache konzentrierst und damit Deine Sinneswahrnehmungen stark einschränkst oder ganz ausblendest. Beispiele dazu kannst Du in diesem Hypnose-Podcast hören. Ist Hypnose Schlaf? Trance ist etwas anderes als Schlaf – das hatte schon der schottische Arzt James Braid Mitte des 19. Jahrhunderts festgestellt. Darüber hatte ich in der letzten Folge zum Thema Geschichte der Hypnose gesprochen. Auch wenn viele Menschen Trancezustände als entspannend erleben, weil dabei oft der parasympatische Teil unseres Nervensystems überwiegt, wir also auf Regeneration und Erholung ausgerichtet sind, ist das Gehirn in leichten und mittleren Trancetiefen sehr aktiv. Während einer Trance kann die Körperwahrnehmung verändert sein, ebenso wie das Zeitgefühl. Der formal-logisch-reflektierende Verstand ist stark reduziert bzw. ausgeschaltet. Deshalb ist es in Trance ähnlich wie beim Träumen möglich, kreative Lösungen zu finden, die sonst durch den engen Rahmen unseres rationalen Verstands nicht zugelassen werden. Für wen eignet sich Hypnosetherapie? Hypnose als Therapie eignet sich besonders dann, wenn sich der Klient durch sein rationales Denken sozusagen selbst im Weg steht. Die Aufgabe des Hypnosetherapeuten besteht nicht darin, feste Lösungswege vorzugeben, sondern vielmehr in der Kommunikation mit dem Klienten mentale Prozesse anzuregen, die diesem Veränderung ermöglichen. Wie funktioniert Hypnosetherapie? Veränderung ist nichts, was man von Außen vorgeben, verordnen oder steuern kann. Denn der menschliche Geist kann als ein selbstorganisiertes System verstanden werden, das operational geschlossen ist. Das heißt, das auf einen Einfluss von Außen zwar selbstregulierende interne Mechanismen in Gang gesetzt werden – zumindest dann wenn der Einfluss das Gleichgewicht des Systems verstört – was der Fall ist, wenn der Mensch Ungereimtheiten seines bisherigen Weltbilds bemerkt, sodass eine Veränderung notwendig wird. Die Reaktion erfolgt jedoch gemäß der eigenen komplexen inneren Logik und ist von außen nicht vorherbestimmbar. In anderen Worten: Die Prozesse des Denkens und Fühlens können von außen nicht gesteuert werden. Denn entscheidend für das auf eine Beeinflussung folgende Denken-, Fühlen und Handeln ist die individuelle kognitive Verarbeitung. In meinem Podcast gebe ich Dir dazu ein Beispiel. Ein Patient kommt zur Hypnosetherapie, weil er ein ganz bestimmtes Anliegen oder Problem hat. Er hat irgendwelche Symptome oder kommt mit seiner Art zu denken und bestimmte Dinge im Leben anzupacken nicht weiter. Es muss sich etwas verändern. Zu einer Veränderung des Denkens, Fühlens und Handelns durch Therapie kommt es dann, wenn es dem Therapeuten gelingt, das mentale System des Patienten zu verstören. Du kannst Dir in etwa so vorstellen: Jemand hat ein ganz bestimmtes Bild im Kopf, wie die Welt funktioniert, zusammengesetzt aus lauter einzelnen Puzzelsteinen, seinen Erfahrungen. Nun stellt er fest, dass er mit diesem Bild in manchen Situationen nicht weiter kommt. Er geht deshalb zu einem Therapeuten. Dieser bietet ihm nun neue Puzzelsteinen zur Auswahl. Er fordert ihn auf, auszuprobieren, diese Steine in sein Puzzelbild mit einzufügen. Der Betreffende probiert ein Teil an der einen Stelle und ein anderes an einer anderen. Manche Teile legt er wieder zur Seite, weil sie sich nicht an seine eigenen Puzzelsteine anbauen lassen. Andere Teile passen ganz gut. Und irgendwann betrachtet er sein ganzes Bild von neuem und stellt fest: Es hat sich irgendwie verändert. Je besser der Therapeut das ursprüngliche Bild seines Klienten kennt, desto leichter fällt es ihm, neue Teile zur Auswahl anzubieten, die einerseits zu den alten Teilen passen, andererseits trotzdem verschieden genug sind, damit sich ein neues Gesamtbild ergibt. Hypnose ist deshalb idealerweise immer eingebettet in eine Gesprächstherapie. Was ist das Paradox der Veränderung? Wohl gemerkt kann es paradoxerweise zu einer Veränderung kommen, wenn der Klient, der mit dem Wunsch sich zu verändern zur Therapie kommt, spürt, dass er sich nicht zu verändern braucht – nämlich dann, wenn er eine schlechte Meinung über sich selbst hat. Oder weil er sich bisher selbst verboten hat, bestimmte Gefühle zu fühlen, weil er gelernt hat, dass diese nicht akzeptabel sind. Dann wirkt es sozusagen als Verstörung, wenn sich der Klient aufgrund der wohlwollenden Akzeptanz des Therapeuten wertgeschätzt und angenommen fühlt, weil dieser signalisiert: „Du bist vollkommen in Ordnung, so wie Du bist.“ Was ist eine Suggestion? Eine Suggestion ist eine manipulative Beeinflussung, also so etwas wie eine Einflüsterung des Hypnotiseurs. In Trance ist man generell empfänglicher für Suggestionen. Allerdings ist es aus dem gerade genannten Grund eben nicht möglich, genaue Vorhersagen zu treffen, ob und wie der Hypnotisierte eine Suggestion umsetzt. Damit eine Suggestion die gewünschte Wirkung erzielt, muss sie passen. Deshalb muss ein Hypnosetherapeut entweder vielfältige und sehr offen formulierte Suggestionen verwenden, die dem Klienten einen großen Interpretationsspielraum ermöglichen – im Vertrauen, dass der Klient diese Anregungen so verarbeitet, dass sie in Hinblick auf sein Ziel nützlich sind. Oder der Therapeut muss seine Suggestionen vorher im Dialog mit dem Klienten erarbeiten und mit ihm und auf ihn abstimmen. Anders ausgedrückt: Der Hypnosetherapeut muss seinen Klienten kennen- und verstehen lernen. Er muss den Bedeutungsgehalt der Suggestionen gemeinsam mit dem Klienten konstruieren. Wie kann man jemanden Hypnotisieren? Hypnose ist nichts magisches oder ungewöhnliches. Ein Hypnotiseur hat keine übersinnlichen Kräfte. Er nutzt lediglich gezielt bestimmte, alltägliche Sprachmuster und seine Beobachtungen der Reaktionen seines Gegenübers. Und er lenkt die Wahrnehmung seines Gegenübers gezielt auf Dinge, die dieser normalerweise nicht wahrnimmt … die Wahrnehmung wird sozusagen verschoben. Und da das Bewusstsein eng mit der Wahrnehmung gekoppelt ist, kann sich dann auch das Bewusstsein verändern … All das ist keine Zauberei, man kann es lernen. „Eigentlich ist jede Kommunikation Hypnose“ behauptete der Sprachwissenschaftler John Grinder am Anfang von Hypnose-Seminaren, die er zusammen mit seinem Kollegen, dem Psychologen Richard Bandler hielt. Und Grinder antwortete ihm dann: „Da muss ich widersprechen. Nichts ist Hypnose – so etwas wie Hypnose gibt es nicht.“ Was die beiden damit sagen möchten: Die Sprachmuster, die von einem Hypnotiseur gezielt genutzt werden, um andere Menschen in Trance zu leiten, sie zu beeinflussen oder Veränderungen anzuregen, werden ständig in unserer alltäglichen Kommunikation benutzt. Und jede Art sich mitzuteilen übt einen Einfluss auf das soziale Umfeld aus. Insofern stimmt sowohl die These, dass jede Kommunikation Hypnose ist, als auch die Antithese, dass es Hypnose nicht gibt, da Hypnose als ein abgegrenztes Phänomen nicht existiert. Hypnose ist so gesehen also gelingende Kommunikation. Was ist Hypnose? Und noch etwas ist Hypnose, wenn sie auf Wunsch des Patienten in der Praxis eines <a href="http://www.psychotherapie-nuernberg.info/psychologe/psychotherapeut/" rel="noopener" target="...

In dieser zweiten Folge von Ganzheitlich Du, dem Podcast für Psychologie, Bewusstsein und Hypnose geht es um die Geschichte der Hypnosetherapie. bei iTunes abbonieren | bei Android abbonieren | bei Spotify abbonieren youtube-Kanal abbonieren | bei amazon hören Von Schamanen und Heilern der sogenannten Naturvölker wurden Methoden zur Selbst- und Fremdbeeinflussung zum Erreichen einer Trance ebenso genutzt wie von Priestern in den alten Hochkulturen Ägyptens oder Griechenlands: Bei rituellen, kultischen, meditativen und religiösen Handlungen versuchte man durch Trance-Erfahrungen Gott und Göttern näher zu kommen, Dämonen auszutreiben, Krankheiten zu heilen, Visionen über die Zukunft zu erhalten oder in Kontakt mit den Ahnen, Krafttieren oder Naturgeistern zu treten. Den Beginn der Hypnosetherapie der Neuzeit lässt sich auf das Jahr 1774 datieren. Zu dieser Zeit praktizierte der deutsche Arzt Franz Anton Mesmer eine Methode, mit der er durch Auflegen von Magneten auf erkrankte Körperstellen erstaunliche Heilerfolge erzielte. Später benutzte er für seine Heilungen nur noch seine Hände, die er über den Körper der Patienten strich. Seine Erfolge schrieb er einer kosmischen Kraft zu, die er „universelles Fluidum“ oder „Magnetismus animalis“ nannte. Durch seine Methode sollte die ungünstige Verteilung dieses Magnetismus im menschlichen Körper aufgelöst werden, die er als Ursache für die Krankheiten seiner Patienten ansah. Dieses sogenannte „Mesmerisieren“ war später im 19. Jahrhundert sehr bekannt. Zur selben Zeit wie Mesmer, also um 1770 herum, machte im Allgäu und später in Regensburg der katholische Jesuiten-Pater Johannn Joseph Gaßner durch Heilungen mit Exorzismus von sich reden. Umsessenen, also von körperlicher Krankheit geplagte, als auch Besessenen, d.h. psychisch Leidende, wurde der Teufel von ihm ausgetrieben. Der Pater war den Aufklärern der Bayrischen Akademie der Wissenschaften ein Dorn im Auge. Du musst bedenken: Die letzten Hexenverbrennungen lagen erst wenige Jahre zurück. Mesmers Theorie des animalischen Magnetismus, die er auf Gesetzmäßigkeiten der Natur aufbaute, war im Vergleich zu Gassners Exorzismus sehr modern. So erhielt Mesmer von der Akademie den Auftrag zu bestätigen, dass Gassners Heilungen nicht wirklich auf Teufelsaustreibungen zurückzuführen waren. Letztendlich entschied Mesmer den Streit zwischen Aufklärung und christlich-mittelalterlichem Aberglauben. Gassner wurde der Exorzismus untersagt, auf Geheiß des Kaisers aus Regensburg verwiesen und vom Bischof in eine unbedeutende Pfarrei versetzt, wo er als Dekan seinen Lebensabend verbrachte und nicht weiter beachtet wurde. Dennoch stieß auch Mesmers Heilmethode vielfach auf Skepsis. Die medizinischen Fakultäten in Wien und Paris hielten sie für Betrug. 1784 urteilte eine extra einberufene königlich franzöische Kommision aus Wissenschaftlern, dass es keinen klaren Zusammenhang zwischen der Behandlung und dem Heilungserfolg gäbe. Nachdem sich Mesmer zur Ruhe gesetzt hatte, übernahm sein Schüler, der französische Adlige Marquis de Puységur in den 1780er Jahren die öffentlichen Behandlungen und fand zahllose Nachahmer. Auf diese Weise erlangte das Mesmerisieren trotz des vernichtenden Urteils der Fachwelt unter der französischen und deutschen Oberschicht große Beliebtheit. Mehrere Schulen und Fachgesellschaften wurden zwischen 1780 und 1790 gegründet. In Berlin und in Bonn wurden 1816 sogar Lehrstühle für Mesmers Animalischen Magnetismus eingerichtet. De Pyuségur machte bei seinen Behandlungsversuchen andere Beobachtungen als die Phänomene, die Mesmer beschrieben hatte. Während Mesmers Patienten für gewöhnlich theatralisch anmutende krampfartigen Schüttelanfälle zeigten, blieben einige von de Pyuségurs mesmerisierten Patienten eher ruhig und fähig zur Kommunikation mit dem Behandler. De Pyuségur bezeichnete diese Erscheinungsform als „magnetischen Schlaf“ oder Somnabulismus. Im Unterschied zu Mesmer schriib De Pyuségur die Wirkung seiner Behandlungen nicht einem „universelles Fluidum“ bzw. „Magnetismus animalis“ zu. Er hielt den psychologischen Aspekt des kommunikativen Zusammenspiels in der Beziehung zwischen Mesmerisierer und Mesmerisierten für ausschlaggebend. Damit ist letztendlich De Pyuségur als derjenige zu betrachten, der als erster Pionier der modernen Hypnose eine heute noch gültige Erklärung lieferte. Der Philosoph und Gesellschaftskritiker Friedrich Engels kritisierte in einem zu Lebzeiten unveröffentlichten Text den Mesmerismus. Nach eigenen Mesmerisierungs-Experimenten ohne Magnete kam er zum dem Schluss, dass die beobachteten Verhaltensweisen des Patienten von der Erwartungshaltung des Behandlers abhingen, die dieser verbal oder noverbal kommunizierte. Im November 1841 wurde der schottische Arzt James Braid durch eine Vorführung des Magnetiseurs Charles Lafontaine auf den „Animalischen Magnetismus“ aufmerksam. Da Braid der Auffassung war, dass das Phänomen wissenschaftlich erforschbar sein müsste, begann er mit Versuchspersonen zu experimentieren. Er bat diese, glänzende Gegenstände mit den Augen zu fixieren. Auf diese Weise gelang es ihm, sie in einen Trance-Zustand zu geleiten. Braid erkannte den zugrunde liegenden Zusammenhang zwischen psychischen Vorgängen und körperlichen Reaktionen. Er gebrauchte den Ausdruck Neurohypnology und definierte ihn als „nervous sleep“. Dieser unterscheide sich laut Brad jedoch stark vom natürlichen Schlaf. Dies war ein weiterer Baustein für ein neues Verständnis von Hypnose: weg von einer von außen kommenden Kraft und hin zu einem psychologischen Erklärungsmodell. Ende des 19. Jahrhunderts lieferten sich zwei Hypnoseschulen heftige theoretische Auseinandersetzungen. Die Schule von Nancy von Hippolite Bernheim und die Schule von Salpêtrière in Paris. Dort lehrte und forschte der Psychater Jean-Martin Charcot. Charcot genoss einen ausgezeichneten Ruf und leistete bedeutende Arbeit auf dem Gebiet der Neurologie. Charcot suchte eine organische Ursache für die theatralischen, aufmerksamkeitsheischenden Verhaltensweisen, die vor allem viele seiner jungen weibliche Patientinnen zeigten und damals als Hysterie diagnostiziert wurde. Dafür experimentierte er auch mit Hypnose. Er kam zu dem Schluss, dass Hypnose eine künstlich hervorgerufene Hysterie sei. Vor einem staunenden Fachpublikum versetze der pathetische und herrische Oberarzt junge Frauen durch seine „Schreckhypnose“ in Trance. Auch der junge Sigmund Freud gehörte zu den Bewunderern Charcots. Sigmund Freud besuchte Charcot 1895 bis 1896 und versuchte Hypnose bei seinen eigenen Patienten anzuwenden. Es ist nicht klar, warum er damit wenig Erfolg hatte und die Hypnose wieder fallen lies – auch wenn es sich darüber vortrefflich spekulieren lässt. Sicher ist jedoch, dass er in Abkehr zur Hypnose seine eigene Technik der freien Assoziation entwickelte. Durch die Bekanntheit und den Einfluss Freuds auf die Psychotherapie im deutschsprachigen Raum verlor Hypnose als therapeutische Technik Anfang des 20. Jahrhunderts an Bedeutung. Der bedeutendste Vertreter des 20. Jahrhunderts und Vater der modernen, nicht-direktiven Hypnosetherapie war der amerikanische Arzt und Psychiater Milton Erickson. Er war wie kein anderer ein Meister der Hypnose. Ihm ist es zu verdanken, dass Hypnose in der Psychotherapie in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts wieder Anerkennung fand. Seine zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen haben die Auffassungen über Hypnose revolutioniert. Erickson erkrankte im Alter von 18 Jahren an Kinderlähmung. Er lag mehrere Tage im Koma und war anschließend vollkommen bewegungsunfähig. Er saß in einem Schaukelstuhl und wünschte sich sehnlichst, aus dem Fenster zu schauen. Und könnt Ihr Euch vorstellen, was dann passierte? Der ehestuhl bewegte sich. Leicht aber immerhin eine Bewegung. Durch dieses Erlebnis ermuntert, gelang es Erickson, seine Muskeln mithilfe seiner Vorstellungskraft nach und nach wieder zu aktivieren und sich wieder zu bewegen. Durch beharrliches Üben konnte nach einiger Zeit sogar wieder gehen. Während seines folgenden Studiums der Medizin begann Erickson sich eingehender mit Hypnose zu beschäftigen. Er entwickelte einen eigenen Ansatz, der im Gegensatz zu den standartisierten und autoritären Techniken die Individualität jedes Menschen betont. Für jeden Patienten müsse ein eigene...

In der ersten Folge von „Ganzheitlich DU“, dem Podcast für ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung, Psychologie und Hypnose, geht es „ums Ganze“. Ich möchte Dir näher bringen, was ich meine, wenn ich von „Ganzheitlichkeit“ spreche. bei iTunes abbonieren | bei Android abbonieren | bei Spotify abbonieren youtube-Kanal abbonieren | bei amazon hören Das Ganze ist mehr oder sogar etwas anderes als die Summe der einzelnen Elemente. Die Analyse von Einzelkomponenten erlaubt also nur einen bedingten Rückschluss auf das Wesen des Ganzen. So ist auch der Mensch als Einheit nicht nur die Summe seiner Einzelteile. Ganzheitlichkeit heißt auch, dass es nicht möglich ist, Psyche, Körper und soziales Umfeld und Umwelt unabhängig voneinander zu betrachten. Wir können zum einen nicht denken, ohne dass körperliche Prozesse und Strukturen daran beteiligt wären. Körper und Psyche beeinflussen sich wechselseitig. Außerdem ist das, was wir Psyche nennen, geprägt durch die Summer unserer zwischenmenschlichen Erfahrungen. Unser Verhalten wiederum ergibt sich aus unseren Gedanken und Gefühlen, also aus unserer Psyche. Durch unser Verhalten kommunizieren wir und beeinflussen damit unser soziales Umfeld. Wir stehen also in einer komplexen Wechselbeziehung mit unserer Umgebung. Wenn wir also Körper, Psyche und Umwelt voneinander unterscheiden, so muss uns klar sein, dass nur eine methodische Trennung ist. Alle drei Bereiche beeinflussen sich gegenseitig auf eine komplexe Weise. Für mich als Therapeut und Coach hat Ganzheitlichkeit sowohl für die Online-Beratung als auch für meine Praxistätigkeit vor Ort weitreichende Konsequenzen, zum Beispiel, dass psychische Krankheit oder Gesundheit davon bestimmt ist, was wir gesellschaftlich als krank oder gesund, was als normal oder unnormal definieren. Musik: Jürgen Heieck Literaturhinweise: Simon, F. B. (1995): Die andere Seite der Gesundheit. Ansätze einer systemischen Krankheits- und Therapietheorie. Carl-Auer-Verlag Walter, Hans-Jürgen (1995): Angewandte Gestalttheorie in Psychotherapie und Psychohygiene. Opladen: Westdeutscher Verlag Abonniere meinen Audio Podcast: Abonniere meinen youtube-Kanal: The post Ganzheitlichkeit first appeared on Psychologische Onlineberatung | Videosprechstunde.