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Host
KI klickt nicht, hat mal jemand zu uns gesagt. Wir haben die Folge trotzdem so überschrieben und wollen mal sehen, ob KI klickt, wenn wir über künstliche Intelligenz reden. Denn wir müssen drüber reden in einem Medienpodcast. KI spielt immer eine größere Rolle für viele Medien und hat bereits jetzt aktuell zu mehreren Rücktritten geführt, auch in der Politik. Darüber wollen wir sprechen. Ist die Kritik daran berechtigt oder nicht? Wie sollte sie zum Einsatz kommen? Darum geht es gleich in den kommenden Minuten. Dann danach wollen wir noch sprechen über den neuen Intendanten des österreichischen Rundfunks, dessen Wahl. Naja, da hatte die Politik ihre Finger nicht nur drin, sondern sie hat maßgeblich, war sie daran beteiligt. Das wollen wir auch noch mal aufdröseln. Teil 3 unserer letzten Folge zu viert hier bei Sachlich Richtig, dem Medienpodcast. Viel Spaß dabei.
Journalist Bastian
Sachlich Richtig. Mückers, Gambraks, Teske, Welchering sprechen über Meinungsfreiheit, Rundfunkbeitrag, Social Media.
Host
Ich will noch mal überleiten angesichts der Zeit zum nächsten Thema, weil es ist so viel passiert in letzter Zeit, über das wir noch nicht sprechen konnten, von dem ich aber überzeugt bin, dass es wirklich richtig spannende Diskussionen sind, zum Beispiel künstliche Intelligenz, die den Journalismus geradezu umwälzt im Moment. Und da gab es jetzt eine einen Rücktritt eines Tagesspiegel, wie heißt der? Es war nicht der Chefredakteur, der Herausgeber, sondern Editor in Chief, weil er seine Kommentare Herr Kastorf, mit KI verfasst hat. Da gibt es kurioserweise Leute, die das auch verteidigen. Wie seht ihr denn das? Ist das gerechtfertigt oder nicht? So ein Rücktritt?
Journalist Clemens
Er ist ja nicht selber zurückgetreten, er musste gehen. Also man hat ihm das sehr, sehr nahegelegt. Und verteidigt wurde er dann vom Axel Springer CEO, Herrn Döpfner. In gewisser Weise kann ich Döpfner verstehen, wenn er sagt, weil es ist ja nicht nur Kastoff. Es ist ja gerade bei ganz vielen Menschen in Positionen Politik wie auch Medien, dass man feststellt, ah, da wird KI benutzt, Wie zum Beispiel auch bei Mario Vo Ministerpräsidenten aus Thüringen, der wohl eine komplette Rede für Konzentrationslager Gedenktag mit KI.
Host
Ich glaube, er hat es großflächig immer eingesetzt, auch für seine Gastbeiträge und so. Und ich glaube, darauf bezieht sich auch
Journalist Bastian
Döpfner ein Artikel, wo es um mehr deutsche Sprache in der Musik und so in den Radioprogrammen geht. Also genau.
Host
Und Die Die FAZ hat diesen Beitrag gelöscht und daraufhin sozusagen hat die Welt den Kommentar von Herrn Töpfner veröffentlicht. Die FAZ, das muss man vielleicht nochmal sagen, die ganz bewusst auf KI verzichtet, dass er sie als Maschinenstürmer bezeichnet und sie würden die Postkutsche verteidigen. Und das ist ja jetzt interessant. Ich weiß nicht, wie ihr das seht, aber das ist sozusagen eigentlich die Frage, Würdet ihr Ist es legitim, KI einzusetzen zum Verfassen der Texte, ja oder nein? Also zum Recherchieren ist glaube ich einig, kann man das machen? Man muss halt nur sorgfältig sein. Aber wie ist beim Schreiben so, Ich
Journalist Bastian
benutze die KI als Man mag dieses Wort gar nicht als Korrektiv. Und zwar sage ich mir immer, nachdem ich mir das paar Mal angeguckt habe, diese Sprachmodelle, KI ist ja eigentlich auch Sprachmodelle, diese Sprachmodelle agieren im Grunde genommen so wie Leute, die sich keine Mühe geben. Also da kommen als erstes Plattitüden, Bilder und so, dir als erstes einfallen, so wirklich billige Formulierung und so. Also wo mir gesagt wurde, mein Volontariat, also das, was dir als erstes einfällt, das kannst du getrost erstmal alles wieder in Papierkorb schmeißen und dann fängt die Arbeit an, weil das ist das, was du schon tausendmal selber gehört und gelesen hast und so und einfach nur replizierst und so finde ich, agiert die KI eben sehr oft, mal davon abgesehen, dass sie oft sich auch irgendwas zusammenspinnt, aber dass ich mir den angucke und sage, ah, okay, also diese Formulierung, die lasse ich mal beiseite, die wäre mir jetzt auch eingefallen, aber wenn die KI mir die auch vorschlägt, dann ist die schon mal Schrott, dann packe ich die weg. Also ich benutze die eher als so eine Art Korrektiv, gucke natürlich aber auch ab und zu hat sie schon mal einen schönen Einfall sprachlich oder bringt auch noch einen Aspekt, der mir noch nicht so klar war. Logisch, man muss es immer nachvollziehen, immer noch mal recherchieren, stimmt das, stimmt das nicht? Weil wie gesagt, oft hat das weder Hand noch Fuß, was da so ein Sprachmodell sich zusammenreimt. Aber das Schreiben des Textes selber, also den Anspruch habe ich schon an mich, dass ich das dann selber mache, das ist für mich eher so eine Art Orientierung. Manchmal ist die Gliederung auch ganz gut, die die vorgibt oder ich lasse gerne prüfen, also wenn der Text fertig ist, gebe ich es rein und so, jetzt guck doch mal, so wie ein abnehmender Redakteur nach Rechtschreibfehlern, grammatikalischen Fehlern, ist der Aufbau, könnte ich da was besser machen vom Stil her. Das macht die eigentlich auch ganz gut.
Journalist Dirk
Ich nutze solche generativen Tools für die Texterstellung, wie ich früher Textor Sarkis Treffender genutzt habe, den kennt ihr wahrscheinlich noch. Man versucht ein Synonym zu finden, weil man ja nicht immer mit denselben Worten operieren will. Und so ähnlich lasse ich mir jetzt auch Synonyme beispielsweise von der KI vorschlagen und verwende dann unter Umständen auch das eine oder andere vorgeschlagene Synonym. Ich denke, wer, wie das eben auch im Fall der FAZ war, wer da einfach nur einen Beitrag so übernimmt, in dem Fall zum deutschen Schl und dann auch noch falsche Zitate, falsche Quellen, die einfach halluziniert waren, da mit drin hat, der hat nicht verstanden, worum es geht, wenn man sich schriftlich äußert, nämlich tatsächlich die eigenen großgeschrieben, die eigenen Gedanken zu Papier zu bringen.
Host
Die Verteidigung verläuft ja in diese Richtung, dass Politiker sowieso keine eigenen Texte verfasst haben oder reden noch nie so richtig, das waren immer die Mitarbeiter. Aber ich sehe da offen gestanden einen Unterschied, zum Beispiel, ob man in Buchenwald oder Auschwitz steht und eine Gedenkrede hält und dann nicht mehr in der Lage ist, irgendwie eigene Gedanken einzufügen und dann diesen, man muss das wirklich lesen, diese Texte, was für ein Schwachsinn das ist, das dann auch noch im Brustton der Überzeugung vorträgt. Und wenn im Fall von Mario Voigt, also Stichwort Doktorarbeit, Plagiat ist es natürlich, hat das ein besonderes Geschmäckle nochmal. Ich verstehe aber, dass man, es sind ja jetzt weitere Politiker, Wolfram Weimer, der eigentlich immer dabei ist, wenn es irgendeinen Skandal gibt und jetzt auch der Digitalminister, die auch im Verdacht stehen, bisher nicht dementiert haben, dass KI bei ihren Reden und Texten zum Einsatz gekommen ist. Ich sehe das Hauptproblem ja eigentlich in der Nicht Kenntlichmachung. Also ich hätte jetzt kein Problem damit, wenn sich der Ministerpräsident vorne ans Rednerpult im Landtag stellt und von der KI helfen lassen, dann soll er das halt sagen. Wäre natürlich super peinlich, deswegen machen die das nicht. Aber wenn wir noch mal zum Journalismus kommen, also jemand der dafür bezahlt wird, andere mit seinen Gedanken zu bereichern, wie also Herr Kastorf beim Tagesspiegel und da Kommentare verfasst. Und das sind dann aber gar nicht seine eigenen Gedanken, sondern er hat die KI eingesetzt und das steht jetzt nicht mal dabei, dann finde ich es ja schon verarsche. Und natürlich hat der Leser das Anrecht zu erfahren, dass dieser zum Einsatz gekommen ist. Also wenn schon, denn schon. Also da finde ich, verläuft die Bruchlinie
Journalist Dirk
ja und außerdem ein Digitalminister, der nicht in der Lage ist, einen Text so nachzuarbeiten bzw. Dann mit verschiedenen Prompts nochmal überarbeiten zu lassen, wenn er es denn unbedingt durch die KI machen lassen will, dass er eben nicht mehr anhand der typischen stilometrischen Sachen als KI generiert erkannt werden kann, weiß ich nicht, ob der Digitalminister sein sollte.
Journalist Bastian
Und was die eigenen Gedanken angeht, Also es gibt ja nicht wenige Politiker, die eben auch über Reden gestolpert sind, die ihnen von ihren Mitarbeitern geschrieben wurden. Ich will nur an den Fall von Philipp Jenninger erinnern, Bundestagspräsident vor Rita Süssmuth, der eine Rede zum Holocaust Gedenktag gehalten hat. Die aus heutiger Sicht finde ich die ehrlich gesagt sogar ganz gut. Aber wenn er die selber sich noch mal durchgelesen hätte, das hat er offensichtlich nicht. Die ist auch von einem Mitarbeiter verfasst worden, da hätte er sich vielleicht seinen erzwungenen Rücktritt auch ersparen können. Also ich meine, jeder Politiker ist dazu angehalten, das was ihm von einem Mitarbeiter vorgelegt wird, ob der sich das nun selber ausgedacht hat oder jetzt mithilfe einer KI erstellt hat, sich doch zumindest kritisch durchzulesen und an der einen oder anderen Stelle vielleicht doch mal einen eigenen Gedanken noch einzufügen.
Journalist Clemens
Ich denke, dass sich der Journalismus hier demnächst wirklich spalten wird. Also wir werden das Gros erleben der Medienhäuser, die komplett auf KI setzen und das entweder kenntlich machen oder auch nicht, wie es jetzt auch schon der Fall ist. Und es wird so ein paar Häuser geben, wie eben vielleicht die FAZ, die New York Times oder so, die das als Qualitätssiegel nach außen stellen, dass sie KI nicht benutzen oder zumindest nur in Recherche oder zu Recherchezwecken, die halt sehr begrenzt sind. Aber das wird kommen, denke ich. Da werden wir noch sehr oft drüber reden.
Journalist Bastian
Wobei sich die Frage Wie will man denn das überprüfen? Also ich halte das ja auch für ein bisschen, das ist ja ein hehres Ziel, aber auch die FAZ arbeitet natürlich mit einer Menge freier Autoren, Mitarbeiter. Ich glaube nicht, dass das alles so genau überprüft werden kann. Das wird vielleicht eine neue Richtung werden, dass geprüft wird, es an ein Sprachmodell erinnert. Nur die Sprachmodelle werden auch natürlich immer besser und zwar in rasant kurzer Zeit. Die Fehler, die sie heute noch machen und die Mängel, die sie aufweisen, die werden schnell behoben sein. Also wenn die FAZ so was behauptet, behaupte ich mal, dass sie das nicht zu 100 Prozent sicherstellen kann, denn sie hat jetzt nicht einen kleinen eingeschworenen Kreis von Festangestellten, die alle zusammensitzen und sich gegenseitig überprüfen daraufhin. Das wird wohl kaum jemand leisten können. Die Frage ist, glaube ich, so ein bisschen wie, wie die Politik sozusagen von oben gesteuert, also wie man das kommuniziert und wie man auch mit allen, selbst mit freien Mitarbeitern, darüber ins Gespräch kommt und gewisse Qualitätsansprüche zumindest kommuniziert und stellt. Und da denke ich eben auch, der Öffentlich Rechtliche macht da in meinen Augen eben auch schon die ersten krassen Fehler. Ich erinnere nur daran, dass Elmar Tevissen in dieser Betriebsversammlung nach dem KI Skandal im heute Journal ja wirklich gesagt Ja Gott, wir sind doch ab das ZDF, wir können auch mal KI einsetzen, weil wir sind ja die Richtigen und tun es im Sinne der Wahrheit. Und genau das ist ja der Punkt.
Host
Aber ich finde es schon gut, dass ein Haus wie FAZ sagt, wir sind KI frei und jemand anders wie die Welt kann ja sagen, nee, wir finden das ganz dufte und wir setzen das ein aus den und den Gründen. Und du hast vollkommen recht. Die können natürlich nicht die Hand da für jeden Autoren, der frei ist, ins Feuer legen. Auf der anderen Seite, es gibt ja Tools, wo du diesen Text eingeben kannst und dann sagt er dir danach, wie wahrscheinlich es ist, dass der mit KI erstellt wurde. Und dann ist es wie so ein Wettlauf wie beim Doping. Also es gibt immer bessere Doping Methoden und dann haben die Doping Jäger aber auch immer ihre Methoden wieder verfeinert und dann geht das immer so hin und her. So ähnlich wie das mit der KI. Die wird ja auch rasend schneller und besser. Aber im Moment, muss ich ganz ehrlich sagen, habe ich auch schon überlegt, ob ich irgendwie auf meine Texte schreibe 100 Prozent KI frei, weil ich finde es eine regelrechte Seuche. Also es stört mich auch richtig. Und ich glaube, die letzten Konsumenten im Journalismus sind sie gerade dabei zu vertreiben damit. Also wenn ich mir die Zeit nehme, was zu lesen, dann möchte ich gerne was Gutes lesen. Und diese KI Texte, die bringen mich zur Verzweiflung. Also selbst in Social Media Posts ist es sehr inflationär und es ist wirklich im ersten Moment liest es sich immer gut, aber wenn man das ganz genau liest, ist es sehr, sehr oft inhaltsleerer Quatsch. Deswegen war ja auch ein Kommentar, diesen Döpfner Brief Quatsch vom Chef. Das trifft es ganz gut, weil diese Schwierigkeit, er hat ja unter seinen Kommentar geschrieben, dieser Kommentar wurde zu 100 Prozent von der KI verfasst. Oben drüber steht aber von Matthias Döpfner, also Bastian Nu. Das zeigt so ein bisschen die Schwierigkeit in dieser Thematik. Und ich glaube, das haben auch noch nicht alle für sich zu 100 Prozent entschieden, wie sie damit dauerhaft umgehen wollen.
Journalist Dirk
Ich las kürzlich das KI frei, das neue Biosiegel, den Journalismus sei. Das fand ich ganz praktisch. Also ich glaube auch tatsächlich, aber noch stärker denke ich, als beim Schreiben wird es tatsächlich auch in der Recherche wichtig sein, dass Menschen mit anderen Menschen sprechen und da etwas erfahren und das eben nicht über die KI aus irgendwelchen Internetquellen zusammentragen lassen. Und da könnten wir auch in der Tat, Olatz ein bisschen angedeutet, so eine Art gespaltenen Journalismus, zweigeteilten Journalismus kriegen, die Premium Produkte, die dann auch entsprechend teuer sind, aber für die dann auch garantiert ist, da stecken wirklich Menschen dahinter, die haben das dann auch gemacht, die treten auch mit ihrem Namen dafür ein und dann eben die anderen Medien, die das Ganze eben mit KI machen lassen. Wobei zu meiner großen Befriedigung ist ja der erste reine KI Radiosender inzwischen auch wieder abgeschafft. Also da hat sich das eben doch noch nicht durchgesetzt.
Journalist Bastian
Aber ich will noch mal eine Lanze brechen. Ich sehe es ja ein bisschen anders. Also ich glaube, Siegel zu 100 Prozent KI frei. Also erstens, glaube ich, wird es immer schwerer werden in Zukunft, denn selbst wenn man irgendwo recherchiert und es eingibt, ist ja doch auch immer häufiger in irgendeiner Art und Weise eine KI dahinter geschaltet. Also ich weiß gar nicht, ob man das in nächster Zeit überhaupt noch hundertprozentig selber sicherstellen kann. Das ist so ein bisschen wie bei der Nachverfolgung von Produkten. Also wie sicher kann ich sein, dass selbst wenn da ein Siegel drauf ist und ich den doppelten Preis bezahlt habe und so, nicht doch irgendeiner Art und Weise an irgendeiner Stelle etwas passiert, was ich nicht gutheiße und sich dem komplett zu verschließen, weiß ich nicht, ob das der richtige Weg ist. Ich denke, es ist wie so oft ein kritischer Umgang damit. Also auch, um auch auf dem Laufenden zu bleiben. Also ich sage mal, wenn man das kategorisch ausschließt und sagt, damit will ich das Teufelszeug, damit will ich nichts zu tun haben, das ist für mich so, dann werde ich natürlich auch von der Entwicklung überrannt und bekomme dann auch, bin vielleicht auch gar nicht so gut in der Lage, so was zu erkennen. Wenn ich KI Texte kenne und selber auch damit ein bisschen spiele und mal die Unterschiede sehe, dann schult mich das selber ja auch. Und wie gesagt, also ich finde, es gibt durchaus Dinge, die man damit machen kann, die nützlich sind, nützlich sein können. Das Ding ist nur immer, man darf natürlich nicht das eigene Denken abgeben und das eigene Recherchieren und ja, ach, das mache ich mal schnell hier, das gebe ich bei der KI ein und dann schreibt die was oder jetzt übernehme ich ja 100 Prozent, lade mir das runter und gebe das als Artikel ab. Das natürlich nicht. Logisch, das ist genau schon, wie in der Schule eigentlich schon vor Jahren gesagt wurde. Recherchieren heißt nicht bei Wikipedia irgendwas draufschreiben.
Journalist Dirk
Nee, nee, kein Teufelszeug. Und im Gegenteil, ich sage auch nicht, haltet euch fern, sondern meine Botschaft ist ja, setzt euch damit auseinander. Macht euch klar, wie ein großes Sprachmodell arbeitet. Macht euch klar, welche Methoden der Vektorisierung eingesetzt werden, was mit Matrizenrechnung gemacht wird und was dann konkrete Sprachmodelle wie auch machen kann. Macht euch auch klar, dass ein Sprachmodell anders arbeitet als beispielsweise ein Assoziativspeicher oder oder. Und ich glaube, da muss auch der Journalismus hin, weil was ich im Augenblick im Journalismus sehe, ist tatsächlich ein blindes Vertrauen in irgendwelche Chatbots. Und da werden dann nicht mal die von den Chatbots angegebenen Quellen überprüft, sondern die laufen dann einfach so mit rein und werden übernommen.
Host
Ich will euch mal ein Beispiel erzählen. Ich wurde gebeten, doch keine Lesung zu erhalten, sondern einen Vortrag zum Buch. Also habe ich das Buch in die KI gegeben und gesagt, hier machen wir mal einen Vortrag draus. Und dann war ich so unzufrieden mit dem Ergebnis, dass ich dann noch und mache das dann noch mal anders und mach's noch mal anders. Und am Ende hatte ich einen guten Vortrag, hatte aber auch das Gefühl, wenn ich ihn gleich selber geschrieben hätte, hätte ich genauso lange gebraucht. Und ein klarer Vorteil ist natürlich, dann habe ich gesagt, okay, mach mal auf dem Vortrag eine PowerPoint Präsentation und da hat er natürlich nur drei Minuten gebraucht. Wenn ich das selber gemacht hätte, hätte ich vielleicht drei Stunden gebastelt. Also da sehe ich schon einen extremen Vorteil. Und man kann es natürlich zum Beispiel für diese Podcast Folge könnte man jetzt sagen, schreib mir eine Zusammenfassung, 1000 Zeichen für die Beschreibung und mach mir mal 5 Titelvorschläge und dann kannst du dir, kann man darüber nachdenken und vielleicht sich einen aussuchen oder sagen, geh, machst mir ein bisschen anders oder so. Also inspirieren, klar, auf jeden Fall. Andererseits mache ich mir schon auch Gedanken, wenn man, wir vielleicht nicht, weil wir sind nicht so aufgewachsen, aber wenn ich jetzt damit aufwachse und diese Aufgaben, also das Denken immer delegiere, ob ich dann nicht verlerne. Also verlerne ich dann nicht irgendwann platt gesagt, selber zu denken. Das ist eine Frage, die ich mir schon stelle.
Journalist Dirk
Ja, wobei nicht nur verlernen zu denken, sondern ich habe die Erfahrung gemacht, dass junge Leute dann oftmals die KI als Schiedsrichter herangezogen haben. Erkläre mal, wer hat denn Recht in diesem Streit? Und das ist eine Aufgabe, die kann KI nun wirklich nicht wahrnehmen. Sie kann verschiedene Fakten herbeischaffen, auf Quellen verweisen. Da muss ich allerdings noch mal diese herbeigeschafften Fakten, diese Quellen prüfen, um wirklich entscheiden zu können, wer hat denn jetzt Recht. Und in Meinungsfragen Recht zu haben, ist ja ohnehin schwierig.
Host
Aber KI ist ein schönes Stichwort für ein Thema, was uns Ole mitgebracht hat. Und zwar hat der UAF einen neuen Chef, einen Mann namens Pick und der hat seine Bewerbungsrede, wenn ich es richtig gelesen habe, steht zumindest bei Herrn Weber, dem Plagiatsjäger, als Verdacht wahrscheinlich auch mit KI verfasst, Was aber nicht unbedingt das größte Problem an seiner Wahl ist, die ja gewisse Parallelen auch für Deutschland hat. Was müssen wir wissen über Herrn Pick und den ORF?
Journalist Clemens
Ja, es geht um Clemens Pick, das ist der ehemalige Chef der APA, der österreichischen Nachrichtenagentur. Und im Prinzip ist diese Wahl, die am letzten Freitag stattgefunden hat, mit einer stündigen Debatte, es gab insgesamt neun Kandidaten und Kandidaten, Kandidatinnen, war eigentlich völlig für die Katz, weil im Vorfeld schon eigentlich feststand, dass es Herr Pick wird. Es ist nämlich der Wunschkandidat der ÖVP, also der konservativen Volkspartei Österreichs. Und die hat in diesem Fall der Ernennung des ORF Generaldirektors das Vorschlagerecht. Und es geht im ORF genauso zu wie auch beim ZDF und wie allen anderen ARD Anstalten auch. Es gibt Freundeskreise, die sind dann entweder eben schwarz oder rot besetzt, ÖVP oder SVP, die teilen sich das. Und in dem Fall war einfach der Herr Pick, der hat das Gütesiegel des Kanzlers und deswegen wird er wohl auch das Rennen machen. Und genauso war es dann auch schlussendlich, obwohl es eben sehr viele andere Kandidaten gab und der ORF auch in einer sehr, sehr kritischen Phase im Moment steht. Nicht nur, es gab eben zahlreiche Vorwürfe wegen sexueller Übergriffigkeiten in Managementebene des ehemaligen Generaldirektors, aber auch andere Manager. Und ja, das Image des Ladens ist nicht wirklich besser als in Deutschland, vielleicht sogar deutlich schlechter. Aber ob er, also ob Clemens Pick jetzt derjenige ist, der entsprechend gut aufräumen kann, da würde ich mal ein ganz, ganz großes Fragezeichen hinter dran machen. Eben weil es auch mehrere Dissidenten bzw. Dissidentinnen gab, die sich beworben hatten, die früher beim ORF gearbeitet haben und die mittlerweile geschasst wurden und sich in juristischen Auseinandersetzungen mit dem Sender befinden. Die haben sich tatsächlich getraut, sich zu bewerben oder vielleicht war es auch so eine Art Rachefeldzug, aber tatsächlich hätte da doch eine deutlich mutigere Entscheidung folgen können, wenn man den Laden wirklich auf andere Füße und in andere Fahrwasser bringen möchte. Ist anscheinend nicht gewollt.
Journalist Bastian
Interessant ist ja auch, ob jetzt diese angebliche Sexaffäre mal wirklich gänzlich aufgeklärt wird. Also Hintergrund ist ja, es gibt einen sehr, sehr mächtigen Mann in diesem ORF, Pius Strobl, einen grünen Politiker, der also auch in früheren Zeiten schon für den ORF gearbeitet hat und dann wegen, ja ich glaube vor allem finanzieller Unregelmäßigkeiten dann eigentlich nicht mehr dort erwünscht war, dann auch auf verschlungenen Pfaden doch wieder zum ORF zurückgekommen ist und dort der eigentlich mächtigste Mann ist und der geht jetzt bald in den Ruhestand und wollte ein horrendes Ruhegeld haben. Und das hat eben der ehemalige ORF Chef Weissmann verhindern wollen, hat gesagt, nein, also das kommt gar nicht in Frage, ist mit nichts zu begründen. Und dann auf einmal kam eine Mitarbeiterin von diesem Strohbücher, sie stehen wohl auch privat in Beziehung miteinander, kam dann mit der Behauptung, sie wäre vom ehemaligen ORF Chef Weissmann in sexuell übergriffiger Art belästigt worden, allerdings auch schon vor einiger Zeit, vor einigen Jahren. Das Ganze scheint sehr konstruiert zu sein und ist mehr oder weniger auch widerlegt. Ich glaube, der Weissmann befindet sich auch im Rechtsstreit mit dem ORF. Also die haben da eigentlich einen Riesenskandal. Es ist ein wirklich tiefer, tiefer Sumpf in einer viel kleineren öffentlich rechtlichen Anstalt, als wir es hier haben, wo man auch sieht, das ist also nicht nur die Größe allein, selbst wenn der Laden viel, viel kleiner ist, ist der Sumpf mindestens genauso tief. Und das ist, glaube ich, auch nur die Oberfläche, die jetzt so aufgeploppt ist. Und das zeigt mir, dass das öffentlich rechtliche System ganz offensichtlich ein inhärentes Problem hat, das auch nicht nur mit der Bundesrepublik zu tun hat, nicht nur mit der Größe zu tun hat, sondern auch in anderen Ländern dann ähnlich nicht funktioniert.
Host
Wobei es trotzdem, wie ich gelesen habe, das größte Medienhaus Österreichs ist. Daher natürlich auch die Zugriffsbemühungen der Politik lohnt sich eben Und ich finde das schon interessant. Also die Kompetenz von Herrn Pick steht, glaube ich, trotzdem außer Frage. Gleichwohl hat er keine Radio und keine TV Erfahrung. Das natürlich beim ORF auch ein bisschen komisch. Es wurde wohl nie dementiert, dass sich in Österreich regiert ja so eine Dreierkoalition ÖVP, SPÖ und NEOS und die sollen wohl in den Koalitionsverhandlungen sich das genau ausgekaspert haben, wie das stattfindet. Die ÖVP benennt den Intendanten und dafür darf die SPÖ andere wichtige Posten im ORF benennen. Das haben sie nie dementiert. Das finde ich insofern interessant, wenn wir sowas aus Kaczynski, Polen oder Orban, Ungarn oder sonst woher hören, dann schreien alle auch und wenn das in einem westlichen demokratischen Land passiert, dann interessiert das irgendwie keinen. Wir haben uns vielleicht auch schon zu sehr daran gewöhnt.
Journalist Dirk
Wir leben eben alle mit den schwarzen und roten Freundeskreisen, die es ja auch in unseren Anstalten gibt.
Journalist Clemens
Sehr zu empfehlen ist dann nochmal unsere Folge mit Gudula Walterskirchen, eine österreichische Polizistin und Herausgeberin, die das Ganze noch mal als Kennerin der Materie beleuchtet und ihr eigenes Magazin gestartet hat, weil sie genau da einen Kontrapunkt setzen möchte. Libratus heißt es.
Host
Sehr schön. Jetzt die Frage an Könnt ihr noch, Wollt ihr noch weitermachen oder wollen wir einen Schlusspunkt setzen?
Journalist Dirk
Da es ja die letzte Folge mit Ole ist, sollten wir das noch mal weitermachen. Sonst würde ich sagen, ne, lass uns ein andermal noch mal zusammenkommen. Aber die Schlussfolge, das muss man ausnutzen.
Host
Wie ist eure Meinung zum neuen ORF Chef und der Politik? Wie ist eure Meinung zur KI und den Folgen? Schreibt uns gerne einen Kommentar, wo auch immer ihr uns hört. Bewertet die Folge oder wir freuen uns natürlich sehr über Schenkungen. Die Kontaktdaten findet ihr in der Beschreibung. Der folgt Das war der dritte Streich und der vierte folgt zugleich. In zwei Tagen veröffentlichen wir den vierten Teil der letzten vier Runden von Sachlich Richtig bis dahin.
Sachlich richtig – June 20, 2026
Hosts: Alexander Teske, Annekathrin Mücke, Ole Skambraks, Peter Welchering
In dieser Folge von "Sachlich richtig" diskutieren die vier etablierten Medienjournalisten aktuelle Skandale und Entwicklungen rund um den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Journalismus und der Politik. Sie thematisieren insbesondere die Kontroverse um durch KI verfasste Reden und Kommentare, damit verbundene Rücktritte, das Problem der fehlenden Transparenz sowie Qualitätsansprüche im Journalismus. Im zweiten Teil wenden sie sich der Wahl des neuen ORF-Intendanten zu, beleuchten den Einfluss der Politik auf öffentlich-rechtliche Medienhäuser und aktuelle Skandale im österreichischen Rundfunk.
„Diese Sprachmodelle agieren im Grunde genommen so wie Leute, die sich keine Mühe geben. Also da kommen als erstes Plattitüden, Bilder und so, dir als erstes einfallen...“
– Journalist Bastian (03:44)
„Wer da einfach nur einen Beitrag so übernimmt [...] hat nicht verstanden, worum es geht, wenn man sich schriftlich äußert, nämlich tatsächlich die eigenen, großgeschriebenen Gedanken zu Papier zu bringen.“
– Journalist Dirk (05:35)
„Die Fehler, die [KIs] heute noch machen und die Mängel, die sie aufweisen, die werden schnell behoben sein.“
– Journalist Bastian (10:43)
„Das ist so ein bisschen wie bei der Nachverfolgung von Produkten.“
– Journalist Bastian (14:43)
„Im Prinzip ist diese Wahl [...] eigentlich völlig für die Katz, weil im Vorfeld schon eigentlich feststand, dass es Herr Pick wird.“
– Journalist Clemens (19:44)
Die Gastgeber bieten tiefe Einblicke in den Status quo und die Zukunftsdynamik von KI im Journalismus sowie die anhaltende politische Einflussnahme auf öffentlich-rechtliche Medienhäuser. Die Debatte dreht sich um Ethik, Professionalitätsanspruch, Transparenz und Qualitätsjournalismus versus technologische Vereinfachung. Die Runde macht konstruktive Vorschläge, warnt vor Entwicklungen und zeigt Parallelen zwischen deutschen und österreichischen Medien auf, immer mit viel Sachverstand und Distanz zum Hype.
„KI klickt nicht – aber wir müssen trotzdem darüber sprechen, weil sie schon Teil der Medien- und Politikwelt ist, meist im Verborgenen.“ – Zusammenfassung des Episodengeistes.