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Anne Katrin Mücke
Sachlich richtig.
Moderator (possibly Alex or a similar host name)
Wir wurden zensiert. Es geht um unsere Folge mit dem Rundfunkratsmitglied Antje Kapek. Titel war so korrupt ist der RBB wirklich Offene Worte von grünen Politikerin K. Veröffentlicht am 30. Mai. Danach gab es dpa Meldungen, das ist uns auch noch nie passiert. Über den Podcast wurde Welt darüber geschrieben. Die Abrufzahlen des Podcasts waren so lala, obwohl die Folge, wie ich fand, hochspannend war und Frau Kapek über sechs Jahre im Rundfunkrat. Regelrecht ausgepackt hat und den RBB so ein bisschen an die Wand genagelt hat. Kurz nach der Veröffentlichung wurde sie von der Intendantin Ulrike Demmer dann zum Gespräch eingeladen. Und was glaubt ihr, warum hat diese Folge so für Wellen gesorgt? Anne Du hast da ja so ein bisschen Einblick beim RBB. Was ist da eigentlich passiert nach unserer Ausstrahlung?
Anne Katrin Mücke
Ja, ich habe ja auch mit Frau Kapek, ich hatte sie eingeladen, habe auch hinterher ein paar Mal mit ihr telefoniert. Also es ist ein bisschen diffizil. Es gibt viele beim RBB, die das gehört und gesehen haben und mir gesagt haben, dass da viel drüber gesprochen wurde. Andere, die ich getroffen habe, ehemalige Kollegen und darauf angesprochen habe, die was? Keine Ahnung. Nein, habe ich nicht mitbekommen. Also ich kann es nicht so ganz einschätzen, inwieweit es wirklich Thema war. Ich glaube in der Chefetage auf jeden Fall, da hat man das gesehen und wahrgenommen und sich wahrscheinlich auch sehr, sehr geärgert. Und es muss wohl auch auf sie ziemlich, also auf Frau Kapek, sowohl aus ihrer Partei als auch vom RBB heraus doch irgen ein gewisser Druck ausgeübt worden sein, was ihr einfiele, da so Tacheles zu reden und dann noch ausgerechnet mit Leuten wie uns. Also keine Ahnung. Ich weiß nicht genau, inwieweit wirklich die RBB Belegschaft das so mitbekommen hat und diskutiert hat in Teilen. Auf jeden Fall war es schon ein Thema.
Moderator (possibly Alex or a similar host name)
Peter Was glaubst du denn, warum das so für Wellen gesorgt hat? Meine these ist das so ein bisschen, Ist ja nicht unsere erste kritische Sendung zum öffentlich rechtlichen Rundfunk. Das perlt aber an den ab. Jetzt hat sich aber mit Frau Kapek eben jemand vors Mikrofon getraut und offen geredet. Die war 10 Jahre Fraktionsvorsitzende der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, 2016 sogar Spitzenkandidatin ihrer Partei. Also eine von vier für die anstehende Wahl, sie auch direkt Kandidatin für Friedrich Schein und aus, ich würde sagen so aus der für die Intendantin Ulrike Demmer das RBB oder auch für andere im Führungspersonal, kommt sie aus der Mitte der Gesellschaft und steht eben nicht für diese Angriffe von denen, die immer den RBB abschaffen wollen oder den öffentlich rechtlichen Rundfunk, so wie vielleicht BSW oder AfD oder Linke, wo man das vielleicht eher ignoriert. Vielleicht hat man das deswegen auch so übel genommen oder denkst du da anders drüber?
Peter Welchering
Also beim ersten Punkt denke ich ganz anders. Das perlt nicht ab. Was wir machen, wird mir immer wieder zurückgespiegelt, sowohl vom Lerchenberg als auch beispielsweise vom WDR oder BR oder vom Deutschlandfunk, wird durchaus beachtet und trifft oft und perlt also gar nicht ab. Nur gibt es keine offiziellen Äußerungen dazu, weil man natürlich Kritiker nicht noch irgendwie auf diese Weise Kritikern Reichweite verschaffen will. Beim zweiten Punkt gebe ich dir recht. Ich glaube der wesentliche Punkt und deshalb bin ich auch ein Profiteur dieses Podcasts, weil ich Frau Kapek da auch in der Außen Fortbildung einsetze. Ich habe drei unterschiedliche Statements von ihr in Seminaren schon verbraten und ich glaube, weil sie da die Sachen als Grüne, als grünen Politikerin klar auf den Punkt bringt und auch eine klare Kritik äußert, die eben ansonsten sowohl von grüner als auch von sozialdemokratischer Seite so nicht zu erwarten ist. Deshalb hat das so getroffen.
Moderator (possibly Alex or a similar host name)
Genau, sie sagt ja auch im Podcast, dass sie eine Anhängerin trotz allem des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist und auch findet, dass da viele gute Angebote gemacht werden. Trotzdem übt sie eben harsche Kritik. Kannst du aus dem Hut sagen, welche Punkte du da so bemerkenswert fandest, dass du sie auch im Seminar verwendest?
Peter Welchering
Ja, vor allen Dingen den Punkt, dass letztlich der Rundfunkrat seiner Kontrollfunktion überhaupt nicht mehr gerecht wird. Das ist ein ganz wesentlicher Punkt. Und der zweite Punkt, sie bringt ja sehr schön auf den Punkt, dass das, was an öffentlich rechtlichen Standards mal eigentlich ins Werk gesetzt wurde vom öffentlich rechlichen Rundfunk, in diesem Fall vom RBB, eigentlich weitgehend nicht mehr umgesetzt wird. Und das sind die Punkte, das dann sozusagen aus berufenem Munde zu erfahren und nicht nur von irgendwelchen Kritikern. Das macht sich natürlich in Seminarpräsentationen ganz schön.
Moderator (possibly Alex or a similar host name)
Jetzt müssen wir vielleicht einmal sagen, worin die Zensur bestand, die uns ereilt hat. Also Zensur ist vielleicht ein bisschen hart gesagt. Wir haben uns ein Stück weit vielleicht auch selbst zensiert. Wir hätten es auf eine Auseinandersetzung ankommen lassen müssen, Dann hätten wir uns einen guten Anwalt besorgen müssen, vielleicht Herrn Steinhöfel es kam
Peter Welchering
oder ein Medienrechtlicher. Und die sind teuer.
Moderator (possibly Alex or a similar host name)
Ja, am 23. Juni, also so ungefähr drei Wochen nachdem das online gegangen ist, haben wir post bekommen von Dr. Kerstin Skiba. Jetzt müssen wir vielleicht einmal wer Frau Skiba war oder ist. Sie ist seit 23 Jahren beim RBB. Angestellt und zwar als Juristin. Davon war sie 20 Jahre die stellvertretende Justiziarin, drei Jahre die Chefjustiziarin. In anderen Anstalten heißt das juristischer Direktor. Also damit ist es vergleichbar. Seit Mai ist sie nur noch einfache Juristin beim RBB und sie hat uns geschrieben, dass in der Folge wiederholt falsche Tatsachenbehauptungen aufgestellt würden und ihre Persönlichkeitsrechte schwerwiegend verletzt würden und sie möchte das quasi geändert haben. Und nun ist es so, dass in Berlin Wahlkampf ist und Frau Kapek jetzt nicht die allergrößte Lust hatte auf juristische Auseinandersetzung, weil sie hätte die ja mit Frau Kapek führen müssen. Und dann hat sie uns gefragt, ob das für uns okay wäre, diese entsprechenden Passagen, da geht es um weniger als zwei Minuten, herauszuschneiden, was wir dann gemacht haben. War das ein Fehler oder wie seht ihr das?
Anne Katrin Mücke
Nein, auf keinen Fall. Ich denke, das ist genau der Punkt, womit wir zeigen, dass wir uns unterscheiden von anderen Medien. Wir wollen ja niemanden in Schwierigkeiten bringen und wir hätten vielleicht Schwierigkeiten bekommen können. Aber in erster Linie hätte ja Frau Kapek die Schwierigkeiten bekommen und ich habe mich bei ihr mehrfach dafür bedankt, dass sie das überhaupt gemacht hat. Also da gehört auch ein gewisser Mut dazu, muss man sagen. Sie hat mir auch so ein bisschen geschildert, wieder schon auch Druck auf sie ausgeübt wurde und das muss man erst mal aushalten, sich da so allein auch in den Wind zu stellen und zu wissen, dass dann da die eigenen Leute auch nicht unbedingt hinter dir oder gar vor dir stehen. Also insofern auch an dieser Stelle noch mal großen Dank, dass sie es gemacht hat und dass sie so klare Worte gefunden hat. Und man muss ja mal sagen, die Formulierung, um die es da ging, das war beispielsweise, dass Frau Kapek gemutmaßt hat, dass Frau Skiber jetzt da sie offensichtlich in das bisherige ARD Generalsekretariat wandert, dass von irgendwie, ich glaube, 15 Stellen noch mal 12 draufgepackt werden. Also das sind dann die Sparmaßnahmen des öffentlich rechtlichen Rundfunks und ich weiß auch gar nicht, was haben die bisher getan, was werden die in Zukunft tun? Das wird ja irgendwie auch alles umstrukturiert und heißt dann auch nicht mehr Generalsekretariat, aber sie wird dort offensichtlich geparkt und da mutmaßte Frau Kapek, dass sie wohl auch wieder einen außertariflichen Vertrag bekommen würde und das, keine Ahnung, stimmt wohl nicht, oder möchte Frau Also um solche Sachen ging es da, wo man sagt, das hat jetzt mit dem Inhalt dessen, worüber wir gesprochen haben, wirklich überhaupt nichts zu tun.
Moderator (possibly Alex or a similar host name)
Das ist völlig nebensächlich, das müssen wir dann wieder rausschneiden.
Anne Katrin Mücke
Also ich finde die Stellen, die wir rausgeschnitten haben, völlig uninteressant für den Inhalt, für den wirklich interessanten Inhalt unseres Podcast. Und wenn Frau Skiber meint, dass sie damit irgendwas erreicht hätte, ja, lächerlich.
Moderator (possibly Alex or a similar host name)
Wobei, also die eine Stelle fand ich schon sehr interessant, weil Frau Skiber argumentiert hat, es ging ja um die Aufarbeitung der Schlesinger Affäre, die recht teuer war, von Anwaltskanzleien durchgeführt wurde und mehrere Millionen verschlungen hat. Und sie hat dann argumentiert als stellvertretende Justiziarin, sie hätte die Verträge nicht auf dem Tisch gehabt. Das stimmt wahrscheinlich so formal, aber so zu tun, als ob sie damit gar nichts zu tun hatte, erscheint mir doch wenig wahrscheinlich.
Anne Katrin Mücke
Ein zweiter Punkt, der wirklich ein bisschen mehr, also bisschen stärker interessant ist, ist ja der, dass Frau Kapek immer wieder gesagt hat, auch bei uns im Podcast, sie hätte immer wieder als Rundfunkratsmitglied verlangt, dass ihr der Kostenplan sozusagen vorgelegt wird, wie viel an dieses Anwaltsbüro rausgeht für den Untersuchungsbericht zur Gelbhaaraffäre und dass ihr nie vorgelegt wurde und sozusagen es gar keine Kontrolle darüber gab. Und da hat Frau Skiber dann wirklich geschrieben, das hätte sie telefonisch gemacht. Also die machen jetzt alle die von der Leyen Geschichte. Ja, wir haben das schon gemacht, aber ja, das haben wir halt so mal nebenbei beim Telefonat und so. Also Frau Skiber bleibt den Nachweis weiterhin schuldig und es gibt dieses Papier nicht, das kann Frau Kapek auch nachweisen, das hat nie jemand zu Gesicht bekommen.
Moderator (possibly Alex or a similar host name)
Aber ja, ich will nur noch einmal ergänzen zu dem ARD Generalsekretariat, soweit ich das weiß, in diesem Rundfunk Medienstaatsvertrag der neue in Kraft getreten ist und ewig verhandelt wurde. Da gab es von dieser Expertenkommission, die vorher getagt hat, den Vorschlag, dass die ARD, die es ja de facto eigentlich nicht so richtig gibt, dass die schlagkräftiger wird, dass dieser vielstimmige Chor besser koordiniert wird und dass diese Abnutzungseffekte nicht so groß sind, was ja an sich vielleicht sogar sinnvoll ist. Und dieser Vorschlag wurde aber nicht umgesetzt. Es sollte sozusagen eine ARD Intendanz quasi entstehen und dafür sollten natürlich die anderen entmachtet werden. Und das fand keine Mehrheit. Und das ist jetzt sozusagen, stattdessen wollte man oder will man eben jetzt dieses ARD Generalsekretariat, was bisher so eine Art Lobbyorganisation in Berlin eben war, zur Politik ausgebaut werden. Inwieweit das dann tatsächlich funktioniert, werden wir sehen müssen. Peter Schüttel den Kopf.
Peter Welchering
Es bleibt eine Lobbyorganisation und ich sehe auch nicht, dass tatsächlich dieses Generalsekretariat dann wesentliche Führungsaufgaben entwickeln kann. Da sind Ministerpräsidenten davor, die natürlich ihre Landesrundfunkanstalten als ihre verlängerte Werkbank sehen. Also da wird nichts an ein Generalsekretariat abgegeben, was dem Ministerpräsidenten lieb und teuer ist.
Anne Katrin Mücke
Also wenn man da auf die Seite guckt, da steht dann in erster Linie, dass sie irgendwie die Sommerfeste ausgerichtet haben.
Moderator (possibly Alex or a similar host name)
Nun ja, noch mal zurück zu Frau Kapek und Frau Skiba, nachdem ich die zwei Minuten da rausgeschnitten habe. Man kann leider die Folge nicht bearbeitet einfach neu reinstellen, zumindest auf YouTube nicht. Bei unserem Podcast Anbieter für Apple ist das möglich. Das heißt, man kann die Folge nur löschen und neu hochladen. Und leider hatte RBB sich ein bisschen ins Knie geschossen, weil die neue Folge hat doppelt so viel Abrufe wie die alte. Also wir haben da quasi die Aufmerksamkeit erhöht und ich kann auch alle nur noch mal ermuntern, sich das reinzuziehen, wer es noch nicht getan hat. Es ist doch recht ungewöhnlich, die Folge
Anne Katrin Mücke
und hörenswert und sehr lehrreich. Also sie berichtet ja viele Dinge, muss ich sagen, auch noch genauer als Martin Wuttke vom Bayerischen Rundfunkrat, den wir ja paar Wochen vorher hatten. Aber ich finde, dass Frau Kapek auch viel präziser die Dinge benennt, die eben nicht funktionieren, von Anfang an nicht funktionieren. Also allein schon ihr Satz, dass sie zwei Jahre gebraucht hat, um überhaupt annähernd zu verstehen, welche Struktur das Ganze hat, wie die Dinge funktionieren, das finde ich schon beachtlich.
Peter Welchering
Ja, ist ein echtes Insiderstück. Das ist, glaube ich, der wesentliche Vorteil. Sie hat sehr viel Insiderwissen einfach da war auch bereit, das zu teilen. Und das macht, glaube ich, auch euer
Anne Katrin Mücke
Gespräch da so wertvoll, was ja eigentlich normal wäre, denn der Rundfunkrat ist ja das Aufsichtsgremium für den Sender, wo ja angeblich die Vertreter derjenigen sitzen, die die Beiträge zahlen müssen. Also insofer ist das ja eigentlich auch normal, dass so jemand aus einem Rundfunkrat dann auch mal sagt, was da eigentlich los ist, dürfte gar nicht so eine Sensation sein.
Moderator (possibly Alex or a similar host name)
Nicht normal war, wie die Mail verschickt wurde von Kerstin Skibber, der Juristin des RBB. Und zwar kam die von ihrem privaten Mail Account, von ihrem Google Mail Konto, hatte aber oben im Briefkopf Justitiariat Rundfunk Berlin Brandenburg Masuren Allee 8 bis 14. Das hat mich doch schwer irritiert, weil das eben so offiziell aussah und aber so vermischt war mit dem Privaten. Und ich habe dann den RBB offiziell angefragt, ob das ein offizielles Schreiben des RBB ist oder ein privates Schreiben von Frau Skiba. Und dann kam erst mal, obwohl ich eine Frist gesetzt habe, gar keine Antwort. Und dann habe ich noch mal nachgestossen und dann kam folgender Satz, den ich sehr bemerkenswert finde. Kerstin Skiba hat den RBB über ihr Vorgehen informiert. Bei Schriftwechseln mit beruflichem Kontext ist es grundsätzlich zulässig, als zustellungsfähige Anschrift die des Arbeitgebers zu verwenden. Das klingt für mich so, als ob das doch ein Alleingang privat war und dass sie einfach, dass es eben nur juristisch in Ordnung ist, da die berufliche Adresse anzugeben, aber dass es jetzt kein Schreiben des RBB war. Und es gibt noch den Nachsatz, wir bitten um Verständnis, dass sich der RBB nicht zu rechtlichen Angelegenheiten von Dritten äuss Dritten sind dann offenbar wir, Frau Kapek und Frau Skiba.
Anne Katrin Mücke
Ja, und ich meine, der Weggang von Frau Skiba vom RBB hat ja auch was damit zu tun, dass sie offensichtlich da in der Geschäftsstelle auf der Intendantenebene, dass es da irgendwie auch Auseinandersetzungen gab und sich da nicht mehr so wohlgefühlt hat angeblich. Ich sage das gleich, das sind nur Spekulationen, aber ich setze da einfach einen Piep drüber, aber ja, ist zu mutmaßen, dass das jetzt nicht unbedingt abgesprochen war mit der Geschäftsleitung des RBB, ne?
Peter Welchering
Stand ja auch nur ein Co in der Angabe der Adresse.
Moderator (possibly Alex or a similar host name)
Dann sehr interessant fand ich auch, ich habe RBB Pressestelle dann noch sehr viele andere Fragen hinterhergeschickt. Wie bewerten Sie die Aussagen von Frau Kapek? Im Podcast haben Sie inhaltliche Anmerkungen dazu? Warum hat die Intendanz unmittelbar nach Ausstrahlung der Folge Kontakt zu Frau Kapek aufgenommen und sie zum Gespräch eingeladen? Was ist dort besprochen? Warum ist sie nicht mehr Justiziarin, sondern Juristin? Was macht sie genau? Wird sie außertariflich bezahlt? Was sind ihre Aufgaben? Wie viele Mitarbeiter hat sie Verantwortung? Und in welchen, also was sagen Sie zu den strittigen Passagen eben zu dieser Kanzlei Lutz und Abel und so weiter und dieser Kostenexplosion? Diese Fragen wurden alle nicht beantwortet und ignoriert. Leider ja.
Peter Welchering
Was aber erwartbar war, denke ich. Oder hast du mit einer Antwort gerechnet?
Moderator (possibly Alex or a similar host name)
Ich gehe beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk schon immer davon aus, dass er zu solchen Dingen, die die Öffentlichkeit interessieren, tatsächlich auch öffentlich Stellung nimmt. Ja, schon.
Anne Katrin Mücke
Und wenn er sich nur lapidare, nichtssagende Sätze aus dem Kreuz leiert, aber dass sie nicht mal das getan haben, ist schon irgendwie auch erstaunen.
Peter Welchering
Ja, sehr ehrenwerte Grundauffassung, die ich inzwischen nicht mehr teile.
Moderator (possibly Alex or a similar host name)
So, also haben wir unsere erste Zensur auch gut hinter uns gebracht, hoffe ich zumindest. Ich fand auch interessant in den Kommentaren, dass es sofort aufgefallen ist, die Folge hattet ihr doch schon mal hochgeladen und dann dauerte es nur Minuten, bis irgendjemand rausgefunden hat, dass die jetzt kürzer ist und dass da offenbar was weggeschnitten wurde. Also Hut ab. Deswegen haben wir dann auch gesagt, okay, wir sprechen noch einmal auch öffentlich drüber. Das war gar nicht so geplant. Und leider waren auch so ein paar Kommentare negativ zu Frau Kapek. Es wurde also daran erinnert, Ihre Auffassung in der Corona Zeit oder dass sie ja schon eine Befürworterin war, die Neos Werbekampagne bei der BVG einzustampfen. Ich finde ja nur, weil jemand in anderen Dingen eine andere Auffassung hat als man selbst, entwertet das ja nicht seine Meinung zu einem anderen Thema. Also das kann ja trotzdem richtig sein. Das ist ja umgekehrt genauso. Das ist ja was, wogegen wir uns immer wehren dass man jetzt sozusagen, Sie nennen die automatisch alle Argumente eines AfD Politikers falsch, nur weil er in der Partei ist und vielleicht in Dingen etwas sagt, wo wir nicht der Meinung sind. Aber deswegen kann er trotzdem zum Beispiel zum öffentlich rechtlichen Rundfunk richtige Dinge sagen.
Anne Katrin Mücke
Ganz genau. Also insofern bin ich wirklich gut und hoffe, dass andere ihr folgen aus Richtungen, die bisher sich geweigert haben, mit uns zu sprechen, trotz vieler netter Einladungen.
Moderator (possibly Alex or a similar host name)
Ja, vielleicht noch mal die Ermunterung, wer gerne da auspacken möchte. Wir sind die richtige Adresse und ich leite mal über zum nächsten Thema. Auch Da ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht besonders offen und eine Blackbox. Die Zahl der Programmbeschwerden ist bekannt geworden im vergangenen Jahr, wenn ich das richtig weiß. 5000 waren es. Anne, du hast gerade deine Medienkolumne in der Berliner Zeitung, in der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung dazu gewidmet. Mir ist sie auch schon in den sozialen Medien begegnet. Gleichzeitig hat auch die Frankfurter Allgemeine einen lesenswerten Beitrag dazu verfasst. Was gibt es dazu zu sagen? Zu dem Programmbeschwerden sind es mehr geworden. Hatten sie Erfolg, soweit ich weiß. Eine einzige.
Anne Katrin Mücke
Eine einzige, ja, also zu den Programmbeschwerden, das ist ja um das nochmal sozusagen eigentlich die einzige Möglichkeit, um als Rezipient, als Beitragszahler eine Kritik direkt an den Sender zu wenden. Und zwar nicht nur als, was man früher als Hörerpost bezeichnet hat, ich habe mal hier was anzumerken, dort was anzumerken, sondern wirklich eine grundlegende Kritik, die gegen die Programmrichtlinien verstößt. Das muss man aber auch nachweisen. Das ist also die erste Hürde. Es muss eine konkrete Sendung sein. Man muss sagen, wann lief diese Sendung zum ersten Mal? Man muss genau die Passage benennen, die man kritisiert. Man muss auch benennen, warum sie gegen die Programmrichtlinien verstößt. Und das habe ich in der Kolumne auch klargemacht. Das ist auch richtig so, weil nicht jeder, der Fernsehen schaut und Radio hört, ist wirklich in der Lage, eine fundierte Kritik daran zu äußern. Das meiste sind doch eher so geschmäckerische Geschichten und darum geht es in den Programmrichtlinien nicht. Also dafür sind dann wirklich eher Mails oder so an die Redaktion ein Mittel, ein Weg zu Mensch, also das finde ich jetzt irgendwie Warum habt ihr denn nicht den und mit der darüber gesprochen oder so? Sondern es geht wirklich um eine fundierte Kritik, aber die Anzahl dieser Programmbeschwerden ist schon nach und nach gestiegen. Also es gibt ein christliches Medienmagazin PRO, die haben das mal recherchiert und haben gesagt, dass in den Jahren 2016 bis 21 rund 370 Programmbeschwerden eingegangen sind. Bei ARD, ZDF und Deutschlandradio. Das ist jetzt wirklich nicht, weil eben auch zum einen diese Hürde relativ hoch ist und weil, dazu komme ich gleich, die Wege auch, glaube ich, sehr kompliziert sind, aber vielleicht war auch einfach das Bedürfnis gar nicht so groß. Und dann gibt es einen starken Anstieg nach 21, wir wissen Corona Berichterstattung, dann 22 Ukraine Krieg und dann gab es schon 2023 allein 700 Programmbeschwerden. Das ist schon mal ein sehr großer Sprung, zumindest quantitativ, ob jetzt auch qualitativ kann ich nicht sagen, aber das ist schon erheblich. Und Dann gab es 2024 einen weiteren Anstieg, der nicht nur darauf zurückzuführen ist, dass es offensichtlich mehr Kritik aus der Bevölkerung am öffentlich rechtlichen Rundfunk gibt, sondern es gibt eine Initiative, einen Blog, der heißt Rundfunkalarm und der hat ins Netz sozusagen eine Anleitung, eine Möglichkeit gestellt, dass ich mit ein paar Mausklicks Programmbeschwerde loswerden kann. Da gehst du rauf und registrierst dich und dann gibt es da schon mehrere Sendungen, die dir vorgeschlagen werden, Dann kannst du dir das aussuchen und dann steht da auch schon drin, was genau wurde da gesagt oder gezeigt und dann auch die Begründung, welche Programmrichtlinien wurde verletzt und dann kannst du das mit einem Klick abschicken, allerdings immer nur an die Intendanz. Und genau da habe ich mich jetzt ran gemacht. Und ich muss euch sagen, ich habe über Stunden selbst, also selber natürlich recherchiert, nicht gegoogelt und habe mit drei KIs gleichzeitig diskutiert, weil die mir immer wieder wirklich wie so ein Schüler, der sich leicht machen will, so ganz einfache Wege sozusagen angegeben haben, was jetzt auch ein normaler Nutzer der okay, ich will eine Programmbeschwerde loswerden. Ich Frag da mal ChatGPT, Perplexity, Claude, wen auch immer. Diese Wege sind aber so nicht korrekt, denn es gibt insgesamt mindestens vier verschiedene Wege. Ich will das nur mal ganz kurz skizzieren. Also es gibt den ersten Weg bei einigen Anstalten. Es ist zum Beispiel der WDR, also ich habe es Modell 1 genannt, der WDR und der Bayerische Rundfunk zum Beispiel, das ist das sogenannte Intendantenmodell. Also da muss ich tatsächlich als erstes an den Intendanten das Schreiben schicken und der hat dann die Möglichkeit dazu Stellung zu nehmen, vielleicht eine Entschuldigung rauszuschicken und nur wenn ich damit nicht einverstanden bin und dann noch mal schreibe, dann habe ich überhaupt eine Chance, dass es in den Rundfunkrat kommt, dort beraten wird und dann vielleicht der ganzen Sache stattgegeben wird. Modell 2 ist, da muss ich es direkt an den Rundfunkrat schicken, das ist zum Beispiel beim RBB so und ganz interessanterweise ist es umgestellt worden vom Intendantenmodell aufs Rundfunkrat Modell, nenne ich es jetzt mal 2024 im damaligen Staatsvertrag, weil man offensichtlich als Resümee aus der Schlesinger Affäre, wie es immer genannt wird, also sie hat glaube ich in ihrer ganzen Zeit, wie lange war sie, fünf Jahre, sechs Jahre Intendantin, genau einer Rundfunkbeschwerde stattgegeben, hat man das umgestellt und hat gesagt, nein, das muss über den Rundfunkrat laufen, dann schickt man das an den Rundfunkrat und der berät das dann, kann dann seinerseits auch den Intendanten einbeziehen und also beziehen sie mal Stellung dazu. Und wenn also eine Entschuldigung ausgesprochen wird vom Intendanten, teilweise auch nur von den Redaktionen, dann reicht das auch, Dann sagt der Rundfunkrat, gut, dann müssen wir uns damit auch gar nicht weiter beschäftigen, was ja auch schon merkwürdig ist.
Moderator (possibly Alex or a similar host name)
Mal ganz kurze Zwischenfrage, wie hast du das denn rausgefunden? Also ich würde ja jetzt als Nutzer eigentlich erwarten oder als Rundfunkbeitragszahler, wenn das schon so kompliziert ist, dass ich auf die Seite gehe, okay, ich habe mich über einen Beitrag beim Mitteldeutschen Rundfunk aufgeregt und dann steht da irgendwo relativ prominent, wie ich den Zuschauerservice erreiche, wo ich sagen kann, ich fand die Sendung gut oder schlecht oder kann Anregungen schreiben und dann steht da aber auch, ich könnte ihnen schreiben juristisch, weil ich sie verklagen will und ich könnte die Programmbeschwerde einreichen und dann gibt es da vielleicht sogar ein Formular und den Weg und so und so läuft das bei uns. Und wenn sie damit nicht einverstanden sind, dann müssen sie noch mal einen Widerspruch gehen, weil erst dann ist es eine förmliche Programmbeschwerde. Ich glaube aber so etwas gibt es ja auf den Seiten nicht.
Anne Katrin Mücke
Gibt es nicht und es gibt vor allem nicht, das muss ich ja als Nutzer auch erstmal wissen, dass es, ich habe ja mit den öffentlich rechtlichen Anstalten zu tun. Es gibt, es gibt nicht mal für die ARD, aber weder für ARD, ZDF und Deutschlandradio irgendwie einen gleichen Weg. Und das wäre ja schon mal die Voraussetzung. Es gibt einen Weg, der für alle gilt, damit es überhaupt für die Nutzer erkennbar ist, damit das nicht ein Riesenaufwand wird. Aber so ist es ja schon, dass ich erstmal direkt immer zu dem Sender gehen müsste. Das wäre schon der erste Schritt. Das, was jeder wissen muss, okay, ich muss also mich an die Richtlinie des jeweiligen Senders halten und die sind trotz dieser Modelle auch innerhalb der Sender immer noch mal unterschiedlich. Und es gibt natürlich keine Anleitung dafür, sondern das ist eine Erfahrungssache und das ist ein langer, langer Marsch durch die Institutionen. Wie gesagt, beim ZDF ist es zum Beispiel so, da kann ich den Intendanten oder den Fernsehrat anschreiben und das, was beim Intendanten landet, landet zum Beispiel überhaupt nie beim Fernsehrat, weil das klärt dann der Intendant entweder indem er es zurückschickt oder zurückschicken lässt, so nein, sehen wir nicht so oder vielleicht im höchsten Fall eine Entschuldigung ausspricht, dann war's das. Und wenn man da zum Beispiel jetzt an den KI Fake, die Geschichte im heute journal vom Februar denkt, also da hat man dann den Weg gewählt, dass bei der Fernsehratssitzung, auf der der Intendant wiedergewählt wurde im Frühjahr, wurde dann ausnahmsweise mal so eine Programm diese Programmbeschwerde, da gab es ganz viele Programmbeschwerden. Dazu wurden die man auf Platz 1 gehievt. Normalerweise wären die irgendwo weit hinten, wenn die Hälfte schon schläft oder gegangen ist, abgehandelt. Die Programmbeschwerden übrigens auch eine Taktik, sage ich auch gleich noch was dazu. Und jetzt war es prominent Platz und dann wurde ein bisschen diskutiert und dann wurde ein bisschen Du Du gemacht und naja, wir haben ja Konsequenzen und wir werden das beobachten, der Fernsehrat wird das kritisch begleiten und so weiter und so fort. Und es war ganz eindeutig, wir machen hier so einen kleinen Kotao, kleines mea culpa. Der Intendant hat sich dann in seiner Bewerbungsrede auch noch mal dazu geäußert, hat aber natürlich vor allem gesagt, es geht ja Angriffe von rechts um den Öffentlich Rechtlichen zu vernichten. Das ist das eigentliche Problem. Nicht, dass sie KI verwendet haben und nicht gekennzeichnet haben. Aber gut, das war Natür, die Voraussetzungen sozusagen. Es war so ein bisschen wie so in den er Jahren in der DDR, wo man sich vor der Parteiversammlung entschuldigen musste, um dann weitermachen zu dürfen. So ist man dann damit umgegangen. Und dann gibt es noch viel komplizierter Sondermodelle für den SWR und den NDR. Das ist alles so wahnsinnig kompliziert und man muss sich so irre anstrengen und damit auseinandersetzen. Das ist für den normalen Menschen, der wirklich was anderes zu tun hat, überhaupt überhaupt gar nicht machbar.
Moderator (possibly Alex or a similar host name)
Ist jetzt mein Das sind jetzt Modell 3 und 4, also weil also Integrantenmodell 3 ist der Rundfunkrat ist das zweite Modell und das ZDF Sondermodell.
Anne Katrin Mücke
ZDF Sondermodell ist Intendant oder Fernsehrat. Und beim SWM, MNR sind dann noch irgendwie so Gremien vorgeschaltet, die also erstmal entscheiden, ist das überhaupt eine Programmbeschwerde? Wie gesagt, das kann ich in gewisser Weise verstehen, weil die Programmbeschwerden sollen wirklich fundierte Kritiken sein, aber dann geht das dann erst zum Intendanten beim SWR und beim NDR dann erst zum Rundfunkrat.
Moderator (possibly Alex or a similar host name)
Aber du sagst so fundierte Kritik. Peter warum gibt es denn überhaupt Programmbeschwerden? Also ich habe die Möglichkeit, Lob und Kritik über den Zuschauerservice loszuwerden oder wenn ich gar nicht einverstanden bin oder betroffen bin, ich kann klagen über das Presserecht. Welche Funktion hat denn diese Programmbeschwerde überhaupt?
Peter Welchering
Im Prinzip ist die Programmbeschwerde ähnlich entstanden wie der Presserat für die Printmedien. Da sollte ein Selbstregulierungsgremium geschaffen werden, das unter anderem auch die Justiz entlastet. Also dass nicht gleich jede Beschwerde zum Programm zu einer Unterlassungsklage führt und die muss ja dann von den entsprechenden Landgerichten bearbeitet und entschieden werden, sondern dass Selbstregulierungsgremien eben dann entscheiden, liegt hier etwa ein Verstoß gegen unsere Programmrichtlinien vor? Liegt hier ein Verstoß beim Presserat dann eben gegen den Pressekodex vor? Und wenn das so ist, dann wird dieser Verstoß festgestellt. Er hat auch übrigens beim Presserat nicht wesentliche Konsequenzen. Es wird eine Rüge ausgesprochen die soll veröffentlicht werden, wird sie längst nicht immer. Bei der Bild Zeitung schert man sich nicht um Rügen und legt die so dahin wie mein Haus, mein Auto, meine Yacht oder so. Und das sollte eben für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk der Rundfunkrat. Bzw. Neustadtrat, der Hörfunkrat oder beim ZDF der Fernsehrat sein. Und da hat man sich davon erwartet und erhofft, dass dann eben auch eine Diskussion darüber stattfindet, was an Verstößen gegen die Programmrichtlinien da ist und dass man vor allen Dingen auch Richtlinien entwickelt, wie diese Verstöße dann auch sozusagen anstaltsintern geahndet werden. Und das hat eben bisher und funktioniert auch einfach bisher nicht richtig.
Moderator (possibly Alex or a similar host name)
Hat es denn jemals, darf ich mal ganz kurz, Peter hat das denn jemals funktioniert?
Peter Welchering
Ich glaube ansatzweise gab es in den ER Jahren wesentlich mehr Programmbeschwerden auch noch bis in die ER rein, die tatsächlich zugelassen wurden, die entschieden wurden und die dann auch zu tatsächlich Diskussionen innerhalb der Rundfunkanstalten geführt haben. Also ich habe für beispielsweise meine ersten Beiträge, die ich da so in der Zeit von 85 bis 90 beim Norddeutschen Rundfunk. Machte, auch ein paar Programmbeschwerden kassiert. Da musste ich dann im Programmausschuss erscheinen, Da wird das im Programmausschuss vorverhandelt, ist übrigens heute noch so. Der Ausschuss heißt inzwischen noch ein bisschen anders. Und dann musste sich die Redaktion rechtfertigen, ob sie denn auch wirklich all ihren Sorgfaltspflichten genügt hat und hat da vorgetragen. Das war eine sehr intensive Diskussion, die fand er nicht nur mit mir, hat auch andere Kollegen da getroffen. Das war ja auch völlig in Ordnung, dass man sich da verantworten muss für seine Berichterstattung. Und das hat tatsächlich des Öfteren stattgefunden.
Moderator (possibly Alex or a similar host name)
Das wollte ich euch gerade fragen. Habt ihr schon mal persönliche Erfahrungen gemacht? Also Peter, kannst du mal so ein Fall stellvertretend exemplarisch schildern, der vielleicht auch wie es liebs laufen sollte?
Peter Welchering
Ja, also beispielsweise beim NDR hatte ich mal Mitte der ER Jahre eine Programmbeschwerde, zu der ich dann als Autor hinzugezogen wurde. Mein Redakteur, mein abnehmender Redakteur ist natürlich mitgegangen. Da ging es darum, dass sich ein IT-Unternehmen falsch dargestellt fühlte. Und die haben dann nicht zum Mittel der Unterlassungsklage dann gleich gegriffen, sondern die haben eine Programmbeschwerde gemacht und haben die auch begründet, warum sie der Meinung sind, dass die Kritik, die da an ihren Produkten, an ihrer Vorgehensweise und so weiter vorgebracht wurde, nicht in Ordnung ist. Und wir wurden dann auch als Autor und als Redakteur im Programmausschuss gehört, ob wir gegenrecherchiert haben, ob wir die Betroffenen, in dem Fall eben das Unternehmen, auch haben zu Wort kommen lassen. Das hatten wir alles, da konnten eben keine Verstöße festgestellt werden. Und dann gab es eben die Entscheidung in dem Fall des Programmausschusses, Neder ist den Sorkelspflichten genügt worden und es war auch keine Kritik, die nicht durch anknüpfbare Tatsachen eben gerechtfertigt war. Und wie gesagt, ich habe das damals als ganz normalen Vorgang empfunden, weil man sich eben für seine Berichterstattung, die jemand, der in dem Fall dann eben Gegenstand dieser Berichterstattung war, nicht gut fand, dass man sich dafür eben noch mal rechtfertigt, dass das Ganze auch öffentlich diskutiert wird. Und dann eben auch irgendwann die Feststellung, hat das nun den Programmrichtlinien entsprochen oder eben nicht.
Moderator (possibly Alex or a similar host name)
Hast du auch schon mal persönliche Erfahrungen gemacht?
Anne Katrin Mücke
Ich nein, also ich selber habe keine persönlichen Erfahrungen damit gemacht, aber ich kenne einige Fälle, zum Beispiel beim RBB, also letztes Jahr ist ja nur eine einzige Programmbeschwerde zugelassen worden. Das heißt also, dass dann der Rundfunkrat, der Fernsehrat, der der Hörfunkrat sagt, ja, hier liegt eine Verletzung der Programmrichtlinien vor. Interessanterweise war das eine Meldung von SWR 3, also einem von fast 70 aktuell öffentlich rechtlichen Radiosendern zu Charlie Kirk, wo es darum ging, dass er angeblich behauptet hätte, Homosexuelle sollten gesteinigt werden. In Wirklichkeit hatte er ja ein Bibelzitat gebracht. Also eine ähnliche Falschberichterstattung durch Emma Tevison beim ZDF zum Beispiel, hatte da überhaupt gar keine Konsequenzen. Der hatte das ja ähnlich gesagt, hat sich dann im Nachhinein entschuldigt. Damit war das dann erledigt und der Fernsehrat hat im Gegenteil ihn in Schutz genommen, vor Angriffen, statt sich damit zu beschäftigen. Aber das war die einzige Beschwerde, die zugelassen wurde. Aber ich weiß, dass das war aber dieses Jahr ein moderator von Radio 1, Volker Wieprecht, in einer Sendung mit einer Food Bloggerin. Wobei, nein, es war nicht dieses Jahr, das war, glaube ich, ich doch schon. Die Programmschwerde ist, glaube ich, letztes Jahr behandelt worden, aber Der hatte irgendwie so lapidar so ein bisschen, naja, wir wollen jetzt mal hier nicht über Hunde oder so sprechen, ja, so ein bisschen, mein Gott, also ein bisschen sarkastisch war vielleicht etwas geschmacklos, aber da gab es dann auch eine Programmbeschwerde und stattgegeben wurde der offensichtlich nicht. Aber ich weiß, dass darüber sehr, sehr diskutiert wurde und da großes mea culpa stattfand. Ich weiß nur nicht, ob das wirklich diese Art von Diskussion ist, die Peter erlebt hat, also dass man sich wirklich sachlich auseinandersetzt oder ob das dann eher so ein an die Wand nageln ist. Und wir müssen jetzt also da an der Stelle dann auch mal ein Kotau machen. Und damit war es dann, ich denke, es ist wirklich völlig verkommen. Also diese 5000 Programmschwerden, die eben, denke ich vor allem, also in erster Linie auf die Initiative von Rundfunkalarm zurückzuführen sind, neben der zunehmenden Kritik generell. Aber diese Vereinfachung der ganzen Geschichte hat dazu geführt, und das bestärkt jetzt die Wagenburg Mentalität, dass man sagt, ja, das ist ja hier alles vorgefertigt und formal, damit brauchen wir uns ja gar nicht zu beschäftigen. Beim RBB zum Beispiel bin ich auf ein Protokoll gestoßen aus dem Jahr 22 war das, glaube ich, ja, da war der Rundfunkrat einfach nicht mehr beschlussfähig. Also es wurde so weit nach hinten geschoben, dass die Hälfte dann eben einfach schon gegangen ist, wenn das Ganze zwei Stunden dauert und dann Donnerstagabend, Wochenende winkt. Also auch auf diese Art und Weise kann so eine Programmbeschwerde verhindert werden. Und das ist ja das Kuriose, es hat ja nicht wirklich große Konsequenzen. Es hat eigentlich die Absicht, dass sozusagen ein bisschen erzieherische Absicht, das diskutiert wird in den Redaktionen. Das findet so auch aber oft nicht mehr statt. So haben wir es jedenfalls erfahren. Es gibt ja auch noch das Beispiel des MDR Alex, da kannst du ja vielleicht noch mal was dazu sagen, wo das.
Moderator (possibly Alex or a similar host name)
Ja, ich wollte gerade, genau, ich wollte
Anne Katrin Mücke
gerade drauf kommen, aber ganz kurz, es gibt im Grunde genommen also keine großen Konsequenzen und trotzdem wird alles getan dafür, dass diese Programmbeschwerden möglichst schon gar nicht ankommen, vor allem bei den Aufsichtsgremien und dass sie auch möglichst nicht behandelt werden und schon gar nicht zugelassen werden. Und das ist ja der Irrsinn, wo man sich Leute warum? Also das ist doch wirklich kein scharfes Schwert und es geht doch eigentlich wirklich eher darum zu Wir müssen uns auseinandersetzen, wir müssen evaluieren, auch anhand dieser Programmbeschwerden. Wenn man so eine Liste erstellen lässt, das habe ich mal gemacht von der KI, da gibt es natürlich so ein paar abstruse Sachen, weiß ich das Osterfeuer, da wurde nicht genug auf den ökologischen Aspekt eingegangen und so. Ich denke ja, also das ist für mich jetzt keine Programmbeschwerde, ehrlich gesagt. Das würde ich auch abschmettern. Aber ansonsten wäre das ja eine interessante Vorlage, um einfach mal zu gucken in den Redaktionen Mensch, wo gibt es denn hier vielleicht Diskussionsbedarf?
Moderator (possibly Alex or a similar host name)
Genau, also eigentlich versucht man diese Programmbeschwerden abzuschmettern. Man empfindet es offenbar als Angriff und nicht als, ich sag mal, Hilfe eines kritischen Zuschauers nach dem Was können wir besser machen? Wie können wir auf unser Publikum hören? Sondern eine Programmbeschwerde ist ein Angriff.
Anne Katrin Mücke
Das ist eine Majestätsbeleidigung.
Moderator (possibly Alex or a similar host name)
Und ich wollte noch mal ganz kurz Also wenn ich das richtig gelesen habe in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit diesem Rundfunkalarm, als diese Anleitung ins Netz gestellt wurde, sind die Programmbeschwerden erstmal nach oben gegangen, stark nach oben gegangen. Mittlerweile sind sie aber wieder die, die auf Rundfunkalarm zurückzuführen sind, wohl gesunken. Das heißt, wenn die weiter steigen, dann muss das auch andere Gründe haben. Also die Unzufriedenheit wächst. Was mich wundert, weil es ja seit Jahren so die Anerkennungsquote bei unter einem Prozent liegt. Da könnte man ja eigentlich sagen, die Leute haben die Nase voll und sagen, dann hat das ja eh keinen Sinn mehr. Also umso bemerkenswerter, dass sie sich trotzdem diese Mühe geben und diese stundenlangen Einreichungen machen. Und Peter hat ja gerade geschildert, wie der Weg normalerweise war früher, man wurde auch angehört und uns ist ja ein Fall bekannt vom Mitteldeutschen Rundfunk, da ging es um einen Beitrag um mögliche Impfnebenwirkungen,
Anne Katrin Mücke
Es ging um verunreinigte Impfstoffe, die möglicherweise auch Nebenwirkungen hervorrufen. Das war der eigentliche Punkt.
Moderator (possibly Alex or a similar host name)
Und dieser Beitrag wurde depubliziert, hat aber danach allen Überprüfungen standgehalten, Also sowohl vom Redakteursrat als auch vom Rundfunkrat, ist aber bis heute, wenn ich es richtig weiß, weiter depubliziert. Und da ist es so, dass die Redaktion nicht nur, dass sie gemaßregelt wurden, also was wohl wahnsinnig massiv war. Man hat da irgendwie versucht, den Redaktionsleiter rauszuschmeißen und so und den damals beteiligten Entscheidern hat das aber nicht geschadet. Die sind die Leiter nach oben gefallen und die Redakteure wurden in diesem Prozess aber gar nicht involviert. Die wurden eben nicht angehört oder nur, wenn es gar nicht anders ging. Ich kenne das auch, also nur im äußersten Notfall bekam man dann eine Mail von der Intendanz, dass man doch irgendwie mal seine Sicht kurz darstellen soll, dann hat man das aufgeschrieben und das war's. Dann hat man selber nie wieder was davon gehört. Und dieser ganze Prozess wurde von den Redakteuren möglichst ferngehalten. Also es gibt keinen direkten Austausch zwischen den Rundfunkräten und dem Redakteur oder demjenigen, der sich beschwert hat und der Intendanz, also dass man sich da vielleicht an einen Tisch setzt oder so. Das sollte auf keinen Fall offenbar stattfinden, warum auch immer. Und das, also das will ich nur mal anmerken, dass das offenbar sich auch geändert hat und dass man versucht, die Redaktion rauszuhalten.
Anne Katrin Mücke
Was ich finde, man muss bei dem Fall ja auch noch mal sagen, es gab, als der Beitrag ausgestrahlt wurde, vier Programmbeschwerden, unter anderem von den unglaublich geschätzten Kollegen des Volksverpetzers und dem wurde stattgegeben und dann wurde eben gesagt, ja, hier wurde die journalistische Sorgfaltspflicht verletzt, deswegen wird das Ganze depubliziert. Dann ist es ein halbes Jahr später durch den Programmausschuss und durch alles widerlegt worden. Es ist da keine Sorgfaltspflicht verletzt worden und es gab wohl 160 Programmbeschwerden gegen die Löschung des Beitrags. Das weiß auch keiner so richtig und genau, also auch damit geht der MDR nicht transparent um, wie viel Programmbeschwerden es nun wirklich gab. Was klar ist, es wurde keiner einzigen dazu stattgegeben bzw. Diese Anzahl von Programmbeschwerden wurden nicht zusammengefasst und dem wurde nicht stattgegeben geben und der Beitrag ist bis heute nicht zu finden.
Moderator (possibly Alex or a similar host name)
Und ein zweiter bemerkenswerter Fall hatte uns ja erreicht vom Norddeutschen Rundfunk, da hat man über eine Programmbeschwerde, die ich für rechtberechtigt halte, abgestimmt, hat die abgeschmettert. Und nun ist es aber so, dass man nach der Abstimmung hat dann jemand noch mal in die Regularien geschaut und gesagt, dass die Stimmenthaltungen wie Ablehnungen gewertet werden. Also man braucht eine Mehrheit der Stimmen, der Nein Stimmen. Und die war nicht gegeben. Es war pari pari. Und daraufhin wurde ne, mehr oder weniger,
Anne Katrin Mücke
es gab eine Stimme mehr oder so.
Moderator (possibly Alex or a similar host name)
Jedenfalls wurde neu ausgezählt oder es wurde behauptet, man hätte sich verzählt. Und das Gremienbüro hat dann die haben richtig gezielt. Und dann gab es angeblich eben eine Mehrheit zur Ablehnung dieser Programmbeschwörung. Man muss wissen, dass diese Sitzungen ja im Netz übertragen werden. Und man konnte eben sehen, der Vorsitzende zählt dann laut aus und man sieht auch, wer die Hand hebt und wer nicht und die Stellvertreterin zählt mit. Und dann haben die das auch laut eben gesagt, wie viel Stimmen sie gerade zählen. Das ist also eindeutig. Und dann wurde ihnen aber ne, sie haben sich da leider verzählt, Die haben da was nicht richtig gesehen und das Gremiumbüro, die haben das richtig gesehen. Und dann gab es Leute, die das eben im Livestream verfolgt haben, Man darf das nicht aufzeigen und haben dann gesagt, ich habe aber was ganz anderes gesehen und ich habe mir das aufgeschrieben und das stimmt alles so nicht. Sie haben doch die Programmbeschwerde angenommen. Und dann haben die da eben geantwortet, nee, nee, das stimmt so nicht. Und dann haben die sogar Es gibt die Möglichkeit der Rechtsaufsicht, die Rechtsaufsicht einzuschalten. Das ist dann eine, wenn ich das richtig weiß, die Staatskanzlei, das wechselt bei so einer Mehrländeranstalt wie der NDR und aktuell ist es die in Schwerin von Mecklenburg Vorpommern. Und die haben das geprüft und sich aber einfach der Sache angeschlossen. Es gibt wohl auch, also der Sichtweise des NDR, es gibt wohl auch immer einen Vertreter der Rechtsaufsicht bei der Sitzung. Ja, also die tragen das, ich würde mal sagen, wenn man es jetzt hart formuliert, eine Vermutung, keine Tatsachenbehauptung, aber eine Manipulation dieser Programmbeschwerde tragen die mit. Und das zeigt ja eigentlich noch mal mehr, wie absurd dieses ganze Verfahren mittlerweile, welche Blüten das treibt. Und das also ich weiß nicht, Peter, aber könnte man abschaffen oder?
Peter Welchering
Ja, oder ersetzen? Also ich bin ja schon seit vielen, vielen Jahren Anhänger eines unabhängigen Rundfunkrates oder Medienrates, Wenn man den dann absetzen will von den bisherigen Rundfunkräten, der ähnlich wie der Presserat, beim Presserat sind es ja die Verlegerverbände und die Journalistengewerkschaften. Und solch ein Medienrat für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk sollte dann eben auch beim Trägerverein von den Rundfunkanstalten und den Journalistengewerkschaften oder den Journalistenvertretungen getragen werden. Und dann sollte eben dieser Medienrat solche Programmbeschwerden für ARD, ZDF, Deutschlandradio unabhängig von den Rundfunkräten entscheiden. Das wäre ein unabhängiges Gremium, das dann auch, denke ich, einfach sehr viel glaubwürdiger wäre und vor allen Dingen, es wäre nicht eingebunden, wie ja einige Rundfunkräte eingebunden sind, in bestimmte auch immer noch persönliche oder betriebliche Abläufe. Deshalb wäre da die Unabhängigkeit einfach sehr viel eher gegeben. Aber bisher sind solche Vorschläge nicht so richtig auf das Interesse von Medienpolitikern gestoßen.
Anne Katrin Mücke
Ja, die Voraussetzung, also was es mit sich bringen würde, wäre ja auch, dass zumindest der Weg dorthin vereinheitlicht und vereinfacht wäre, Wie gesagt, die Formulierung dessen und dass man sich damit auseinandersetzt und dass es nicht darum geht, einfach um sich zu schlagen und zu Böhmermann ist doof, der muss weg. Das ist ja richtig. Aber dass es einen einheitlichen Weg gibt, der auch nicht so wahnsinnig kompliziert ist und an den man sich auch halten muss. Also wenn man sich das eben anguckt, die einzelnen Fälle, dann handhabt das jeder Sender auch so ein bisschen nach Brisanz, wie man nun wirklich kommt und erst zum Intendanten und dann noch mal zum Rundfunkrat wird die Redaktion einbezogen oder nicht? Da gibt es offensichtlich überhaupt gar keine feststehenden Regularien dafür, obwohl das ja in den Staatsverträgen und so festgeschrieben sein müsste. Und all das müsste beseitigt werden, müsste vereinfacht werden, müsste verbindlich gemacht werden, damit es überhaupt funktionieren könnte.
Moderator (possibly Alex or a similar host name)
Ja, wobei ich sagen muss, selbst wenn das vereinheitlicht wäre und es gäbe jetzt ein tolles Formular auf der Website und eine Anleitung am Ende bleibt ja trotzdem der Fakt, im Rundfunkrat wird darüber entschieden. Und ich sage jetzt mal so böse, die meisten Rundfunkratsmitglieder haben gar keine Ahnung, also von den journalistischen Standards, über die sie da entscheiden. Wer sitzt denn da drin? Da sitzt jemand vom Landessportbund und vom Landessenioren Bund und Familienverband und seit neuestem Verbände für Diversität und weiß ich nicht was drin. Die Kirchen sitzen ganz groß drin, Gewerkschaften und natürlich Politiker. Und welche Ahnung haben die denn von journalistischen Standards, die entscheiden? Aber es gibt ja, den kann man sich gerne mal anschauen, wirklich skurrilen Fall. Da hat dann auch der Norddeutsche Rundfunk über Julia Rus entschieden. Es gab ja mehrere Beschwerden über die Sendung. Klar, also die allererste Folge, wo es um Migration ging und die kam von, ja sagen wir mal eher so Migrationsverbänden, also oder neuen deutschen Medienmacher hatten dazu aufgerufen, sich zu beschweren, weil die Sendung angeblich rassistisch ist. Und dann hat man diese Programmbeschwerde abgelehnt. Es war aber deutlich zu spüren, viele hätten gerne zugestimmt. Also es war durchaus knapp und man hat das Ganze mit einer Rüge verbunden an die Redaktion. Man hätte da journalistische Standards missachtet in der Redaktion und das ist ja ganz bemerkenswert. Das heißt, ein paar Parlamentarier und Gewerkschafter sind der Maß. Sie haben mehr Ahnung von journalistischen Standards als die Redaktion. Da waren also vielleicht zehn Redakteure beteiligten Redaktionsleiter. Ich weiß, dass das von der juristischen Direktion abgenommen wurde, von der Chefredaktion. Also die haben alle keine Ahnung, weil die haben das ja abgenommen und ausgestrahlt, aber der Rundfunkrat hat es und dieser Fakt, der bleibt ja. Insofern würde ich sagen, das ganze Verfahren also ist Quatsch.
Peter Welchering
Wobei davor ist auch ein solch unabhängiger Medienrat natürlich nicht gefeit. Da kommen eben auch, das habe ich auch während meiner Zeit im Presserat erlebt, da kommen eben auch Leute mit sehr, sehr unterschiedlichen Wissensständen zum Pressekodex, zu journalistischen Standards zusammen. Und das ist dann manchmal auch ein bisschen schwierig, weil einige doch eher als Vertreter ihres Verbandes oder als Lobbyisten da sind. Also das wäre auch mit so einem unabhängigen Medienrat nicht unbedingt besser. Da mus schauen, dass das auch sozusagen im Binnenklima aufgebaut wird.
Moderator (possibly Alex or a similar host name)
Jetzt haben wir uns ein bisschen verplaudert, aber ich fand es sehr spannend und vielleicht auch nicht das letzte Mal, dass wir über Programmbeschwerden reden. Ich nehme an, da wird es auch die eine oder andere Post geben. Wir bekommen regelmäßig Mails zu diesem Thema und werden da auch immer ein CC gesetzt bei Programmbeschwerden, was ich immer sehr spannend finde. Vielen Dank an dieser Stelle. Und jetzt kommen wir zum Thema, was Peter uns mitgebracht hat, verständlicherweise, weil du ja seit vielen Jahren für den Deutschlandfunk arbeitest und dort steht die vielleicht größte Programmreform an oder ist sie schon umgesetzt?
Peter Welchering
Nee, nee, sie basteln seit zwei Jahren dran. Bisher wusste niemand genau, an was sie eigentlich basteln. Jetzt sind sie mit einigen Vorschlägen rausgekommen und im Prinzip sieht das Reformkonzept vor. Die Informationen am Morgen, die fangen eine Stunde später an, gehen eine Stunde länger. Die Anrufsendung ab 10 Uhr am Frühstück, also die bekommen ein neues Konzept, eine Dialogredaktion soll das machen. Die Themensendungen am Nachmittag, die werden abgeschafft, zu zwei großen Sendeblöcken gebündelt und ab 17 Uhr soll es eine sogenannte Drive Time geben. In der Konsequenz heißt Bisher moderierten Fachjournalisten Fachsendungen und andere Fachjournalisten haben in diesen Fachsendungen eben entsprechende gebaute Beiträge oder Kollegengespräche zugeliefert. Jetzt wird es diese Fachsendungen nicht mehr geben, die werden abgeschafft. Dafür soll es täglich drei Hintergründe geben, bis zu 30 Minuten, die dann monothematisch aufgebaut sind. Und das hat natürlich zu sehr vielen Diskussionen und auch zu sehr vielen Unsicherheiten geführt. Und kürzlich konnte ich bei einem Tag der Expertise miterleben, zumindest zugeschaltet zu einer Diskussion mit dem sogenannten Sonnendeck, also Programmdirektorin, Hauptabteilungsleiter und verschiedene Abteilungsleiter, die da waren, wie die sich den Fragen vor allen Dingen der freien und festen freien Mitarbeiter stellten. Und das fand ich sehr aufschlussreich, denn im Prinzip kam auch dabei Mit dieser Programmreform soll der Deutschlandfunk zur Abspielstation für Podcasts werden. Podcasts sind offensichtlich für einige Hierarchen, vor allen Dingen für die Programmdirektorin Jona Teichmann, ein wesentliches Mittel der Digitalisierung oder stellen wesentlich digitalisiert Digitalisierung da. Dann soll es zu einer stärkeren Durchhörbarkeit führen. Deshalb sollen auch solche Moderationen am Vormittag oder am Nachmittag sein und nicht mehr die, wie die Programmdirektorin das nannte, Kleinteiligkeit von Halbstundensendungen, von Halbstunden Fachsendungen. Und in diesen drei Hintergründen am Tag, die monothematisch sein sollen, beispielsweise wurde genannt geht uns das Kerosin aus? Könnte so ein monothematischer Hintergrund dann sein? Sollen innovative Erzählweisen stärker realisiert werden. Was das ist, konnte keiner so genau sagen, außer dass sehr viel mehr Persönlichkeit, also sehr viel mehr Selfie Journalismus offensichtlich da auch stattfinden wird. Und es soll ein Planungstisch eingerichtet werden. Das fand ich nun erstmal nicht so die große Neuigkeit, weil geplant wird bisher ja auch schon, aber wie dieser Planungstisch aussieht, an dem dann eben die noch bestehenden Fachredaktionen ihre Themen einbringen sollen, an dem dann die Kollegen von den Aktuellen die Sendung planen sollen. Das wurde auch nicht so ganz klar. Es sollen Kriterien entwickelt werden. Noch hat man die nicht. Am 30. November soll aber die Programmreform umgesetzt werden. Es sollen Kriterien für diesen Planungstisch entwickelt werden. Also man merkt, dass auch die neue Chefredakteurin Susanne Schwarzbach aus dem Newsroom des WDR, also Brandenburg Schule, kommt und mit diesem Planungstisch auch so eine Art publizistisches Machtinstrument aufgebaut wird. Und insgesamt sollten dann auch die Fachredaktion um Themen, wie es eine Zeit lang hieß, pitchen. Allerdings der Pitch wurde jetzt auf dieser Veranstaltung zurückgenommen weitgehend, weil das habe in der Öffentlichkeit doch zu sehr harter Kritik geführt. Deshalb will man diesen Begriff jetzt nicht mehr verwenden. Was ich auch erstaunlich fand, war, dass die Hierarchen des Deutschlandfunks wesentlich festhalten daran, dass nun neu gecastet werden muss. Also bei beispielsweise Kollegen dieser 20 25 30 Jahren einen guten Job für den Deutschlandfunk machen und deren Expertise in dem Bereich eben jetzt nicht mehr gebraucht wird. Die sollen dann etwa noch mal in einem Impuls von einer Minute dreiig zusammenstellen, warum sie als Journalisten geeignet sind für eine bestimmte Sendung oder ähnliches. Das habe ich nicht nur ich, viele Kollegen auch als sehr starke persönliche Kränkung erfahren.
Moderator (possibly Alex or a similar host name)
Peter, du hast jetzt 1,30 Zeit nochmal zu pitchen, warum du weiter für den Deutschlandfunk arbeiten möchtest.
Peter Welchering
Ja, habe ich schon offiziell getan. Ich werde ab dem 30. November keinen Beitrag mehr leisten. Ich bin ja ohnehin schon Anfang 2024 wesentlich zurückgestuft worden. Also ich habe da fast zwei Drittel meines Auftragsvolumens verloren. Einen Monat zuvor, muss man sehen, hatte ich einen Aufsatz, ein Essay zur Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in einer kleinen wissenschaftlichen Fachzeitschrift gemacht. Und im Januar gab es dann den Hinweis, du wirst jetzt zwei Drittel deines Budgets verlieren. Das hat natürlich nur programmliche Gründe gehabt, natürlich. Und das war für mich damals ja auch der Anlass zu sagen, im Spätsommer 24 dann gehe ich eben in die vorgezogene Altersrente. Das war auch eine gute Entscheidung. Und diese Altersrente ermöglicht mir jetzt eben auch zu Das, was ihr Programmreform nennt, ist einfach ein völlig unausgegorenes Projekt. Von Leuten, die sich weder in Digitalisierung auskennen, die im Journalismus auch offensichtlich noch großen Nachholbedarf haben, sieht es mir nach, dass ich bei diesem Projekt nicht mehr mitmache.
Moderator (possibly Alex or a similar host name)
Warum braucht man denn überhaupt eine Programmreform? Also bei aller Kritik sozusagen, dass der Deutschlandfunk, den ich immer sehr, sehr gerne gehört habe, so ein bisschen ins Linke abgedriftet ist und da jetzt auch der Boke Journalismus Einzug gehalten hat. Aber trotzdem ist es ja noch eine der letzten Inseln so gewesen, wo man auch mal sieben, acht Minuten Interviews im Aktuellen führen kann. Und bei aller Kritik gab es ja trotzdem das eine oder andere Hörenswerte. Es gibt ja auch nicht politische Sendungen. Also war das so erfolglos? Hat das keiner mehr gehört? Also meiner Wahrnehmung ist das nicht so.
Peter Welchering
Nein, mit weit über zwei Millionen Tageshörern steht. Der Deutsche Funk gut da. Das ist auch immer wieder diskutiert worden, warum denn dann überhaupt diese Reform? Und von Hierarchenseite kam dann, wobei sich der Intendant in den internen Diskussionen wesentlich raushält, kann ich aber auch nachvollziehen, weil der ist ab August dann auch eben in Rente und will sich damit jetzt nicht noch beschweren. Ich wünsche ihm da auch alles Gute. Kam dann auch insbesondere von Programmdirektion und Hauptabteilungsleitung Kultur, die damit beauftragt sind, immer wieder der Ja, wir wollen uns aber auch für junge Hörer wieder fit machen. Da haben wir Nachholbedarf und unser Nachmittagsprogramm wird eben auch nicht mehr so gehört und wir müssen eben vor allen Dingen auch im Digitalen besser werden. Nur gerade der letzte Punkt, da haben wir eigentlich seit ziemlich genau 26 Jahren eine heftige Diskussion im Deutschlandfunk. Was heißt denn Digitalisierung? Denn vor gut 26 Jahren hat der Deutschlandfunk erst angefangen, auf digitale Produktion umzustellen. Sehr spät bis dahin gab es Da die schönen 38 cm Sendebänder. Und auch da mal zeigte sich, dass so ein Tanker wie der Deutschlandfunk sich da bei neuen Produktionsweisen sehr schwer tut. Was jetzt diesmal mit Digitalisierung gemeint ist, das weiß niemand so genau. Sollen es nur die digitalen Aufspielwege sein. Darum kann es ja nicht gehen. Es sollen vor allen Dingen Podcast sein, weil man der Meinung ist, mit Podcast erreicht man junge Leute.
Moderator (possibly Alex or a similar host name)
Aber absolut. Also wir machen das ja jede Woche vor und ich warte eigentlich nur auf die Anfrage des deutschen Deutschlandfunk, dass sie uns senden dürfen.
Peter Welchering
Ja, allerdings hätten wir da, glaube ich, keine Chance, weil wir der im Podcast vorgesehenen Haltung nicht so entsprechen würden. Die Haltung im Podcast soll nämlich host zentriert sein. Das ist ja bei uns eigentlich nicht so der Fall. Wir lassen ja, wenn wir Gäste haben, diese Gäste sehr weit zu Wort kommen und tauschen uns mit denen aus und haben eben diese Hosts Hauszentrierung gar nicht. Allerdings was noch außerhalb der Hauszentrierung und diesen innovativen Erzählweisen dann diese Podcastisierung ausmachen soll, das ist in den bisherigen Diskussionen auch eben bisher völlig unklar geblieben.
Anne Katrin Mücke
Na ich denke, die hoffen, dass sie das alles mit KI machen können, ganz schnell und leicht nebenbei.
Peter Welchering
Ja und natürlich sind solche Podcasts dann auch schneller produziert als gebaute Beiträge. Da kann man sparen. Aber bisher haben wir ja auch schon ein paar Erfahrungen mit Podcasts im Deutschlandfunk gemacht. Also beispielsweise KI verstehen ist ganz klar gegen die bisherige Computersendung intern auch immer so ein bisschen ausgespielt worden. Und etwa da gab es dann solche Sachen wie etwa im lustigen Gespräch hat dann eine mittelalte Dame, nicht mittelalterlich, sondern wirklich mittelalt vorgetragen im Gespräch mit dem Host, wie sie meint, dass sich ein Chatbot wie Bart in sich in sie verliebt habe. Das sind dann so Sachen, die würden in einer normalen Fachsendung nicht stattfinden. Da würde allenfalls darüber gesprochen werden, wie man mit bestimmten Prompting erreichen kann, dass man so einen Chatbot dazu bringt, eine Aussage zu treffen, ich bin in dich verliebt oder sowas. Und dann würde man reingucken, was passiert denn dann tatsächlich in den dahinterliegenden Algorithmen, was passiert denn da in dem neuronalen Netz? Und das ist ein wesentlicher Punkt. Man vermutet und da halte ich auch ziemlich viele Indizien dafür sprechen, man vermutet, dass es zu einer ziemlichen Verflachung des Programm kommen wird. Und es wird natürlich einige Kollegen geben, die dann auch nicht mehr für den Deutschlandfunk arbeiten. Da bin ich also bei weitem nicht der Einzige bei der Verflachung tatsächlich. Bisher war es immer das Geschäftsmodell mit den freien Autoren, mit den Fachjournalisten. Du verfolgst möglichst über ganz, ganz lange Zeit bei mir, Wie gesagt, über 30 Jahre, also 94 habe ich da bei den der ersten Sendung angefangen, verfolgst du bestimmte Themen und bist dann aber auch, wenn aktuell etwas passiert, so gut im Thema, dass wir dich anrufen können und dass du relativ rasch dann auch bereit bist und in der Lage bist, vor allen Dingen zu diesem Thema wirklich stichhaltige Dinge beizutragen. Also etwa als Herr Snowden die NSA Geschichten gebracht hat, hat die Frühsendung Deutschlandfunk bei mir um kurz nach 5 angerufen, weil da war es die haben ab 5 Uhr 5 angefangen zu senden, da war es dann mit dem Thema von Herrn Snowden durch und die wollten irgendwas dazu machen. Und tatsächlich um 7 Uhr irgendwas war ich dann auf Sendun und diese zwei Stunden haben gereicht, um das, was ohnehin schon vorher auch recherchiert war, weil wie die NSA arbeitet, wie bestimmte Sachen, die für PRISM dann notwendig waren, strukturiert sind und solche Dinge, die waren ja vorher alle schon recherchiert und darauf konnte man zurückgreifen. Und diese Expertise, diesen Schatz an Expertise, diesen Schatz auch an Archivrecherchen, auf den wird Deutschland künftig nicht mehr zurückgreifen können. Denn für die Sendeschemata, wie sie jetzt aktuell vorgesehen sind, ab dem 30. November wird es nicht mehr möglich sein, dass ich zu einer Konferenz fahre, auf Kosten des Deutschlandfunks an dieser wissenschaftlichen Konferenz teilnehme, mich austausche mit Leuten intensiv über diese Konferenz spreche, auch über die Themen, die da verhandelt werden und dann von der Konferenz ein oder zwei Konferenzberichte mache, die dann auch im aktuellen Programm laufen. Das wird so nicht mehr möglich sein. Das heißt, viele Konferenzen können gar nicht mehr besucht werden. Das heißt mit anderen Worten, aber auch die Journalisten, die weiterhin up to date bleiben wollen, müssten das aus privaten Mitteln machen. Und da hat bei diesem Tag der Expertise die Programmdirektorin eben darauf Naja, Freunde, freie Journalisten sind nun mal Unternehmer und dann hat man auch ein Unternehmensrisiko. Ob das nun wirklich eine Einordnung ist, die von vielen freien Kollegen dann geschätzt wird, die bisher anders gearbeitet haben, wage ich zu bezweifeln.
Moderator (possibly Alex or a similar host name)
Ich spüre oder höre heraus eine gewisse Emotionalität bei Peter Welchering, die nicht alltäglich ist bei dem Thema aber durchaus verständlich, ne?
Peter Welchering
Die ist wirklich nicht alltäglich. Es hat damit zu tun, dass ich habe das tatsächlich jetzt über 32 Jahre machen dürfen und das waren 32 Jahre, die wirklich gute Recherchen gebracht haben, die Beiträge gebracht haben, die Google in Bedrängnis gebracht haben, die große IT Firmen in Bedrängnis gebracht haben, die auch schon mal eine Bundesregierung, eine aktuelle Regierung zeitweise ziemlich dumm aussehen ließen mit ihren Planungen. Da mussten Planungen zurückgenommen werden, weil klar wurde, hier wird die Bevölkerung mehr oder weniger ausspioniert oder ähnliches. Und solche Sachen werden in Zukunft so beim Deutschlandfunk nicht mehr möglich sein. Und da habe ich den Deutschlandfunk gerade in den vergangenen sieben Jahren, ungefähr acht Jahren eigentlich noch so als letzte Bastion gesehen, wo sowas immerhin noch möglich ist. Also ich konnte 2020 tatsächlich im Deutschlandfunk noch einen kritischen Beitrag zu Datenschutzverstössen bei einer Corona App machen. Das war damals noch möglich, war ein großer Diskussionsaufwand erforderlich, aber es war möglich. Und all solche Sachen werden nach der Programmreform, soweit ich das von hier aus beurteilen kann, überhaupt nicht mehr möglich sein.
Anne Katrin Mücke
Ich frage mich an der Stelle, ist das Kurzsichtigkeit? Ist es Dummheit oder ist es auch eine Strategie, um eben gerade dieses Dasein als unabhängige Macht, die den eigentlich Mächtigen auf die Finger schaut, abzuschaffen und zur Belanglosigkeit zusammenzuschrumpfen? Was denkst du?
Peter Welchering
Also wenn es eine Strategie ist, dann ist es sehr kurzzeitig und kurzfristig gedacht und eben offensichtlich nicht zu End gedacht. Aber da sehr viele Ansätze vom Planungstisch über die Kriterien, die da so diskutiert werden, nicht zu Ende gedacht sind und sehr unausgegoren einfach mal so hingeschmissen wurden, kann es durchaus sein, dass es in erster Linie Aktionismus war. Wir müssen irgendwas tun, um in der Zukunft auch noch sozusagen unsere Stellen zu sichern. Und da konnte man auch noch mal sehen, der große Graben zwischen dem journalistischen Maschinenraum und zwischen dem Sonnendeck oder der Brücke, der Maschinenraum wurde bei diesen Planungen nicht mitgenommen. Die Planungen wurden ja auch immer wieder verlängert. Also wie gesagt, seit zwei Jahren basteln die dran. Und jetzt ist man mit angeblichen Umfragen, die dann in 2025 stattgefunden haben sollen, deren Daten wir aber auch nicht kennen, bisher herausgekommen. Nur muss man sagen, da lief ja schon ein Jahr dieser Planungsprozess für die Programmreform. Also erstmal in eine Programmreform zu gehen mit Vorgaben und sich dann nochmal empirische Daten zu besorgen, scheint bei vielen Kollegen eben auch sehr sauer aufgestoßen zu sein.
Moderator (possibly Alex or a similar host name)
Ich weiß auch nicht, worauf du hinaus willst, sozusagen, dass man zum Beispiel in der Corona Zeit natürlich, wenn ich keine Fachredakteure habe, dann kann ich ihnen besser was erzählen, weil die das nicht so gut überprüfen können wie Jemand, der seit 20 Jahren in dem Bereich Gesundheit vielleicht unterwegs ist, der hat natürlich mehr Expertise, den Vorsatz. Also ich kann mir das schwer vorstellen. Ich denke eher, es sind so die Manager, die jetzt in diese Führungsposition im öffentlich rechtlichen Rundfunk gerutscht sind. Das waren ja früher alles Redakteure und jetzt sind es eben doch, ist es eine andere Generation, die sie quasi inhaltlich gar nicht mehr so verkämpfen möchte, denen der Inhalt eigentlich relativ egal ist und die auch beim Privatfunk arbeiten könnten oder in der Kosmetikindustrie und die ja einfach das Programm durchführbar machen wollen und glauben, man müsste sich dann auch allen privaten Trends anpassen und der jungen Zielgruppe und vergrault dann die Älteren, die man ja noch hat. Also ich weiß nicht, ich habe ja keine Ahnung vom Hörfunk. Anna, du hast bei Hörfunkstationen gearbeitet, aber was ich so von außen mitbekommen habe, ist ja schon, dass es generell ein Trend seit vielen Jahren auch anderen Sendern ja gibt. Die Sendungen müssen durchhörbar sein, also die Wortbeiträge wurden immer kürzer, die Musik wurde immer gefälliger, also sowas wie Klassik oder Jazz wurde selbst im Kulturradio komplett aussortiert und es wurde immer mehr angeglichen. Und am Ende haben wir jetzt sogar auch die Spitze erreicht mit dem ARD Kulturradio, dass man komplett ein Radio für alle quasi aufschaltet, wo wir ja doch sagen müssen, Regionalität ist ja in der Programm DNA des Öffentlich-Rechtlichen eigentlich eingeschrieben und die Unterschiede zwischen Bayern und Norddeutschland und Ostdeutschland sind ja enorm. Deswegen halte ich das für fatal, da ausgerechnet dem Bereich, also Kultur ist ja wirklich Programmauftrag, dann da so alles durchzuformatieren. Also doch eigentlich nicht genereller Trend, oder?
Anne Katrin Mücke
Ja, also ich denke auch, es sind zwei verschiedene Dinge. Es ist natürlich dieses, wir müssen irgendwie sparen, wir müssen sparen und weil sie an den wirklichen Stellen ja nicht sparen wollen, wo man sparen könnte, wird eben im Programm gespart, auch weil die Programmacher größtenteils Freie gibt es ja kaum noch so wie mich, aber fest Freie sind, die man aber trotzdem leichter los wird als irgendwie Festangestellte schon gar in den oberen Gehaltsklassen. Das ist schon der eine Grund. Das andere ist dieses Hinterherhecheln. Also weil man diese alte behäbige Struktur hat, hechelt man eben den Entwicklungen immer hinterher und kommt einfach nicht vor die Welle und fängt dann an aktionistisch zu werden, so wie eben jetzt. Seit ein paar Jahren müssen immer junge Leute als Hosts irgendwie vor die Kamera, vors Mikrofon, damit wir auch junge Leute akquirieren, die das Ganze rezipieren, was natürlich auch viel zu kurz gedacht ist. Oder wir müssen Themen machen, die junge Leute interessieren. Das wird dann aber mehr von Älteren gemacht, weil die sitzen ja auf den Festen stellen ja junge Leute gar nicht rein. Die haben ja eigentlich gar keine Chance. Die wurden ja auch als erstes beim RBB jetzt wieder aussortiert. Aber ich glaube trotzdem, dass das mit reinspielt, spätestens seit Corona, dass man eben auch wirklich nicht mehr interessiert ist. Und ich meine, ich habe ja diese Veränderung von altgedienten Journalisten erlebt, die ich ja vor 30 Jahren ganz anders kennengelernt habe, als wirklich Leute, die hinterfragen, die provozieren, die diskutieren und die sind jetzt 25 30 Jahre später so so rundgelutscht, dass ich mich frage, ob sie in der Gehirnwäscheanlage waren. Ich kann es wirklich nicht verstehen. Und zum Thema Manager, Alex, das mag das eine sein, aber wenn du dir die Führungsetagen anguckst, dieses System bevorzugt Menschen, die Karriere machen wollen. Es gibt ja diesen, meinen ehemaligen Redaktionsleiter beim Kinderkanal, der jetzt schon lange Programmdirektor beim NDR ist, da habe ich immer
Moderator (possibly Alex or a similar host name)
gesagt, dein spezieller Freund, der dich hat er dich ja jetzt endlich mal eingeladen
Anne Katrin Mücke
auf dem beIN, hat sich noch nicht gemeldet bei mir. Aber das habe ich immer gesagt, das habe ich schon damals gesagt, als ich ihn kennengelernt habe, wenn seine Freundin nicht zum Fernsehen gegangen wäre und ihn da hinterhergezogen hätte, sondern wäre zur AOK gegangen, dann hätte er eben dort Karriere gemacht. Und davor, ich weiß nicht, Peter, wie du es siehst, aber davor strotzt doch dieses System auch schon seit vielen Jahren von solchen Leuten, die nach dem Peter-Prinzip in der Hierarchie aufsteigen, bis sie die höchste Stufe ihrer Unfähigkeit erreicht haben. Aber die Hierarchien lassen es eben nicht zu, dass man sie von diesen Positionen runterstösst. Im schlimmsten Fall machen sie eine seitliche Arabesque und sind Abteilungsleiter ohne Abteilung. Und dafür ist der öffentlich rechtliche Rundfunk. Und auch das ist, finde ich, ein Riesenproblem, weil am Ende des Tages treffen diese Leute, die in meinen Augen oft wirklich sehr unfähig sind, dann eben doch auch wichtige Entscheidungen. Und all das kommt eben zusammen. All das trifft sich beim öffentlich rechtlichen Rundfunk. Und Peter, ich muss an der Stelle mal sagen, die Erfahrungen, die ihr jetzt macht beim Deutschlandradio, die haben zum Beispiel ganz viel DDR nach der Wende gemacht, wo du sagst, man ist da auch so verletzt und so, das mussten fast alle durchmachen. Meine jährige Mutter musste nach 30 Jahren Berufserfahrung sich von Nicht Journalisten, von so einem singenden Pfarrer, der beim MDR Thüringen dann auf einmal den Hut auf hatte und immer mit der Bildzeitung rum wedelte, weil er das für Journalismus hielt. Von dem musste sie sich rechtfertigen. Und ja, da musste man dann auch erstmal so Probearbeiten zeigen. Es gab renommierte Professoren an der Charité, die mussten dann vor den Westkollegen auch noch mal Vorlesungen halten, um zu zeigen, dass sie also fachlich gut genug sind dafür. Die sind dann irgendwann in die USA gegangen, weil da hat man sich alle Finger nach ihnen abgeschleckt. Also das ist eine Erfahrung, die jetzt Jahrzehnte später irgendwie alle machen müssen, die aber viele nach der Wende in der DDR, also nach der Wende in der neuen Bundesrepublik mit den neuen Bundesländern auch schon mal gemacht haben.
Moderator (possibly Alex or a similar host name)
Nichts gegen die Bild Zeitung.
Anne Katrin Mücke
Nein, nichts gegen die Bild Zeitung natürlich nicht.
Peter Welchering
Ja, ja. Und diese Erfahrung haben wir ja vor zwei, drei Jahren mit dem Bayerischen Rundfunk gemacht. Und der Bayerische Rundfunk hat ja auf Bayern 2 eine ähnliche Reform gemacht. Die haben die Wissenschaftssendung, die tägliche Wissenschaftssendung damals auch abgeschafft. Die haben ihre Technik Sendung abgeschafft und siehe da, sie konnten das alles durch irgendwelche Podcastisierung überhaupt nicht ausgleichen. Und da muss man sagen, in Abwandlung eines früheren Spruchs, den ich immer gut fand beim Deutschlandfunk, die sind mal rausgegangen mit dem Werbespruch Deutschlandfunk, alles von Relevanz. Das ist jetzt der Gang in die Irrelevanz, weil Deutschlandfunk wird so werden, wie die anderen ARD-Wellen auch sind und dann
Anne Katrin Mücke
kann man ihn abschaffen. Genau, sie schaffen sich selber ab. Es bleibt immer wieder dabei.
Moderator (possibly Alex or a similar host name)
Genau das ist das, was mir jetzt auch durch den Kopf schoß. Aber die Zukunft wird zeigen. Ich würde vielleicht an diesem Punkt einen Schlussstrich erstmal ziehen. Einen vorläufigen.
Peter Welchering
Eben nur einen vorläufigen. Wir schaffen uns nicht ab,
Anne Katrin Mücke
wir bleiben relevant.
Moderator (possibly Alex or a similar host name)
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Episode: Wir wurden zensiert!
Date: August 7, 2026
Hosts: Alexander Teske, Annekathrin Mücke, Ole Skambraks, Peter Welchering
Diese Folge widmet sich den Erfahrungen der Hosts mit (Selbst-)Zensur rund um ihre brisante RBB-Folge mit Antje Kapek, ehemaligen Grünen-Fraktionsvorsitzenden und Rundfunkratsmitglied. Außerdem wird breit auf das Thema Programmbeschwerden im öffentlich-rechtlichen Rundfunk eingegangen – ihre Rolle, die realen Hürden und die zunehmende Intransparenz. In einem dritten Schwerpunkt diskutiert Peter Welchering die aktuelle und umstrittene Reform beim Deutschlandfunk – als typisches Beispiel für stattfindenden Strukturwandel, Sparmaßnahmen und Digitalisierungstheater im ÖRR.
Die Sendung gibt damit intime Einblicke in Entscheidungsprozesse und strukturelle Defizite des öffentlich-rechtlichen Mediensystems und reflektiert, was unabhängige Kritik, interne Kontrollmechanismen und Reformen (nicht) bewirken.
Zum Druck auf Kapek:
"Es muss wohl auch auf sie ziemlich, also auf Frau Kapek, sowohl aus ihrer Partei als auch vom RBB heraus doch irgendein gewisser Druck ausgeübt worden sein, was ihr einfiele, da so Tacheles zu reden..." (Anne Katrin Mücke, [01:44])
Zur inhaltlichen Leerstelle der Zensur:
"Die Stellen, die wir rausgeschnitten haben, [waren] völlig uninteressant für den wirklichen Inhalt unseres Podcasts. Und wenn Frau Skiba meint, dass sie damit irgendwas erreicht hätte, ja, lächerlich." (Anne Katrin Mücke, [08:48])
Zu den Programmbeschwerden:
"Das ist eigentlich die einzige Möglichkeit, um als Beitragszahler eine Kritik direkt an den Sender zu wenden… Aber in der Praxis ist das für den normalen Menschen… überhaupt gar nicht machbar." (Anne Katrin Mücke, [19:53], [26:04])
Zur Reaktion der Sender:
"Wenn man so will, Majestätsbeleidigung ... eine Programmbeschwerde ist ein Angriff." (Anne Katrin Mücke & Moderator, [38:47])
Zur Personalpolitik und Verflachung:
"Deutschlandfunk, alles von Relevanz. Das ist jetzt der Gang in die Irrelevanz." (Peter Welchering, [72:15])
Die Sendung ist sachlich-analytisch, dabei kritisch und selbstironisch, mit offen geäußerter Frustration über Systeme, Verfahren und Personen im öffentlich-rechtlichen Medienbetrieb. Die Hosts argumentieren engagiert und verzichten nicht auf persönliche Einordnung und Wertung.
Zusammenfassung:
Diese Episode entlarvt am Beispiel der eigenen Zensurerfahrung und in der Analyse des Systems Programmbeschwerden grundlegende Missstände in Sachen Transparenz, Selbstkorrektur und Reformfähigkeit im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Am Beispiel der Deutschlandfunk-Reform wird gezeigt, wie digitale Trends, Managementlogik und Strukturbedenken zu Qualitätsverlust führen. Die Sendung ist ein eindrucksvoller Blick „in den Maschinenraum“, wie der Journalismus vom eigenen System ausgebremst wird.