
Hosted by Esel Müller und Teddy Krzysteczko · DE

Im Reiseführer hatte gestanden, man müsse sich die Höhe von Quito wie einen unsichtbaren Gegner vorstellen. Elena hatte das für Unsinn gehalten. Jetzt, auf zweitausendachthundert Metern, revidierte sie ihre eigene Idee. Sie war gut in den Urlaub gestartet. Zwei Tage Küste, leichtfüßig, ohne Probleme. Dann Ecuador von unten nach oben, Bus um Bus, und plötzlich war die Luft dünn und der Kopf leer. Trotzdem stand sie um 6 auf der Dachterrasse des Hostels. Keine Minute Pause, das hatte sie sich vorgenommen. Die Reise war kurz, drei Wochen, jeder Tag zählte. Sie wollte nichts schonen, schon gar nicht sich selbst. Unten auf der Straße lief ein Mann mit einem Transistorradio am Ohr vorbei. Er blieb an der Ecke stehen, lauschte, fluchte leise, ging weiter. Irgendetwas lief nicht nach Plan für ihn heute. Elena trank ihren Kaffee und dachte an zu Hause. Ihre Schwester hatte gesagt: Du wirst nach zwei Wochen müde sein und nichts mehr sehen wollen. Aber das Gegenteil passierte. Je länger sie unterwegs war, desto genauer schaute sie hin. Keine Unkonzentriertheit, keine Ungenauigkeit im Blick. Als würde die Reise selbst sie schärfen. Um 7 war sie unten auf der Straße. Der Mann mit dem Radio kam zurück, diesmal von der anderen Seite. Er sah sie an und hob kurz die Hand, wie jemand, der weiß, dass der Morgen für alle schwierig anfängt, aber trotzdem nicht aufhört. Unser gemeinsames Orakelergebnis: 5:1 für Deutschland

Ich ging zum Rhein runter, obwohl ich den Rhein nie leiden konnte, nicht den Rhein selbst, sondern dieses Zum-Rhein-Runtergehen. Am Übergang von der Agentur zur Rheinpromenade stand ein Mann, der Teddy ähnlich sah, aber nicht Teddy war, schlimm genug Teddy allerdings, um mich sofort zu verärgern. Er sagte, er komme aus dem Jahr 2026. Ich sagte, das sei keine Information, sondern eine hanebüchende Belästigung. Er zog ein großes, flaches iPhone hervor, glatt und anmaßend, und zeigte mir darauf Fotos, die Sagrada Familia, weitergebaut als erlaubt, und einen Kassenzettel mit einem Datum, das es noch nicht geben durfte. Ich sagte, das sei alles gefälscht. Kalender armselig, Fotos verdächtig, Kassenzettel die verknüllte Inkorporation einer Niederlage. Dann gab er mir eine Euro-Münze. Prägedatum 2021. Ich hielt sie in der Hand und dachte, dass es doch lächerlich war, dass die Zukunft, wenn sie sich schon beweisen will, ausgerechnet als Kleingeld erscheint. Er sagte, nun müsse ich ihm glauben. Ich sagte, ich müsse gar nichts. Da öffnete der clonkatzige Teddy sein Telefon und spielte mir eine Podcastfolge vor. Die Stimme von Teddy sagte: Herr Müller. Ich sagte: Herr Teddy. Teddy sagte: Es ist Zeit. Und ich antwortete: Hallo, ja. Es war, so sagte er, unsere aktuelle Folge aus dem Jahr 2026. Eine Folge darüber, wie man im Jahr 2007 beweist, dass man aus dem Jahr 2026 kommt. Ich gab ihm seine Münze zurück und sagte, er solle sich ein Eis dafür kaufen. Er sagte, hier ginge das vielleicht noch, im Jahr 2026 würde man dafür nicht einmal mehr 5 Minuten in der Bonner Innenstadt parken können. Er fragte, ob ich überzeugt sei. Ich sagte, überzeugt nicht. Aber ruiniert, sagte ich, ruiniert sei ich jetzt immerhin. Idee: TRIS Clips

Mariam roch das Chlor schon im Treppenhaus, dieser scharfe, vertraute Geruch nach Disziplin. Sophie war wie immer schon da, Bahn drei. Sie nickten sich zu. Worte brauchte es zwischen ihnen nicht mehr, seit ungefähr zehn Jahren. Beide hatten ihre Wettkämpfe für diesen Monat schon hinter sich. Mariam hatte sich qualifiziert, Sophie ihre Bestzeit pulverisiert. Eigentlich, dachte Mariam, während sie ins Becken glitt, müsste hier heute gar nichts mehr passieren. Ein paar lockere Bahnen, fertig. Aber so läuft das nie. Nach der zweiten Bahn merkte sie, dass Sophie anzog. Stabil, gleichmäßig, kein Sprint, nur diese leise Verschiebung im Tempo. Mariam konterte instinktiv. Drei Bahnen lang ein harter, lautloser Kampf, den keine von beiden eigentlich gewinnen wollte. Es war alles in den Köpfen jetzt. Mariam dachte an die Reise nach Côte d’Ivoire nächsten Monat, ihre Schwester wartete dort mit drei Sorten Kakao und einem Plan für die Strandtage. Eine Woche kein Chlor, das wäre schön. An der Wand kamen sie gleichzeitig an, die Hände tippten im selben Moment die Kacheln. Sophie lachte kurz unter Wasser auf, eine Blasenkette stieg hoch. Unentschieden, sagte ihr Blick. In Ordnung, sagte der von Mariam. Sie schwammen noch zwei Bahnen, jetzt richtig locker, und einigten sich wortlos darauf, dass das heute völlig genug war. Eine merkwürdige Konstellation, dachte Mariam. Zwei Frauen, die sich nichts mehr beweisen müssen und es trotzdem tun. Vielleicht ist genau das die Übung. Unser gemeinsames Orakelergebnis: 2:1 für Deutschland

Sehr geehrte Wikipedia-Redaktionen der Welt, hiermit bewerbe ich mich auf die Position des Erstbildes. Mir ist bewusst, dass diese Position bei Ihnen nicht ausgeschrieben wird, sondern auf einem komplexen, undokumentierten Konsensverfahren basiert, das jede Sprachversion eigenständig pflegt – manchmal über Jahre, manchmal über Nacht. Genau das macht für mich den Reiz aus. Ich bringe alles mit, was Sie suchen. Ich bin assoziationsoffen. Ich behaupte nichts Falsches, aber auch nichts Eindeutiges. Ich biete genug visuelle Information, um die nachfolgenden Bilder nicht überflüssig zu machen, und nicht so viel, dass ein Klick auf den Artikeltext entbehrlich würde. Ich kann Begriff sein, ohne Begriff zu erklären. Ich neige nicht zur Repräsentationspflicht. Ich arbeite gerne in Umfeldern, in denen ich in einer Zehntelsekunde bewertet werde und in denen niemand erklären muss, warum ich oben stehe. Sollte für die Hauptposition kein Bedarf bestehen, biete ich mich auch für die Position als zweites, drittes, viertes oder fünftes Bild einer Seite an. Die hinteren Plätze sind in meinen Augen unterbewertet, und ich schätze die damit verbundenen Aufstiegschancen. Mit freundlichen Grüßen Friedrich Aufmacher Die Quelle für die Bilderauswahl war walzr.com/in-every-language. Ihr könnt alle Bilder auch in der Folge als Kapitelbilder sehen – sofern eure Podcast-App das unterstützt. Runde 1: Bild 1, Bild 2, Bild 3, Bild 4, Bild 5 Runde 2: Bild 1, Bild 2, Bild 3, Bild 4, Bild 5 Runde 3: Bild 1, Bild 2, Bild 3, Bild 4, Bild 5 Runde 4: Bild 1, Bild 2, Bild 3, Bild 4, Bild 5 Runde 5: Bild 1, Bild 2, Bild 3, Bild 4, Bild 5 Runde 6: Bild 1, Bild 2, Bild 3, Bild 4, Bild 5 Runde 7: Bild 1, Bild 2, Bild 3, Bild 4, Bild 5 Runde 8: Bild 1, Bild 2, Bild 3, Bild 4, Bild 5 Runde 9: Bild 1, Bild 2, Bild 3, Bild 4, Bild 5 Riley Runde 10: Bild 1

Ana sagte, beim ersten Tango spüre man die Bühne unter den Füßen wie heißen Sand. José verstand das nicht, bis er an diesem Sonntagabend am Hafen seinen ersten Schritt tat. Er war nervös. Anfängliche Schwierigkeiten, sagte er sich, das ist normal. Seine Schuhe schienen ihm fremd. Der Rhythmus, den er die ganze Woche gehört hatte, war plötzlich weg, als hätte ihn jemand aus dem Raum getragen. Er trat seiner Partnerin auf die Spitze, entschuldigte sich, trat sie noch einmal. Erst nach dem zweiten Lied fand er hinein. Wie wenn man einen Cocktail mixt und plötzlich merkt: jetzt stimmt die Mixtur. Ein bisschen weniger Druck im Fuß, ein bisschen mehr Vertrauen in das Schwingen der Hüfte. Und plötzlich war es leicht. Leichtfüßig. Als sei die Schwerkraft eine Verabredung, die man auch absagen konnte. Draußen, hinter den großen Fenstern, schlugen die Wellen an die Hafenmauer; das Wasser war wärmer als sonst um diese Jahreszeit, und ein paar Jugendliche sprangen lachend hinein. Drinnen kam José zur Ruhe. Eine Frau am Tresen schob ihm wortlos ein Glas zu, in dem etwas Blaues schimmerte. Curaçao, sagte sie. Probier mal. Er trank, schmeckte etwas zwischen Veilchen und Salz, lächelte, dachte: ein unbeschwerter Abend. Genau so. Ana sah ihm vom Türrahmen aus zu und nickte. Beim ersten Tango, dachte sie, finden manche den Rhythmus, manche das Meer. José hatte heute beides gefunden. Auf dem Heimweg, am Kai, blieb er noch einen Moment stehen. Das Wasser war ruhig jetzt, die Wellen rollten nur leise gegen die Steine, und irgendwo weiter draußen sang jemand auf einem Boot. Unser gemeinsames Orakelergebnis: 3:1 für Deutschland

Es ist vielleicht eine der letzten wirklichen Intimitäten, jemandem sein Portemonnaie zu zeigen. Das Gesicht zeigen wir ja andauernd. Unsere Stimmen sind durchs ganze Internet zu hören. Und auch unsere Wohnungen tauchen ständig irgendwo auf, im Hintergrund von Videocalls, auf Fotos, in kleinen Ausschnitten unseres Alltags. Aber das Portemonnaie ist etwas anderes. Es ist kein Tagebuch, aber vielleicht oft ehrlicher als eines. Es enthält nicht das Leben selbst, sondern seine Ränder: Quittungen, Karten, alte Zettel, Fotos, Bons. Kleine Nachweise einer Existenz, die man offenbar geführt und dann vergessen hat aufzuräumen. Man zeigt es einem anderen Menschen und glaubt vielleicht, es sei ein Spiel. So wie damals, 2013, als wir schon einmal unsere Portemonnaies geleert und die Inhalte gegeneinander antreten lassen haben. „Wallet War“ hieß das, sehr modern damals, klingt sehr nach Zukunft, nach Banken, Smartphones und Mobile Payment. Und natürlich ging es am Ende um etwas ganz anderes. Um das, was man bei sich trägt, ohne immer zu wissen, warum eigentlich. Wir hatten sogar vergessen, dass wir diese Folge schon einmal aufgenommen haben. Erinnerungen sind halt manchmal auch nur ein Bon, der in irgendeinem Nebenfach steckt und nach Jahren so blass geworden ist, dass man ihn kaum noch lesen kann. Was möchte ich über mich zeigen? Was möchte ich über den anderen festhalten? Und was ist das überhaupt für ein Spiel? Fair ist es jedenfalls nicht. Denn ein Portemonnaie erzählt nie die ganze Wahrheit. Es zeigt nur Reste, Zufälle, Spuren. Vielleicht ist das traurig. Vielleicht ist es aber auch tröstlich. Freundschaft besteht womöglich nicht darin, einander wirklich vollständig zu kennen. Vielleicht besteht sie eher darin, immer wieder überrascht zu sein von dem, was beim anderen übrig geblieben ist. Ein Mensch ist nicht nur das, was er über sich zeigt. Er ist vielleicht eher das, was er vergessen hat auszusortieren. Und so sitzen zwei Menschen da, betrachten Papier, Plastik, Leder, kleine Beweise vergangener Tage, und lachen. Natürlich lachen sie. Man muss ja lachen, wenn das Leben plötzlich in ein Portemonnaie passt.

Aufgrund zeitlicher Engpässe können die Shownotes zu dieser Folge derzeit nicht bereitgestellt werden. Sie werden zu einem späteren Zeitpunkt nachgereicht. Wir bitten um Verständnis.

Lieder leben, Lieder sterben, das möchte wohl keiner bestreiten. Falls aber doch, postulieren wir das einfach mal. Wenn das also unsere Annahme ist, können wir wohl auch annehmen, dass jedes Lied irgendwann noch einmal wiedergeboren werden möchte. Je häufiger, desto besser, denn umso mehr lebt es. Manche Lieder haben Glück und landen bei Sinéad O’Connor, Aretha Franklin oder Johnny Cash. Andere landen bei Esel. Das Cover ist nicht das Lied. Es ist ein anderes, oft merkwürdiges Wesen. Es steht vor dem Original und sagt: „Hallo, ich bin du, aber anders.“ Vielleicht sagt es auch: „Ich bin besser, ich stehe ja auf deinen riesigen Schultern.“ Oder es sagt gar nichts, obwohl es eigentlich nur „Bitte verzeih mir, ich wollte dich nicht beleidigen!“ hätte sagen sollen. In dieser Folge widmen sich Esel und Teddy der Kunst des schlechten Coverns. Also jener Kunstform, bei der man ein bekanntes Lied nicht zerstört, sondern nur so weit beschädigt, dass jemand anderes noch erraten kann, was es früher einmal war. Esel spielt Akkorde. Teddy erkennt Lieder. Oder erkennt zumindest die Absicht hinter den Akkorden. Das ist vielleicht noch schwieriger. Am Ende bleibt die Erkenntnis: Auch ein schlechtes Cover ist eine Wiedergeburt. Nur eben eine, bei der der Arzt kurz das Zimmer verlässt.

rundlaufping pongping pongudotobyping ponganikalopackerping pongnetzausping pongdu schlägst aufangabeping ponganstellenrundlaufping pongschlägerblödsinnping pongrichtigballping pongwackenfalschping pongglückwunschwarumping pongweiß ich nichtspüre den ballping pongrundlauf Podstock

Die wahren Podstocks sind die Podstocks, die wir verloren haben. Nicht verloren wie einen Autoschlüssel oder einen Chickenburger, den man eigentlich gar nicht mehr schafft und dann doch aufisst, sondern verloren in dieser besonderen Weise, in der etwas wundervoll Schönes, kurz nachdem es in einem Zimmer unseres Lebens geschehen ist, schon in ein anderes Zimmer hinübergeht. Einen Moment lang steht die Türe noch einen Spalt offen, dann schließt sie sich. Dort sitzt es dann neben dem Geschmack von Butterkuchen und Mate, dem metallischen Geruch einer Wunderkerze, dem warmen Klang einer Gitarre und dem Atem einer Küche um zwei Uhr nachts, und wartet, bis ein Geruch, ein Lied oder ein Schluck Mate es wieder aufweckt. Ich glaubte, Podstock sei ein Wochenende gewesen. Zwei Nächte, ein Programm, Teddys Bett oben und meins unten, ein Frühstück, zu dem man zu spät oder zu früh oder gar nicht kam, eine Bühne, Lieder, ein Heimweg im beheizten Autositz. Mais non. Erst später, zurück im gewohnten Zimmer des Lebens, wenn der Kalender wieder seine bunten Blöcke zeigt, die den Tag ordnen und zumauern, bis man dahinter nichts mehr erkennen kann und niemand mehr im Treppenhaus „Heute kann es regnen“ singt, verstehe ich, dass Podstock nicht dort war, wo ich es damals vermutete. Nicht in Damme, nicht im Zelthaus, nicht im Atrium. Es war in diesem einen Moment zwischen Küche, Treppenhaus und Bühne, in dem alle wussten, dass gleich aus Quatsch etwas sehr Schönes werden konnte. Und so wird die Erinnerung nicht grau, nicht traurig oder nostalgisch, solange man sie nicht presst, trocknet und einheftet. Man muss sie atmen lassen. Man darf von ihr zehren wie von einem kleinen Vorrat Licht: nicht, um die Gegenwart zu verdunkeln, sondern um sie besser auszuleuchten. Denn was vergangen ist, ist nicht fort. Es hat nur die Form gewechselt. Aus Blicken wurden kleine Scheinwerfer, aus Gesprächen Küchenwärme, aus Umarmungen Zuhause, aus Applaus Dankbarkeit, aus Udos Podcastpreis auf Papier eine kindliche Freude und aus einem Wochenende Flügel. Vielleicht ist das die eigentliche Kunst: nicht zurückzuwollen, sondern zu wissen, dass etwas so schön war, dass es in einem weiterarbeitet. Ohne Eintrittsbändchen. Aber mit einer liebevollen Gewissheit: Es war wirklich da. Und gerade weil es vorbei ist, gehört es uns auf eine Weise, die uns die Zeit niemals nehmen kann. Und vielleicht ist das Schönste an einer Erinnerung, die nicht versucht, festzuhalten, sondern trägt: dass sie uns nicht zurückzieht, sondern nach vorn. Zum nächsten Podstock. Links zur Episode: Podstock Schwuppdiwupp die Leni Mittelalter Speckdackel Parlamentsrevue TJs Podcasts Stitch’n’Bitch Kulturpessimist*innen Luft nach oben